Vom Sehen und Hören (4)

Vom Sehen und Hören (4)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

Hier sind  wieder mal unsere  Fähigkeiten des Sehens und des Hörens angesprochen.

Wie sehr haben wir uns doch in unseren Komfortzonen eingerichtet, in einem Land und einem  Leben, das uns zwar nicht immer als das erscheint, was wir uns verdient zu haben glauben, das uns aber in einer Sicherheit wiegt, die uns, oberflächlich gesehen, zufrieden stellt. Die ewigen Nörgler, Besserwisser und Unzufriedenen wird es immer geben und wenn ihnen keiner zuhört, werden sie sich auch wieder beruhigen. Und die Menschen am Rand unserer Gesellschaft hat es auch immer gegeben.

Und doch –  manchmal kommt ein Weckruf, ein schrilles Klingeln, das uns hochfahren lässt und uns die Augen und die Ohren  öffnet. Wir werden darauf gestoßen, dass unsere vermeintliche Sicherheit nur ein hauchdünnes Blättchen ist, das seine Richtung ändert, wenn der Wind mal ein wenig dreht. Dann erzittern wir in unseren Komfortzonen, rücken ängstlich aneinander, denn plötzlich ist es um uns herum kalt und dunkel. Das Leben auf den großen Bühnen der Welt und auch auf unserer eigenen kleinen Lebensbühne erzittert, gerät durcheinander und ins Wanken.

Und wir?

Bauen wir unser Häuschen der Sicherheit neu auf und richten uns wieder gemütlich ein oder stehen wir auf, mit dem glasklaren Blick der Erkenntnis, was um uns herum geschieht und unsere Erde bedroht? Packen wir die Probleme entschlossen, alle gemeinsam an, oder warten wir, bis sich der Aufruhr wieder gelegt hat und unsere eigene kleine Komfortzone uns die gewohnte Sicherheit zurückgibt?

© Text und Foto: G. Bessen

Auf dem Weihnachtsweg 16

IM WESENTLICHEN

Wenn du mich fragst,
wann ich das letzte Mal
etwas Wesentliches gesagt habe –
vielleicht ist es
nur wenige Sekunden her.

Wenn ich dir sagen soll,
wann ich wesentlich gehandelt habe –
es wird mir sicherlich ein Beispiel
aus den letzten Tagen einfallen.

Und wenn du dich danach erkundigst,
wann ich wirklich und wahrhaftig
wesentlich gelebt habe –
mein Gott, es wird doch nicht
Jahre her sein!

© Hans-Joachim Eckstein, ev. Theologe

leben

Mein Baumhaus

Mein Baumhaus

Manchmal ziehe ich mich
in mein Baumhaus zurück
um alleine zu sein
und meine Gedanken
zu sammeln.

Erst wenn sich
Buchstaben zu Silben,
Silben zu Wörtern
und Wörter
zu Sätzen
verwoben haben,
hat der Prozess
der Reife begonnen.

Gedanken tanzen
durch die Luft
und lassen sich
behutsam nieder.

baumhaus
© Text und Foto: G.Bessen