Ewigkeitssonntag – Totensonntag

„Den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.“
(Mascha Kaleko)

 

Wenn die Tage kürzer werden
und es früh schon dunkel wird,
gehören die Gedanken denen,
die längst nicht mehr bei uns sind.

Wie sie unser Leben prägten,
uns geformt Jahrzehnte lang,
mal mit Sanftmut, mal mit Strenge,
ohne uns je aufzugeben. 

Drum wir zünden Kerzen an,
stehen still an ihrem Grab,
voller Dankbarkeit und Liebe,
besonders heut’, an diesem Tag.

Selbst, wenn sie nicht  mehr bei uns sind,
in unseren Herzen leben sie.
Und die Kerzen auf den Gräbern
leuchten voller Harmonie.

©Text und Foto:  G.Bessen

 

Angeeckt

Angeeckt
Die Gefühle nicht versteckt
Den Worten ihren Lauf gelassen
Ohne dabei zu erblassen.

Dem anderen
Hab’ ich mitgeteilt
Dass er zu weit geht
Meilenweit.

Die Botschaft
Hat er wohl verstanden
Es ist an ihm
Nun doch zu handeln.

Mir ist jetzt
Wohlig warm ums Herz
Mich plagt kein
Übler Magenschmerz.

© Text und Foto: G.Bessen

 

 

Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.20 |

Die Wörter für die Textwochen 45/46 des Schreibjahres 2020 stiftete zum ersten Mal Kain Schreiber mit seinem Blog Gedankenflut. Sie lauten:

Nachtlicht
lieblich
teilen

Mit diesen 3 Begriffen in maximal 300 Wörtern entsteht eine Etüde, zu der Christiane wieder mal eingeladen hat.

11.11.

Der Morgen brach an wie so mancher Morgen in den letzten Monaten. Es war ungewöhnlich still und der Mond begann, die letzten Schimmer seines ohnehin diffusen Nachtlichtes einzusammeln. Die Welt lag noch in tiefem Schlummer und schien keine Eile zu haben, das mit Überschwang zu ändern.

Dieser beginnende Tag war legendär und von reichem Brauchtum geschmückt. Einst ein wichtiger Markttag im Mittelalter und früher der Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit, hatte auch der heilige Martin sicher jedes Jahr seine Freude, wenn Kinder mit ihren selbst gebastelten Laternen singend durch die Straßen zogen, Pferd und Reiter mit glänzenden Augen folgten und sich auf die Martinsbrezeln und heißen Kakao freuen durften. Ganz froh war es vielen Martinsgänsen ums Herz, denn in diesem Jahr waren viele von ihnen unerwartet mit lebensrettenden Maßnahmen beschenkt worden.

Und die närrische Zeit, jedes Jahr um 11 Uhr 11 mit Getöse ausgerufen, würde sich heute wohl eher mit einem lieblichen Säuseln zufriedengeben müssen.

Alles war anders an diesem 11. November, aber musste es daher schlechter sein?

Wie immer im November rieselten die trockenen gelben Blätter von den Bäumen und legten sich in den Schoß von Mutter Natur zur winterlichen Ruhe. Der naturgegebene Verlauf des Jahres nahm auf die Menschen ohnehin keine Rücksicht.

Die dem Menschen auferlegte Stille lässt zur Ruhe kommen und darüber nachdenken, was wir eigentlich wirklich brauchen. Sind es die heroischen Taten, vielfältige Erlebnisse und lauten Spektakel, die unser Leben definieren oder können wir uns wieder darauf besinnen, fast unscheinbare Begebenheiten ins rechte Licht zu rücken, kleine Ursachen mit großer Wirkung zu erleben und das miteinander zu teilen, was unsere Welt ein wenig heller und lebenswerter macht?

Ein DANKE, ein freundliches Lächeln, eine Geste der Hilfsbereitschaft reichen oft schon aus. Nicht die großen Sprünge sind entscheidend, viele kleine Schritte machen einen Weg ebenso zum unvergesslichen Erlebnis.

300 Wörter

© G. Bessen

9. November

9. November 1989

Als die Mauer fiel,
brandete Jubel auf.

Als die Mauer fiel,
überflutete Hoffnung das Land.

Als die Mauer fiel,
fielen wir uns in die Arme.

Als die Mauer fiel,
begann eine neue Zeit.

Wann endlich fällt
die Mauer in unseren Köpfen?

© Gisela Baltes

Quelle: http://impulstexte.de/

9. November 2020

Als Corona kam,
traf uns der Schock bis ins Mark.

Als der Lockdown kam,
stand unsere Gesellschaft zusammen.

Als die Zahlen rückläufig wurden,
blühten wir auf wie Sommerblumen.

Wann endlich begreifen wir,
dass nur ein Miteinander
aus dieser tiefen Krise führt?

© G. Bessen 11/2020