Auf dem Weihnachtsweg: 12. Dezember

Glaube und Zweifel

So wie der Körper und die Seele die zwei Seiten einer Medaille bilden, so gehören auch der Glaube und der Zweifel wie Bruder und Schwester zusammen.

Jeder Mensch glaubt irgendwann in seinem Leben in irgendetwas oder irgendwen, wie auch immer er das bezeichnet, woran er glaubt. Für viele ist es die Natur, die Liebe oder die Schöpfung schlechthin, für andere der eigene Sportverein, ein sehr prägender Mensch, ein Idol oder auch Gott.

Im Laufe unserer eigenen Lebensgeschichte kann sich unser Glauben auch verändern, so wie wir den Kinderschuhen entwachsen und die jeweils größere Nummer brauchen. Glaube ist nichts Statisches, Unveränderliches, sondern etwas, woran der Zweifel gern mal nagt. Und so kann unser Grundpfeiler durchaus ins Wanken geraten, wie ein Haus, das die Wellen eines Erdbebens zu spüren bekommt.

Gott schickt uns keine sichtbaren und greifbaren Beweise, dass er existiert, aber auch nicht, dass er nicht existiert. Und so bleibt es spannend, zu glauben, ohne zu wissen und bei  allen Glaubensfragen zeigen Zweifel, dass wir immer noch auf einem lebendigen Weg und damit auch glaubwürdig sind.

© Text und Foto: G. Bessen

 

Eine halbe Stunde Meditation
ist absolut notwendig –
außer wenn man
sehr beschäftigt ist.
Dann braucht man
eine ganze Stunde.

Franz von Sales (1567 – 1622)
Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer

           

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Auf dem Weihnachtsweg: 11. Dezember

Wir wünschen uns das Paradies auf Erden
und doch sind wir weit davon entfernt.

Wenige sind reich,
viele sind arm.

Wenige sind satt,
viele hungern.

Wenige erleben Frieden,
viele leben im Krieg.

Licht und Schatten prägen unser Leben
und inwieweit sich Himmel und Erde
aneinander annähern, liegt auch in unserer Hand.

Geben wir uns mit dem zufrieden, was wir sind und was wir haben, oder streben wir nach Veränderung? Nur ein Aufbruch, ein Verlassen der eigenen Komfortzonen, kann bewirken, dass sich die Lebenschancen für alle verändern und Friede und Gerechtigkeit einen breiteren Raum einnehmen.

© Text: G. Bessen, Fotos: pixabay

Seitdem ich lebe, schien mir der Frieden
auf unserer Welt
noch nie so brüchig wie heute.

Auf dem Weihnachtsweg: 10. Dezember und 2. Advent

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh‘ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins weite Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
(1788 – 1857), deutscher Dichter, Novellist und Dramatiker
https://www.aphorismen.de/gedicht/18958

Markt und Straßen steh’n verlassen,
– verlassen? – Vielleicht wenn der Weihnachtsmarkt zu ist!
still erleuchtet jedes Haus;
– still erleuchtet? – Da flackert es schreiend bunt! Was für Stromkosten!
sinnend geh ich durch die Gassen,
– gehen? – Die Menschenmassen schieben dich!
alles sieht so festlich aus.
– festlich? – Vieles eher kitschig!

An den Fenstern haben Frauen
– an den Fenstern? – Fassaden, Dächer, Vorgärten sind aufgerüstet!
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
– fromm? – Die geben ein Heidengeld dafür aus!
tausend Kindlein steh’n und schauen,
– steh’n? – Die laufen vorbei und machen’s kaputt!
sind so wunderstill beglückt.
– beglückt? – Höchstens noch im Kleinkindalter!

Und ich wandre aus den Mauern
– wandern? – Dazu hab’ ich keine Zeit! Doch nicht jetzt!
bis hinaus ins freie Feld.
– freies Feld? – Da müsste ich weit fahren!
Hehres Glänzen, heilges Schauern,
– heilig? – Eher handfester Konsum!
wie so weit und still die Welt!
– still? In der Weihnachtszeit? Wo denn das?

Sterne hoch die Kreise schlingen;
– Sterne? – Seh’ ich in der Stadt vor lauter Lichtern nicht!
aus des Schnees Einsamkeit
– Schnee? – Wann hatten wir das letzte Mal weiße Weihnacht?
steigt’s wie wunderbares Singen.
– Singen? Singt noch jemand Weihnachtslieder?
O
du gnadenreiche Zeit!
– Zeit? – Gnadenreiche Zeit? Vielleicht nach Weihnachten!

(Mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung von einer Bekannten)

 

Auf dem Weihnachtsweg: 9. Dezember

Christiane lädt ein zur: Sonderedition Adventsetüde 49.2017

Es gibt die Sonderedition Adventsetüden für die Textwochen 49/50/51.2017.
Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze.
Neu ist: Ihr sucht euch die 3 Wörter aus der nachfolgenden Liste (24 Wörter) selbst aus.

 

Teil 1 ist hier zu finden…

Teil 2:

Der Zeitungsausschnitt hatte sich wie einer dieser unzähligen Spendenaufrufe gelesen und sie hätte ihn fast weggeworfen. Doch Eric hätte ihr das vermutlich übel genommen, denn er suchte förmlich nach einer sinnvollen Tätigkeit, bis er sich über seinen eigentlichen Berufswunsch im Klaren war. Und damit fing alles an.

Die private Montessorischule im indischen Lucknow, als größte Schule der Welt, suchte junge Menschen mit Interesse am Lehrerberuf, die sich für ein Praktikum oder ein ganzes Schuljahr zur Verfügung stellten. Eric war Feuer und Flamme für diese Idee und setzte alles daran, sich erfolgreich zu bewerben, ungeachtet der Angst seiner Mutter und deren Schwierigkeiten, ihr einziges Kind in die Welt hinaus zu lassen.

Eric hatte Erfolg und zwischen Weihnachten und Neujahr des vergangenen Jahres packte er seine Sachen und zog in die große weite Welt, ausgerechnet nach Indien, in ein Land voller Gegensätze, überbevölkert und in vielen Landstrichen arm und doch durch eine so vielfältige facettenreiche Kultur  wieder reich.

Für Sabine begann ein einsames Jahr, ein Auf und Ab zwischen Freude über Erics Begeisterung, jedes Mal, wenn er sich meldete,  und ihrer eigenen Einsamkeit, die sich nach der Trennung von Erics Vater vor knapp zwei Jahren, immer wieder wie ein Virus in ihr Leben einnistete.

Aber das Jahr ging vorüber und nun war er fast da, der Tag des Wiedersehens und der Freude, ihr Kind am folgenden Tag wieder in die Arme zu schließen.

Fortsetzung folgt …

Auf dem Weihnachtsweg: 8. Dezember

Alternative?

Begegnung zwischen Maria und einem Engel.
Verkündigung – Erwählung für eine große Aufgabe
Marias Antwort: Nein, ich tue das nicht.

Maria hat gute Gründe:
Ich bin noch zu jung
Ich kann das einfach nicht
Am Ende läuft der Bub noch davon.
Womöglich geht er Wege, die ich nicht verstehe.
Und übrigens: Mein Mann Josef will das nicht
Geh doch zu meiner Nachbarin und frag dort.

So zieht der Engel immer noch
von einer Tür zur nächsten
und wird weiter geschickt…

Dagegen – unsere frohe Botschaft:
Maria sagte Ja …

© Franz Troyer

Auf dem Weihnachtsweg: 7. Dezember

Ich wünsche Dir Zeit

Ich wünsche dir Zeit
Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu  freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
 
Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
 
Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.
 
Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
 
Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!
 
© Elli Michler

aus:     Elli Michler,  „Dir zugedacht“

            Wunschgedichte

            Copyright: Don Bosco Verlag, München 2010, 20. Auflage