Die Zeit

Die Zeit

Die Zeit hatte sich eine Auszeit genommen. Sie stand, merklich gelangweilt, in der Ecke und wartete gespannt darauf, ob sich jemand mit ihr beschäftigen wollte, ja, wann man sie wieder als das Kostbarste im Leben ansehen würde.  Aber scheinbar war dieser Anspruch unverschämt, jetzt, wo jeder stöhnte und sich in dieser schon so lange andauernden Hitze kaum mit sich selbst beschäftigen wollte.Zeitlos leben, ohne Zwang und ohne Schweiß treibende Anstrengungen, so versuchten viele über diese heißen Tage zu kommen.

Vielen, besonders den Älteren und Kranken,  war alles zuviel, selbst die einfachsten Handgriffe erforderten maximale Anstrengungen. Beklagten viele Menschen sonst, wie schnell die Zeit verflog, so gab es in diesem Sommer welche, die die Uhren anstarrten in der Hoffnung, die Zeit würde einen Gang zulegen und bessere Zeiten folgen lassen. Zeit, etwas, was viele nie hatten, dehnte sich plötzlich wie ein ausgeleiertes Gummiband, wurde zur Belastung, zum Nerventöter, zur wahren Herausforderung.

Auch, wenn sich zeitliche Abläufe objektiv nicht ändern, eine Minute immer etwa sechzig Sekunden haben wird und man ein Jahr mit zwölf Monaten in jedem Kalender findet, haben viele bemerkt, dass sich ein Zeitbegriff subjektiv verändern kann und die eigene Befindlichkeit eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

© G. Bessen

 

Facetten des Sommers – Limerick

 

Zwei Jungstörche standen am Pool
und fanden, ein Bad wäre cool.
Doch, wie nur hinein?
Sie waren zu klein!
Dann entdeckten sie einen Stuhl.

Der Bauer saß am Küchentisch
und aß den selbst gefang’nen Fisch.
Potz Blitz, was war das?
Zwei Störche, ganz nass!
Sie flogen davon, nass und frisch!

© Text und Foto: G. Bessen

Facetten des Sommers – Elfchen

 

Zerstörung
im Urlaubsparadies
Die Erde bebt
Nicht alle können entkommen
Naturgewalten

 

Hitze
keine Abkühlung
Feuer heizen an
Die Welt in Flammen
Inferno

 

Weiß
das Polareis
Schmelze setzt ein
Das Klima ändert sich
Heißzeit

 

Dünen
Sandberge wandern
Großes gelbes Meer
Wüste breitet sich aus
Überlebenskampf

© G. Bessen 8/18

Facetten des Sommers – Haikus

 

Badespaß am See
Fröhlichkeit bei Jung und Alt
Sommerferien

Verbrannte Erde
Tieren geht die Nahrung aus
Dürre prägt das Land

Abenddämmerung
Satt getrunkene Natur
Regen, du Segen

Gereizte Stimmung
Die Hitze lässt nicht schlafen
Mensch und Tier leiden

© G. Bessen 8/18

Spät am Abend …

Spät am Abend …

Hitze hat das Land im Griff,
kein Lüftchen mag sich regen.

Ganz sacht spür’ ich des Windes Stille
zum leisen Zirpen einer Grille.

Der Himmel klar und wolkenlos,
ein Meer aus Sternenbildern.

Der Tag ist in den Schlaf gesunken,
hat noch die Nacht herbeigewunken
und schmiegt sich in des Dunkels Arm.

© G. Bessen 1.8.18

Foto: Peter Bast/pixelio.de