Schreibeinladung für die Textwochen 28.29.19(3)

Christiane lädt  noch einmal zur Etüde vor der Sommerpause ein:

Die Wörter für die Textwochen 28/29 des Schreibjahres 2019 kommen zum ersten Mal von Gerhard und seinem Blog Kopf und Gestalt. Die neuen Begriffe lauten:

Füße
harmonisch
wünschen

In der Spur bleiben

Oft wünsche ich mir, dem Drang meiner Füße folgen zu dürfen und einfach loszulaufen, gespannt darauf, welches Ziel meine Füße anstreben. Fernab vom staubigen Straßenpflaster, kalten Steinfußböden und Parkett möchte ich den warmen Waldboden oder feuchte Wiesen unter meinen Füßen spüren, ganz eins sein mit der Natur.

Bei Ausflügen vor meinem inneren Auge stoße ich auf Barfußspuren im feuchten Sand eines Strandes und sehe Lebenslinien: Harmonisch, weich und immer wieder von Meerwasser umspült, bis sie schließlich ganz verschwunden sind.

Faszinierend finde ich Spuren im frisch gefallenen, noch jungfräulichen Schnee. Kleine Füße und große Füße, kleine Pfoten und große Pfoten, zwei oder vier an der Zahl, haben hier ihre Muster hinterlassen und sie bleiben, bis der Wind sie verweht, neuer Schnee sie sanft zudeckt oder die Sonne sie zerfließen lässt.


Ich wünsche mir, geerdet zu bleiben, überall und jederzeit mit beiden Füßen fest auf dem Boden des Lebens stehen zu dürfen, egal wie stark der Sturm des Lebens um mich herum wird. Stark wie ein Baum hoffe ich, allen Widrigkeiten zu trotzen.
Und wenn unser eigener Weg einmal zu Ende geht, bleibt zu wünschen, dass er richtungweisend ist und andere sich an unseren hinterlassenen Fußabdrücken erfreuen können.

194 Wörter

abc.etüden (27.1)

Für die abc.etüden, Woche 27.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni (wortbehagen.de) und lauten:

 

 

 

Achterbahn
Straßenschlucht
einzigartig

 

abc/etüden/Auf besonderen Wegen (12)

 Die Ehe von Hildchen und Ludwig war immer gleichförmig gewesen, ohne nennenswerte Höhen und Tiefen und schon gar nicht wie eine spannende Achterbahnfahrt durchs gemeinsame Leben.

Sie hatten sich als Jugendliche im Jugendclub der Gemeinde kennengelernt, sich verliebt und mit dem Drang, früh zuhause auszuziehen, geheiratet. Töchterchen Charlotte, einzigartig was das nächtliche Durchschlafen betraf, kam mit genau Monaten als wahrer Wonneproppen auf die Welt und bis zu ihrer Volljährigkeit waren sie eine durchschnittliche Familie, zufrieden mit sich und der Welt.

Nun waren beide unterwegs, keiner wusste vom anderen, wo er war.

Hildchen machte sich seit der Postkarte ihres Angetrauten natürlich Sorgen, wo er steckte, denn die Nummer mit dem Jakobsweg war eine so platte, die hätte selbst der Weihnachtsmann nicht von sich gegeben. Die Annahme, dass er sie nach Strich und Faden belügen und betrügen würde, ließ sie nicht so nah an sich herankommen. Und Ludwig steckte so tief in der Klemme, dass er weder aus noch ein wusste und all seine Felle dahin schwimmen sah. Er wusste, dass er Hildchen eine Menge zumuten konnte, doch Lügen waren das Schlimmste, was er ihr antun konnte. Das war, als würde er die Büchse der Pandora öffnen.

Den Kopf eingezogen, eilte er durch die Straßenschluchten bis er sein Hotel erreicht hatte, während Hildchen und Antonia auf dem Rückweg von Breslau nach Hause waren und Hildchen unvermittelt zu Antonia sagte: „Ja, meine Liebe, ich mache mir große Sorgen um Ludwig und weiß gar nicht, wo ich nach ihm suchen soll.“