Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.22

Nun gehen wir stramm auf einen frühen Herbst zu, das Wetter ist wenig einladend und so sollten wir uns Christianes freundlicher Einladung zum Etüdenschreiben wieder zuwenden. Die Wortspende für die Textwochen 38/39 des Jahres 2022 stammt von Ellen mit ihrem Blog nellindreams. Sie lautet:

Regentonne
sensibel
schwanken

Als wir jung waren, hatten wir Flausen im Kopf und wollten die Welt auf den Kopf stellen. Heute steht die Welt auf dem Kopf und wir haben Mühe, diese Schieflage zu beheben. Alles ist im Wandel, vieles ist nicht mehr selbstverständlich und unseren lieb gewordenen Gewohnheiten entsprechend.

Seit Stunden weint der Himmel ununterbrochen sein Klagelied, Blitz und Donner lassen sich kaum noch bändigen. Viele Tiere in Wald und Flur zeigen ihren Unmut über die düstere Wetterlage und ihre Energiereserven geraten in eine gefährliche Schieflage. Die Bäume entledigen sich zunehmend ihres noch überwiegend grünen Blätterkleides. Entweder war es zu trocken, zu heiß oder zu nass oder wie jetzt, viel zu kalt für diese Jahreszeit.

Anstatt einen warmen und sonnigen Altweibersommer zu genießen, machen sich die Menschen große Sorgen, wie sie diesen Winter überstehen sollen. Energie ist ein Luxusartikel geworden, eine Ressource, mit der lange unsensibel und verschwenderisch umgegangen wurde und mit der jetzt jeder äußerst sparsam umgehen sollte.

In den heißen Sommerwochen drohte so manche leere Regentonne in den Gärten bei starkem Wind zu schwanken, nun gibt es Regenwasser im Überfluss, das nicht überall aufgefangen wird und sinnlos überschwappt und sogar viele wertvolle Flächen überschwemmt.

Und wer hat Schuld an allem? Wem kann man den „Schwarzen Peter“ zuschieben? Selbstreflexion ist vielen Menschen zum Fremdwort geworden, ebenso wie die Frage, wo all das mal enden soll?

Wachstum ist nicht unendlich, sondern hat deutliche Grenzen. Kriegsschauplätze sind zur Tagesordnung geworden und schwappen in jedes Wohnzimmer, oft sogar mit Auswirkungen auf den familiären Frieden, der von unterschiedlichen Meinungen oftmals Risse bekommt. Schuld hat niemand oder vielleicht alle? Lösungen erwarten alle, aber welche sind gerecht und sozial und stellen alle zufrieden? Wer ist bereit, den Blickwinkel zu verändern und den Radius über dem eigenen Tellerrand zu erweitern, um zu retten, was noch zu retten ist?

300 Wörter

 

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12 Kommentare

  1. Die Frage ist vor allem: Welcher Politiker ist bereit, nicht nur bis zur nächsten Wahl zu denken und nicht primär seinen eigenen Vorteil zu sehen. Wo sind die Menschen mit Mut, Herz, Weitsicht und Rückgrat (in der Politik)? Grönemeyer hat „Kinder an die Macht“ gesungen, die andere Seite der Münze erleben wir jetzt …
    Ich bin frustriert, zugegeben.
    Dir eine ruhige und angenehme Nacht! Danke für die Etüde!
    Nachtgrüße 🌌🍷🍪🐈👍

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 40.41.22 | Wortspende von Werner Kastens | Irgendwas ist immer

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