Auf dem Weihnachtsweg: 11. Dezember

Wir wünschen uns das Paradies auf Erden
und doch sind wir weit davon entfernt.

Wenige sind reich,
viele sind arm.

Wenige sind satt,
viele hungern.

Wenige erleben Frieden,
viele leben im Krieg.

Licht und Schatten prägen unser Leben
und inwieweit sich Himmel und Erde
aneinander annähern, liegt auch in unserer Hand.

Geben wir uns mit dem zufrieden, was wir sind und was wir haben, oder streben wir nach Veränderung? Nur ein Aufbruch, ein Verlassen der eigenen Komfortzonen, kann bewirken, dass sich die Lebenschancen für alle verändern und Friede und Gerechtigkeit einen breiteren Raum einnehmen.

© Text: G. Bessen, Fotos: pixabay

Seitdem ich lebe, schien mir der Frieden
auf unserer Welt
noch nie so brüchig wie heute.

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Auf dem Weihnachtsweg: 10. Dezember und 2. Advent

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh‘ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins weite Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
(1788 – 1857), deutscher Dichter, Novellist und Dramatiker
https://www.aphorismen.de/gedicht/18958

Markt und Straßen steh’n verlassen,
– verlassen? – Vielleicht wenn der Weihnachtsmarkt zu ist!
still erleuchtet jedes Haus;
– still erleuchtet? – Da flackert es schreiend bunt! Was für Stromkosten!
sinnend geh ich durch die Gassen,
– gehen? – Die Menschenmassen schieben dich!
alles sieht so festlich aus.
– festlich? – Vieles eher kitschig!

An den Fenstern haben Frauen
– an den Fenstern? – Fassaden, Dächer, Vorgärten sind aufgerüstet!
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
– fromm? – Die geben ein Heidengeld dafür aus!
tausend Kindlein steh’n und schauen,
– steh’n? – Die laufen vorbei und machen’s kaputt!
sind so wunderstill beglückt.
– beglückt? – Höchstens noch im Kleinkindalter!

Und ich wandre aus den Mauern
– wandern? – Dazu hab’ ich keine Zeit! Doch nicht jetzt!
bis hinaus ins freie Feld.
– freies Feld? – Da müsste ich weit fahren!
Hehres Glänzen, heilges Schauern,
– heilig? – Eher handfester Konsum!
wie so weit und still die Welt!
– still? In der Weihnachtszeit? Wo denn das?

Sterne hoch die Kreise schlingen;
– Sterne? – Seh’ ich in der Stadt vor lauter Lichtern nicht!
aus des Schnees Einsamkeit
– Schnee? – Wann hatten wir das letzte Mal weiße Weihnacht?
steigt’s wie wunderbares Singen.
– Singen? Singt noch jemand Weihnachtslieder?
O
du gnadenreiche Zeit!
– Zeit? – Gnadenreiche Zeit? Vielleicht nach Weihnachten!

(Mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung von einer Bekannten)

 

Auf dem Weihnachtsweg: 8. Dezember

Alternative?

Begegnung zwischen Maria und einem Engel.
Verkündigung – Erwählung für eine große Aufgabe
Marias Antwort: Nein, ich tue das nicht.

Maria hat gute Gründe:
Ich bin noch zu jung
Ich kann das einfach nicht
Am Ende läuft der Bub noch davon.
Womöglich geht er Wege, die ich nicht verstehe.
Und übrigens: Mein Mann Josef will das nicht
Geh doch zu meiner Nachbarin und frag dort.

So zieht der Engel immer noch
von einer Tür zur nächsten
und wird weiter geschickt…

Dagegen – unsere frohe Botschaft:
Maria sagte Ja …

© Franz Troyer

Auf dem Weihnachtsweg: 5. Dezember

 

Wir sagen euch an den lieben Advent

Advent, Ankommen, ist mir das eigentlich klar?

Siehe die erste Kerze brennt.

Eine nach der anderen; sie sollen mich hinführen zum Ende und zugleich zum Anfang:

Weihnachten!

Wir sagen euch an eine heilige Zeit,

geprägt vom Konsum, unruhig, nur noch getrieben

Machet dem Herrn die Wege bereit!

Die Fressstraßen der Christkindlmärkte? Die Shoppingmalls der Kaufhäuser? Die künstlich beschneiten Skipisten? Die autogefüllten Straßen der Stadt?

Freut euch ihr Christen,

Die gibt’s doch gar nicht mehr, die heißen doch nur noch so und kramen halt ihr Christsein schnell mal an Weihnachten hervor.

Freuet euch sehr,

Auf die Geschenke? Das Familientreffen? Die Christmette? Die Weihnachtsgans?

Schon ist nahe der Herr

Aber: Auch wenn wir ihn aussperren, nicht mehr an uns heranlassen; er ist da. Er ist damals für uns gekommen und er kommt immer wieder; in Gestalt eines Mitmenschen, der Hilfe braucht, in einem guten Freund, der uns zur Seite steht; immer wieder neu.

 ©Text: Florian Raith

Foto: pixabay