Auf dem Weihnachtsweg: 13. Dezember

Christiane lädt ein zur: Sonderedition Adventsetüde 49.2017

Es gibt die Sonderedition Adventsetüden für die Textwochen 49/50/51.2017.
Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze.
Neu ist: Ihr sucht euch die 3 Wörter aus der nachfolgenden Liste (24 Wörter) selbst aus.

Teil 1

Teil 2

Teil 3:

Als Sabines Handy vibrierte und sie las, dass ihre Freundin Svea draußen  vor der Tür bereits wartete, schreckte sie hoch. Fast hätte sie ihren lange geplanten Besuch auf dem Weihnachtsmarkt vergessen.

„Komme“, rief sie unsinnigerweise in ihre leeren Wohnräume,  schnappte sich dabei Mantel, Schal und Mütze, rutschte in ihre gefütterten Stiefeletten und schloss hastig die Haustür ab.

Svea, gut erholt und blendend aussehend, überfiel Sabine mit ihren brandneuen  Urlaubserlebnissen auf der Insel Teneriffa und zog sie, untergehakt und mit flotten Schritten, über den Weihnachtsmarkt. Sie kannten sich seit ihrer Schulzeit, hatten immer Freud und Leid miteinander geteilt und Sabine hörte gespannt zu, was Svea von dieser zauberhaften Insel zu erzählen hatte.

Sabine freute sich so für Svea, die nach dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren so den Boden unter den Füßen verloren hatte und nicht mehr leben wollte. Das hatte sich durch Manfred, die neue Liebe ihres Lebens geändert und es war zu befürchten, dass Svea in absehbarer Zeit hier ihre Zelte abbrechen und bei Manfred auf Teneriffa neu aufbauen würde.

Angenehme Temperaturen und viel Sonne hatten Svea so verwöhnt, dass sie sich nach einem ersten Rundgang über den Weihnachtsmarkt wie eine schnatternde Frostbeule fröhlich dem Glühwein hingab.

Und während ein leichter Schneefall einsetzte und die Landschaft wie mit Puderzucker berieselte, zogen die beiden Frauen mit einer letzten Flasche Glühwein zu Sabines Haus, um den Abend feuchtfröhlich zu beenden. Dieses Wiedersehen musste einfach gefeiert werden.

Fortsetzung folgt …

Advertisements

Auf dem Weihnachtsweg: 9. Dezember

Christiane lädt ein zur: Sonderedition Adventsetüde 49.2017

Es gibt die Sonderedition Adventsetüden für die Textwochen 49/50/51.2017.
Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze.
Neu ist: Ihr sucht euch die 3 Wörter aus der nachfolgenden Liste (24 Wörter) selbst aus.

 

Teil 1 ist hier zu finden…

Teil 2:

Der Zeitungsausschnitt hatte sich wie einer dieser unzähligen Spendenaufrufe gelesen und sie hätte ihn fast weggeworfen. Doch Eric hätte ihr das vermutlich übel genommen, denn er suchte förmlich nach einer sinnvollen Tätigkeit, bis er sich über seinen eigentlichen Berufswunsch im Klaren war. Und damit fing alles an.

Die private Montessorischule im indischen Lucknow, als größte Schule der Welt, suchte junge Menschen mit Interesse am Lehrerberuf, die sich für ein Praktikum oder ein ganzes Schuljahr zur Verfügung stellten. Eric war Feuer und Flamme für diese Idee und setzte alles daran, sich erfolgreich zu bewerben, ungeachtet der Angst seiner Mutter und deren Schwierigkeiten, ihr einziges Kind in die Welt hinaus zu lassen.

Eric hatte Erfolg und zwischen Weihnachten und Neujahr des vergangenen Jahres packte er seine Sachen und zog in die große weite Welt, ausgerechnet nach Indien, in ein Land voller Gegensätze, überbevölkert und in vielen Landstrichen arm und doch durch eine so vielfältige facettenreiche Kultur  wieder reich.

Für Sabine begann ein einsames Jahr, ein Auf und Ab zwischen Freude über Erics Begeisterung, jedes Mal, wenn er sich meldete,  und ihrer eigenen Einsamkeit, die sich nach der Trennung von Erics Vater vor knapp zwei Jahren, immer wieder wie ein Virus in ihr Leben einnistete.

Aber das Jahr ging vorüber und nun war er fast da, der Tag des Wiedersehens und der Freude, ihr Kind am folgenden Tag wieder in die Arme zu schließen.

Fortsetzung folgt …

Auf dem Weihnachtsweg: 4. Dezember

Christiane lädt ein zur: Sonderedition Adventsetüde 49.2017

Es gibt die Sonderedition Adventsetüden für die Textwochen 49/50/51.2017.
Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze.
Neu ist: Ihr sucht euch die 3 Wörter aus der nachfolgenden Liste (24 Wörter) selbst aus.

Teil 1:

Sabine  hatte sich selten innerlich so aufgeräumt gefühlt, wie zu Beginn dieser Vorweihnachtszeit.

Erst hatte sie das auf ihr Nicht-Mehr-Arbeiten-Müssen zurückgeführt, aber es hatte einen anderen, einen tieferen Grund. Morgen Abend würde er endlich nach Hause kommen, rechtzeitig  zu Weihnachten. Ein langes Jahr der Sorge und des Bangens gingen vorüber, ein Jahr der Ungewissheit, wie es ihm wirklich dort erging. Im ganzen Haus duftete es nach selbst gebackenen Keksen.

Das Backblech lag noch warm im Spülbecken. Sie suchte die Zutaten zusammen, um gleich morgen früh Dominosteine aus Lebkuchen, Fruchtgelee und Marzipan zu fertigen. Eigentlich passte diese Zuckerorgie gar nicht zu ihren sonstigen Ernährungsgewohnheiten, aber sie dachte eher an ihn und all das, was er ein Jahr entbehren musste.

Wie schnell dieses Jahr doch vergangen war. Sie setzte sich in ihren gemütlichen Fernsehsessel, goss sich ein Glas Rotwein ein und dachte über die vielen Diskussionen nach, die sie miteinander geführt hatten, nachdem er ihr seinen Entschluss mitgeteilt hatte.

Fortsetzung folgt…

abc.etüden 48.17

Die Wörter der heutigen abc.etüde stammen von Frau Myriade vom Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée  und lauten:

 

 

Flussbett
langwierig
klöppeln

abc.etüde 48.17

Vorfreude in Siebenbrunn

Eine zarte Puderzuckerdecke hatte sich über das Vogtland gelegt und das Novembergrau bekam dadurch einen freundlicheren Anstrich.

Grete schob ihre Brille ein wenig höher und begutachtete ihren ersten fertiggestellten Christbaumschmuck für den diesjährigen Weihnachtsmarkt.
Sterne, Engel und Weihnachtsmänner blickten ihr zart und fein entgegen und diese filigrane Arbeit erfüllte sie mit Stolz, aber gleichzeitig mit Sorge, denn das Alter war ihr in die Hände gekrochen und von Jahr zu Jahr wurde es mit ihrer Gelenkarthrose mühsamer für sie zu klöppeln.

Die Frauen ihres Ortes hatten sich vor einigen Jahren zusammengeschlossen und sich vorgenommen, diese traditionelle Handarbeit ihrer Heimat aufrechtzuerhalten und an die Jüngeren weiterzugeben.

Der Prozess der Überzeugung war langwierig, ohne Frage, denn Handarbeit schien generell immer mehr aus der Mode zu kommen.
Warum sich abmühen, wenn Textilien woanders hergestellt und in unseren Geschäften zu Schleuderpreisen wieder verkauft wurden, ohne zu hinterfragen, wie sie in den jeweiligen Ländern und unter welchen sozialen Bedingungen entstanden?
Das war im Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler der hiesigen Schullandschaft noch nicht so angekommen, bis Frau Petermann aus Chemnitz als neue Direktorin des Schiller-Gymnasiums erreichte, Handarbeit und speziell das Klöppeln als Wahlfach einzurichten.

In ihrer mitreißenden und freundlichen Art schaffte sie es, zwei Kurse bis an die Obergrenze zu füllen und im Ort Siebenbrunn war wahrhaftig das Klöppelfieber bei Jung und Alt ausgebrochen, sodass die Alten zufrieden, die Jungen mit Feuereifer dabei waren und nur so gelang es , das Miteinander im Ort wieder in gute und gemeinschaftliche Bahnen zu lenken.

Der Weihnachtsmarkt war gut organisiert, die Werbung lief in vollen Zügen und Siebenbrunn erwartete ein gutes Geschäft, dessen Erlös der Infrastruktur des Ortes zugutekommen sollte. Nur die Weiße Elster bewahrte die Ruhe und schlängelte sich, gespannt auf das, was kommen würde, durch ihr breites Flussbett.

© G. Bessen

abc.etüden 47/17

3 Wörter von Wortgerinnsel  Pissnelke, krümelig, verdrehen vorgegeben, Ludwig Zeidler hat die Grafik erstellt und Christiane hat wieder aufgerufen:

3 Wörter in zehn Sätzen = Kurzgeschichte

 Das Sprachniveau

„Opa, was ist eine Pissnelke?“ , fragte die knapp vierjährige Frieda ihren Opa, dessen Kopf ruckartig nach oben schoss und der die Zeitung, die von seinen Knien rutschen wollte, samt Lesebrille im letzten Moment auffing.
„Ähm – wer will das wissen?“, fragte Opa Michael, nun hellwach.
„Meike, eine von den Erzieherinnen, hat das heute zur Köchin Olga gesagt und ich weiß nicht, was das ist.“
Friedas Ton klang etwas genervt, ein klares Zeichen, dass Opa Michael nun Rede und Antwort stehen sollte, während sie emsig dabei war, einen Zwieback als Futtergabe für das Vogelhäuschen zu zerkleinern. Auf dem Tisch vor ihr sah es äußerst krümelig aus und Michael musste sich zusammenreißen, um nicht die Augen zu verdrehen, denn wenn Oma Gitti gleich um die Ecke schoss, gab es womöglich Ärger.

Zu spät – Oma Gitti blickte zuerst ihre Enkelin, dann ihren Gatten an, strafend der Blick.

Pissnelke, das sollte man eigentlich nicht sagen, denn das ist eine Beleidigung für einen Menschen und ich glaube, das ist der Meike rausgerutscht, weil sie sich über die Olga geärgert hat“, klärte die Pädagogin im Ruhestand die kleine Frieda auf.

Der Blick, den sie Michael zuwarf, bedeutete genau das, worüber sie in letzter Zeit oft diskutierten: die Frage, wie sie einer Verrohung der Sprache entgegen wirken konnten.
Sie hatten beschlossen, Frieda so viel wie möglich vorzulesen, um ihren Sprachschatz auf einem gewissen Sprachniveau zu erweitern und um sie zu motivieren, bald selbst das Lesen lernen zu wollen.

Frieda blickte nachdenklich aus dem Fenster und fragte dann unvermittelt, warum sich ihr Opa so oft über den Nachbarn ärgere, wenn er sich bei Oma Gitti beschwerte, was der Nachbar, das blöde Arschloch, wieder alles angestellt hatte…

© G. Bessen

abc.etüden 46/17

Die Wörter für die Textwoche 46.17 spendete Petra Schuseil (wesentlichwerdenblog.wordpress.com) und sie lauten:

Stilblüte
banal
jodeln

Die visuellen Schmankerl, wie immer, von Ludwig Zeidler.

 

Stilblüten sind eine Sache, bei der jeder banale Rotstift ins Hüpfen kommt  und der Lehrer das Jodeln lernen kann.

Der folgende Aufsatz entstand, nachdem das Schneeballverbot in der Hofpause wieder einmal missachtet wurde und ein Schneeball durch das offene Lehrerzimmerfenster flugs in die Kaffeetasse einer Kollegin klatschte, deren weißer Rolli im Handumdrehen weiß-braun gesprenkelt war. Wer sich nun wundert, warum Lehrer im Winter bei offenem Fenster im Lehrerzimmer sitzen, dem sei geflüstert, dass es Zeiten gab, in denen man in der Schule – im Lehrerraucherzimmer – noch rauchen durfte.

„Das Schneballwerfen ist in der Schule verboten weil, es schlimme folgen haben kann Z.B. Es können im Schneeball Steine sein und das kann´s in das Auge gehen und dann Kann man Blind werden. Und auch Z.B. Kann das ins Ohr gehen und dann Kann man Ohrenschmerzen bekommen. Mann kann Schneebälle auf die Nase bekommen und bekommt Nasenbluten. Man Kann auch durch ein Eisball am Bein getroffen werden und man bekommt Blaue Flecken. Wenn ein Schneball zu einem Eisball geworden ist und man wird am Kopf getroffen Kann man auch eine leichte Verletzung herbeitragen. Das war mein Aufsatz über Schneebälle und seine Folgen.“

(Der Verfasser ist der Autorin bestens bekannt  🙂 )

 

© G. Bessen

abc.etüden 42.17

Die Wörter für die Textwoche 42.17 für die abc.etüden stammen von Gerda Kazakou, Malerin und Schreiberin (gerdakazakou.com), die im schönen Griechenland lebt, und lauten:

verdammt
Zweibrücken
grenzenlos

 

Zoff in Windelbach

Die Bewohner von Windelbach trauten ihren Ohren nicht, als der Bürgermeister das Mikrofon ergriff und verkündete, dass die 2000-Seelen-Gemeinde bald Zweibrücken heißen würde.
Verdammt noch einmal, Bürgermeister, was ist das denn für ein Schwachsinn!?“, fragte der Pfarrer der Gemeinde und wischte sich den Schweiß von der Stirn, denn die  Stimmung im Festzelt war recht aufgeheizt und der goldene Oktobertag mit weit über zwanzig Grad tat sein Übriges.
„Das ist wohl ein Scherz zum Oktoberfest“, rief der Schuldirektor dem Pfarrer zu und hob mit einer vertraulichen Geste den Bierkrug, um dem Herrn Pfarrer zuzuprosten.

„Das ist ganz und gar kein Oktoberfestscherz“, bestärkte der Bürgermeister mit einer scheinbar grenzenlosen Ruhe und einer Geduld wie ein Schaukelpferd, und blickte dabei fest in die Runde der Anwesenden.

Die Bewohner von Windelbach schauten sich an, flüsterten einander etwas zu und es schien, als fingen sie an, die Bürgermeisterworte ernst zu nehmen.
„Und was soll dieser verdammte Quatsch? Seit den ersten Anfängen dieses Ortes vor gut dreihundert Jahren heißt er Windelbach und unsere Vorfahren haben sich damit einen Namen gemacht.

Schließlich leben wir hier von der Tradition unserer Vorfahren, denn unser Wein heißt „Der Windelbacher“ und nicht der „Zweibrückener“, und so wahr, wie ich Erwin Walter heiße, bleibt das auch so.“

Doch der Bürgermeister ließ sich nicht beirren und erklärte geduldig, dass mit der zweiten, eben erst eingeweihten Brücke über die Mosel der Anfang zu einem neuen Zeitalter, dem Wellnesszeitalter in Windelbach, bald Zweibrücken, beginnen würde und das würde er forcieren, solange er im Amt sei. Und innerlich schmunzelte er grenzenlos, denn mit seinen finanzkräftigen Gönnern würde er noch sehr lange im Amt bleiben.

© G. Bessen