Guten Tag!

‚Guten Tag!‘

Waldfriedhof Birkenwerder 032-cropImmer wieder stelle ich fest, dass mich wildfremde Menschen auf Friedhöfen grüßen, die mich sicher beim Bäcker oder beim Gärtner nicht beachten würden. Nein, ich verhalte mich beim Bäcker oder beim Gärtner nicht anders als auf einem Friedhof. Hier und auch dort habe ich ein Anliegen, das ich verfolge, erledige und wieder gehe.

Liegt es an einem tiefen gemeinsamen Band, das alle Friedhofsgänger verbindet? Der Ort, an dem ein lieber Mensch begraben liegt? Der Schmerz, den jeder kennt, der mit diesem Ort verbunden ist? Die Trauer, die jeder durchlebt, bis es nicht mehr ganz so  weh tut und ein leises Gefühl der Akzeptanz eingetreten ist?

Oder ist es ein Ort, der per se einen Hauch von gemeinsamem Schicksal ausstrahlt? Eine stille Übereinkunft: hier sind wir alle gleich und hierher wird uns unser letzter Weg führen.

Würde mich beim Bäcker jemand grüßen und mir sage, dass wir uns heute den frischen Brotgeschmack teilen, würde ich ziemlich blöd aus der Wäsche gucken.

Ich finde es angenehm, von wildfremden Menschen gegrüßt zu werden und ich denke, es liegt daran, dass es abseits der großen Stadt einfach ein wenig familiärer zugeht. Würde ich aber nun anfangen, überall jeden zu grüßen, würde man mir sicher bald die Männer in den weißen Jacken hinterher schicken.

Wie man es macht, ist es verkehrt, oder?

Im Heute

Die Welt um uns herum
gerät immer mehr aus den Fugen.

Wo ist der Anker,
der uns Halt gibt?
Wo ist der Glaube
an ein gutes Ende?
Wo ist die Hoffnung,
die nicht stirbt?
Wo ist die Liebe
als Welt umspannende Kraft?

Die Sonne,
verschleiert hinter den Wolken,
schweigt.

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Text: G.Bessen
Zeichnung: Arno von Rosen