Auf dem Weihnachtsweg 10

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Zehn kleine Weihnachtsmänner

 Zehn kleine Weihnachtsmänner, die keine Arbeit scheu’n
der eine war ganz ungeschickt, da waren es nur noch neun.

Neun kleine Weihnachtsmänner putzten bis in die Nacht,
der eine  fiel beim Bohnern hin, da waren es nur noch acht.

Acht kleine Weihnachtsmänner sollten ein Auto schieben,
der eine hat sich überschätzt, da waren es nur noch sieben.

Sieben kleine Weihnachtsmänner hatten nachts heimlich Sex,
den einen hat der Schlag getroffen, da waren es nur noch sechs.

Sechs kleine Weihnachtsmänner vergaßen ihre Strümpf,’
dem einen froren die Zehen ab, da waren es nur noch fünf.

Fünf kleine Weihnachtsmänner tranken heimlich Bier,
der eine hat es nicht vertragen, da waren es nur noch vier.

Vier kleine Weihnachtsmänner  brieten sich ein Ei,
der eine bekam ein Magenhusten, da waren es nur noch drei.

Drei kleine Weihnachtsmänner backten  so allerlei,
der eine war am Teig erstickt, da waren es nur noch zwei.

Zwei kleine Weihnachtsmänner suchten einen Weiher
der eine ist hinein gefallen,  da war es nur noch einer.

Ein kleiner Weihnachtsmann  verkleidete sich als Engel,

die Tarnung flog doch recht schnell auf.

(©G. Bessen, verändert nach dem Lied: 10 kleine Negerlein)

Auf dem Weihnachtsweg 9

Licht

Licht breitet sich aus

Eine Kerze
Entzündet in der Dunkelheit
Gibt Licht
Sie erleuchtet
Läßt erkennen
Gibt Hoffnung

Eine Kerze

Auch Du
Kannst
So eine Kerze sein

Es ist Advent

kerze

© Gudrun Kropp
(*1955), Lyrikerin, Aphoristikerin, Kinder- und Sachbuchautorin
Quelle: »Der empfindsame Weihnachtsbaum: Ungewöhnliche Geschichten, Gedichte & Gedanken zur Advents- und Weihnachtszeit«, Carmen-Verlag, 2005

Auf dem Weihnachtsweg 2. Advent

Am Weihnachtsmarkt
gelesen von Karl Miziolek

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 WEIHNACHTSMARKT

Glühwein und
gebrannte Mandeln,
so mancher Kunde
liebt zu handeln,
ein Kinderkettenkarussell,
für manches Kind
zu hoch, zu schnell.

„White Christmas“
schrillt laut durch die Luft,
vermischt sich mit
Rostbratwurstduft
und frischem Käse.
„Wie  pikant“,
seufzt eine Frau
am Kaffeestand.

Die Menschen hetzen,
ja sie schieben,
suchen Geschenke
für die Lieben.
Ein schneller Kauf,
schön eingepackt
und auf der Liste
abgehakt.

Zufrieden, satt,
randvoll die Tasche,
für Oma fehlt
die Glühweinflasche,
geht es nun weiter
im Gedränge
der kaufbesessenen
Menschenmenge.

© Text und Foto: G.Bessen

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Auf dem Weihnachtsweg 6

Mitten im Weihnachtstrubel

Es ist Samstag Mittag. Geschäftig eilen die Menschen über Berlins Tauentzienstraße, voll bepackt mit Tüten, aus denen weihnachtlich Verpacktes schaut. So kurz vor dem Fest wird das Geschiebe auf den Gehwegen immer schlimmer und die Menschen am Rande des Gehweges werden immer mehr verdeckt.
So auch die kleine Frau, die still an der Ecke Tauentzien/Nürnberger Straße sitzt.
Vom Bauch an ist sie in einen blauen Müllsack gepackt. Eine Wolldecke umgibt ihren Unterleib und ihre Beine und ihren neun Monate alten pechschwarzen Hund, dessen verschiedenfarbige Augen aufmerksam das Geschehen rings herum betrachten. In einer anderen Mülltüte, ebenfalls in eine wärmende Decke eingehüllt, liegt ihr anderer Hund, ebenfalls jung und mit einem Leckerchen beschäftigt.

„Möchten sie eine Bratwurst essen?“, fragt eine elegant angezogene ältere Dame, blickt die Frau auf dem Gehsteig freundlich an und reicht ihr eine dampfende Wurst in einem frischen Brötchen.
Sie hebt den Kopf, lächelt die ältere Dame freundlich an und antwortet leise „Gerne“.

Ich weiß nicht, wie lange die Frau dort schon sitzt. Sie ist zierlich gebaut. Sie könnte vierzig, aber auch sechzig Jahre alt sein. Sorgenfalten ziehen sich durch ihr Gesicht. Sie trägt eine dunkle Wollmütze auf dem Kopf. Ihre zierlichen Hände stecken in schwarzen Handschuhen. Die Finger sind nicht bedeckt. Mit einer dicken Stopfnadel ist sie damit beschäftigt, dunkle Socken zu flicken.

Gelegentlich legt sie die Nadel beiseite, haucht in ihre erkaltenden Hände und streichelt liebevoll die Köpfe ihrer beiden jungen Hunde, die fast bewegungslos an ihrer Seite liegen und das bisschen Wärme der Wolldecken auf dem gefrorenen Boden genießen.

Hin und wieder bleiben Menschen stehen, betrachten die Frau nachdenklich und werfen ein paar Münzen in einen kleinen Filzhut, der vor ihr liegt. In diesen Momenten leuchten ihre Augen und ihre schmalen Lippen hauchen ein freundliches ‚Danke‘.

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©Text und Foto: G. Bessen