Lebensabschnitte (14) Bildungsaufträge

Bildungsaufträge – Deutschunterricht

Gute-Laune-Bild DienstagSr. H., unsere langjährige Deutschlehrerin, war ein kleines und zartes Persönchen, immer schlank und mit  ausgesprochenen Trippelschritten. Ich kann mich nicht erinnern, sie je mit flachen Schuhen erlebt zu haben. Obwohl sie manchmal ein wenig „abgehoben“ wirkte, stand sie doch mit beiden Beinen mitten im Leben.

Ihr haben wir es zu verdanken, dass wir alle reines Hochdeutsch sprechen konnten und können, sämtliche Dialekte (und unsere Saarländerinnen hatten ganz viele davon) wurden uns mit einer Engelsgeduld ausgetrieben. Sie war ein regelrechter Artikulationsfreak. Ihre Handschrift war fein säuberlich und gestochen scharf, bis ins hohe Alter. Das erwartete sie auch von uns.

Uli (ich darf hier ihre Geschichte erzählen) hatte ein nachhaltiges Erlebnis mir ihr. In der neunten Klasse musste jede von uns eine Lektüre lesen, zu der sie dann in freier Erzählung, am Lehrertisch sitzen und referieren durfte. Ulis Thema war „ Das Gesicht im Nebel“, eine Erzählung von Peter Dörfler (1878 – 1955).

Sie saß ganz mutig vorne am Lehrertisch und schaute in die mehr oder minder interessierten Gesichter ihrer Mitschülerinnen, während unsere „Honorige“ noch ganz lässig am Fenster stand. Dabei umfasste sie mit einer Hand den Ellenbogen des anderen Armes, dessen Hand wiederum das Gesicht stützte, eine Körperhaltung, die jedem Schüler ein ungutes Gefühl signalisierte, wenn man da vorne vor der Klasse wie auf einem Präsentierteller saß.

Während ihres Vortrages sagte Uli sinngemäß, dass eine Person den Schauplatz verließ und „wech“ ging. Sr. H. unterbrach sie und sagte „weg“! Uli glaubte, sie hätte sie akustisch nicht verstanden und wiederholte ihren Satz. „er ging wech…“. Und wieder unterbrach Sr. H. sie und mahnte: „weg“. Uli war das offenbar zu blöd und sie formulierte ihren Satz einfach um. „Ja, er ging fort!“ Uns zauberte der Satz ein ganz breites Grinsen ins Gesicht, während Sr. H. ihr eine Ungehörigkeit vorwarf, nicht richtig artikulieren zu wollen. Vielleicht fühlte sie sich in ihrem immer sehr ernst genommenen Bildungsauftrag mal nicht ganz ernst genommen? Damit war der Vortrag jedenfalls  beendet und Uli durfte wieder an ihren Platz. Bis heute weiß ich nicht, was das „Gesicht im Nebel“ für eine Bewandnis hatte.

Aus dieser überzogenen Reaktion schließe ich, dass es ein rein „blauer“ Montag war.

Lebensabschnitte (13) Vom ICH zum WIR (2)

Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken. Ich habe dir nichts getan. Nun ist mir traurig zu Mut. An den Hängen der Eisenbahn leuchtet der Ginster so gut. Vorbei – verjährt – doch nimmer vergessen. Ich reise. Alles, was lange währt, ist leise. Die Zeit entstellt alle Lebewesen. Ein Hund bellt. Er kann nicht lesen. Er kann nicht schreiben. Wir können nicht bleiben. Ich lache. Die Löcher sind die Hauptsache in einem Sieb. Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Wir waren eine gute Klasse. Natürlich verlief unser Internatsleben nicht immer reibungslos, Freundschaften bildeten sich, wechselten, es bildeten sich neue. Das ist normal. Aber worauf es ankam, der Zusammenhalt, das Füreinander-da-sein, das funktionierte immer. Niemand wurde ausgeschlossen. Nie hat jemand  eine Mitschülerin verpfiffen oder bewusst in die Pfanne gehauen. Auch die beiden Schwestern in unserer Klasse standen hinter uns. Natürlich haben sie uns auch mal in die Schranken gewiesen, aber niemals vor anderen. Sie hatten immer ein offenes Ohr für uns.

Kürzlich schrieb mir eine Mitschülerin, dass sie sich gut daran erinnere, wie intensiv die Klassengemeinschaft vorher getagt hatte, um zu sehen, ob ich überhaupt in die Klassengemeinschaft aufgenommen würde. Einmal kam eine neue Schülerin, die gar nicht zu uns passte. Sie blieb auch nicht lange. Ich erinnere mich, dass wir eines Tages aus Protest gegen sie nur in rot-weiß herumliefen. Sicher ein Akt pubertärer Revolte, aber als dann klar war, dass sie nach den nächsten Ferien nicht mehr wiederkäme, fanden wir sie gar nicht mehr so schlimm und es gab sogar ein wenig Bedauern, als sie ging.

Als die zehnte Klasse begann und somit die Zeit der Mittleren Reife und des Abschiedes einiger von uns näher rückte, wuchsen wir erst recht zusammen. Poesiealben wurden herumgereicht, jede verewigte sich in den Alben der anderen, Briefe wurden ausgetauscht und kleine Geschenke machten die Runde.

Nach unseren Schulabschlüssen gab es mehrere Klassentreffen und noch heute haben wir untereinander mit einigen solch einen Kontakt, dass wir bis auf vier, die völlig abgetaucht sind, alle schnell wieder zusammenkommen könnten. Und wenn ich an den letzten Oktober denke, als ich drei von dreizehn wiedergesehen habe, so war das doch ein spontanes Minitreffen.

Das, was unsere Klassengemeinschaft bis heute auszeichnet ist die Tatsache, dass wir uns nach über vierzig Jahren noch so vertraut sind, als hätte es die Zeit dazwischen gar nicht gegeben. Ich hoffe, das nächste Klassentreffen findet statt, bevor wir uns alle per Rollator durch die Gegend bewegen müssen.

Ehemaligentreffen 2004

Lebensabschnitte (12) Vom ICH zum WIR (1)

Vom ICH zum WIR (1)

Denkt Ihr oft an Eure eigene Schulzeit zurück?

Steckt man mittendrin, hofft man, dass man der Schule bald entwachsen ist und später sehnt man sich oft nach ihr zurück, nach den Ferien und auch nach denen, mit denen man einen Teil des Lebensweges gegangen ist.

Habt Ihr noch Kontakt zu ehemaligen MitschülerInnen?

Eine Klassengemeinschaft zeichnet sich durch eine gute Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und eine offene Kommunikation aus. Respekt und Akzeptanz sind die Grundlagen dafür. In einer Klassengemeinschaft schaffen Werte wie Hilfsbereitschaft, Teamfähigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Gewaltlosigkeit die Basis, als Klasse zusammen zu wachsen. An diesem Prozess muss jeder mitarbeiten.

Aber es ist auch normal, dass man nicht jeden gleich gern mag. In pubertären Zeiten wechseln die Freundschaften wie die Unterhosen, der Zickenalarm wird zur Dauerbelastung und oft kommen Entwicklungen dazu, die eine Klassengemeinschaft auf eine harte Probe stellen. Statt einer Klassengemeinschaft haben wir es mit einem wahllos zusammen gewürfelten Haufen zu tun, der zufällig in ein- und demselben Jahrgang ist und mit der Wechselhaftigkeit des Aprilwetters um die Wette eifert.

Das heutige Kurssystem hat zwar den Vorteil, dass Schüler eher nach ihren Fähigkeiten gefördert werden können, für das Zusammenwachsen einer Klasse ist es jedoch eher hinderlich.
Wenn sich am Ende der gemeinsamen Schulzeit Freundschaften gebildet haben, die weitere Lebensstürme unbeschadet überstehen, hat sich die gemeinsame Arbeit gelohnt.
Bei stayfriends kann man nach früheren Mitschülern suchen. Ich war da angemeldet und es haben sich auch einige gemeldet, doch deren Namen waren für mich reine Nebelschwaden und ich habe mich dort wieder abgemeldet.
Zehn Jahre nach unserem Abitur gab es ein Treffen mit meiner Berliner Abiturklasse, es war so nichtssagend, dass ich die Zeit dieses Abends sogar als vertane Zeit bereut habe.

Wie war das bei Euch?

Freundschaft

Lebensabschnitte (11) Wie man sich bettet, so schläft man

Wie man sich bettet, so schläft man

Eine Zelle ist ein kleiner Raum im Klausurbereich eines Klosters und dient ausschließlich dem Privatbereich von Ordensleuten. Heute spricht man nicht mehr von Zellen sondern von eigenen Zimmern. Doch in einer Zeit, als Klöster noch nicht unter Nachwuchssorgen litten, war es praktisch und zweckmäßig, möglichst viele in einem Schlafsaal unterzubringen, denn ein eigenes, wenn auch kleines Zimmer, war aus Platzgründen nicht möglich.

SchlafsaalSomit war es zu unserer Internatszeit selbstverständlich, dass die jungen Schwestern und wir in großen Schlafsälen schliefen und trotzdem unsere eigenen „Zellen“ hatten. Man stelle sich das so vor: Die Schlafsäle waren sehr große Räume, in denen jede Schülerin einen abgeteilten Bereich – sozusagen eine eigene Zelle – hatte. Man hatte sein Bett an der Wand geradezu quer, dem gegenüber einen Waschtisch und neben dem Fußende des Bettes einen kleinen Kleiderschrank, in dem die Sachen für den nächsten Tag aufbewahrt wurden. Verließ man morgens den Schlafsaal nach dem Bettenmachen, wurde die Tür in den Kleiderschrank eingepasst und der Schrank war zu. Die Zelle blieb den ganzen Tag offen. Schräg, oder? Und vor allem sehr gewöhnungsbedürftig! Meist waren vier bis fünf Zellen nebeneinander, davor verlief ein breiter Gang, im Mittelbereich des Saales waren zwei Reihen mit Zellen aneinander und im hinteren Bereich ebenfalls ein Gang mit vier bis fünf Zellen. Somit waren wir klassenweise in unseren Schlafsälen untergebracht. Wir schliefen auf Strohsäcken, die wir vor den Sommerferien zu zweit in den Garten wuchteten und ausklopften. Danach blieb er eine Weile zum Lüften draußen und wir wuchteten ihn wieder hoch. Waschräume bekamen wir erst später. In einem großen Eimer holten wir unser Waschwasser. Ein Teil davon kam in eine Waschschüssel, die auf dem Waschtisch stand, der Rest verblieb im Fußeimer, der unter dem Waschtisch blieb. Unsere Schlafsäle hatten, so weit ich mich erinnere, keine Heizung und das Wasser war natürlich kalt. Wir wurden im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Wassern – außer dem Weihwasser – gewaschen. Das härtete natürlich ab und hatte früh morgens jeden Lebensgeist vor der Frühmesse kurzzeitig erweckt. Heute fristen einige ehemalige Fußeimer ihr Dasein im Garten als Bluemenkübel.

ehemalige Eimer

Aber wir haben stets das Nützliche mit dem Praktischen verbunden. Die Zellen in der Saalmitte waren sehr frequentiert. Denn wenn man mittig wohnte und abends in seinem Bett stand, hatte man gleich drei Bettnachbarn, mit denen man ungehindert im Flüsterton bis in die tiefe Nacht Konversation betrieb. Wer sportlich war, konnte auch über die Zellenwand ins Nachbarbett steigen. Die an den äußeren Seiten schliefen, hatten jeweils nur einen Bettnachbarn zum Unterhalten. Aber gemeinsam lag es sich auch gut im Bett und das war auf jeden Fall wärmer. Wir wurden abends nicht mehr kontrolliert, ob jeder in seinem eigenen Bett war. Aber wenn die Stehparty so richtig im Gange war, sah man an der Tür zum Schlafsaal und der entsprechenden Beleuchtung vom Flur sofort, wenn jemand hineinkam und es wurde schlagartig leise. Und wenn jemand auf die Toilette musste, meldete er sich per Zeichen ordnungsgemäß ab, so dass jeder über die Bewegungen innen und außen Bescheid wusste. Die Namen unserer Internatsleiterinnen wurden ganz zweckmäßig abgewandelt. Wenn bei jemandem etwas, meist die Tür „klemmte“, war die Eine im Anmarsch und wenn plötzlich irgendwo etwas „flitzte“, war allerhöchste Vorsicht geboten. Von der Letzteren erwischt zu werden riskierte niemand leichtsinnig. Solange wir unsere Pellerinen tragen mussten, wanderte abends ganz viel mit in den Schlafsaal, auch wenn die Zähne bereits geputzt waren. In jedem Schlafsaal schlief eine junge Schwester, für den Fall, dass nachts jemand Hilfe brauchte. Uns solange deren Zelle leer war, war von Stillschweigen natürlich keine Rede. Sollte ich mal verhaftet werden, kein Problem – es wird ohnehin ein Missverständnis sein – , so werde ich das überleben, denn Zellenerfahrung habe ich hinreichend.

Lebensabschnitte (10) Das leibliche Wohl

Das leibliche Wohl

In einem Haus mit etwa vierhundert Bewohnerinnen muss ein guter Organisationsgeist wehen, damit niemand verhungert oder verdurstet, denn die Mahlzeiten wurden pünktlich eingenommen.
Gekocht wurde selbst, auch Brot und Kuchen wurden im Hause gebacken und im großen Klostergarten standen viele Obstbäume. Es gab Rhabarber, Johannisbeeren, Erdbeeren und Stachelbeeren, Gemüse, ja, sogar ein Spargelfeld versteckte sich in einem Teil des großen Gartens.
Die wenigen Hühner deckten sicherlich nicht den gesamten Bedarf an Eiern und weiteres Viehzeug gab es nicht.

An Sonn- und Feiertagen halfen wir Schülerinnen in der großen Küche und in der Bäckerei aus und auch die Obsternte fiel zum Teil in unsere Freizeit. Wenn man mit einem roten Pullover zwischen den roten Johannisbeersträuchern saß, hatte man die perfekte Tarnung, sich nebenher an den frischen Früchten satt zu essen.

In unserem Speisesaal (Kandidatur im Klosterdeutsch, der Speisesaal der Schwestern war das Refektorium) saßen unsere Internatsleiterinnen jeweils an einem Ende. Wir Schülerinnen saßen nicht nach Klassen geordnet, sondern bunt durcheinander. Das war eine der wenigen Möglichkeiten, Schülerinnen aus anderen Klassen besser kennenzulernen.
Am Samstag “rückten” wir weiter. An jedem Tisch saßen zehn oder zwölf Schülerinnen. Die eine Seite rückte drei Plätze nach rechts, die andere jeweils drei Plätze nach links. So hatte man nicht ständig dieselben Gesichter vor der Nase, was manchmal ganz gut war, denn man liebte auch nicht jede Mitschülerin heiß und innig.

Kritisch war es immer, wenn man an den Tisch der beiden Schwestern rückte. Da musste man sich schon ein wenig zusammennehmen und vielleicht auch überlegen, was die Tischgemeinschaft hören durfte und was nicht.

Unser Essen kam in großen Behältern aus der Klosterküche und mehrere Schülerinnen hatten tischweise ihre Aufgaben. Die Mädchen von einem Tisch machten die Suppenterrinen fertig und stellten sie auf die Tische, andere füllten das Essen in Schüsseln und trugen auf, andere trugen wieder ab und wieder andere hatten die Aufgabe abzuwaschen. Die Reste kamen wieder in die Großküche. Einige Schülerinnen wischten die Tische ab und nach den Mahlzeiten musste der Speisesaal ausgefegt werden.

Vor und nach dem Essen wurde gebetet. So geschah es, dass Uli und ich mal in einer Woche am selben Tisch und uns gegenüber saßen. Wir hatten schon bei Tisch so gelacht, dass wir uns nun mit aller Disziplin zusammenreißen mussten. Fehlanzeige – ich war genau im Blickfeld von Sr. C. , die mich beim “Engel des Herrn” lachen sah, die Hand vor den Mund gepresst. Dass Uli mir gegenüber aber auch lachte, sah sie nicht.
Mit ihren ewig quietschenden Schuhen auf dem stets frisch gebohnerten Boden machte sie sich mitten im Gebet auf um mich rauszuschmeißen. “Schämen Sie sich nicht, beim “Engel des Herrn” zu lachen?” . Die eindeutige Kopfbewegung verschaffte mir die Erlösung. Ich schämte mich nicht im geringsten, der Engel des Herrn war mir gerade so etwas von egal und ich rannte auf die nächste Toilette, sonst wäre mir noch obendrein die Blase geplatzt.

Am Ende unseres Speisesaales war eine gemütliche Ecke abgeteilt, die uns auch in der Freizeit mit Büchern, Spielen und Sitzgelegenheiten zur Verfügung stand.
Dort hatte jede Klasse von der siebten bis zur zehnten Jahrgangsstufe einmal pro Woche mit Schwester F. eine “erziehliche Stunde”. In dieser eigentlich gemütlichen Ecke konnte es dann auch mal ungemütlich werden.

In unseren siebten und achten Klassen haben wir seit ein paar Jahren einmal pro Woche eine besondere Klassenleiterstunde, in der die Schüler einen Klassenrat halten. Alles, was die Klasse betrifft, Planungen, aber auch anstehende Probleme, werden nach bestimmten Regeln diskutiert. So setzen sich die Schüler sachlich und demokratisch auseinander und lernen schon frühzeitig, Probleme anzupacken.
So in etwa denke ich, liefen auch unsere “erziehlichen” Stunden ab.

Heute wird unser ehem. Speisesaal für Exerzizien (stille Einkehrtage) genutzt.

ehem. Speisesaal 1 ehem. Speisesaal 2. JPG

Bei sehr großen Gruppen wird auch ein anderer Saal (dort haben wir mit unseren Eltern an Elternsprechtagen gegessen) als Esssaal genutzt.

ehemaliger Lesesaal

Lebensabschnitte (9) Mitteilungsbedürfnisse

Mitteilungsbedürfnisse

Hauptflur zum SchultraktEin Kloster ist ein Ort der Stille und der Disziplin. Doch genau das fällt pubertierenden Mädchen mit einem ausgeprägten  Mitteilungsbedürfnis sehr schwer. In unseren  Schlafsälen herrschte – zumindest vordergründig und offiziell – Ruhe, nachmittags in den Klassenräumen beim “Studium” selbstverständlich  auch und beim Essen am Samstag Abend sollten wir uns auch in Stille auf den bevorstehenden Sonntag vorbereiten. Das war das schwierigste Unterfangen.

Uli und ich waren daher immer auf der Suche nach Ecken, in denen wir ungehindert unserem Mitteilungsbedürfnis nachkommen konnten. Eines späten Abends schlichen wir auf ein stilles Örtchen mit drei WC-Kabinen und einem Waschbecken, das wir neu entdeckt hatten. Wir setzen uns im Bademantel auf die niedrige Fensterbank, die breit genug und wie gemacht für uns schien und quatschten, was das Zeug hielt. Mit der schummrigen Deckenbeleuchtung fühlten wir uns sicher – bis die Tür schwungvoll aufgerissen wurde.

Sr. SalesielaIm Türrahmen stand unsere Geschichtslehrerin, den sie mit ihrer Körperfülle fast einnahm. “Was machen Sie denn hier?”, donnerte sie uns entgegen. Sie bestand darauf, uns ab der 7. Klasse zu siezen und wir waren in der siebten Jahrgangstufe. “Ulrike war schlecht, deshalb verließen wir den Schlafsaal.” Bei soviel spontaner Ausrede biss Uli sich sogleich auf den weißen Gürtel ihres weiß-rot-karierten Bademantels um nicht lauthals zu lachen. “Aber Sie können doch nicht in dieser stickigen Kloluft (O-Ton) hier sitzen.” Klar, zumindest hätten wir das Fenster öffnen können, das wäre glaubhafter gewesen. Schwester S. machte sich scheinbar ernsthafte Sorgen um Uli und geleitete uns schwesterlich zum Schlafsaal zurück. Sie konnte sich gar nicht von Ulis Bett lösen. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ertönte Schwester F’s. Handglöckchen. Das konnte eine Ansage für den Tag bedeuten, aber auch das “Antreten” einzelner Schülerinnen.   Wir beide mussten antreten und wiederholten unsere Geschichte vom vorigen Abend (un)wahrheitsgemäß. Auch sie fragte Uli besorgt, ob es ihr denn wieder besser ginge und beim nächsten Mal sollten wir sie doch unbedingt wecken, wenn etwas sei und nicht einsam und allein durchs Haus schleichen.

Bei unserer – wie wir meinten – glorreichen Entdeckung hatten wir vergessen, dass einige der Lehrerinnen innerhalb des Hauses umgezogen waren und uns von ihrem Zimmer aus gemütlich dort sitzen sahen. Oh, lieber Gott, erhalte uns die Ausreden!!!

Ich sage meinen Schülern immer, sie können alles machen, nur erwischen lassen dürften sie sich nicht. Warum hat uns das früher niemand gesagt?