Das Los der Gänse

Das Los der Gänse

Die Liese von der Gänsewiese
hat eine schwere Lebenskrise.
Ihr charmanter Gänserich
ist nicht mehr da.
Sie glaubt es nicht!
Seit gestern ist er fort
und sie weiß nicht,
an welchem Ort.

Mit ihm sind viele fortgegangen,
ihr Herz zerspringt
schier vor Verlangen.
Die Gänse flüstern sich im Nu
die Neuigkeiten zu
und planen heimlich,
mit Bedacht,
davon zu laufen in der Nacht.

Gerüchte, so der Lange Hans,
erzählen von der Weihnachtsgans,
von Gänsekeulen, Gänsebrust,
darauf haben nur Menschen Lust.

Die Gänse weinen,
sind entsetzt,
das hat sie
doch zu sehr verletzt.

Sie sind entschlossen,
einer Meinung,
ihr Leben endet sicher nicht
als winterliches Hauptgericht.

MartinsgansGänsewiese

c/ G. Bessen in “Wenn das Jahr zu Ende geht”

Beobachtungen am Straßenrand

Am Straßenrand

Einkaufszeile
Bettelmeile

„Hab’ Parkinson.“
„ Bin obdachlos.“
„Seit Monaten schon arbeitslos.“
„Mein Hund sucht
eine warme Bleibe,
tut niemandem
etwas zuleide.“
„Ich friere,
habe Hunger
und auch Durst.
Wie gern
hätt’ ich ne Currywurst!“

Die Menschen eilen,
starr der Blick,
nach vorn gerichtet,
nicht zurück.

Nicht Zeit,
ein wenig zu verweilen,
gar etwas
Hab und Gut zu teilen.

Obdachlos

©Text und Foto: G. Bessen November 14

Allerheiligen und Allerseelen

Solange unsere Verstorbenen
einen Platz in unserem Herzen haben,
bleiben sie bei uns
und in der Erinnerung lebendig.

Allerheiligen und Allerseelen

Wenn die Tage kürzer werden
und es früh schon dunkel wird,
gehören die Gedanken denen,
die längst nicht mehr bei uns sind.

Wie sie unser Leben prägten,
uns geformt Jahrzehnte lang,
mal mit Sanftmut, mal mit Strenge,
ohne uns je aufzugeben.

Drum wir zünden Kerzen an,
stehen still an ihrem Grab,
voller Dankbarkeit und Liebe,
besonders heut’, an diesem Tag.

Selbst, wenn sie nicht mehr bei uns sind,
in unseren Herzen leben sie.
Und die Kerzen auf den Gräbern
leuchten voller Harmonie.

Kerze
© Text und Foto: G.Bessen

Winterzeit – Erkältungszeit

Winterzeit – Erkältungszeit

Bazillen, die chillen,
sind mir ein Graus,
sie mähren sich
unendlich lange aus.

Sie pirschen sich ran,
vereinzelt und leise,
vermehren sich still
auf listige Weise.

Dann greifen sie an,
mit voller Gewalt,
toben sich aus,
es wird einem kalt,
alsbald wieder heiß,
ein Hin und ein Her.
Wo habe ich das
nur wieder her?

Die Nase, sie läuft,
der Husten keucht,
die Stimme versagt,
der Körper klagt,
eine Arie in Moll,
des Jammerns voll.

Doch hilft kein Gezeter,
kein Jammern und Klagen,
der Körper will nur
Zeit für sich haben,
um zu gesunden,
sich zu erholen,
Kraft zu tanken,
dem Himmel zu danken,
wenn es vorbei zieht
und er das Leben
mit neuen Augen sieht.

©G. Bessen 2012

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Zitterpappel, Espenlaub

Zitterpappel,
hoch und schlank,
mir scheint,
du bist ein wenig krank.

Es weht kein Wind,
die Luft ist lind
und trotzdem
zittern deine Blätter.

Sie schlottern
an den langen Stielen,
sind erkältet.

Wollten spielen
und haben sich
den Stiel verkühlt
beim Blätterrascheln
um die Wette.

Jedes wollte schöner rascheln.
Sie schwitzten stark,
da kam der Wind
und prompt der Husten
dann geschwind.

Sie zittern, zappeln,
räuspern sich und rufen
in den Wind:

Bring uns doch bitte
warme Tücher.
Es schüttelt uns.
Wir schnattern sehr!

Herbstzeit,
schick den Nebel her.

Der füttert uns
mit Hustensaft
und breitet seine dicke Decke
bis in die allerkleinste Ecke.

Er hüllt uns ein
wie warmer Wein.

Wir möchten nicht
erkältet sein.

c/Bruni Kantz

Allen Kranken schnelle und gute Besserung!