Vom Sehen und Hören (5)

 Vom Sehen und Hören (5)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

„Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, mein …..“ Geht das Leben so?

Wir sind reich, reich an materiellen Dingen, die wir oder unsere Eltern und Großeltern angeschafft und gesammelt und uns möglicherweise überlassen haben.  Wir sind so reich, dass wir uns immer mehr einfallen lassen, wo und wie wir unsere Schätze unterbringen können.  Und irgendwann wird es uns zu viel. Dann wollen wir uns von all dem trennen, was uns überflüssig erscheint, was wir nicht zum Leben brauchen.

All das, was mühsam den Weg zu uns gefunden hat, sucht nicht weniger mühsam den Weg zu anderen.

Minimalismus – das neue Modewort macht die Runde.

„Minimalismus bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.“ (Wikipedia.de)

Die Globalisierung macht die Welt kleiner. Wir können überall hin, wir sind im Nu weltweit vernetzt und verbunden. Doch die Überflussgesellschaft mit ihrer Schnelllebigkeit und ihrer Reizüberflutung kann uns auf Dauer nicht gut tun. Aber die Welt wird dadurch nicht besser, nicht einfacher und schon gar nicht friedlicher. Und wenn wir glauben, wir seien reich, wird unsere Armut uns irgendwann eines Besseren belehren.

Reich ist man nicht durch das,
was man besitzt,
sondern mehr noch durch das,
was man mit Würde
zu entbehren weiß.

(Immanuel Kant)

©Text und Foto: G. Bessen

Vom Sehen und Hören (4)

Vom Sehen und Hören (4)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

Hier sind  wieder mal unsere  Fähigkeiten des Sehens und des Hörens angesprochen.

Wie sehr haben wir uns doch in unseren Komfortzonen eingerichtet, in einem Land und einem  Leben, das uns zwar nicht immer als das erscheint, was wir uns verdient zu haben glauben, das uns aber in einer Sicherheit wiegt, die uns, oberflächlich gesehen, zufrieden stellt. Die ewigen Nörgler, Besserwisser und Unzufriedenen wird es immer geben und wenn ihnen keiner zuhört, werden sie sich auch wieder beruhigen. Und die Menschen am Rand unserer Gesellschaft hat es auch immer gegeben.

Und doch –  manchmal kommt ein Weckruf, ein schrilles Klingeln, das uns hochfahren lässt und uns die Augen und die Ohren  öffnet. Wir werden darauf gestoßen, dass unsere vermeintliche Sicherheit nur ein hauchdünnes Blättchen ist, das seine Richtung ändert, wenn der Wind mal ein wenig dreht. Dann erzittern wir in unseren Komfortzonen, rücken ängstlich aneinander, denn plötzlich ist es um uns herum kalt und dunkel. Das Leben auf den großen Bühnen der Welt und auch auf unserer eigenen kleinen Lebensbühne erzittert, gerät durcheinander und ins Wanken.

Und wir?

Bauen wir unser Häuschen der Sicherheit neu auf und richten uns wieder gemütlich ein oder stehen wir auf, mit dem glasklaren Blick der Erkenntnis, was um uns herum geschieht und unsere Erde bedroht? Packen wir die Probleme entschlossen, alle gemeinsam an, oder warten wir, bis sich der Aufruhr wieder gelegt hat und unsere eigene kleine Komfortzone uns die gewohnte Sicherheit zurückgibt?

© Text und Foto: G. Bessen

Vom Sehen und Hören (3)

Vom Sehen und Hören (3)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

In einer Spaß- und Partygesellschaft wie der unserigen ist die Grenze zur Traurigkeit ganz weit unten angesetzt, wenn wir den unausgesprochenen Regeln folgen. Wer möchte schon traurige Gesichter oder gar Tränen sehen?

Bei Partys und anderen Feiern wird sich gefreut und gelacht. Je mehr Alkohol fließt, desto lustiger wird es. Manchmal kommen noch andere Partydrogen dazu. Die Reise ins Exotische kann beginnen. Probleme haben bei Feiern  nichts zu suchen, die werden zu zweit irgendwo individuell gelöst oder noch besser, ganz alleine im stillen Kämmerlein. Gefühle zum Ausdruck bringen sollte am besten nur derjenige, der andere mitreißen, andere begeistern kann.

Was aber machen diejenigen, die gerade nichts zu Lachen haben?
Deren Leben von Sorgen belastet ist?
Die nicht wissen, wie es am nächsten Tag, in der nächsten Woche weitergeht?
Die vor Kummer nicht in den Schlaf kommen?
Die wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben?

 

Haben sie kein Recht, an Feiern teilzunehmen, um auch mal abgelenkt zu sein, die Sorgen zu vergessen?

Wer riskiert schon gerne, als Spaßbremse betitelt zu werden?

Keep smiling.
Lach doch mal!
Guck nicht so traurig!

Leicht gesagt!

Ich denke, auch eine Traurigkeit hat seine Berechtigung. Wer nicht so gut drauf ist, sollte auch so akzeptiert werden. Doch viel zu oft wird eine Schauspielerei erwartet, die erstens nicht ehrlich ist und zweitens nicht jedem liegt.

Augen sind die Spiegel unserer Seele und wenn die Augen gerade mal nicht lachen können,
sollte das ohne einen Erklärungsnotstand akzeptiert werden.

Tränen sind das Grundwasser unserer Seele und wenn es fließt, muss es sich einen Weg suchen.

Mit dem Blick in das eigene Ich
weiß jeder von uns,
dass es in jedem Leben Aufs und Abs,
Höhen und Tiefen,
Freude und Trauer gibt.

Auf das WANN haben wir keinen Einfluss,
auf das WIE schon, indem wir
ehrlich und authentisch sind und bleiben,
mit der Hoffnung, so akzeptiert zu werden.

©Text und Foto: G. Bessen

abc.etüden (14/4)

Auch am Ostersonntag ging das Schreibprojekt  bei Christiane weiter, diesmal mit den von Annette Mertens gespendeten Wörtern:

 

 

Duschvorhang, Leichenschmaus, Frühlingsgefühle

Beruf und Leidenschaft (4) Teil 1-3 weiter unten

Drei Tage nach dem grausigen Fund gab eine Vermisstenanzeige die ersten Hinweise auf die Identität der Toten und obwohl der Familienname der jungen Frau Marc nicht unbekannt war, konnte er immer noch keinen Zusammenhang herstellen.

Am Morgen der Beisetzung – Thomas und er mussten zum Friedhof, denn so mancher Mörder wurde schon am offenen Grab dingfest gemacht – lief alles schief. Zuviel Seife in der Duschtasse hätten Marc fast um Kopf und Kragen gebracht. Doch der Unfall endete glimpflich, nur der Duschvorhang hatte daran glauben müssen und war aus seinen Halterungen gerissen.

Die Trauergemeinde war so groß und für die beiden Polizisten, die sich versteckt hielten, so unübersichtlich, dass sie ihren Einsatz schon bald als sinnlos einstuften. Zudem hatte der Himmel alle Schleusen geöffnet und ein nasskalter Aprilwind ließ die Trauernden noch enger zusammen rücken. Von Frühlingsgefühlen konnte Mitte April nun wirklich keine Rede sein.

Die junge, eben begrabene  Frau musste aus wohlhabendem Haus stammen, denn die dunklen Limousinen, die sich nach und nach zum angesetzten Leichenschmaus begaben, waren für einen jungen Polizisten wie Marc unbezahlbar.

Er schreckte zusammen, als ihn eine tiefe dunkle Männerstimme von der Seite ansprach: „ Das glaube ich jetzt nicht! Ich hoffe, du stellst dich bei der Suche nach dem Mörder meiner Tochter erfolgreicher an als bei deinem gerade-mal-so-Abitur.“ Marc wurde blass um die Nase und blickte geradewegs in das markante und bekannte Gesicht seines ihm so verhassten ehemaligen Klassenlehrers.

 

Vom Sehen und Hören (2)

Vom Sehen und Hören (2)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

Unser Leben wird immer komplizierter im Großen wie auch im Kleinen. Mit dem, was wir sehen und hören, erschaffen wir unsere Wirklichkeit.
So wie wir manches nicht mehr sehen wollen oder können, so wollen wir auch nicht mehr alles hören.
Mir ergeht es so mit der großen Politik, die immer mehr von Terror, Kriegen, Naturkatastrophen, Armut und Hunger sowie den Macht- und Ränkespielen der ‚Großen’ beherrscht wird. Und wir, klein und hilflos, stehen daneben und sind machtlos.

Was will ich hören?
Wann stelle ich mich gehörlos?
Was von dem, was ich höre ist Wahrheit?
Wahrheit erkenne ich durch Wahr-Nehmung, indem ich genau hin-schaue, staune, er-ahne, ein-sehe und zu-höre. Möglicherweise bekomme ich eine Ahnung davon, was Wahrheit ist oder was nur Vorurteile, Halbwahrheiten oder Platitüden sind.
Hören wir genau hin und lassen wir uns von dem berühren, was wir hören und verstehen. Nur so kann uns Wahrheit treffen, betreffen und betroffen machen und uns handeln lassen.

© Text und Foto: G. Bessen

Ostermorgen

Ostermorgen

Unwirsch fegte der Wind durch die zarten grünen Blätter, die sich bei diesem plötzlich  auftretenden kühlen Genossen am liebsten wieder zurückgezogen hätten. Damit hatten sie nicht gerechnet und blickten verzweifelt und schutzlos zum Himmel. Dunkle, graue Wolken bedeckten den Himmel.  Die Sonne hielt  sich noch versteckt und Mutter Erde war trostlos  und still. Die Vögel waren verstummt und es schien, als hätte sich eine unheimliche Ruhe  über das Land gelegt.

Nur zögerlich erwachte der Tag und mit ihm tauchten erste schüchterne Sonnenstrahlen die Erde zaghafte in ein freundliches Licht. In dieser Nacht war etwas geschehen, ein Stein war ins Rollen gekommen. Vorsichtig  reckten sich die verschlafenen Blätter und die bunten Frühlingsblüher der Sonne entgegen und hielten das zarte  Blütengesicht in ihre wärmenden Strahlen. Sie fühlten sich sicher und geborgen.

 Der Ostermorgen war angebrochen.

© Text und Foto: G. Bessen

Ostermorgen

Die Lerche stieg am Ostermorgen
empor ins klarste Luftgebiet
und schmettert‘ hoch im Blau verborgen
ein freudig Auferstehungslied.

Und wie sie schmetterte, da klangen
es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du froh verjüngte Welt!

Emanuel Geibel
(1815 – 1884)