Schreibeinladung für die Textwochen 17.18.19 (1)

Schreibeinladung für die Textwochen 17.18.19 | Wortspende von Agnes Podczeck

Die Wörter für die Textwochen 17/18 des Schreibjahres 2019 kommen von Agnes und ihrem Blog Agnes Podczeck. Ihre Begriffe für die neue Runde lauten:

Kartoffel
anzüglich
bevormunden

Mutterliebe

„Das ist nicht dein Ernst, oder?“

Missmutig blickte Maya auf den liebevoll gedeckten Tisch, knallte sich lautstark auf ihren Stuhl und blickte ihre Mutter wütend an.

„Warum gibt es jeden Tag Kartoffeln? Die hängen mir ja schon langsam zum Hals raus. Warum gibt es nicht mal Nudeln, Pizza, Döner oder so was? Kartoffeln, wie langweilig!“

„Wenn Du unbedingt Nudeln möchtest, dann koch doch welche. Sich jeden Tag an den gedeckten Tisch zu setzen und noch zu meckern, ist keine Kunst und trägt nicht gerade zu einem harmonischen Familienleben bei.“ Nicole hatte Mühe, die Fassung zu bewahren. Sie wollte ihre pubertierende Tochter nicht bevormunden, aber sie ärgerte sich maßlos darüber, dass ihre Bemühungen so ignoriert wurden und sie sich stattdessen noch dumm kommen lassen sollte.

„Mir schmecken Kartoffeln, Mama. “ Mayas jüngere Schwester Lena gab Nicole das, was sie dringend brauchte, Zuspruch und Anerkennung.

Nicole bemühte sich, ihre innere Ruhe zu erlangen. Maya hatte ja keine Ahnung, weshalb sie als besorgte Mutter so viel Wert auf eine abwechslungsreiche und dabei kalorienarme Ernährung bei ihrer Tochter legte. Sie hatte neulich an Mayas 16. Geburtstag so einige anzügliche Bemerkungen von Klassenkameraden aufgeschnappt, und ihr war nicht entgangen, dass Maya ein Fan von Fast Food und Zucker in allen Variationen geworden war.

Die Pubertät war eine extrem schwierige Zeit, und wenn Nicole sich mit Maya über eine Kartoffeldiät zu ihrem eigenen Wohlbefinden auseinandergesetzt hätte, wären ohnehin die Fetzen geflogen. Maya lehnte zur Zeit fast alles ab, was ihre Mutter als gut und richtig empfand. Nicole erinnerte sich nur ungern an ihre eigene Pubertät und die ständigen Querelen mit ihrer Mutter zurück und hoffte, so ihrem Ziel auch näher zu kommen.

Dazu bedarf es aber weiterhin Geduld, Langmut und ein liebendes mütterliches Herz, auch, wenn es manchmal an seine Grenzen kam.

296 Wörter

16 Kommentare

  1. Gefällt mir sehr, Deine Etüde. Ich habe die drei vor meinem inneren Auge gut sehen können.
    Was mir eher weniger gefällt: diese Phase Jugendlicher Entwicklung steht meinem Nachwuchs noch bevor. Bis dahin muss ich noch an einem dickeren Fell für mich stricken.
    Viel Zeit ist nicht mehr 😉
    Sei herzlich gegrüßt
    Agnes

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Anna-Lena, eine tolle Etüde, das zuerst.
    Über die Pubertät habe ich in den letzten zwei Jahrzehnten ganz andere Gedanken entwickelt. Ja, es ist wichtig, dass sich die Kinder abgrenzen und gleichzeitig lechzen sie nach den Grenzen und vor allen Dingen nach offenen Ohren und danach ernst genommen zu werden. Leider gibt es für die meisten kaum Rituale, die ihren Übergang vom Kind ins geschlechtsreife Jugenleben begleiten. Ich mache tolle Erfahrungen, wenn ich mit Jugendlichen dieses Alters arbeite.
    Manchmal denke ich, dass unsere Voreingenommenheiten geradezu die Pubertätsallüren provozieren. Wie ich schon oben schrieb, war es mit meinem Sohn heftig, mit meiner Tochter nicht. Klar, hat sie sich auch abgegrenzt und hatte mir manchmal etwas zu sagen, aber wenn, dann war es berechtigt.
    Herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Ich denke, die Erfahrungen der Pubertät sind vielschichtig, bei den Betroffenen ebenso wie bei den Erwachsenen. Ähnlich verhält es sich doch auch mit den Wechseljahren, manche merken sie gar nicht und andere leiden viele Jahre darunter. Patentrezepte gibt es weder hier noch da und mit einer gesunden Einstellung dazu lässt sich vieles über-leben und ertragen. Das Leben ist nun mal Bewegung, manchmal mit hohem Wellenschlag und manchmal mit kaum merkllichem Seegang.

      Mit lieben Grüßen auch zu dir,
      Anna-Lena

      Gefällt 1 Person

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