Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.19 | Wortspende von „Meine literarische Visitenkarte“

 

3 Begriffe in maximal 300 Wörtern, dazu lädt Christiane wieder ein. Die Wörter für die Textwochen 45/46 des Schreibjahres 2019 kommen heute von mir und lauten:

Himmelsleuchten
recycelbar
ausreisen

 

Im Wandel der Zeit

Zechenhaushinterhöfe, Schrebergärten und Brieftaubenschläge, das wollte man als junger Mensch nicht wirklich auf Dauer, oder? Die Welt bereisen, nicht nur mit dem Finger auf der Landkarte, das waren schon damals meine geheimen Sehnsüchte.

Mit vierzehn Jahren hat man Lust, später mal die Welt zu sehen und das piefige Flair des Kohlenpottes auch mal über!

Eine vortastende Reise nach Berlin wurde recht bald zum beruflichen Wechsel des Familienoberhauptes mit einem Umzug für die gesamte Familie und auch, wenn der Blick aus dem Wohnzimmerfenster der siebten Hochhausetage auf das triste Niemandsland hinter der Mauer fiel, so boten die Blicke aus den anderen Fenstern die Aussicht auf eine junge, im Entstehen begriffene Trabantenstadt auf ehemaligen Feldern und Wiesen im Südosten von Berlin. Im Gegensatz zu der vom Zechenbetrieb und Hochöfen geprägten dauergeschwängerten grauen Luft des Kohlenpottes ein wahres Himmelsleuchten.

Etwas schwierig und immer wieder die Nerven aufreibend erwies sich das Ausreisen von Berlin gen Westen, denn je nach Lust und Laune der Volkspolizisten wurden das Auto und seine Insassen gefilzt und auf den Kopf gestellt, ob sich nicht in irgendeiner Ritze ein Mensch auf der Flucht befand.

Aber die Verwandtschaft im Ruhrgebiet, gefühlte Lichtjahre von den „Ausgereisten“ entfernt, war immer sehr interessiert an den Erlebnissen auf der Transitstrecke.

Die Jahre vergingen, die Verwandtschaft reduzierte sich auf natürlichem Wege und somit auch die Reisen in den Westen’. Und dann war er plötzlich da: der Tag, an dem sich die Mauer öffnete.

Dreißig Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Dreißig Jahre mit unterschiedlichen Erwartungen, Gefühlen und Erfahrungen auf beiden Seiten, und der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Doch die unbändige Freude, die der Tag des Mauerfalles immer wieder als recycelbares Gefühl in mir und unzähligen anderen hervorruft, überstrahlt die noch nicht gelösten Probleme wie ein buntes Himmelsleuchten, fast so wie zum jährlichen Jahreswechsel.

© G. Bessen, Foto: Dr. Rolf Nuck, 2014

300 Wörter

 

 

 

20 Kommentare

  1. Ich war ein Jahr vor dem Mauerfall zu Besuch bei einer Freundin in Berlin und werde den Anblick der Mauer und die Stimmung dort nie vergessen. Wir haben damals auch den Ostteil der Stadt besucht und haben eine Schiffsrundfahrt im westlichen Teil unternommen. Auch die Stimmung während der Zugfahrt, beim Stopp im Niemandsland und Passkontrolle war bedrückend!

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  2. Sehr schön, auch diesen Beitrag zum gestellten Thema zu lesen! Ja , da kommt das Himmelsleuchten zwischen all dem Grau so richtig hervor, leuchtet!
    Die Verwandten-Besuche waren eher traditionell. Doch als die Mauer fiel, war echte Jubelstimmung da! Das kann ich gut nachempfinden, – obwohl die
    danach erlebte Realität auch viele Schattenseiten offenbarte. Jedenfalls wollen wir das damalige “ Himmelsleuchten“ im Gedächtnis bewahren und daraus immer neue Zuversicht schöpfen, daß diese schlimme Mauer zwischen Ost-Und West-Menschen immer weiter abgebaut wird in uns. M e n s c h e n sollen wir doch sein. Ein „Weiser“ unserer Zeit erkannte das so: Deutschland muß die erste ausgleichende Friedenszelle sein zwischen Ost und West. Also nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Da gibt es noch v I e l zu tun, um diesen Ausgleich in friedlicher Arbeit zu überwinden. Nicht von der Politik und auch nicht von den Kirchen dürfen wir das erwarten und auch von keinem anderen Herrscher dieser Welt. Deshalb hören wir auf mit dem Schimpfen und Nörgeln! Fangen wir selbst damit an, in kleinen Kreisen beginnend, aber so, wie es uns das Herz💛 eingibt! Ja, die Stimme des Herzens müssen wir wieder neu in uns entdecken. Da finden wir dann auch die „Licht Hilfen “ und „Wegweiser“ für den einzig erfolgbringenden Frjedens-Weg.👑 Und diese Krone gebürtige nur noch dem Himmelskönig und Herrscher aller Welten, im Himmel wie auf Erden. EINER ging uns leuchtend voran! Ja, dies Wunderbare
    Himmelsleuchten malte niemand schöner als Caspar David Friedrich.. Er aber wollte doch auch nur auf den HERRN und Seine LICHT-BOTSCHAFT hinweisen. Alles ist geschehen, was wir brauchten. Nun bleibt uns nur noch, diesem gebahnt Weg zu folgen.

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 47.48.19 | Wortspende von Red Skies over Paradise | Irgendwas ist immer

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