Mit allen Sinnen

Mit allen Sinnen

Wie gern ich sie rieche,
die frische Morgenluft,
gereinigt durch die Nacht,
belebend und kühl.

Wie gern ich sie schmecke,
die sonnige Mittagsluft,
gespickt mit Gewürzen,
Kräutern und Gaben.

Wie gern ich sie sehe,
die satte Luft des Abends,
mit dem Tanz der Insekten
und dem Lied vom Tag.

Wie gern ich sie höre,
die Stille der Nacht,
gehüllt in das Dunkel,
das Sicherheit schafft.

© Text und Fotos: G. Bessen

An Tagen wie diesen…

An Tagen wie diesen…

Hundstage sind die heißen Sommertage, an denen kein Hund freiwillig vor die Tür geht, sondern sich lieber, platt auf allen Vieren ausgestreckt, dem süßen Nichtstun hingibt.

Auch wenn es Hunde und Katzen regnet, was in diesem Sommer vielerorts zum Dauerwetter geworden ist, liegt der Hund gern gemütlich in der guten Stube und denkt an all seine Artgenossen, die es nicht so gut wie er haben.

Der Katzenjammer tritt oft ein, wenn ein süßer Rausch verflogen ist und eine Ernüchterung auf dem Fuße folgt. Das ist ein schlimmer Zustand, den wohl jeder von uns kennt. Ist der Rausch des Alkohols erst einmal verflogen, tritt der Kater auf den Plan.

Was so alles in der Tierwelt für unsere Befindlichkeitsstörungen herhalten muss, das geht auf keine Kuh-Haut. Und so manches tierische Lebewesen denkt, der Mensch an sich und im Speziellen hat einen Vogel.

*****

Eine Ameisenkolonne  krabbelt durch meinen Körper, findet zielgerichtet seine Schwachstellen und begibt sich emsig ans Werk. In ihrem Eifer drehen sie alles von oben nach unten, verteilen systematisch die kleinen Schmerzpunkte, um sie an anderen Stellen wieder anzulanden.  Könnt ihr euch nicht ein anderes Betätigungsfeld suchen? Nachdem gerade ein wenig Schmerzlosigkeit über die müden Knochen gewachsen ist, kommt ihr und wühlt wie ein Maulwurf alles wieder auf.

Der Specht im Kopf, ein wahres Energiebündel, hämmert mit einer Lautstärke vor sich hin, dass es durch den ganzen Körper klingt und  sich  das Echo in die Tiefen der Hals- und Brustwirbelsäule schwingt.

Irgendetwas in Magenhöhe scheint mit dem Inhalt dessen nicht einverstanden zu sein. Ein gefühltes Hin und Her erinnert mich an meine frühere Leidenschaft, Achterbahn zu fahren. Aber heute doch nicht mehr. Lieber Mageninhalt, lass dich nicht provozieren und bleibe bitte dort, wo du hingehörst.

Die strahlende Sonne blendet, die angenehmen Temperaturen lassen mich frieren. Es bleibt nur ein Ausweg, ins Bett. Die Türe schließen, die Decke über die Ohren ziehen und einfach  nur fallen lassen. Zu den Klängen von Entspannungsmusik, auf die ich mich einlasse, lassen die Muskeln nach und nach ihre Spannung los, werden weich und  nahezu schmerzfrei. Dem Specht im Kopf scheint das sanfte Plätschern der Musik nicht in seine Melodie zu passen, er fliegt verärgert davon.

Die Bauchatmung lässt die inneren Organe fühlbar wieder an ihre angestammte Stelle gelangen, der Herzschlag verlangsamt sich und mitten am Tag umhüllt mich die Wolke des Schlafes wie eine zarte flaumige Decke.

Nichts und niemand stört mich.

Wenn der Körper streiken will, sucht er sich oft freie Tage aus, um uns ein Zeichen zu setzen, besser auf uns aufzupassen.

Das pfeifen die Spatzen immer wieder von den Dächern.

© G.Bessen, 2016