Zivilcourage A. D. 33

Damals vor fast 2000 Jahren
saß eine am Wegrand
sah den Gefesselten
wusste um seine Unschuld
stand auf und stellte sich
an seine Seite.

Sie wischte seinen Schweiß fort.

Das ist ewig her
doch man erzählt davon noch heute.
Nur Besonderheiten leben so lange.

Es scheint
Gemeinschaft mit unrecht Leidenden
erfordert zu viel Mut
um Tagesordnung zu sein.

Es braucht nicht nur große Helden
mit spektakulären Befreiungstaten –
winzige Gesten der Solidarität reichen
die Flamme der Hoffnung zu nähren.

Wir könnten sie tun.

© Maria Sassin

Vogel sein

vor sich hin pfeifen
einfach aus lust und liebe
grad wie die amsel
glaub mir das wärs

flügel haben
sich tragen lassen vom wind
grad wie die möwe
ja glaub mir das wärs

wie aber einander umarmen
ohne arme ohne hände
himmel was solls
pfeifen wir auf die flügel

© Harald Grill

Aus: »baustellen des himmels. Gedichte«, Edition Toni Pongratz 126

Winterlich

Im Winter nehmen wir
die Stimmenvielfalt
in der Natur
nicht wahr.
Und doch ist sie da.

Verhalten
und eingebettet
in den Kreislauf
der Jahreszeiten,
sammelt sie Kraft,
um uns
mit ihrer Harmonie
zu betören,
wenn die Zeit
gekommen ist.

© Text und Foto: G.Bessen 1/2021

 

Zeitfenster und Jahreswechsel

Jahreswechsel

Wenn ein Jahr geht,
hinterlässt es Spuren
freudiger Erinnerungen
und unliebsamer Momente.

Lassen wir es gehen
in dem Glauben,
dass alles so sein sollte,
wie es war.

An der Schwelle
steht ein neues Jahr,
unbeschrieben wie ein leeres Blatt.

Heißen wir es
WILLKOMMEN.

© G. Bessen