Aus dem Alltag eines Hundelebens

Aus dem Alltag eines Hundelebens

Meine „Alten“ werden sich nun auf den Weg zum Flughafen und von dort aus nach Abu Dhabi machen. Wir haben lange darüber diskutiert, warum ich nicht mit darf, aber sie haben mir den Transport in einer Box irgendwo im Laderaum eines Flugzeuges und den Aufenthalt in dieser Schicki-Micki-Touristenstadt so unschmackhaft gemacht, dass ich dankend darauf verzichtet und mich alternativ für einen Aufenthalt auf dem Land entschieden habe.

Dort bin ich nun wohlbehalten angekommen, denn meinen letzten Wochenendausflug hierher habe ich recht gut in Erinnerung. Die Hundedame des Hauses hat sich bei meiner Ankunft zwar erst zickig bellend gezeigt, zumal ich mich sofort auf ihr Trockenfutter (Autofahren macht mich hungrig) und ihr Spielzeug gestürzt habe. Aber sie hat sich schnell wieder beruhigt. Trotzdem beobachtet sie mich mit Argusaugen.

Wären wir vor einer Woche zusammen gekommen, hätten wir beide noch unseren Spaß haben können, da roch sie nämlich so gut, dass ich sie wahrscheinlich nicht eine Minute aus den Augen gelassen hätte. Selbst das haben mir meine „Alten“ nicht gegönnt. Dabei kuschele ich so gerne. Und so ein paar niedliche Langhaar-Rauhaar-schwarz-braune Welpen wären sicher höchst allerliebst.

Die Luft hier auf dem Lande ist schon ein bisschen besser als in der Stadt und wie ich schon erkunden konnte, scheinen hier ein paar wahre Kumpels in der Straße zu wohnen. Mit einem, Sammy, hatte ich schon meinen ersten Erfahrungsaustausch. Er hat mir gleich sein Leid geklagt, dass er mich um meinen Auslauf beneidet. Dabei könnte ich in Hundejahren sein Urgroßvater sein.

Ich bin jetzt mal ganz relaxed, lasse die „Alten“ nach Abu Dhabi fliegen und chille im beschaulichen Landleben….

Dem Frühling entgegen

Mein Helferinnensyndromgesicht (1)

Mein Helferinnensyndromgesicht (1)

Die Vorfrühlingssonne kitzelte mir ins Gesicht. In Gedanken sortierte ich all das, was ich bei Rossmann einkaufen wollte, um danach eine Runde um den See zu drehen, in der Hoffnung, einen Fischreiher zu entdecken.
“Wissen Sie vielleicht, wo die Hausnummer eins ist?”, hörte ich plötzlich ein zartes Stimmchen neben mir.
Eine Frau so um die siebzig schaute sich ratlos um und blickte mich dann fragend an.
“Ich habe wirklich keine Ahnung, ich bin nicht von hier”, antwortete ich und ließ meinen Blick ebenfalls schweifen.
“Die Nummer eins ist das Rathaus da drüben, das weiß ich bestimmt. Aber die Nummer zwei? Ich soll da ein Paket abholen.” Ich blickte in Richtung des Rathauses. Die Nummer zwei wäre dann genau vor uns, aber da war nichts. In wenigen Schritten würde die Ladenzeile anfangen und ich setzte schon an vorzulaufen, um zu sehen, ob es dort mittlerweile eine Poststation gäbe.

cs-services--dhl-packstationPaket? Mein Blick fiel auf eine DHL-Packstation, ein großer gelber Kasten, mit einer Art gelber Schließfächer.
“Ich glaube, wir sind hier richtig”, beruhigte ich die ältere Dame.

Ziemlich ratlos standen wir danach beide vor dem großen gelben Teil. Irgendwann fanden wir eine Tastatur, die wir benutzen konnten. Doch die Dame hatte keine Online-Anmeldung vorgenommen und konnte somit auch keine PIN oder TAN eingeben.
In mir kroch schon wieder die blanke Wut hoch. Das lauschige Postamt an der Ecke, wo man seine Pakete abholen kann, wenn man bei der Zustellung nicht da ist, war auch hier wegrationalisiert worden. Das mag ja für viele kein Problem sein, aber in einer Bevölkerung mit zunehmend älteren Menschen, die weder einen Laptop oder ein Tablet, gar ein Smartphone haben, vorausgesetzt, sie können das alles überhaupt bedienen, steht man ziemlich im Regen.

Nach mehreren Versuchen konnten wir den Namen der Dame eingeben. Nun wurde der Barcode ihrer Benachrichtigungskarte verlangt. An dem einen Fenster tat sich jedoch nichts, da konnten wir die Karte so lange hin und her schieben, wie wir wollten.

Erst als ich so etwas wie einen roten kleinen Laserstrahl sah, entdeckten wir ein weiteres Fensterchen weiter unten, das nun auch den erforderlichen Barcode akzeptierte.
Und dann sprang eines dieser gelben Kästen auf und die Dame konnte ihr erwünschtes Paket herausnehmen.

Wir beglückwünschten uns gegenseitig zu dieser erfolgreichen Teamarbeit und wünschten uns noch einen sonnigen Nachmittag.

In unserem Ort werden die nicht zustellbaren Pakete entweder bei einem daheim gebliebenen Nachbarn abgegeben oder nach Hinterlegung eines Zettels in unserem Allerweltsladen, der sich auch mit Angelegenheiten der Deutschen Post befasst, abgeholt. Den neumodischen DHL-Packstationservice-Kram haben wir noch nicht – NOCH NICHT – und ich brauche ihn auch nicht.
c/ G. Bessen 2/15

Wer Näheres darüber wissen möchte, bitte hier entlang!

Bildquelle

 

Das Warten

Das Warten

Der Tod ist spürbar in diesem Haus und doch hält er sich diskret versteckt.
Bei dem einen steht er hinter der Gardine und wartet auf den passenden Moment, den alten Menschen an die Hand zu nehmen und mitzunehmen. Bei einem anderen schleicht er sich mitten in der Nacht ans Bett und haucht ihm leise den Rest der Lebensflamme aus.
Alltag in einem Pflegeheim.

Deprimierend für jemanden, der diesen Schritt dahin hoffentlich noch lange nicht nötig hat.
Und diejenigen, deren Endstation hier ist?
Wie lebenswert ist ein Leben, das darin besteht, mehrfach am Tag gewindelt und gefüttert zu werden und den Rest des Tages im Halbschlaf zu verbringen, mit wund gelegenem Rücken und der Hoffnung auf einen baldigen Tod?
Was geht in einem Menschen vor, der nach dem Frühstück in seinem Rollstuhl in den Aufenthaltsraum geschoben wird um dann bis zum Mittagessen mit dem Rest seiner Kraft mit einem Esslöffel auf einen Tisch zu schlagen?
Oder der ältere Mann, der im Rollstuhl sitzt und seinen Fahrradhelm nicht abnimmt, obwohl er längst nicht mehr alleine raus fährt, geschweige noch Fahrrad fährt?

Jedes Leben ist wertvoll, aber nicht immer um jeden Preis lebenswert.
Und doch ist es für Menschen, die alt und krank sind und nicht mehr alleine zurecht kommen, oft nicht anders möglich, als ein Pflegeheim als letzten Ort auf dieser Erde aufzusuchen.

Grabschmuck
© G. Bessen 2/15

Weil heute Valentinstag ist

habe ich diese Geschichte aus der Versenkung geholt…

100_1611‚Schenken Sie Ihrer Liebsten keine Rosen, sondern einen bunten Strauß Tulpen. So bringt der Valentinstag einen Hauch Frühling  in ihr Herz.’

‚Rufen Sie uns an! Wir beraten Sie und machen Sie zum perfekten Lover’.

Wütend drückte sie den Off-Knopf des Küchenradios. Diese Dauerwerbung zum Valentinstag ging ihr mächtig auf die Nerven. Sie nahm eine neue Orange, schnitt sie in der Mitte durch und legte eine Hälfte auf die elektrische Orangenpresse. Obwohl sie sich innerlich zusammenriss, konnte sie es nicht verhindern, dass ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen und die Orange wie in einer Milchglasscheibe verschwamm.

Vier Jahre war es jetzt her und es tat jedes Jahr neu weh.
Ihre Gedanken wanderten zurück.

Patrick und sie hatten sich an einem Valentinstag auf einer Geburtstagsfeier kennen gelernt.
Diesen Jahrestag feierten sie jedes Jahr auf ganz besondere Weise. Sie besuchten eines der nobelsten Restaurants der Stadt und genossen ein sündhaft teures Essen  mit einem exklusiven Wein. Den Rummel mit Rosenstrauss, roten Herzchen und Liebesschwüren hatten sie an einem solchen Tag nicht nötig. Für sie war jeder Tag ein Valentinstag. Vier Jahre lang.
Bis zu dem Valentinsabend, als Susanne ihm freudestrahlend nach dem Essen von ihrer Schwangerschaft  erzählte und ihm das Ultraschallbild zeigte. Patrick schaute sie entsetzt an, nachdem er die Ausmaße dieser Neuigkeit begriffen hatte.
„Das ist nicht dein Ernst?“, fragte er sie ungläubig.
Sie wollten später mal ein Kind haben, darin waren sie sich einig, aber der jetzige Zeitpunkt war denkbar ungünstig. Susanne steckte mitten im ersten Staatsexamen und Patrick war dabei, seine eigene Firma zu gründen. Seiner Meinung nach fehlte es vorne und hinten an Zeit und Geld. Sie hörte deutlich aus seinen Worten, dass er zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit war, ein Kind in die gemeinsame Lebensplanung  zu integrieren.

Von dem Abend an war alles anders. Obwohl er es nicht aussprach, hatte Susanne das Gefühl, als müsse sie sich bald entscheiden, entweder Patrick oder das Kind. Und sie entschied sich.
Mit der Unterstützung ihrer Eltern brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt, machte ihre Ausbildung zu Ende und arbeitete nun erfolgreich in ihrem Beruf.
Sie hat ihrer großen Liebe lange nachgeweint, als Patrick bei ihr auszog und sich eine eigene Wohnung nahm.

Susanne straffte die Schultern und widmete sich wieder ihrem Orangensaft.
Hinter ihr ging die Küchentür auf und ein kleines Mädchen mit einem bunten Schlafanzug tappte leise in die Küche, die kleinen Händchen hinter dem Rücken versteckt.

„Mama, für dich“, ertönte Lea-Maries Stimme plötzlich hinter Susanne.
Sie drehte sich erschrocken um. Lea-Marie hielt ein ausgeschnittenes rotes Papierherz in ihren Händen und zeigte es stolz hoch.
„Das haben wir gestern alle im Kindergarten für die Mamas gemacht“, setzte sie stolz hinzu.

Susanne nahm ihre Tochter auf den Arm, drückte sie fest an sich und ließ ihren Freudentränen freien Lauf.

© G.Bessen

Mein Waage-Gesicht

Mein Waage-Gesicht

Nach den vielen Feiertagen
stöhnt so mancher satte Magen,
ausgedehnt und strapaziert
voll gestopft und malträtiert.
 
Nun ist eine Weile Schluss
mit übermäßigem Genuss.
Die Waage springt fast im Karree,
was sie uns anzeigt, tut schon weh.
 
Der Winterspeck muss zügig runter,
dann wird der Körper wieder munter.
Die Röcke kneifen , rutschen hoch
der Reissverschluss ist auch nicht doof,
 
lässt sich das lange nicht gefallen
und denkt daran, bald wegzuknallen.
Wie peinlich wäre so ein Bild,
die Kleidung eng und ganz lädiert.
 
Ob Trennkost, fasten, FDH,
auch Weight Watchers sind immer da.
Drum runter mit dem Winterspeck,
sonst bleibt der Frühling weg,
vor Schreck!
Winterspeck 
©G.Bessen