abc.etüden (14/4)

Auch am Ostersonntag ging das Schreibprojekt  bei Christiane weiter, diesmal mit den von Annette Mertens gespendeten Wörtern:

 

 

Duschvorhang, Leichenschmaus, Frühlingsgefühle

Beruf und Leidenschaft (4) Teil 1-3 weiter unten

Drei Tage nach dem grausigen Fund gab eine Vermisstenanzeige die ersten Hinweise auf die Identität der Toten und obwohl der Familienname der jungen Frau Marc nicht unbekannt war, konnte er immer noch keinen Zusammenhang herstellen.

Am Morgen der Beisetzung – Thomas und er mussten zum Friedhof, denn so mancher Mörder wurde schon am offenen Grab dingfest gemacht – lief alles schief. Zuviel Seife in der Duschtasse hätten Marc fast um Kopf und Kragen gebracht. Doch der Unfall endete glimpflich, nur der Duschvorhang hatte daran glauben müssen und war aus seinen Halterungen gerissen.

Die Trauergemeinde war so groß und für die beiden Polizisten, die sich versteckt hielten, so unübersichtlich, dass sie ihren Einsatz schon bald als sinnlos einstuften. Zudem hatte der Himmel alle Schleusen geöffnet und ein nasskalter Aprilwind ließ die Trauernden noch enger zusammen rücken. Von Frühlingsgefühlen konnte Mitte April nun wirklich keine Rede sein.

Die junge, eben begrabene  Frau musste aus wohlhabendem Haus stammen, denn die dunklen Limousinen, die sich nach und nach zum angesetzten Leichenschmaus begaben, waren für einen jungen Polizisten wie Marc unbezahlbar.

Er schreckte zusammen, als ihn eine tiefe dunkle Männerstimme von der Seite ansprach: „ Das glaube ich jetzt nicht! Ich hoffe, du stellst dich bei der Suche nach dem Mörder meiner Tochter erfolgreicher an als bei deinem gerade-mal-so-Abitur.“ Marc wurde blass um die Nase und blickte geradewegs in das markante und bekannte Gesicht seines ihm so verhassten ehemaligen Klassenlehrers.

 

abc.etüden (13/3)

Das Projekt geht weiter, auch wenn die Betreiber gewechselt haben.

 

 

Beruf und Leidenschaft (3)

Für Teil 1 und 2 bitte nach unten scrollen 🙂 .

heute mit den drei Worten: Treppenstufen, Michkaffee, komm

Komm, ich hole uns einen Kaffee, Du siehst grün um die Nase aus“, sprach Thomas seinen jungen Kollegen aufmunternd an. In unmittelbarer Tatortnähe öffnete gerade ein kleiner Kiosk und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee nahm dem grausigen Fundort etwas von seiner Schärfe.

Die Spurensicherung hatte bereits mit der Arbeit begonnen, routiniert und schnell erledigte das aufeinander eingespielte Team die nötigen Untersuchungen und bereiteten die Leiche für den Abtransport in die Gerichtsmedizin vor.

Der Kioskbesitzer arbeitete unter Hochdruck, denn so eine große  Mannschaft am frühen Morgen mit so einer unschönen Arbeit versprach auch  einen guten Umsatz.  Außerdem hoffte er zu erfahren, was dort eigentlich vorgefallen war, schließlich passierte hier normalerweise den ganzen Tag über reichlich wenig. Mit zwei Milchkaffee und zwei belegten Brötchenhälften kehrte Thomas zurück und fand seinen Kollegen, immer noch blass um die Nase, auf den  seitlichen Treppenstufen eines Polizeieinsatzwagens.

 „Wir haben nichts, gar nichts, nicht einmal einen Hinweis, wer die Tote ist,“ brummelte Thomas  vor sich hin und reichte dem Kollegen einen Kaffee und ein halbes Brötchen.

Marcs Gehirn ratterte immer noch und er wollte noch nicht preisgeben, dass er die Frau irgendwie kannte, wenn ihm auch noch nicht eingefallen war, woher.

Schweigend nehmen sie ihr Frühstück zu sich. Sie beobachteten das Procedere vor sich , für Thomas eine routinierte Ablauffolge verschiedener Arbeitsschritte und für Marc erneut mit der Frage im Hinterkopf, ob dieser Beruf  wirklich seine Berufung war.

 

abc.etüden (12/2)

Beruf und Leidenschaft (2)

heute mit den drei Worten: Pudding, Fingernagel, friemeln

 Beruf und Leidenschaft (1) hier

Der Kollege war neu, jung und noch unerfahren. Entsetzt starrte er auf die tote junge Frau. Er spürte Pudding in seinen Beinen, sie war das erste leblose Opfer seiner noch frischen Polizeikarriere.

„Oh, mein Gott!“, entfuhr es ihm und er begann, an den Knöpfen seiner Jacke zu friemeln, eine Angewohnheit, wenn er nicht so recht wusste, was er sagen sollte.

Er drückte alle Fingernägel in den Stoff seiner Uniformjacke, als böte sie ihm Halt und Sicherheit, während sein Mageninhalt gleichzeitig versuchte, den umgekehrten Weg nach oben zu testen.

Tief in seinem Inneren und vor seinem geistigen Auge suchte er etwas.

Er suchte nach dem Gesicht einer Frau, als es noch rosig und lebendig war.

Thomas nahm plötzlich Notiz von seinem jungen Kollegen. Mitleidig sah er ihn an, wusste er doch noch zu gut, wie es ihm ging, als er das erste Mal vor einer Leiche stand. Die allerdings war übel zugerichtet und hatte jegliche Appetitlichkeit verloren….

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Erfreulicherweise bleibt das Projekt,
aber die „Betreiber“ wechseln ab dem kommenden Sonntag.
Textstaub widmet sich seinen eigenen Projekten und Christiane übernimmt.
DANKE Euch beiden!

abc.etüden (11/1)

Und wieder gab es bei Textstaub am vergangenen Sonntag drei Wörter für das sonntägliche Schreibprojekt:

Fluss
Rost
milchweiß

 

abc.etüden/ Beruf und Leidenschaft (11/1)

Sei Jahrhunderten floss er träge dahin, veränderte sein Bett nur für geübte Kenneraugen und behielt seine tiefen Geheimnisse meistens für sich.

Wie oft war Thomas schon an diesen Fluss gerufen worden und stand jedes Mal erschüttert vor dem, was er preisgab. Taucher beförderten ganze Wagenladungen von Unrat an die Wasseroberfläche, bis hin zu versunkenen Autos, die sich als wahre Rost-Lauben entpuppten.

Früh um sechs hatte man ihn angerufen, an einem Tag, an dem die Frühlingssonne zur Höchstform auflaufen wollte und sich alle menschlichen Sinne der aufbrechenden Natur hingaben. Er stand am Ufer des Flusses, die Hände zu Fäusten geballt und seine Augen füllten sich mit Tränen, als er ihren makellos schönen, milchweißen nackten Körper betrachtete. Ein gezielter Schuss mitten ins Herz hatte dieses junge Leben brutal ausgelöscht und wie eine Kerze ausgeblasen.

Er sah zum wolkenlosen Himmel hinauf, damit der Kollege, der auf ihn zueilte, seine Tränen nicht sah. Und wie immer in solchen Fällen schaffte sich sein Ehrgeiz einen Raum, dieses Schwein zu finden und möglichst für immer hinter Gitter zu bringen.

Er hatte keine Zeit zu verlieren.

abc.etüden (10)

Das sonntägliche Schreibprojekt von Textstaub,

heute mit den Worten von findesatz:

Murmel, Habseligkeiten, Zaunkönig

 

abc/etüden/ Erkenntnis

Es war zum Verrücktwerden – der Zeiger der Uhr rannte vorwärts und er stand immer noch vor seinem Kleiderschrank und betrachtete seine Habseligkeiten, von denen nur ein verschwindend kleiner Teil das Passende für eine Beerdigung war.

Was war nur aus ihm geworden! Sein Bauch hatte die Form einer Murmel angenommen, er war auseinander gegangen wie ein Hefekuchen.

Er wusste auch warum! Seitdem er das Rauchen aufgegeben hatte, brauchte er seine Ersatzbefriedigung und die gönnte er sich häufig in Form einer Tafel Schokolade.

Das konnte so nicht weitergehen, aber nun musste er etwas finden, was ihn heute und für die kommenden paar Stunden für eine Beerdigung tauglich aussehen ließ.

Und dann hatte er die rettende Idee. Auf dem Dachboden hatte er noch Hosen aus einer früheren Zeit, als sein Körpergewicht dem jetzigen ähnlich war und dort wurde er fündig.

Als er sich eine Stunde später im Spiegel betrachtete, fand er sich ganz passabel, zumindest für den bevorstehenden Anlass.

Im Spiegel des Schrankes entdeckte er den Zaunkönig auf der Fensterbank, der ihn scheinbar die ganze Zeit betrachtet hatte, als wollte er sagen: Ihr habt Sorgen!!!

 

abc.etüden EXTRA

Das Textstaub-Projekt für die Woche
Aus 6 Wörtern werden 3 erwürfelt
und dazu eine Geschichte geschrieben.

Wie gehabt die Regel:
Maximal 10 Sätze

Meine erwürfelten Wörter sind: Galerist-Lektor-Rettung

abc.etüden EXTRA /Existenzen

Als Galerist hatte er versagt, komplett.

Seine Bilder trafen nicht den Zahn der Zeit, sie hingen und standen überall herum und eine leichte Staubschicht machte sich auf ihnen breit.

Doch er hatte  die rettende Idee.

Nachdem er den Kurs „ Die Kunst des Schreibens“ erfolgreich absolviert hatte, packte ihn der Ehrgeiz.

Sein erster Kriminalroman floss ihm nur so aus der Feder.

Die Charaktere, erst eine diffuse Idee, nahmen Formen an, die Handlung erfüllte  Raum und Zeit.

Sein Lektor war bisher sehr zufrieden mit ihm.

In seinen kühnsten Träumen sah er sich nach einer Buchlesung vor einem begeisterten Publikum  als neuer aber erfolgreicher Krimiautor am Tisch sitzen und mit seinem Füller die gekauften Bücher signieren.

Dazu war er geboren, das war seine Berufung.

Das war seine Rettung.