Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 (2)

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 | Wortspende von Geschichtszauberei

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2019 kommen von Rina und ihrem Blog Geschichtszauberei. Ihre neuen Begriffe lauten:

Café
verdorben
beißen

 

Aller Anfang ist schwer 

Er war ungenießbar und schmeckte säuerlich, fast verdorben. Kaum zu glauben, was aus diesem gemütlichen kleinen Café am Rande der Stadt geworden war, seitdem die Besitzer gewechselt hatten. Aber so war das  oft. Die neuen Besen kehrten nur gut, solange sie neu waren. Angewidert schob sie den Teller mit dem angebissenen Käsekuchen von sich weg und hoffte, davon keinen Herpes zu bekommen, von Flatulenzen und anderen Nachwirkungen mal ganz abgesehen.

Was für ein Tag! Sie war herumgelaufen wie ein aufgescheuchtes Huhn, hatte bereits am frühen Samstagmorgen ihre ganze Wohnung auf den Kopf gestellt und geputzt und war dann aus lauter Verzweiflung joggen gegangen. Der frische Muskelkater eroberte sich deutlich in spürbarer Genauigkeit jeden Muskel ihres Körpers.

So schwierig hatte sie sich das alles nicht vorgestellt und sie begann, sich nervös auf die Unterlippe zu beißen. Durchhalten und keinen weiteren Gedanken daran verschwenden, das war ihr Mantra, das wie ein kleiner Film kontinuierlich vor ihrem inneren Auge ablief.

Sie zahlte, legte sich den Schal eng um den Hals und trat hinaus in die feuchtkalte Märzluft. Selbst, wenn ihr der Muskelkater bereits zu schaffen machte, musste sie ja irgendwie wieder nach Hause kommen und ein zügiger Schritt lenkte sie von ihren permanenten Gedanken ab.

Als sie nach Hause kam, war der Geruch in der Wohnung trotz der intensiven Putzaktion wie ein Schlag ins Gesicht. Der musste raus! Ohne einen neuen Farbanstrich wäre das jedoch hoffnungslos. Sie blickte auf die Uhr – der Baumarkt hatte noch geöffnet. Ohne länger zu überlegen, schnappte sie sich ihre Geldbörse, Papiere und Autoschlüssel.

Morgen hatte sie nichts vor und zwei ihrer engsten Freunde hoffentlich auch nicht. Ihr Plan für das Wochenende nahm immer klarere Konturen an und die Aktion  fing an, ihr Spaß zu machen. Eine frisch renovierte Wohnung würde der unwiderrufliche  Start in ihre frische Nichtraucherkarriere bedeuten.

300 Wörter

 

 

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.19 | Wortspende von Geschichtszauberei

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2019 kommen von Rina und ihrem Blog Geschichtszauberei. Ihre neuen Begriffe lauten:

Café
verdorben
beißen

 

Wenn det Tanzbeen juckt …

Im Café Keese sitz ick nun,
weeß nich so recht, wat soll ick tun?
Hier sind ne Menge netter Frauen,
die alle zu mir rüberschauen.

Det Telefon fängt an zu läuten,
mich juckt’s, ick könnt mir jetzt glatt häuten.
„Na, Kleener, haste uff mir Lust?
Sach ja, sonst bin ick gleich voll Frust!“

So hat man mir noch nie umworben,
direkt und so ganz unverdorben,
mich, Fritze Müller aus dem Wedding,
erfahren bisher nur im Petting.

Die Kleene mit den roten Locken
scheint liebend gerne abzurocken.
Die Füße unterm Tisch kaum still,
weeß sie doch sicher, wat se will.

Wie mag die Zuckerschnute heißen?
Ick könnt mir in den Hintern beißen,
wär ick doch bloß nich so jehemmt
und wie ein I-Männchen verklemmt!

Wat soll’s! Ick jeh nu einfach zu ihr hin,
denn janz nach ihr steht mir der Sinn.
Ick werd mit ihr det Tanzbein schwingen,
ihr zärtlich wat ins Öhrchen singen,

sie in mein Liebesnest entführen
und ihren heißen Körper spüren … .

Ick nippe kurz an meinem Gin –
herrje, wo isse denn nu hin?
Wo ick sie eben noch jesehn,
seh icke jetzt nen Kellner steh’n.

Geplatzt wie eene Seifenblase,
ick fühl mir wieder wie Zwerg Nase,
geh nun allene wieder heim
und denke: Sollte halt nich sein!

© G. Bessen

212 Wörter

 

 

 http://www.cafekeese.de/

 

Als eines der beliebtesten Berliner Tanzlokale ist das Café
Keese auch jenseits der Berliner Stadtgrenze berühmt.

Ein Freund von uns hat dort vor 26 Jahren seine Herzensdame  gefunden und lebt nun, glücklich verheiratet mit ihr, in der Schweiz …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdenkenswert 9

Marc Aurel, mit vollständigem Namen
Marcus Aurelius Antoninus Augustus,
geb. in Rom 121 n.Chr., gest. in Österreich 180 n. Chr.,
war von 161 – 180 Römischer Kaiser
und ein bedeutender Philosoph

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19 (-4-)

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19  Die zauberhaften Wörter für die Textwochen 10/11 des Schreibjahres 2019 kommen von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest. Die neuen Begriffe lauten:

Nieselregen
weich
irren

 

Entscheidungen

„Raphaela, lass mich gehen, bitte.“ Er schaute sie mit einem weichen, fast flehenden Blick an.

„Bist du dir darüber im Klaren, was du von mir verlangst? Wir wollten gemeinsam alt werden und dann irgendwann gemeinsam und in Würde gehen. Hast du das vergessen?“

„Nein, das habe ich nicht“, antwortete Robert leise und schaute an ihr vorbei in den frühlingshaft erblühenden Garten. „Wir haben eine gute Strecke unseres gemeinsamen Weges geschafft und es ging uns immer gut dabei. Allerdings haben wir unterschätzt, dass nicht wir das Leben in der Hand haben, sondern umgekehrt. Und nun hat es uns eines Besseren belehrt – unwiderruflich.“

Ihre Blicke verschmolzen ineinander und ihrer beider Tränen liefen ihnen die blassen Wangen hinab wie der sanfte Nieselregen, der die Fenster unaufhörlich benetzte.

Ärzte können sich irren, Blutproben und medizinische Unterlagen können vertauscht werden, all diese Hoffnungsschimmer hatten Raphaela über die letzten Tage hinweg geholfen, doch jegliche Strohhalme waren nun fort, zerplatzt wie feine Seifenblasen.

Sie kannte ihren Mann und wusste, dass er, wenn er erst einmal eine Entscheidung getroffen hatte, nicht mehr davon abzubringen war. Er würde keine Rücksicht auf sie nehmen. Es lag nun an ihr, auch für sich eine weitreichende Entscheidung zu fällen.

Nach einer schlaflosen Nacht packte sie einen Koffer mit all dem, was sie für die kommenden Tage noch brauchten, checkte den Wagen durch, tankte ihn voll  und machte sich mit Robert auf den Weg in ihre kleines, einsam gelegenes Ferienhaus an der Ostsee.

Ohne ihn bedeutete ihr das eigene Leben nichts und seines ließe sich bestenfalls durch medizinische Behandlungen verlängern, doch zu welchem Preis? Die starken Schmerztabletten halfen ihm ohnehin nur noch bedingt. Der Krebs hatte sich in seinem ganzen Körper ausgebreitet.

Sie hatte sich entschieden und die kleine Schachtel mit den zwei weißen Kapseln, gefüllt mit Zyankali, gut in ihrer Handtasche versteckt.

300 Wörter

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19 (-3-)

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19  Die zauberhaften Wörter für die Textwochen 10/11 des Schreibjahres 2019 kommen von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest. Die neuen Begriffe lauten:

Nieselregen
weich
irren

Wüstenblumen

 Gedankenverloren starrte Henk auf sein halb volles Weinglas. Seit Merle ausgezogen war, hatte sich eine schwermütige Stimmung auf seine Seele gelegt und seine Tagesbilanz fiel allabendlich wüstenhaft aus. Leer, farblos und lebensunlustig, ja, so fühlte er sich seit Tagen.

Der wolkenverhangene Himmel und der Nieselregen, der seit Stunden weich und lautlos fiel, passte zu seinem Stimmungsbild. Wenn er nicht bald umkehrte, würde er in eine Depression rutschen und möglicherweise zum Alkoholiker werden.

Er musste die Trennung akzeptieren, denn alles Reden hatte den Schleier der Missverständnisse und Ungereimtheiten nicht auflösen können. Offensichtlich passten Merle und er nicht zusammen und diese Erkenntnis betraf unzählige andere Paare auch.

Sein Blick fiel auf die Fensterbank und blieb an Merles Kakteen hängen. Sie hatte nie einen grünen Daumen gehabt und alle Pflanzen waren bei ihr verdurstet oder ertrunken, sodass sie ihr Glück irgendwann mit Kakteen versuchte, bei denen man ja nicht viel falsch machen konnte.

Henks Gesicht wurde weich. Er spürte, irgendetwas bewegte sich in ihm. Er nahm sich seine heutige Tagesbilanz noch einmal genauer vor und fand plötzlich, dass sie gar nicht so negativ ausfiel, wie noch vor ein paar Minuten.

Er hatte eine ordentliche Betriebskostenrückerstattung bekommen, was seinem Bankkonto gut gefallen würde. Peter, ein alter Freund, den er schon fast aus den Augen verloren hatte, rief heute an und berichtete beglückt von seinem ersten Enkelkind. Edda, eine betagte Nachbarin und vorzügliche Bäckerin, hatte ihm ein Stück Apfelkuchen vor die Tür gestellt, das noch unberührt in der Küche auf ihn wartete.

Henk mochte sich irren, doch als er erneut auf Merles Kakteen schaute, hatte er das Gefühl, als würden sich an ihnen kleine Blüten öffnen und zum Leben erwachen und seine kleine Welt bekam ein paar neue Farbtupfer. Eine unbändige Lust auf Kaffee und Apfelkuchen erfasste ihn und gab ihm einen unerwarteten Energieschub.

300 Wörter

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19 (2)

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19  Die zauberhaften Wörter für die Textwochen 10/11 des Schreibjahres 2019 kommen von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest. Die neuen Begriffe lauten:

Nieselregen
weich
irren

 

Prioritäten

Ziel der heutigen Konferenz war lediglich, dem fünfzehnten März diesen Monats den Namen eines gemeinsamen Projekttages für alle Lehrer und Schüler zu geben. Das allerdings hieß, gemeinsam nach Berlin zu fahren und an einem schon fast globalem Klimaprotest teilzunehmen, der an diesem Tag in fünfhundert Städten und unzähligen Ländern stattfinden soll. Ob bei Nieselregen oder Schneestürmen, egal, es musste etwas Weitreichendes und Zukunftweisendes passieren.

Viel zu lange hatten Verantwortliche die Hände in den Schoß gelegt, Unmengen von Geld sprichwörtlich  aus dem Fenster geworfen, was in den Klimaschutz hätte investiert werden müssen und weiterhin die wirtschaftlichen Interessen ihrer Länder und Konzerne an die oberste Stelle gesetzt. Unbelehrbare jenseits des Großen Teiches hielten den Klimawandel sogar für ein modernes Märchen!

Bis die 16-jährige Greta Thunberg kam und schonungslos benannte, was man sich immer wieder gern weichgespült hatte – den Klimawandel und die unumkehrbaren Folgen für die nachfolgenden Generationen. Die Schulstreiks für das Klima, inzwischen Fridays für Future, locken immer mehr Jugendliche auf die Straßen, wenn auch Eltern und Lehrer sowohl dazu ermutigen als auch dagegen protestieren.

Doch wer von seinem Engagement überzeugt ist, lässt sich nicht beirren und geht seinen Weg konsequent weiter und so konnte sich das Kollegium nach einigen hitzigen und kontroversen Debatten in einer Mehrheitsentscheidung zu dem Aktionstag entschließen. Die Schülerschaft jubelte und setzte sofort eine Maschinerie in den sozialen Netzwerken in Gang, um auch andere Schulen in ihrer Gesamtheit von Lehrern und Schülern zu diesem Tag aufzurufen.

So mancher Lehrkörper seufzte, als er das unglaublich beeindruckende Engagement der Schüler sah und fragte sich, wieso er so etwas in seinem eigenen Unterricht und seinem Fach nicht annähernd erleben durfte. Aber noch war nicht aller Tage Abend. Rom war ja schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden!

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Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19 (1)

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.19  Die zauberhaften Wörter für die Textwochen 10/11 des Schreibjahres 2019 kommen von Natalie und ihrem Blog, dem Fundevogelnest. Die neuen Begriffe lauten:

Nieselregen
weich
irren

Prioritäten

Selten war es im Lehrerkollegium so turbulent zugegangen, als sei die Zeit der weichen Kuschelpädagogik ausgesetzt. Vorbei die Zeit der nebenbei Korrigierenden, der Miteinander-Flüsterer oder der unauffälligen Abhänger mit den halb geschlossenen Augen. Und warum das alles? Weil es um eine Grundsatzentscheidung ging, die von etwa neunhundert Schülern eines Gymnasiums eingefordert wurde, die noch heute eine Entscheidung der Lehrer für eine Gesamtkonferenz erwartete.

Aus einem Nieselregen war eine Gewitterfront geworden und Schüler wie Lehrer merkten wieder einmal, wie sie sich gegenseitig brauchten, um miteinander den richtigen Weg zu gehen. Kleinkariertes Denken hatte in einer globalen Welt wie der unsrigen keine Zukunft mehr und wer konnte schon voraussagen, ob diese Bewegung nicht doch Großes zustande bringen würde? Natürlich kann man sich irren, aber das kann man erst herausfinden, wenn man etwas riskiert und gewagt hat.

Zumindest hat die Nachricht, wer anlässlich des Internationalen Frauentages zur wichtigsten Frau des Jahres 2019 ausgerufen wurde, so manches ketzerisches Mundwerk verstummen lassen und man bemühte sich ernsthaft, im Sinne der Schüler alle bisherigen Steine aus dem Weg zu räumen.

Natürlich hatte es in der letzten Zeit häufig die pädagogisch erhobenen Zeigefinger gegeben, die nicht davon abrückten, dass es Trittbrettfahrer, Mitläufer und diejenigen gab, die sich hinter dem Mäntelchen des Schulstreiks versteckten um damit dem Unterricht zu entgehen. Doch immer mehr dieser Lehrkörper verstummten, als die Schülersprecher vehement von ihnen verlangten, doch auch mal wegen der fehlenden Kollegen, der vielen Quereinsteiger oder des vermehrten Unterrichtsausfalles auf die Straße zu gehen und ihren so bequemen Beamtenstatus aufs Spiel zu setzen.

Unentschuldigte Fehlstunden, null Punkte infolge einer nicht erbrachten Leistungskontrolle und eine unlautere Motivation waren doch letztendlich für die Zukunft eines Gymnasiasten auch kein Aushängeschild. Daher tagte die außerordentliche Lehrerkonferenz heute mit  dem Druck nach einer Entscheidung, mit der alle gut leben konnten.

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