abc.etüden (20.1)

abc/etüden/

Auf besonderen Wegen (4)

heute mit den aktuellen Worten
vom vergangenen Sonntag:

 

 

Golfrasen
Gebrauchsanweisung
Bürosex

Antonia klappte der Unterkiefer herunter, als sie mit Hildchen mitten in der Breslauer Altstadt vor der alten Villa stand, die für die nächsten sieben  Tage ihr Domizil sein würde. Das 5-Sterne-Hotel ‚Platinum Palace’ strahlte auch im Inneren noch die Eleganz des vergangenen Jahrhunderts aus. Nur der Herr an der Rezeption machte einen etwas verworrenen Eindruck, als er etwas unsortiert aus einem angrenzenden Zimmer kam und die beiden Damen mit glänzenden Augen ansah.

„Der kommt wohl gerade von einem Schäferstündchen, die Hose ist nicht ganz zu.“ Antonia kicherte in sich hinein, und stieß Hildchen etwas zu heftig in die Seite.

„Hast du etwa noch nie Bürosex gehabt? Der ist prickelnder als die beste Flasche Champagner.“

Das Hotelinnere war so modern und auf dem neuesten Stand, dass die beiden Frauen gern die eine oder andere Gebrauchsanweisung gehabt hätten, beispielsweise zum Öffnen ihrer Zimmertür oder zum Betätigen diverser Wasserhähne und elektrischer Geräte.

Antonia, die gelegentlich den Badesee in ihrer Nähe mitten im Wald zum Schwimmen besuchte, freute sich darauf,  ihrem schon etwas reifen Körper den Genuss von Wellness in Form von Sauna und Hamam, Massagen und Aromatherapie bieten zu können.

Während sie Hildchen schon fast betrunken redete, wie genial deren Idee, genau dieses Hotel zu buchen, gewesen sei, entdeckte diese vom Balkon ihres Zimmers aus, wie der neu angelegte Golfrasen freigegeben wurde…

Teil 1 und 2

Teil 3

abc.etüden (20)

Die heutige Wortspende sowie die wöchentlichen Illustrationen  stammt von Ludwig Zeidler  dem eigentlichen Begründer dieses sonntäglichen Schreibprojektes

 

Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex

abc.etüden/ ‚Wer nicht wagt, der nicht gewinnt’

Insgeheim wusste er schon lange, dass seine kleine Detektei  dem Konkurs entgegensteuerte, doch er dachte nicht daran aufzugeben – noch nicht!

Die zwei Jahre, die ihm noch bis zum Rentenalter fehlten, musste er irgendwie überstehen, damit ihn später keine weiteren finanziellen Tiefschläge ereilen würden. Es reichte schon, dass er jetzt den Gürtel immer enger schnallen musste. Seine Frau ahnte nichts, nur Nadine, seine einzige Angestellte, wusste, wie die Dinge um ihn standen. Anstatt sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, denn sie war noch zu jung, um an das Rentenalter zu denken, blieb sie treu  bei ihm. Er wusste um seine liebevollen,  zärtlichen und ausdauernden Qualitäten und so vermutete er, dass ihr gemeinsamer und fast täglicher  Bürosex der Hauptgrund ihres Bleibens war.

Sein Hobby, das Golfspielen, konnte er sich finanziell  schon lange nicht mehr leisten, doch er frönte seinem Hobby in einem kleinen, nicht mehr benötigten Raum seiner Detektei. Ein künstlicher Golfrasen, den er dort ausgelegt hatte, dazu ein besonderes Licht und ein paar unerlässliche Gegenstände für besondere Momente zierten dieses intime Zimmer, in dem keine Gebrauchsanweisungen für irgendetwas nötig waren. Er verbrachte seine Zeit dort mit Golfen oder mit Nadine, seiner willigen Gespielin, die auch ihm gerne alle intimsten Wünsche erfüllte.

So etwas gab Mann nicht auf, denn wer aß schon gern täglich ausschließlich Hausmannskost, wenn sich der Wunsch nach Exotik und besonderer Erotik so einfach erfüllen ließ?

abc.etüden (19)

Das sonntägliche Schreibprojekt mit den Wörtern: Meer, Mensch, Kind

Die Wortspende stammt von Jaecki Lindenau

abc.etüden/Des Menschen Wille ist sein Himmelreich

Bevor unsere Familienurlaube ins Ausland führten (und damit meine ich als Fernziele Österreich und erst viel später Spanien), machten wir in der Nähe von Eckernförde Urlaub in Ostseenähe.

Die Ostsee war nicht der Atlantik, aber immerhin verdient sie den Namen Meer.

Als ich Kind war, fand ich das schön, denn der Bauernhof, auf dem wir wohnten, hatte Pferde und welches Mädchen  schmachtet nicht danach, mal auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen, selbst wenn der folgende Tag breitbeinig absolviert werden muss?

Als pubertierendes Monster (ich gebe zu, die wenig schmeichelhafte Beziehung traf auf mich besonders gut zu), fand ich diese Familienurlaube an die Ostsee einfach nur ätzend, langweilig und war froh, wenn wir wieder zuhause waren. Was interessierte mich das Marine-Ehrenmal und U-Boot in Laboe oder der Wochenmarkt in Eckernförde? Der Fisch, den mein Vater in der Schlei angelte, kam mir bald zu den Ohren heraus. Bis ich allerdings alleine oder mit Gleichaltrigen verreisen durfte, vergingen noch ein paar Jahre und die Ostsee stand bei weitem nicht mehr auf meiner Wunschliste. Die Berge wurden mein Objekt der Begierde, je höher, desto besser.

Doch der Mensch und seine Wünsche verändern sich.

Nach dem Fall der Mauer wurde für uns der Osten Deutschlands zum begehrten Reiseland und die deutsche östliche Ostseeküste mit ihren Inseln ist ein wahres Erlebnisparadies.

abc.etüden (11/1)

Und wieder gab es bei Textstaub am vergangenen Sonntag drei Wörter für das sonntägliche Schreibprojekt:

Fluss
Rost
milchweiß

 

abc.etüden/ Beruf und Leidenschaft (11/1)

Sei Jahrhunderten floss er träge dahin, veränderte sein Bett nur für geübte Kenneraugen und behielt seine tiefen Geheimnisse meistens für sich.

Wie oft war Thomas schon an diesen Fluss gerufen worden und stand jedes Mal erschüttert vor dem, was er preisgab. Taucher beförderten ganze Wagenladungen von Unrat an die Wasseroberfläche, bis hin zu versunkenen Autos, die sich als wahre Rost-Lauben entpuppten.

Früh um sechs hatte man ihn angerufen, an einem Tag, an dem die Frühlingssonne zur Höchstform auflaufen wollte und sich alle menschlichen Sinne der aufbrechenden Natur hingaben. Er stand am Ufer des Flusses, die Hände zu Fäusten geballt und seine Augen füllten sich mit Tränen, als er ihren makellos schönen, milchweißen nackten Körper betrachtete. Ein gezielter Schuss mitten ins Herz hatte dieses junge Leben brutal ausgelöscht und wie eine Kerze ausgeblasen.

Er sah zum wolkenlosen Himmel hinauf, damit der Kollege, der auf ihn zueilte, seine Tränen nicht sah. Und wie immer in solchen Fällen schaffte sich sein Ehrgeiz einen Raum, dieses Schwein zu finden und möglichst für immer hinter Gitter zu bringen.

Er hatte keine Zeit zu verlieren.