Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.19

Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.19 | Wortspende von Café Weltenall

Die Wörter für die Textwochen 43/44 des Schreibjahres 2019 kommen seit langer Zeit mal wieder von Ulli Gau aus ihrem Café Weltenall. Die neuen Begriffe lauten:

Vogelflug
ängstlich
schwingen

Christiane hätte gern eine Etüde mit der Vorgabe, 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern unterzubringen.

Aufbruch 

Langsam begann der ‚goldene Oktober’ sich zu verabschieden. Gestärkt für den weiten Flug in den Süden warteten Tausende Graukraniche darauf, ihre Reise in den Süden anzutreten. Wie jedes Jahr versammelten sie sich unter lautem Getöse im Naturschutzgebiet des Rhinluch, versorgten sich mit Nahrung auf den abgeernteten Maisfeldern und machten sich bereit.

Doch in diesem Jahr war es anders. Es wurde merklich kühler im Brandenburger Land und die Vögel zögerten ihren Abflug hinaus.

Es wurde gemunkelt, dass der Vogelflug, ähnlich wie im letzten Jahr, sehr beschwerlich würde. Der lange trockene Sommer letztes Jahr hatte so manche wichtige Quelle versiegen lassen und unter den Zugvögeln unzählige Opfer gefordert.

Der nun vergangene Sommer war nicht ganz so trocken gewesen, aber veränderte Klimaverhältnisse hatten Einfluss auf die Flugbedingungen einer langen Reise, und es verwunderte niemanden, dass so manches Kranichpaar ängstlich auf seinen aufgeregten Nachwuchs blickte. Waren die Jungtiere kräftig und widerstandsfähig genug, eine so lange Reise zu überstehen? Und die Alten? Würden sie den Strapazen neuer extremer Wetterverhältnisse gewachsen sein?

Viele Kranichfamilien dachten daran, wie man es bereits von einigen Storchenfamilien gehört hatte, sich hier nach Möglichkeiten umzusehen und zu bleiben, denn die hiesigen Winter hatten längst ihren eisigen Schrecken verloren.

Lange Frostperioden und Dauerschneedecken waren vielerorts zu einer Rarität geworden. Doch in diesem Zwischenstadium des globalen Klimas  blieb es riskant, solch eine Entscheidung zu treffen.

Der oberste Kranichrat hatte bereits vor Wochen beschlossen, gut trainierte Späher auszusenden. Das Brandenburger Land war flach und weit und bot eine freie Sicht auf Feinde wie auch auf Möglichkeiten, den Winter hier zu verbringen.

Jeden Morgen breiteten Späher ihre Schwingen aus und flogen davon, aber die Kunde ihrer Rückkehr verbreitete sich wie ein Lauffeuer und auch die Tatsache, dass sich der Aufbruch nicht länger hinausschieben ließ. Offenbar war die Zeit hier zu überwintern noch lange nicht reif.

300 Wörter

 

42 Kommentare

  1. Sehr ansprechend für mich, wegen des Themas und den gelungen beschriebenen möglichen „Überlegungen“ der Vögel, aber wegen der Bildbeigabe auch.
    Bei uns bleibt in letzter Zeit regelmässig ein Paar über den Winter, weil die Böden meist offen sind.Sie scheinen nur auszuweichen, wenn nötig, zur Nordseeküste, vielleicht nur.

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    • Das Naturschutzgebiet, wo sich die Kraniche sammeln (und auch Wildgänse) scheint eine eigene Rangordnung zu haben. Man kann nicht sehr nahe ran (was zum Schutz der Tiere auch streng gehandhabt und überwacht wird), aber es scheint, dass sich beide Gruppen respektvoll auf gegenseitigem Abstand halten.

      Wünschen wir „unseren Ausreißern“ einen guten Flug und eine gesunde Landung.

      Herzlich,
      Anna-Lena

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  2. Hach, ja, zumindest bei den Störchen soll es ja wirklich immer mehr geben, die hierbleiben, in unseren kühlen nördlichen Gefilden. Aber die Kraniche auch schon? Steht zu erwarten, irgendwann, wenn sich das Klima weiter verschiebt … 😮
    „Schwingen“ ist als Verb tatsächlich nicht gerade dankbar, ich grübele auch noch …
    Liebe Grüße
    Christiane 😁👍

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    • Wenn sich das Klima weiter verschiebt, werden andere Arten weiterhin aussterben, da sich ihr Lebensraum als lebensfeindlich erweist und andere Arten müssen sich anpassen, sofern das überhaupt geht.
      Genießen wir die Natur, solange wir sie als für uns ’normal‘ im Sinne von gewohnt kennen und besonders die Pflanzen und Tiere, die man nicht an jeder Ecke antrifft.

      Die Störche, die im Nachbarort jedes Jahr ihren Horst beziehen, waren zeitig da, aber auch sehr zeitig weg und ich befürchte, sie hatten entweder keinen Nachwuchs oder haben selbst nicht als Paar überlebt, und den ganzen Sommer hat mir etwas gefehlt, auf das ich mich jedes Jahr freue.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
      Anna-Lena

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.19 | Wortspende von „Meine literarische Visitenkarte“ | Irgendwas ist immer

  4. Danke an „linsenfutter“, den gute Kranich-Und Vogelbeobachter in Wort und Bild! Hier zeigt sich, daß dies nicht nur ein Jonglieren mit Worten ist, sondern wirklich einer Erfüllung der gestellten Thematik entspricht. Mag sein, daß dies
    Thema ihm gerade „wie auf den Leib geschneidert“ Ist, und daher so gut ankommt beim Leser/Leserin. Danke, das ist wirklich ein guter Beitrag, nicht nur
    Für die Dichtung, sondern vor allem für die Naturliebhaner….♡♡♧♧☆☆⊙⊙

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  5. Tapfere Vögel sind das. Ob sie u s vielleicht auch Wegweiser sind und Boten des Lichtes, daß hängt auch von uns selbst ab:Wie wir uns innerlich ausrichten. Die Katastrophen kommen, sind bereits unterwegs, leider, und wir Menschen müssen erkennen, wo wir selbst dazu beigetragen haben. Aber auch mitten in dem fruchtbarsten Geschehen leuchtet ein Licht, so wie das Kerzenlicht in der Laterne vor leuchtendem Abendhimmel, daß Anna-Lena für die neue Textvorgabe☺ voranstellte. Wir sollen dies innere Licht in uns hüten, davon hängt letztlich Wohl oder Wehe ab. Die Augen verschließen aber sollen wir vor dem Bevorstehenden und bereits Wirkenden nicht, Es soll uns wachrütteln, damit wir jetzt noch unsere „Weichen“ richtig stellen 🌑⚠🚩

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  6. Die 3 ausgewählten Worte für die Textvorlagen und auch das Bild der Laterne vor schönem Abendhimmel sind sehr inspirierend, finde ich. Aber auch den derzeitigen Tatsachen weltweit dürfen wir unsere Augen nicht verschließen . Die tapferen Vögel sind viel besser und sicherer in ihrer Orientierung als wir Menschen. Es gibt aber auch für uns Orientierungs-Hilfen. Heute setzt ich die „Gehörten Hilfen“ an den Anfang meines neu eröffneten Blogs, merke aber, daß er bisher nur von uns 3 Beteiligten gesehen wird.

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