Briefe von Dir

Briefe von Dir
bleiben mir
aus einer Zeit,
so nah und doch so weit.

Wir waren jung,
naiv, verliebt,
voll Staunen,
dass es so was gibt.

Ich weiß nicht,
wo Du heute bist
und wer
an Deiner Seite ist.

Briefe von Dir
bleiben mir,
zarte Worte
auf vergilbtem Papier.

 © Text und Foto: G. Bessen

Hände

Hände

Wärme mich, wenn mir kalt ist.
Tröste mich, wenn ich traurig bin.
Halte mich, wenn ich zu fallen drohe.
Gib mir etwas von Deiner Kraft,
wenn meine Kräfte schwinden.
Gib mir Zuversicht
in meiner Hoffnungslosigkeit.

Halte meine Hand
bis zum letzten Atemzug.

Mit
Deiner Wärme,
Deiner Kraft,
Deiner Zuversicht
finde ich das Licht
am Ende des Tunnels.

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©Text und Foto: G. Bessen

abc:etüden (4)

abc-neu-6-17

Textstaub

bietet ein sonntägliches Schreibprojekt an:

  • Texte zur Liebe
  • maximal 10 Sätze
  • jeden Sonntag gibt er drei Wörter vor, die im Text vorkommen sollen (siehe unten)
  • aktuell: Thema Bahnhof, Prag-Moped-Zirkus

abc.etüden/Karel

Immer wieder gab Karel ihr Rätsel auf und war eine harte Nuss, die sie zwar gerne knacken wollte, aber nicht konnte. Er hatte sie mit seinem Moped am U-Bahnhof abgesetzt und war mit quietschenden Reifen davon gefahren.bahnhof-1

Dabei konnte er sich doch mittlerweile in seinem Beruf und bedingt durch seine gehobene Stellung ein Traumauto leisten.auto-3

Wie in jedem Jahr war die Stadt auch in diesem August voller Touristen, die Innenstadt Prags platzte fast aus den Nähten. Das Wetter zeigte sich von seiner besten sommerlichen Seite und die Studenten nutzten die Semesterferien, um sich ihr Taschengeld durch ihre Kunststücke, musikalische Darbietungen oder als Reiseführer ein wenig aufzubessern.

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Manche waren so talentiert, dass sie sogar im Zirkus auftreten konnten. Auch Karel hatte diese lieb gewonnene Gewohnheit aus seiner Studienzeit beibehalten.

zirkus-2Sie beeilte sich, um rechtzeitig da zu sein, wenn er mit Hannah  seinen großen Auftritt hatte. Oder nagte doch ein Quentchen Eifersucht an ihr, wenn sich der Gedanke einschlich, dass Hannah und er mehr als ein Künstlerpaar waren?

Sie kämpfte sich durch die große Menschenmenge, um einen guten Platz zu bekommen, auf dem sie nichts über-sehen würde…..kunststueckeFotos: G.Bessen, Prag August 2016

Auf dem Weihnachtsweg 23

kerzen

Vier Kerzen

Eine Kerze für den Frieden,
die wir brauchen,
weil der Streit nicht ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten
eine Kerze für den Mut.

Eine Kerze für die Hoffnung
gegen Angst und Herzensnot,
wenn Verzagtsein unsren Glauben
heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe
als die wichtigste der Welt:
eine Kerze für die Liebe,
voller Demut aufgestellt,

daß ihr Leuchten den Verirrten
für den Rückweg ja nicht fehlt,
weil am Ende nur die Liebe
für den Menschen wirklich zählt.

 Elli Michler 1923-2014
Aus: Ich wünsche dir Zeit ,

© Don Bosco Verlag  München, 5.Aufl. 2010

 

Wie Pech und Schwefel

Wie Pech und Schwefel

hc3a4nde-2Wir haben – gefühlt – schon zusammen im Sandkasten gespielt. Die Schulzeit haben wir gemeinsam erlebt. Wen wundert es also, dass wir auch ein Paar geworden und bis heute geblieben sind? Waren wir je zwei Singles? Kaum vorstellbar! Wir kennen uns in- und auswendig.  Jeden deiner Gedanken kann ich erraten, je nachdem, wie sich dein Gesichtsausdruck verändert. Deine Gesten sind mir vertraut, als wären sie meine eigenen.  Umgekehrt ist es genauso. Wie oft haben wir beide plötzlich  denselben Gedanken ausgesprochen? Und dieselbe Idee gehabt?

Selbst, als meine Stimmbänder entzündet waren und ich zum Schweigen verurteilt war  und du dich weigertest, dein Hörgerät einzusetzen, hatten wir keine Verständigungsprobleme.

Wir haben  gegenseitig gut aufeinander aufgepasst, sind geistig und körperlich recht fit und genießen jeden Tag ganz bewusst. Es könnte der letzte sein. Du bist derselbe zärtliche Liebhaber geblieben wie in jungen Jahren. Manch junger Mann könnte bei dir noch etwas lernen. Selbst, wenn unsere Augen mal in die eine oder andere Richtung gegangen sind, haben wir stets nach dem Leitspruch ‚Appetit kann man sich woanders holen, gegessen wird zu Hause’ gelebt. Unser Leben hatte Hochs und Tiefs, wir haben jede Phase zusammen gemeistert. Wir können stolz auf uns, auf unsere Kinder und auf unsere gemeinsame Zeit sein.

Schon jetzt fange ich an, insgeheim deinen achtzigsten Geburtstag vorzubereiten. Aber so wie ich dich kenne, ahnst du das bereits. Es wird ein rauschendes Fest. Und im Jahr darauf feiere ich meinen achtzigsten. Den wirst du leise und unauffällig vorbereiten. Das weiß ich. Und wenn der Tag irgendwann da ist, dass einer von uns gehen muss, wird der andere sicher bald folgen. Ohne den anderen ist das Leben undenkbar geworden.

 „Sie“ ist mittlerweile 86 und „er“ 87.

Anfang Oktober haben sie ihre „Eiserne Hochzeit“ in der Spandauer Zitadelle gefeiert.

eiserne-hochzeit

  © G.Bessen 2010 und 2016

 

 

Leben ist Liebe

Leben ist Liebe

Ich bin um dich
in Büschen und Bäumen,
in blühenden Zweigen,
im Summen der Bienen,
die nach Nektar suchen.

In der Wärme der Nacht,
die bis eben gelacht,
im Windhauch, der die
duftige Gardine bläht.

Ich bin im Gesang der
Drossel, die mit ihrem
Bräutigam schäkert und
graziös und grazil ihr
Köpfchen dreht,

in reifenden Beeren, die
sich noch gegen das Pflücken
wehren. Jeder Sonnenstrahl
kennt meinen Namen.

Warmer Sand, der durch deine
Finger rieselt, spricht dir von mir,
während Wellengekräusel
deine Zehen findet und mit
ihnen Verstecken spielt.

Ich bin deine Liebe
zum   L e b e n

© Bruni Kantz

****************

Leben ist Liebe

Ich bin um dich
im Sturm und im Regen,
in nackten Ästen und Wesen,
die nach Schutz suchen.

In der Kälte der Nacht,
die dir zu schaffen macht,
im Sturm, der eisig
das Haus in seinen Klauen hält.

Ich bin in deinen Träumen,
die dich entführen
und dir helfen,
dein Leben zu ordnen.

Ich bin in den Wesen,
die sich verkriechen,
zu überleben,
was ihren Lebensraum bedrängt.

Weißer  Schnee,
der deine Hände kühlt,
spricht dir von mir,
während nasse Feuchte
deine Zehen findet
und sie umschlingt.

Ich bin deine Liebe
zum   L e b e n

©  G.B.

Das Licht der Liebe

Z – wie Zerreissprobe

Ihre schallende Ohrfeige traf ihn völlig unvorbereitet. Reflexartig riss er die Hand hoch und legte sie schützend auf seine brennende Wange. Sie starrten sich an, ungläubig, entsetzt  und fassungslos.

Sein Blick war vernichtend und ging ihr durch Mark und Bein. Sie wollte sich bei ihm entschuldigen, aber sie brachte kein Wort heraus.

 „Warum tust du das?“, fragte er kurz.

„Ich… weiß es nicht. Ich bin so wütend.“

Statt einer Antwort drehte er sich abrupt um. Sie hörte, wie er ins Badezimmer ging, den Wasserhahn kurz aufdrehte und sich wusch. Kurz danach schlug die Eingangstür ins Schloss.

Er war gegangen, ohne ein Wort.

Ihre Hände zitterten. Sie goss sich einen Kognakschwenker voll Weinbrand ein, setzte sich auf die Couch und starrte vor sich hin. Was war bloß in sie gefahren?

Das Zittern in ihren Händen ließ langsam nach und auch ihr Gehirn fing an, wieder zu arbeiten. Sie hatte eine Stinkwut auf ihn und auf sich.

Warum hatte sie nicht versucht, mit ihm zu reden?

Verloren schaute sie sich um. Sie konnte nicht einschätzen, wie es weitergehen würde. Wohin er gegangen war, konnte sie nur mutmaßen. Ihr fielen nur zwei Möglichkeiten ein, eine Kneipe, in der er sich nun volllaufen lassen würde oder er würde wieder zu ihr gehen.

Da war er wieder, dieser beißende Schmerz der Eifersucht, der seit Tagen an ihr nagte und das Fass zum Überlaufen gebracht hatte.

Sie hatten sich vor zwei Jahren kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Eine leidenschaftliche Liebe, die große Opfer auf beiden Seiten forderte. Als beide die Lügereien und Heimlichkeiten nicht mehr ertrugen, kam die Wahrheit ans Licht.

Bea zog aus dem gemeinsamen Haus, das sie mit ihrem Mann Marc und der gemeinsamen Tochter Vivien bewohnte, aus und zahlte dafür einen großen Preis, sie musste auf ihr Kind, das bei seinem Vater blieb, verzichten. Marc hatte das Sorgerecht bekommen und sie musste mit den wenigen Wochenenden, an denen sie ihre Tochter bei sich haben durfte, zufrieden sein.

Pit traf es doppelt hart. Sein Sohn Daniel war erst drei Jahre alt und seine Frau Monika war im sechsten Monat schwanger. Für Monika brach eine Welt zusammen.

Ihre Liebe füreinander machte sie stark, mit diesen Verlusten wegen der Kinder zu leben. Sie suchten sich eine kleine gemütliche Wohnung und mit finanziellen Abstrichen, denn dazu fühlten sie sich moralisch ihren ehemaligen Partnern und Kindern verpflichtet,  führten sie ein  liebevolles harmonisches Leben. Sie lasen sich ihre Wünsche gegenseitig von den Augen ab, richteten sich in schweren Stunden gegenseitig auf und hatten manchmal Angst, dass das große Glück in ihren Händen von heute auf morgen zerrinnen könnte.

„Eines Tages werden wir dafür bezahlen, dass wir unsere Kinder im Stich gelassen haben“, sagte Bea oft und dachte dabei sehnsuchtsvoll an Vivien.

Alles war gut, bis vor vier Wochen.

Während Marc nichts mehr von Bea sehen und hören wollte und sich sehr schnell mit Beas bester Freundin getröstet hatte, gelang es Pit, ein entspanntes Verhältnis zu Monika aufzubauen. Die Kinder sollten nicht darunter leiden.

Marc spielte seinen Einfluss auf die sechsjährige Vivien  voll aus. Es kostete Bea viel Geduld und Liebe, das Bild der egoistischen Rabenmutter, das Vivien sich von ihrem Vater hatte einreden lassen, bei jedem Zusammensein wieder geradezurücken. Bea wusste, dass es nie eine Möglichkeit geben würde, mit Marc ein halbwegs entspanntes Verhältnis aufzubauen.

Wenn Pit zu Monika und den Kindern fuhr, versuchte Bea loszulassen und ihre übertriebene Eifersucht im Zaum zu halten. Sie redete ihm sogar zu, den Kontakt zu seinen Kindern zu intensivieren. Aber die Angst, er könne zu Monika zurückkehren, saß tief in ihr fest. Und Monika – sie würde ihn mit Kusshand zurücknehmen.

Vor vier Wochen hatte Pit abends angeblich ein Geschäftsessen. Das war in seinem Beruf nichts Außergewöhnliches. Bea verabredete sich mit ihrer Freundin Denisa für einen Kinobesuch. Sie hatten einen schönen unterhaltsamen Abend und wollten danach noch etwas Essen gehen.

Rechtzeitig, bevor sie das Restaurant betraten, entdeckte Bea ihren Pit – zusammen mit Monika. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

„Komm, lass uns woanders hingehen.“ Fast gewaltsam zog sie Denisa von dem Lokal weg.

„Dafür gibt es bestimmt eine ganz logische Erklärung. Lass uns reingehen. Gehe freundlich auf ihn zu und frag ihn einfach.“

„Das kann ich nicht, lass uns bitte gehen.“ Bea war leichenblass geworden und der Abend war gelaufen.

Beas Angst, Pit wieder an Monika zu verlieren, hatte sich wie ein giftiger Stachel in ihr festgesetzt. Sie reagierte zunehmend launisch und aggressiv. Pit verstand die Welt nicht mehr, er konnte sich aus Beas Verhalten keinen  Reim mehr machen.

Jedes Mal, wenn Pit später als normal von der Arbeit kam – und das passierte in letzter Zeit sehr häufig –  ging Beas Fantasie mit ihr durch. Sie malte sich in den schillernden Farben aus, dass Pit die späten Abendstunden zärtlich mit Monika verbrachte. Dass er regelmäßig über eine enorme Arbeitsbelastung klagte und am frühen Abend schon todmüde war, wenn er pünktlich kam, nahm sie nicht wahr.

Sie kippte sich erneut einen Kognak ein. Je mehr Alkohol sie trank, desto mutiger wurde sie. Sie griff zum Telefon und wählte Monikas Nummer. Sie hatten beide ein sehr distanziertes Verhältnis zueinander und sahen sich nur mal kurz, wenn Pit seine Kinder nach Hause brachte.

Monika schien schon geschlafen zu haben.  Bea hörte ein langgezogenes „Hallo“ am anderen Ende der Leitung.

„Hier ist Bea. Kann ich bitte Pit sprechen?“

Monika schien mit einem Mal hellwach zu sein.

„Machst du Witze? Wieso sollte Pit denn hier sein?“

„Ist er nicht?“, fragte Bea unsicher zurück.

„Er hat mein Bett vor langer Zeit mit deinem getauscht, wie du wohl weißt“, konterte Monika.

Bea schwieg und fasste sich an den schmerzenden Kopf.

„Bea, ist alles in Ordnung?“, Monika schien sich keinen Reim auf die Situation machen zu können und klang besorgt.

„Pit ist weg und ich dachte, er sei bei dir.“

„Zugegeben, er war in letzter Zeit oft hier. Ich hätte das alles sonst nicht geschafft.“

„Was geschafft?“, fragte Bea zögernd.

„Wir ziehen in zwei Tagen in den Schwarzwald. Ich habe dort endlich eine feste Anstellung bekommen. Ohne Pits Hilfe hätte ich die ganzen Formalitäten, die Rennereien  und die Organisation des Umzuges mit den Kindern nicht geschafft.“

Bea schwieg. Ihre Gedanken überschlugen sich.

„Bea, bist du noch da? Hast du davon etwa nichts gewusst?“.

„Doch, klar, das hat er mir erzählt. Entschuldige bitte, dass ich dich geweckt habe. Ich hatte da wohl etwas falsch verstanden. Alles Gute für euch, bis bald.“

Bea legte hastig den Hörer auf, schnappte sich ihren Mantel und zog los, um Pit zu suchen und sich zu entschuldigen. Und sie wusste, wo sie ihn finden würde – bei seinem besten Freund Rolf.

© G.B. 2009