Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.20

Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.20

Der Einladung von Christiane zum Schreiben von Etüden möchte ich nach langer Zeit wieder einmal folgen. Die Wörter für die Textwochen 43/44 des Schreibjahres 2020 stiftete zum ersten Mal Judith mit ihrem Blog Mutiger leben. Sie lauten:

Schmutzfink
fabelhaft
mopsen

Wie übergroße Schneeflocken rieselten die zarten gelben Blätter der Birken zu Boden, und die Zweige des Magnolienbaumes mit seiner fabelhaften hellen Blattfärbung schaukelten sachte im Wind. Als mache es dem Wind einen Heidenspaß, den Bäumen die bunten Blätter zu mopsen, sie sachte zu Boden zu tragen und  kleine Hügel damit zu bauen, erfreute  sich der alte Mann seit Stunden an diesem Naturschauspiel. Ein sanftes Lächeln lag um seine von Falten umrahmten Augen.

Und er sah sich selbst als kleiner Junge, zu allen Jahreszeiten ein Schmutzfink, wie seine Mutter ihn oft zärtlich betitelte, wenn er von seinen Streifzügen durch Felder und Wiesen mit leuchtenden Augen und rosigen Wangen nach Hause kam. Die Natur war sein Leben, und er verbrachte oft noch Stunden draußen, wenn andere Kinder noch an ihren Hausaufgaben oder längst im Schlafanzug schon vor dem Fernseher saßen. Er war stets in guter Obhut, denn Paula, seine treue Schäferhündin, war immer an seiner Seite und passte auf ihn auf.

Letztlich war Paula mit dreizehn Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen, doch seine Liebe zur Natur und zu den Streifzügen blieben angstfrei und ungebrochen.

Nun stand er selbst mitten im Herbst seines Lebens und blickte zufrieden zurück auf das, was an Leben und Erlebtem hinter ihm lag. Seine eingeschränkte Mobilität ließ ihn nicht mehr aktiv an allem teilhaben, doch er hatte so viel inneren Reichtum angesammelt, von dem er zehren und seine Gegenwart genießen konnte. Angekommen in der eigenen Mitte und ganz bei sich, scherte ihn nicht, was die Zukunft bringen würde.

Er konnte ohnehin wenig Zukünftiges beeinflussen und gab sich ganz dem Jetzt hin. Was kommen sollte, käme ohnehin. Das war seine Philosophie.

Ein Eichhörnchen jagte den Baumstamm hinauf, blickte sich keck nach allen Seiten um und rannte weiter. Konnte es Schöneres geben, als das zufriedene Leben im Hier und Jetzt?

300 Wörter

© G. Bessen

 

20 Kommentare

  1. Liebe Anna-Lena! Welch ein schöner, beeindruckender Beitrag ist dies! Zuerst konnte ich mit den 3 Wörtern wenig anfangen, stießen mich sogar ab. War es,überhaupt möglich, daraus eine Geschichte zu machen? Mit Skepsis fing ich an zu lesen. Doch von Satz zu Satz nahm meine Freude zu. Gar nicht schnell genug konnte ich zum Ende kommen. Und das war ein klares, jubelndes „Ja!“ Und nachdem ich mein Sternchen (like) gemacht hatte, sprach ich meine 87-jährige Bettnachbarin (in der Klinik, da bin ich mal wieder) an, ob ich ihr mal etwas vorlesen dürfe. Ja, sie war bereit. Doch bei den 3 Wörtern runzelte die Stirn… Ich ließ mich nicht irritieren und las. Da kam dann ein wunderbares strahlendes Lächeln aus den Augen, und das ganze Gesicht leuchtete auf. J, auch sie war voll begeistert!

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  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.20 | Wortspende von Kain Schreiber | Irgendwas ist immer

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