Unter die Räder kommen

Eine Redensart
Unter die Räder kommen,
eine Redensart, die
Schlimmes verheißt…

Du wirst überrollt, es
erfaßt dich ein unentwegt
und unbeirrt vorwärts
drängendes “Etwas”

Ein wild gewordener Stier,
ein Tier mit mindestens
vier Hörnern, das dich
stößt und schiebt, in den
staubigen Boden der
spannungsgeladenen
LebensArena drückt

Du verlierst den Boden
unter den Füßen und
landest in der Gosse,
kannst keinen Fuß mehr
fassen, dein Leben ist
nichts mehr wert, läuft
nur noch verkehrt

Alles überfordert dich,
du hältst dem Druck nicht
mehr stand, alle Organe
versagen, sterbenskrank
kommst du nicht mehr
auf die Beine. Du hast
dich selbst verloren

Der Lebenszug hat dich
überrollt, vernichtet und
plattgewalzt, er fährt
weiter, doch dich gibt
es nicht mehr, denn
du kamst unter die Räder…

© Bruni Kantz

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Wenn du Angst hast,
unter die Räder zu kommen,
rufe deinen Schutzengel,
Stehaufmännchen nennt man ihn.

Reiche ihm die Hand
und er hilft dir auf.
Rede mit ihm
und er spricht dir Mut zu.
Er gibt dir die Kraft,
die ersten Schritte zu versuchen.
Wenn du strauchelst,
steht er neben dir.
Wenn deine Füße dich tragen,
verspürst du die Kraft,
alleine zu laufen
und mit deiner Standfestigkeit
siehst du den drohenden Rädern
lächelnd hinterher.

© G. B.

Farbenrausch

Wenn du das Gefühl hast,
du siehst nur rot,
dann schließ die Augen.

Ein Meer aus Gelb
soll dich umspannen
und deine Seele streicheln.

Im satten Grün
kannst du täglich
neue Hoffnung schöpfen.

Das Leben
ist nicht nur weiß
und nicht nur schwarz.

Es ist bunt
in seiner Vielfalt
und überlagert alle Farben.

Lass dich darauf ein,
jeden Tag neu
und du wirst die Farbenpracht schätzen.

Bunte Vielfalt
©G.B. 18.5.13

Augen der Großstadt

Gesichtslos

Großstadttag

Gesichtslos,
inmitten der Masse
der Mensch,
der nichts sieht,
nichts hört,
nichts sagt
und sich die Antwort
zu Fragen erspart.

Gefangen
in sich selbst.
Umhüllt von
Anonymität,
hetzt er
durch den Tag,
so wie er es mag.

Die Sinne stumpf,
das Herz verkümmert,
hat sich je jemand
darum gekümmert?

© G.B., April 2013

Großstadtnacht

Gespräche, Gelächter,
Flaschen und Gläser
Gier in den Augen
und Finger, die suchen

Nacht in der Stadt

Grelle Lichter,
verzerrte Gesichter
inmitten nacht-
schwarzer Schatten
Stockdunkel und
Grabesstille in
Hinterhöfen und
engeren Gassen

Gedanken, die mit
Fäusten und Klingen
tiefschlitzende Wunden
schlagen und Gemeines
zu armen Seelen tragen

Gefahr in der Stadt

Glänzende Flächen und
bröckelnder Putz
Schmutz und Elend,
verborgen in Hohn

und im dämmernden Morgen
eine klägliche Sonne,
die nachträglich weint
und sich mit nächtlichen
Tränen vereint

©Bruni Kantz, April 2013

Der Himmel voller Geigen…

Was waren das für Zeiten,
als der Himmel voller Geigen hing?
Voll Anmut sah man Damen schreiten,
im langen Rock und Frühlingswind
umspielte ihre zarten Fesseln.

Der Himmel blau, ein Lüftchen sanft,
der Augenaufschlag ganz galant
und keusch, so wie sich das gehört,
wenn sie den Herzensmann betört.

Im Frühlingsgarten erst allein,
aus Anstand, denn das musste sein,
doch dauerte es gar nicht lang,
bis auch der Liebste angelangt.

Ein  Flüstern unterm Lindenbaum,
ein sich-in-die-Augen-Schau’n,
fand man alsbald ein besseres Plätzchen,
weit ab von lauten Feriengästen.

Im Schutz der Dünen, nah am Strand,
ein Plätzchen, das ganz schnell sich fand,
weitab vom Strom der Menschenmassen,
hier durfte man sich fallen lassen.

Und der Wind trug ganz diskret
die Geheimnisse weit weg und
schob sie weithin übers Meer.
Ein unersättliches Verlangen
ist nun  in Wolken eingefangen.

Dame 1© G.B. 07.04.13

Fitnessgeplänkel (4)

Erwin schaut sich interessiert in dem Trainingsraum um, in den Willi ihn nach etlichen Überredungskünsten  mitgeschleppt und für heute eine Probestunde für ihn gebucht hat.

In dem großen rechteckigen Raum stehen sich zwölf Kraft- und Ausdauergeräte gegenüber. Willi hatte dieses Gesundheitszirkeltraining vor wenigen Wochen entdeckt. Seit er nicht mehr am aktiven Polizeisport teilnahm, hatten sich doch einige Fettpölsterchen an seinem schlanken Körper gebildet, die ihm gar nicht gefielen.

Seitdem er zwei Mal in der Woche wieder aktiv zum Sport ging, fühlte er sich fitter und gesünder. Erwin hatte erst gezögert, aber nachdem sein Arzt ihm versichert  hatte, dass sein Bein komplett verheilt sei und ihm ein wenig Kraft- und Ausdauertraining gut bekämen, hatte er sich von Willis Begeisterung anstecken lassen.

Eine Physiotherapeutin stellte Erwin auf die Waage, maß sein Gewicht und den Anteil seines Körperfettes und seinen Blutdruck. „Ich denke, von Ihrem Körperfett lässt sich einiges in Muskelmasse umwandeln, wenn Sie regelmäßig trainieren.“

Während des Probetrainings erklärt sie ihm, inwieweit die  einzelnen Geräte sämtliche Hauptmuskelgruppen und das Herz-Kreislaufsystem effektiv trainieren. Sitz- und Hebelposition, Gewicht, Wiederholung und die Herzfrequenz speichert sie auf einer persönlichen Chipkarte.

In der Mitte des Raumes befindet  sich eine große Lichtsäule, deren Farbe zwischen orange und grün wechselt. Grün bedeutet sechzig Sekunden Training und bei orange müssen die Geräte gewechselt werden. Bei grün beginnt das Training am jeweiligen Gerät neu.

„Und ein Training von sechzig Sekunden soll ausreichen?“, fragt Erwin ungläubig.

„Bei den Kraftgeräten durchaus. Auf dem Crosstrainer und dem Ergorad trainieren Sie vier Minuten hintereinander und wenn Sie einmal mit allen Geräten durch sind, starten Sie gleich eine zweite Runde. Nach 35 bis 40 Minuten spüren Sie, was Sie getan haben“.

Was zu Anfang spielerisch leicht aussah, empfindet Erwin bei seiner zweiten Runde als sehr anstrengend. Aber er hat ein gutes Gefühl, als er später mit Willi im benachbarten Cafe einen Cappuchino trinkt.

„Danke, dass du mich überredet hast. Es wird höchste Zeit, dass ich meine Fettpolster in Angriff nehme. Im Gegensatz zu dir sieht man bei mir gar keine Hüften mehr. Der Cappuchino geht auf mich.“

„Und es wird höchste Zeit, dass du deiner Frau nicht ständig am Rockzipfel hängst,“ ergänzt Willi schelmisch.

Milon Gesundheitszirkel

© G.B.  2/4/13