Fenster der Seele

 

Die Hoffnung
ist das Fenster unserer Seele,
durch das wir immer
ein Stückchen Himmel sehen.

(Irmgard Erath)

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Auf dem Weihnachtsweg: 24. Dezember-Vierter Advent – Heiligabend

Vier Kerzen

Eine Kerze für den Frieden,
die wir brauchen,
weil der Streit nicht ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten
eine Kerze für den Mut.

Eine Kerze für die Hoffnung
gegen Angst und Herzensnot,
wenn Verzagtsein unsren Glauben
heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe
als die wichtigste der Welt:
eine Kerze für die Liebe,jh
voller Demut aufgestellt,

daß ihr Leuchten den Verirrten
für den Rückweg ja nicht fehlt,
weil am Ende nur die Liebe
für den Menschen wirklich zählt.

Elli Michler

Aus: Ich wünsche dir Zeit , © Don Bosco Verlag, München, 5.Aufl. 2010

Auf dem Weihnachtsweg: 20. Dezember

Weihnachtswünsche

Wir bitten Gott, den Allmächtigen
er möge uns behilflich sein:
Dass wir Weihnachten nicht wie Karneval feiern,
dass wir das Wunder von Bethlehem
nicht mit einem Musical plus Domführung
plus Reeperbahn plus Hafenrundfahrt
und Rhein in Flammen verwechseln,
sondern dass wir die Stille und das Heilige,
nicht nur in der Nacht neu entdecken-
unser kleines und endliches Sein spüren,
aber mit Jesus Christus gleichsam neu
auf die Welt kommen, auch wenn wir schon
betagt sind.
Grosse Freude ist uns verkündigt worden,
soll in uns leben. Erbarmen und Zuversicht
werden uns begleiten. Christus ist unter uns
urjung und uralt,
Freiheit und Erlösung als Geschenk.
Foto: G. Bessen

Text: © Hans Dieter Hüsch (1925 – 2005),
deutscher Kabarettist, Kinderbuchautor, Liedermacher u.a.

Auf dem Weihnachtsweg: 14. Dezember

Die Kerze, die nicht brennen wollte

 

 

Nein, das hatte es noch nicht gegeben. Eine Kerze, die nicht brennen wollte, war absolut einmalig. Es herrschte große Aufregung unter den Kerzen im Wohnzimmer – zumal bald Weihnachten gefeiert werden sollte und die Kerzen mit ihrem festlichen Glanz die Dunkelheit verwandeln wollten. Eine alte erfahrene Kerze bot sich an, mit der Kleinen zu reden. „Nein, ich möchte nicht brennen“, antwortete die Kleine störrisch. „Wer brennt, verbrennt recht bald, und dann ist es um ihn geschehen. Ich möchte bleiben wie ich bin – so schlank, so schön und so elegant.“

„Wenn du nicht brennst, bist du tot, noch bevor du gelebt hast“, antwortete die Alte gelassen. „Dann bleibst du auf ewig Wachs und Docht, und Wachs und Docht sind nichts. Nur wenn du dich entzünden lässt, wirst du, was du wirklich bist.“

„Na, da danke ich schön“, entgegnete die Kleine ängstlich. Ich möchte mich nicht verlieren, ich möchte lieber bleiben, was ich jetzt bin. Gut, es ist etwas langweilig und manchmal etwas dunkel und kalt, aber es tut noch lange nicht so weh, wie die verzehrend flackernde Flamme.“

„Man kann es eigentlich nicht mit Worten erklären, man muss es erfahren“, antwortete die Alte rätselhaft, „nur wer sich hergibt, verwandelt die Welt, und indem er die Welt verwandelt, wird er auch mehr er selbst. Du darfst nicht über das Dunkel und die Kälte klagen, wenn du nicht bereit bist, dich anstecken zu lassen.“ Da ging der kleinen Kerze plötzlich ein Licht auf. „Du meinst, man ist das, was man von sich herschenkt?“

„Ja“, antwortete die Alte. „Man bleibt dabei nicht so schlank, so schön und so elegant. Man wird gebraucht und gerät auch etwas aus der Form. Aber man ist mächtiger als jede Nacht und alle Finsternis der Welt.“

So geschah es, dass die kleine Kerze ihren Widerstand aufgab und sich entzünden ließ. Je mehr sie flackerte, um so mehr verwandelte sie sich in ein reines Licht und leuchtete und strahlte, als gelte es die ganze Welt zu wärmen und alle Nächte hell zu machen. Wachs und Docht verzehrten sich, aber ihr Licht leuchtete bis auf den heutigen Tag in den Augen und Herzen all der Menschen, für die sie brannte.

© Ulrich Peters
aus: “Sagt es leise weiter”
Anregungen und Materialsammlung
für Familienkreise im Advent

Auf dem Weihnachtsweg: 8. Dezember

Alternative?

Begegnung zwischen Maria und einem Engel.
Verkündigung – Erwählung für eine große Aufgabe
Marias Antwort: Nein, ich tue das nicht.

Maria hat gute Gründe:
Ich bin noch zu jung
Ich kann das einfach nicht
Am Ende läuft der Bub noch davon.
Womöglich geht er Wege, die ich nicht verstehe.
Und übrigens: Mein Mann Josef will das nicht
Geh doch zu meiner Nachbarin und frag dort.

So zieht der Engel immer noch
von einer Tür zur nächsten
und wird weiter geschickt…

Dagegen – unsere frohe Botschaft:
Maria sagte Ja …

© Franz Troyer

Auf dem Weihnachtsweg: 7. Dezember

Ich wünsche Dir Zeit

Ich wünsche dir Zeit
Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu  freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
 
Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
 
Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.
 
Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
 
Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!
 
© Elli Michler

aus:     Elli Michler,  „Dir zugedacht“

            Wunschgedichte

            Copyright: Don Bosco Verlag, München 2010, 20. Auflage