Was für Tage

Was für Tage!

Erst Muttertag, dann Vatertag
und selbstverständlich Kindertag.
Zum Omatag ein Opatag,
auch Enkel wollen einen Tag.
Für Onkel, Tante, Katze, Hund,
gestalte diese Tage bunt!

Vom Frauentag und Lehrertag
bis zum Weltnichtrauchertag
Veganer und auch Veteranen
wollen ihren Spaßtag haben.
St. Martin und St. Nikolaus
lassen wir bewusst nicht aus.

Ein Kusstag, Lachtag, Einheitsfrei,
der Faschingstag ist auch dabei,
der Hochzeitstag, sofern gelungen,
wird noch am Scheidungstag besungen.
Ach, liebe Tage, welch ein Glück,
kein Tag bleibt ohne Sinn zurück.

© G. Bessen

 

Vom Sehen und Hören (6)

Vom Sehen und Hören (6)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

 

Überholspur

 Du warst immer der Erste. Dein Studium hast du erfolgreich vor uns beendet, du hattest bereits deinen gut bezahlten Traumjob, als wir noch endlose Bewerbungen schrieben. Du hast Geld nie leiden können, deshalb warst du der Erste, der ein eigenes Haus mit einem ansehnlichen Grundstück vorweisen konnte.

Wir haben bereits geheiratet, als die anderen von uns noch ihre Sturm- und Drang Phase auslebten. Du warst rastlos, seitdem ich dich kenne. Obwohl ich mich bemüht habe, mit dir Schritt zu halten, ging mir die Puste aus. Immer öfter musste ich anhalten, um durchzuatmen. Dein Leben verlief immer auf der Überholspur, risikofreudig, aber genau kalkuliert, bis du den entscheidenden Fehler begangen hast. Frontal hat es dich erwischt, du konntest nicht mehr ausweichen. Du hast dein Leben auf der Überholspur beendet.

Mich hast du einfach auf der Standspur zurückgelassen – alleine. Wie lange werde ich hier verweilen, bis ich mich wieder in den  normalen Verkehr einfädeln kann?

© G. Bessen, 2009

 

Wo du geliebt wirst…

Wo du geliebt wirst,
kannst du getrost alle Masken ablegen,
darfst du dich frei und ganz offen bewegen.
Wo du geliebt wirst,
zählst du nicht nur als Artist,
wo du geliebt wirst,
darfst du so sein, wie du bist.
Wo du geliebt wirst,
mußt du nicht immer nur lachen,
darfst du es wagen, auch traurig zu sein.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Fehler machen
und du bist trotzdem nicht häßlich und klein.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Schwächen zeigen
oder den fehlenden Mut,
brauchst du die Ängste nicht zu verschweigen,
wie das der Furchtsame tut.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Sehnsüchte haben,
manchmal ein Träumender sein,
und für Versäumnisse, fehlende Gaben
räumt man dir mildernde Umstände ein.
Wo du geliebt wirst,
brauchst du nicht ständig zu fragen
nach dem vermeintlichen Preis.
Du wirst von der Liebe getragen,
wenn auch unmerklich und leis.

aus: Elli Michler, „Ich wünsche dir Zeit“
Die schönsten Gedichte von Elli Michler
(c) Don Bosco Verlag, München 2008, 4. Auflage

 

Ende

abc.etüden (15.1.)

                         

Ein Bücherwurm stöbert im Laden,
und findet im Buch kleine  Maden.
„Oh weh, welch ein Graus!!
Wörter plumpsen raus!
Ich brauche doch schöne Balladen!“

Text : G. Bessen
Foto: pixabay

Für die abc.etüden,

Woche 17.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze.

Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Käthe (bittemito) und lauten:

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs und
Irisreinkarnationslied

abc/etüden: Nomen est Omen

Es war so einfach, so verdammt einfach! Tagelang war er durch die Museen gelaufen und hatte seine Werke bis ins Detail studiert. Was konnte der, was er nicht konnte? Ohne hochnäsig sein zu wollen  glaubte er sogar, ein ähnliches Talent zu haben.

Das nützte ihm momentan allerdings wenig, denn sein Stromlieferant VATTENFALL hatte ihm gedroht, ihm in den nächsten Tagen das Licht auszudrehen. Die TELEKOM hatte schon das Internet und sein Telefon lahmgelegt und für die fällige Miete zum Monatsbeginn musste er sich noch etwas einfallen lassen. Sein Vermieter stammte nicht aus der Kategorie der Spaßvögel.

‚Danke, großer Meister’, seufzte er innerlich. ‚Zu deiner Zeit mögen Titel wie Getreideschober, Strada Romana oder Pfingstrosen ausreichend gewesen sein, um nicht als Künstler mit brotloser Kunst ins Armenhaus zu kommen. Ich werde meine Bilder umbenennen.

Willst du ihre Namen wissen? Safranstaubkussspuren, Knospenkollisionskurs und Irisreinkarnationslied.‘

 

 

Mit allen Sinnen

Mit allen Sinnen

Wie gern ich sie rieche,
die frische Morgenluft,
gereinigt durch die Nacht,
belebend und kühl.

Wie gern ich sie schmecke,
die sonnige Mittagsluft,
gespickt mit Gewürzen,
Kräutern und Gaben.

Wie gern ich sie sehe,
die satte Luft des Abends,
mit dem Tanz der Insekten
und dem Lied vom Tag.

Wie gern ich sie höre,
die Stille der Nacht,
gehüllt in das Dunkel,
das Sicherheit schafft.

© Text und Fotos: G. Bessen