Schreibeinladung für die Textwoche 06.07.19

Die Wörter für die Textwochen 06/07 des Schreibjahres 2019 kommen aus der Schweiz, und zwar von Petra Schuseil und ihrem Blog Wesentlich werden.
Die neuen Begriffe, vorgestellt bei Christiane,  lauten:

Winterreifen
eifersüchtig
stolpern

Jan  war gegangen – einfach so, diskussionslos, nur mit zwei Koffern und einer Reisetasche. Seine junge und attraktive Doktorandin hatte ihn geködert und er hatte angebissen. Und sie, Lore, saß bis unter die Haarwurzeln eifersüchtig und enttäuscht in ihrem kleinen, von ihren Eltern geerbten Häuschen am Waldrand und konnte nun sehen, wie sie sich seiner restlichen Sachen entledigte. Denn zurücknehmen würde sie ihn nicht, dazu hatte er sie zu sehr gedemütigt. Sie hatte ihm eine Frist von einer Woche gesetzt, all seine Sachen abzuholen, ansonsten würde sie den Sperrmüll beauftragen. Diese Frist lief heute um 18 Uhr ab und Lore hatte sich bereits Gedanken gemacht, wie sie weiter vorgehen würde.

Als erfolgreiche Innenarchitektin sah sie den Umbau innerhalb des Hauses bereits vor ihrem geistigen Auge, die Malerfirma war beauftragt. Das waren Pläne, die sie bereits nach dem Tod ihrer Eltern hatte, aber nie umsetzen konnte, denn Jan war in ihr Leben gestolpert, er kam und blieb.

Nun verstand sie es als einen Wink des Schicksals, alles auf eine Karte zu setzen und ihrem Leben einen neuen und frischen  Anstrich zu geben, rechtzeitig zum Frühlingsbeginn. Sie atmete tief durch und das, was sie seit Jans Auszug als eine undurchdringliche Nebelwand um sich herum verspürt und  was ihr den Weitblick genommen hatte, löste sich plötzlich auf und machte einer messerscharfen Klarheit Platz.

Und dann klingelte es. Im ersten Augenblick setze Lores Herzschlag fast aus, denn es war kurz vor Ablauf ihrer gesetzten Frist. Doch es war nicht Jan. Ihr Herz stolperte und raste und sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sie nahm  nur Bruchstücke und Wortfetzen auf wie … Kaltfront … Eisregen auf spiegelglatter Straße… keine Winterreifen… sofort tot … .

Sie spürte einen kurzen Stich in ihre Oberarmmuskulatur, legte sich benommen auf ihre Couch  und versank in einen unruhigen Schlaf.

299 Wörter

© G. Bessen

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 04.05.19

Die Wörter für die Textwochen 04/05 des Schreibjahres 2019 kommen aus Wien, und zwar von Myriade und ihrem Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée.
Die neuen Begriffe lauten:

Salatschüssel
seidig
übernehmen

 

Das neue Jahr und die Vorsätze

„Ick wünsch dir’n juten Appetit, meen Jutster!“, flötete Jutta und stellte ihrem Mann Gisbert die Salatschüssel direkt vor die Nase. Allein der Anblick des bunten Durcheinanders löste bei Gisbert das Gefühl aus, zum Kaninchen zu mutieren und er fühlte seine Zähne wachsen.

Neujahrsvorsätze – auf die blöde Idee abzunehmen, konnte auch nur Jutta kommen! Gisbert hätte sich ja auch geweigert, wäre da nicht der erhobene Zeigefinger des Hausarztes gewesen, der mal wieder  von zu hohen Blutfetten, der vergrößerten Leber und den gefährlichen Zuckerwerten sprach. Im letzten Lebensdrittel sollte man solche Warnungen nicht auf die leichte Schulter nehmen und so zog Gisbert die Schüssel weiter zu sich heran, übernahm von Jutta das Salatbesteck und schaufelte sich das gesunde Etwas widerstrebend  auf seinen Teller. Beim Kauen wurde er das Gefühl nicht los, dass der Inhalt seines Mundes immer mehr wurde, ja, sich regelrecht aufblähte. Und als Jutta für das Abendessen lediglich ein Steak ohne weitere Beilagen ankündigte, schluckte er vor Schreck alles auf einmal hinunter.

Das war ja nicht auszuhalten!  Blutfette und Zucker konnten ihn doch mal gern haben. Während Jutta sich für ihren Mittagschlaf umkleidete, zog er kurz entschlossen seine dicke Jacke an, setze sich eine Pudelmütze auf die bereits dünnen Stellen seiner einst vollen Haarpracht und verabschiedete sich mit einem kurzen „Ick jeh mir man wat bewegen!“

Ungeachtet ihres Rheumas sprang Jutta vom Sofa, eilte zu ihrem Sekretär, griff in die Schublade und wickelte eine kleine Tüte aus einem seidigen Halstuch, griff beherzt hinein und schob sich genüsslich ein paar Nugatkugeln in den Mund, während sich Gisbert mit schnellen Schritten seiner Lieblingspommesbude näherte. Per Handy hatte er bereits zwei Currywürste und eine große Portion Pommes mit viel Ketchup und noch mehr Mayonnaise bestellt.

Morgen war ein neuer Tag, Zeit für einen weiteren beherzten Vorsatz und vielleicht auch einem erfolgreichen Gelingen.

300 Wörter

© G. Bessen

 

Zu viel Gepäck

Zu viel Gepäck

So manches Mal
stelle ich fest:
„Oh Schreck!
Ich hab mich
selber im Gepäck!“

Es geht nicht vor
und nicht zurück,
ich fühle mich
total bedrückt.
Fern unbeschwerter
Leichtigkeit,
kein Sonnenschein,
nur Dunkelheit.

Da finde ich das
kleine Blatt,
seh’ mich an
seiner Schönheit satt.
Die Leichtigkeit,
die ich nun spür’,
öffnet mir
so manche Tür.

Wo eben noch
kein Weiterkommen,
erscheint nun alles
leicht verschwommen.
Ein kleines Licht
bahnt sich den Weg
auf einem
undeutlichen Steg.

Bald leuchtet
er als breiter Weg,
ein Ziel am
Wegesende steht.
Ich fühl’ mich leicht
und unbeschwert
und bin gespannt,
wohin der Weg
mich führt.

© G. Bessen

Schreibeinladung für die Textwoche 02.03.19 (2)

Die neuen Wörter für die Textwochen 02/03 des Schreibjahres 2019 spendete der  Etüdenerfinder Ludwig Zeidler.

Die Begriffe lauten:

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig

 

Max im Abfallglück

Max konnte vor Aufregung nicht einschlafen, denn der vergangene Tag hatte sein zehnjähriges, bisher so unschuldiges Leben ganz schön in Aufruhr gebracht.
Die Sternsingeraktion dieses Jahres war ein voller Erfolg geworden, denn die Bediensteten des Rathauses hatten ein stattliches Sümmchen gesammelt und gespendet. In diesem Jahr soll es den behinderten Kindern in Peru zugutekommen und Max war seit Jahren einer der aktivsten Sternsinger in seiner Schule.
Der Bürgermeister der kleinen kreisfreien Stadt hatte allerdings noch eine besondere Überraschung für ihn und überreichte ihm eine Urkunde und einen Briefumschlag, der einhundert Euro nur für Max enthielt. Mit diesem Geld sollte sich Max einen ganz persönlichen Wunsch erfüllen.

Max fuhr überwiegend mit dem Fahrrad zur Schule, vorbei an einem kleinen Wald, der sich immer mehr zur illegalen Müllkippe entwickelt hatte. Erst hatte sich Max nur geärgert, dann sammelte er nach der Schule gelegentlich etwas Müll ein, und nachdem er einige seiner Freunde dazu überredet hatte, ihm zu helfen, machte sein Beispiel Schule und er bekam den Spitznamen: „Max im Abfallglück“.

Das Thema Müll bekam eine ganz andere Dimension, denn in der Stadt wurden mehrere neue Abfallbehälter aufgestellt, ja, sogar die lange verpönten Hundetoiletten hatten Einzug gehalten und die Anzahl der Tretminen im Straßenbild verringerte sich ganz sichtbar.

In den beiden Schulen der Stadt gab es Einsatzpläne für Schüler verschiedener Klassenstufen, die nach der Schule rund um die Schule für Sauberkeit sorgten und Müll aufsammelten und Lebensmittel mit dem erreichten Verfallsdatum in den großen Supermärkten wurden unmittelbar an Bedürftige weitergegeben, bevor sie im Müll landen mussten.

Max war glücklich, er hatte seine Berühmtheit nicht geplant und doch war er gespannt auf das Foto mit ihm und dem Bürgermeister, das am kommenden Tag in der Zeitung sein würde. Für seinen Einhunderteuroschein hatte er auch schon Pläne, die er aber noch niemandem verriet.

298 Wörter

©G. Bessen

Schreibeinladung für die Textwoche 02.03.19

Schreibeinladung für die Textwochen 02.03.19 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Die neuen Wörter für die Textwochen 02/03 des Schreibjahres 2019 spendete der  Etüdenerfinder Ludwig Zeidler.

Die Begriffe lauten:

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig

 Minimalismus

Seine wenigen Besitztümer hatten kein Verfallsdatum, im Gegenteil, trotz wachsender Müllberge im Land und zunehmender Umweltverschmutzung weltweit lebte er im sogenannten Abfallglück.

Er hatte alles verloren. Lange hatte er gebraucht, um diesen Schicksalsschlag überhaupt annähernd zu erfassen und zu begreifen. Von Verarbeitung wollte er gar nicht sprechen.

Sein kleines Mädchen hatte niemandem etwas getan. Sie war, wie alle kleinen Mädchen, unschuldig und hatte gerade intensiv begonnen, die große weite Welt wie alle Fünfjährigen zu erkunden, nahm alles Neue wie ein trockener Schwamm in sich auf und freute sich schon sehr auf die Schule.

Und dann kam er, eine Bestie, die man bis heute nicht gefunden hatte und die womöglich straffrei ausgehen würde. Er hatte sie mit Gewalt genommen und ihren toten Körper wie einen Müllsack entsorgt, sein kleines Mädchen, seinen ganzer Vaterstolz und letztlich auch sein Leben.
Der Abstieg ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem sich seine Frau vor Kummer das Leben genommen hatte, versuchte er den Seinigen im Alkohol zu ertränken. Und nicht lange danach fand er sich ohne Arbeit, ohne Dach über dem Kopf und ohne Geld in der Tasche auf der Straße wieder, ein Schicksal, das er mit Tausenden in Deutschland teilte.
Doch wen interessierte das eigentlich?Er war zu feige gewesen, seinem eigenen Leben ein Ende zu setzen und als er andere Betroffene kennenlernte, lernte er auch diese Menschen zu respektieren und sich mit ihnen verbunden zu fühlen.

In einem leer stehenden Haus lebten sie mittlerweile zu zehnt mit dem Allernotwendigsten, zusammengesammelt aus Kleiderkammern, Sperrmüll und Almosen vom Sozialamt.
Was als Strömung ‚Minimalismus’ als neuer Trend durch die Gesellschaft zog, war für ihn seit Jahren bitterer Alltag und beinhaltete sogar ironischerweise einen Hauch von Freiheit.
Sein Hab und Gut war schnell gepackt. Einen Unterschlupf für die Nacht fand er überall.

294 Wörter

© G. Bessen

 

Schreibeinladung für die Textwoche 01.19 | Extraetüde

Eine Einladung von Christiane, bevor uns das neue Jahr am kommenden Sonntag die berühmten drei  Wörter beschert …

Die Regel: Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern.Hier sind also die Dezember-Wörter, ursprünglich gespendet von Elke H. Speidel und dergl:

Winterbaum, nasskalt, nachtrauern
Regenbogen, transparent, bluten.

 

Nachlese

Von wegen ‚winter wonderland’ ! Das Lied ging ihr nicht mehr aus dem Kopf, seit sie es in der Silvesternacht gehört hatte: …

“Sleigh bells ring, are you listening
In the lane, snow is glistening
A beautiful sight, we’re happy tonight
Walkin‘ in a winter wonderland” …

Es war nasskalt und der eisige Januarwind pfiff durch das nackte Geäst der Giganten, die schwarz und bedrohlich in der beginnenden Dämmerung rechts und links der Straße standen. Unheimlich sahen diese Winterbäume aus. Dabei war es doch noch gar nicht lange her, dass sie knochentrocken unter der Last des heißen Sommers gestöhnt hatten und sich nach nichts mehr, als etwas Wasser gesehnt hatten.

Wo waren sie geblieben, die Zeiten, als die natürlichen Elemente miteinander gekämpft hatten und nach einem heftigen Gewitter ein Regenbogen in leuchtenden Farben quer über dem Himmel stand? Welches Herz ging da nicht ganz weit auf?

Was war los mit uns und unserer Gesellschaft?

Der Klimawandel –  lange bekannt, doch weiterhin erfolgreich ignoriert. Naturkatastrophen – wie schrecklich, aber zum Glück nicht bei uns! Kriege – auch davon sind wir bisher verschont geblieben! Böller in der Silvesternacht – je lauter, desto knalliger und aufpassen muss schon jeder selbst auf sich! Die Liste von Nachrichten war unendlich, unübersichtlich und auf den ersten Blick hochgradig abschreckend geworden.

Nachrichten schwappen in Dauerschleife durch die Medien in unsere Wohnzimmer, dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten und die Augen schließen möchte. Auch privat ist im vergangenen Jahr nicht immer und bei allen alles glatt gelaufen. Nicht nur die eine oder andere Nase, nein, so manches Herz musste bluten.

Ob jemand dem vergangenen Jahr nachtrauern möchte oder die Akte 2018 schließt und sie in die unterste Herzensschublade legt, kann nur jede(r) für sich selbst entscheiden.

Die Welt ist kleiner und globaler geworden und was unsere Vorfahren damals nicht wussten, überfällt uns heute dank modernster Technik mit einer Macht, die vielen Angst einjagt.

Und doch gab es sie immer schon, auch vor uns, die Kriege, die Machtspiele, die Umweltzerstörung, die Naturkatastrophen und die Klimaschwankungen.  Aber es gab auch immer Glaube, Hoffnung und Liebe und wenn uns das, was uns die Luft zum Atmen nehmen will, zu ersticken droht, so sollten wir daran denken, dass Generationen vor uns auch gute und weniger gute Zeiten gemeistert und überlebt haben.

Wenn wir uns mehr auf das WIR besinnen und uns als ICH nicht als den Nabel der Welt betrachten würden, könnten wir gemeinsam einen guten Schritt in die richtige Richtung wagen …

413 Wörter

© G. Bessen

 

Jahresbilanz

Er war in den letzten Augusttagen im Sternzeichen der Jungfrau geboren und von Natur aus pingelig und überaus korrekt.

Jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr setzte er sich mit einer Kanne  Tee mit Rum in sein Arbeitszimmer, spitzte einen roten Stift für seine berufliche Jahresbilanz und einen grünen für seine private Bilanz. Dann nahm er zwei Bögen kariertes Papier, schrieb BERUF  auf das eine Blatt, unterstrich das Wort akribisch genau mit einem Lineal und machte dasselbe mit dem zweiten Blatt, nur dass er da PRIVAT eintrug.

Er hatte das Gefühl, dass er in diesem Jahr lange an seiner Bilanz sitzen würde, denn in diesem Jahr hatten tiefgreifende Änderungen sein Leben  beeinflusst.

Als Versicherungsvertreter einer renommierten Versicherung hatte er seinem Konzern einen guten Dienst erwiesen. Er hatte sich die Füße wund gelaufen, sich Fransen an den Mund geredet und in der Tat unzählige Versicherungsverträge zum Abschluss gebracht. Die Menschen wollten in einer unsicheren Zeit gegen alles versichert sein. Und er hatte die rhetorische Gabe, jeden Zweifel auszuräumen, alle Bedenken zu zerstreuen und Fragen sicher zu beantworten. Und zum Abschluss eines zustande gekommenen Vertrages hatten sich seine Kunden immer herzlich bedankt, nachdem sie ihn während eines Beratungsgespräches  fürstlich bewirtet hatten. Seine Firma hatte ihn mit einer großzügigen Prämie zum Jahresende bedacht.

Er war stolz auf sich. Der Papierbogen mit der beruflichen Bilanz  verzeichnete am Ende ein dickes rotes Plus und er lehnte sich zufrieden zurück.

Sich seiner privaten Bilanz zu stellen, kostete ihn einige Überwindung. So sehr er auch seine Kunden überzeugen konnte, zu Hause war er eher der Schweigsame und Zugeknöpfte. Abends war er meist hundemüde, wenn er nach Hause kam. Er wusste, wie oft seine Familie vergebens mit dem Abendessen auf ihn gewartet hatte. Aber Kundengespräche ließen sich zeitlich nicht exakt terminieren. Er hatte zu wenig Zeit für seine Familie gehabt. Und so nahm er es hin, dass seine Frau mit den Kindern, die ihm immer mehr fremd wurden, auszog.

Um sich seiner Trauer nicht zu sehr stellen zu müssen, arbeitete er noch mehr. Die stillen Abende zu Hause konnte er nicht ertragen. Er gab sich die Schuld am Scheitern seiner Ehe und bezahlte einen großzügigen Unterhalt für seine Familie.

Anfangs kamen seine Kinder immer noch am Wochenende zu ihm, aber sie hatten keine Lust, ständig bei ihrem Vater zu sitzen. Sie wollten auch mit ihren Freunden zusammen sein und das ging oft nur am Wochenende. Es tat ihm weh, aber er verstand es.

Die gemeinsamen Freunde zogen sich nach und nach zurück. Er wusste, dass sie lieber mit seiner lebenslustigen und offenen Frau zusammen waren. Das nahm er hin. Schließlich wollte er auch nicht zwischen zwei Stühlen sitzen.

Nachdem er im Herbst nach einem Kreislaufkollaps ins Krankenhaus gekommen war, hatten die Ärzte nach eingehenden Untersuchungen ein Burn Out festgestellt und ihm eine Auszeit angeraten. Was sollte er alleine zu Hause? Er hatte sich zwei Wochen Urlaub gegönnt, hatte sich unter Palmen am Meer ausgeruht und war wieder arbeiten gegangen. Seine Blutfettwerte, der erhöhte Blutdruck und seine Fettleber hatten sich sicher im Urlaub auch erholt, glaubte er.

Heiligabend hatte er mit einem verwitweten Bekannten verbracht, der auch nichts mit sich anzufangen wusste und Silvester würde er sich mit einem guten Buch ins Bett legen.

Und dann kam das neue Jahr, mit neuen Herausforderungen und neuen Aufgaben.

Die Freude über seine positive berufliche Bilanz verblasste sehr schnell, als er vor dem Desaster seines Privatlebens stand. Er starrte auf das Blatt mit der grünen Schrift, bis die Tränen, die seine Wangen hinunterliefen, die Schrift verschleierten.

Er suchte die Nummer seines Hausarztes heraus und wollte gleich morgen früh telefonisch um einen Termin bitten. Er würde sich krankschreiben lassen, so lange bis er den Kampf um seine Ehe und Familie gewonnen hatte.

Das war sein einziger und felsenfester Vorsatz für das neue Jahr.

© G. Bessen