abc.etüden 41.17(2)

Für die abc.etüden, Woche 41.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze.

Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd von Red Skies over Paradise (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten:

Monat, fragwürdig, gehen.

Neubeginn

Sie hatte große Lust wegzugehen, egal wohin.

Jeder Monat der hier verging, war reine Zeitverschwendung, schal und öde, ohne Perspektive und ohne Zukunft.

Um sie herum hatte sich alles verändert. Die Naturgewalten hatten wieder einmal zugeschlagen, noch unerbittlicher, zerstörerischer und unheilvoller als in den vergangenen Jahren. Was sollte sie hier noch, hier, wo niemand mehr da war, der ihr nahe stand?

Ihre Familie war tot, ertrunken in den reißenden Fluten des Monsun und ihre wenige Habe war weggeschwemmt worden. Sie besaß nur noch das, was sie am Leib trug und damit würde sie sicher nicht weit kommen.

Aber woanders hätte sie vielleicht eine Möglichkeit, eine Bleibe zu finden oder etwas Geld zu verdienen, wenn auch in fragwürdigen Gewerben.

Sie musste es versuchen. Mit einem letzten Blick aufs Meer und einem stummen Gruß an die Toten, begann sie ihr neues Leben, das sie wenigstens versucht haben wollte…

© G. Bessen

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abc.etüden 41.17

Für die abc.etüden, Woche 41.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze.

Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd von Red Skies over Paradise (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten:

Monat, fragwürdig, gehen.

 

Seelische Gesundheit

Sie hatte sich intensiv auf diesen heutigen 10. Oktober, dem  Internationalen Tag der seelischen Gesundheit, vorbereitet.

Seit Jan gegangen war hatte sie Woche um Woche ausgemistet, sicherlich ist dabei ein ganzer Monat ins Land gegangen. Ihre kleine gemütliche Wohnung war wieder aufgeräumt, frisch renoviert und geputzt und bot ihr eine kleine stille Oase inmitten der Großstadt.

In ihrem Inneren hatte sich das Gefühl einer überflüssigen, zeitverschwenderischen,  von vornherein fragwürdigen Beziehung zu Jan so gefestigt, dass sie diese harte innere Nuss, seit langem von allen Seiten betrachtet, nun knacken musste. Denn was nützte ihr ein schönes Drumherum, ein Refugium zum Wohlfühlen, wenn die Dornen in ihrem Inneren piekten und sie ständig neu verletzten?

Ruhe für ihr Inneres, Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit und die innere Mitte finden, das waren ihre nächsten Programmpunkte und mit Sicherheit die herausforderndsten. Aber sie hatte sich soweit wieder gefangen, dass sie diesen Weg voller Mut  in Angriff nehmen konnte.

Pah, sie hatte doch schon ganz andere Dinge gemeistert und würde wegen einer gescheiterten Liaison mit einem Mann ihr restliches Leben doch nicht in Gefahr bringen.

Es klingelte, das bestellte Taxi war da und es wurde Zeit zu gehen. Vier Wochen Urlaub auf einer kleinen Insel in der Nordsee, mit Wellness und seelischem Hausputz, das würde ihr gut tun und ihr inneres Gleichgewicht wiederherstellen.

© G. Bessen

abc.etüden 38.17(2)

Die  Wörter
für die abc.etüden
sind gestiftet von   Herbert

Achtsamkeit
verwurschteln
rosa-grün

 

 

 

 

abc.etüden/Die werdende Oma

Der freudige Gedanke, zum ersten Mal Oma zu werden, ließ sie kaum noch los.

Die werdende Mutter musste eine Litanei von Verhaltensregeln über sich ergehen lassen.

„Mama, ich bin schwanger, aber nicht krank“, tönte es noch in Paulas Ohren und sie überlegte, ob ihre Mutter sie auch so mit Vorsichtsmaßnahmen bombardiert hatte, wie sie es derzeit mit Lisa machte.

Paula fluchte leise vor sich hin, denn eine Masche war ihr von der Stricknadel verloren gegangen und die zu finden und ordnungsgemäß in das rosa-grüne Babyjäckchen einzufädeln, erforderte ihre ganze Achtsamkeit.

Je krampfhafter sie sich um die Masche bemühte, desto mehr verwurschtelte sie das Gebilde in ihren Händen.

Genervt betrachtete Paula das Konstrukt in ihren Händen und plötzlich tat ihr das ungeborene Enkelkind schon leid. So eine blöde Farbe – das passte doch gar nicht zusammen, rosa und grün. Nach einem Babyjäckchen sah das Ganze eigentlich auch nicht aus und Paula hatte noch keine Ahnung, wie sie kleine Ärmelchen daran stricken sollte.

Sie versuchte sich zu erinnern, wann sie das letzte Mal etwas gestrickt hatte und ihr fiel ein, dass sie sich mit Stricken in so mancher Vorlesung wach gehalten hatte. Kurz entschlossen ribbelte sie den Babyjäckchenversuch auf, gab die Wollknäuel ihren beiden Katzen zum Spielen und zündete sich, sichtlich erleichtert, eine Zigarette an.

© G. Bessen

abc.etüden (30)

abc.etüden/Auf besonderen Wegen (15)

 Wenn ihr nur wissen wollt, wann es wieder weitergeht: Die nächste Runde startet mit der Ausgabe der neuen Wörter für die abc.Etüden Anfang September, und zwar am Sonntag, den 3. September für die Textwoche 36.17.

 „Wie, euren Notgroschen, was meinst du damit?“, fragte Antonia mit vor Schreck geweiteten Augen und ließ fast ihr Stativ fallen. Sie hatte sich früher immer gewünscht, eine berühmte Portraitfotografin zu werden, doch der Krieg hatte diesen Kindheitstraum brutal weggewischt.

Nun fotografierte sie, was ihr vor die Linse kam und da sie eine ganz erlesene Pflanze hatte, deren Blüte sich nur in der Nacht öffnen würde, hatte sie Kamera und Stativ stets in Reichweite.

„Wir haben ein wenig Geld auf die Seite gelegt, für später, als Notgroschen. Man weiß doch nie, was noch kommt, und dieses Geld befand sich in einem Bankschließfach, zu dem wir beide eine Vollmacht und jeder einen Schlüssel haben und das Schließfach ist nun leer.“

Hildchen ließ ihre eigenen  Worten mit angehaltenem Atem durch den Raum schweben, als glaube sie selbst nicht, was sie da gerade erzählt hatte.

„Das hört sich ja fast so an, als sei er wie ein Verbrecher getürmt, vor dir, aus eurer Ehe, ja, aus eurem gesamten Leben – unglaublich!“

Antonia sank auf den nächsten Stuhl, griff nach dem aus Breslau mitgebrachten  Becherovka und goss Hildchen und nun auch sich großzügig einen ein.

„Den siehst du nie wieder, verlass dich drauf!“

Nun war es an Hildchen, die Augen aufzureißen und Antonias Worten nachzuspüren – fassungslos, ungläubig und entsetzt.

 

abc.etüden (27.1)

Für die abc.etüden, Woche 27.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni (wortbehagen.de) und lauten:

 

 

 

Achterbahn
Straßenschlucht
einzigartig

 

abc/etüden/Auf besonderen Wegen (12)

 Die Ehe von Hildchen und Ludwig war immer gleichförmig gewesen, ohne nennenswerte Höhen und Tiefen und schon gar nicht wie eine spannende Achterbahnfahrt durchs gemeinsame Leben.

Sie hatten sich als Jugendliche im Jugendclub der Gemeinde kennengelernt, sich verliebt und mit dem Drang, früh zuhause auszuziehen, geheiratet. Töchterchen Charlotte, einzigartig was das nächtliche Durchschlafen betraf, kam mit genau Monaten als wahrer Wonneproppen auf die Welt und bis zu ihrer Volljährigkeit waren sie eine durchschnittliche Familie, zufrieden mit sich und der Welt.

Nun waren beide unterwegs, keiner wusste vom anderen, wo er war.

Hildchen machte sich seit der Postkarte ihres Angetrauten natürlich Sorgen, wo er steckte, denn die Nummer mit dem Jakobsweg war eine so platte, die hätte selbst der Weihnachtsmann nicht von sich gegeben. Die Annahme, dass er sie nach Strich und Faden belügen und betrügen würde, ließ sie nicht so nah an sich herankommen. Und Ludwig steckte so tief in der Klemme, dass er weder aus noch ein wusste und all seine Felle dahin schwimmen sah. Er wusste, dass er Hildchen eine Menge zumuten konnte, doch Lügen waren das Schlimmste, was er ihr antun konnte. Das war, als würde er die Büchse der Pandora öffnen.

Den Kopf eingezogen, eilte er durch die Straßenschluchten bis er sein Hotel erreicht hatte, während Hildchen und Antonia auf dem Rückweg von Breslau nach Hause waren und Hildchen unvermittelt zu Antonia sagte: „Ja, meine Liebe, ich mache mir große Sorgen um Ludwig und weiß gar nicht, wo ich nach ihm suchen soll.“

 

abc.etüden (20.1)

abc/etüden/

Auf besonderen Wegen (4)

heute mit den aktuellen Worten
vom vergangenen Sonntag:

 

 

Golfrasen
Gebrauchsanweisung
Bürosex

Antonia klappte der Unterkiefer herunter, als sie mit Hildchen mitten in der Breslauer Altstadt vor der alten Villa stand, die für die nächsten sieben  Tage ihr Domizil sein würde. Das 5-Sterne-Hotel ‚Platinum Palace’ strahlte auch im Inneren noch die Eleganz des vergangenen Jahrhunderts aus. Nur der Herr an der Rezeption machte einen etwas verworrenen Eindruck, als er etwas unsortiert aus einem angrenzenden Zimmer kam und die beiden Damen mit glänzenden Augen ansah.

„Der kommt wohl gerade von einem Schäferstündchen, die Hose ist nicht ganz zu.“ Antonia kicherte in sich hinein, und stieß Hildchen etwas zu heftig in die Seite.

„Hast du etwa noch nie Bürosex gehabt? Der ist prickelnder als die beste Flasche Champagner.“

Das Hotelinnere war so modern und auf dem neuesten Stand, dass die beiden Frauen gern die eine oder andere Gebrauchsanweisung gehabt hätten, beispielsweise zum Öffnen ihrer Zimmertür oder zum Betätigen diverser Wasserhähne und elektrischer Geräte.

Antonia, die gelegentlich den Badesee in ihrer Nähe mitten im Wald zum Schwimmen besuchte, freute sich darauf,  ihrem schon etwas reifen Körper den Genuss von Wellness in Form von Sauna und Hamam, Massagen und Aromatherapie bieten zu können.

Während sie Hildchen schon fast betrunken redete, wie genial deren Idee, genau dieses Hotel zu buchen, gewesen sei, entdeckte diese vom Balkon ihres Zimmers aus, wie der neu angelegte Golfrasen freigegeben wurde…

Teil 1 und 2

Teil 3

abc.etüden (20)

Die heutige Wortspende sowie die wöchentlichen Illustrationen  stammt von Ludwig Zeidler  dem eigentlichen Begründer dieses sonntäglichen Schreibprojektes

 

Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex

abc.etüden/ ‚Wer nicht wagt, der nicht gewinnt’

Insgeheim wusste er schon lange, dass seine kleine Detektei  dem Konkurs entgegensteuerte, doch er dachte nicht daran aufzugeben – noch nicht!

Die zwei Jahre, die ihm noch bis zum Rentenalter fehlten, musste er irgendwie überstehen, damit ihn später keine weiteren finanziellen Tiefschläge ereilen würden. Es reichte schon, dass er jetzt den Gürtel immer enger schnallen musste. Seine Frau ahnte nichts, nur Nadine, seine einzige Angestellte, wusste, wie die Dinge um ihn standen. Anstatt sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, denn sie war noch zu jung, um an das Rentenalter zu denken, blieb sie treu  bei ihm. Er wusste um seine liebevollen,  zärtlichen und ausdauernden Qualitäten und so vermutete er, dass ihr gemeinsamer und fast täglicher  Bürosex der Hauptgrund ihres Bleibens war.

Sein Hobby, das Golfspielen, konnte er sich finanziell  schon lange nicht mehr leisten, doch er frönte seinem Hobby in einem kleinen, nicht mehr benötigten Raum seiner Detektei. Ein künstlicher Golfrasen, den er dort ausgelegt hatte, dazu ein besonderes Licht und ein paar unerlässliche Gegenstände für besondere Momente zierten dieses intime Zimmer, in dem keine Gebrauchsanweisungen für irgendetwas nötig waren. Er verbrachte seine Zeit dort mit Golfen oder mit Nadine, seiner willigen Gespielin, die auch ihm gerne alle intimsten Wünsche erfüllte.

So etwas gab Mann nicht auf, denn wer aß schon gern täglich ausschließlich Hausmannskost, wenn sich der Wunsch nach Exotik und besonderer Erotik so einfach erfüllen ließ?