abc-Etüde Textwoche 27/18

Schreibeinladung für die Textwoche 27.18

Die Wörter für die Textwoche 27.18, stammen von Werner Kastens (wkastens.wordpress.com), die Illustrationen von dem werten Herrn lz., vielen Dank Euch beiden!

Sprachpolizei
verroht
vergehen

 

Die Krux mit der Sprache

Der Zeitraum des Abiturs ist jedes Jahr ein Albtraum, nicht nur wegen der vielen Arbeit rund um die Prüfungen, nein, die Schülerinnen und Schüler sollen auf ehrliche und gerechte Art und Weise ihren Schulabschluss schaffen.

Das wiederum bedeutet eine optimale Vorbereitung je nach Neigung und Fähigkeit eines jeden Einzelnen, eine gute Auswahl der Themen, die dem jeweiligen Leistungsstand eines Schülers entsprechen und zu bewältigen sind, sofern das Zentralabitur mit den vorgegebenen Themen nicht all die gute Vorbereitung mit unüberwindbaren Hindernissen sprengt.

Ist auch diese Hürde übersprungen, können die Korrekturen einen an den Rand des Wahnsinns bringen, denn nach den vielen Rechtschreibreformen und Reförmchen blickt doch niemand mehr ohne Netz und doppelten Boden im Sinne der allerneuesten Rechtschreibprogramme und des aktuellsten Duden so richtig  durch.

Selbst gestandene Deutschkolleginnen und Kollegen, denen die Fähigkeit zur korrekten Rechtschreibung mit der Muttermilch eingegeben worden ist, haben ihre Mühe, immer eindeutig und sicher zu bewerten.

Die unterrichtenden Kollegen der Fremdsprachen können nicht nur ein Lied, sondern komplette Opern dazu singen, denn Rechtschreibreformen gibt es auch in anderen Sprachen und wehe, Frau oder Mann sind keine ‚native speaker’.

Sind wir Lehrer zur Sprachpolizei mutiert, deren Rotstift wie der Jagdhund hinter der Beute herjagt, um eine falsche Schreibweise gleich leuchtend zu markieren?

Warum diese deutsche Pedanterie und Erbsenzählerei, fragt sich so mancher, denn eine Rechtschreibreform bietet doch so manche Freiheit und sollte nicht immer zu eng gesehen werden?

In der Theorie ja, die Praxis im Sinne von Erstkorrektur und Gutachten zur jeweiligen Abiturklausur muss fehlerfrei sein und da ist schon der minimalste Interpunktionsfehler ein Vergehen.

Und wollen wir doch mal ehrlich sein, die verkürzte Sprachweise vieler Jugendlicher und Erwachsener, bedingt durch das digitale Zeitalter, bei der die Sätze Sinn entfremdend oft so verhunzt werden, dass unsere Sprache regelrecht verroht, haben den Genitiv schon tot bekommen.

Lassen wir doch alle anderen Fälle und Satzglieder leben, damit wir uns wenigstens auf sprachlicher Ebene fehlerfrei verständigen können.

© G.Bessen

 

21 Kommentare

  1. Okay, die Rechtschreibreform beschert uns reichlich merkwürdige Sprachblüten, das ist schon wahr. Aber ist es so, dass die Abiturienten immer schlechter rechtschreiben können, oder ist das viel Polemik? Und ist die Form wichtiger als der Inhalt? Wie kennst du das?
    Liebe Grüße am Morgen
    Christiane

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    • Die Rechtschreibung unser Schüler lässt nach meiner Erfahrung tatsächlich zu wünschen übrig und ich führe das auch zum Teil auf das „Verhunzen“ unserer Sprache zurück, was in den Medien (z.B. auch im Fernsehen) vorgemacht wird.
      Wer liest heutzutage noch viel? Wer schreibt noch viel? Es wird doch immer weniger und das äußert sich in der Sprachkompetenz unserer Schüler deutlich.
      Eine Einteilung bei der Bewertung nach Form und Inhalt gibt es so einfach nicht, aber selbst im Abi müssen ggf. Punkte abgezogen werden, wenn die Rechtschreibung eine Katastrophe ist .

      Auch dir einen lieben Gruß in die neue Woche,
      Anna-Lena

      Gefällt 3 Personen

      • Ich denke, dass die jungen Leute heute sehr viel schreiben. Nicht Briefe, sondern auf dem Handy. Unser jüngster Sohn hat erst korrekt schreiben gelernt, als er SMS und WhatsApp nutzen konnte. Das hat ihm richtig geholfen!
        Ansonsten zu den angesprochenen Problematiken:
        was für die Kinder gilt -nämlich die neue Rechtschreibung zu lernen, egal, ob man sie akzeptiert oder nicht – sollte genauso für die Lehrer gelten. Gleicher Anspruch an Alle.
        Hinsichtlich der Korrekturzeiten müsste man vielleicht in den Schulen neue Wege gehen: Einsatz von EDV Programmen, Arbeiten auf Laptop schreiben etc. Die Möglichkeiten dazu gibt es doch. Und dann: vielleicht auch mal ein Auge zudrücken, ganz besonders im fremdsprachlichen Bereich. Den Anspruch, auch eine Fremdsprache in einer deutschen Schule 100%ig nach den neuesten Reformen unterrichten zu wollen, halte ich für sehr überzogen!
        LG Werner und danke für das interessante Thema!

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        • Wenn dein Sohn sich so verbessert hat, Glückwunsch, meine Erfahrungen sind da anders – berufsbedingt.
          Sicher sollten alle neue Regeln lernen, doch, muss es die überhaupt geben? Was war so falsch an unserer Orthografie oder Interpunktion?

          Bevor man Schulen noch mehr mit modernster Technik ausstattet (ich bin da nur bedingt für), sollte man erst einmal für ausreichend Lehrer sorgen, damit Unterricht – von Mensch zu Mensch – überhaupt noch stattfinden kann 😆 :mrgreen: .
          In Fremdsprachen (zumindest kann ich das für das Fach Englisch sagen) zählen Rechtschreibfehler nicht als Punktabzug, doch die Nutzung verkehrter Wörter (da erinnere ich mal nebenher an die unzähligen Wörter aus dem Englischen oder dem am. Englisch, die teils völlig falsch und obendrein überflüssig sind) kann die Note schon verändern. Wenn z.B. ein Schüler in einer Arbeit ständig das Wort ‚handy‘ benutzt, dass es im Englischen gar nicht gibt, sondern ‚mobile phone‘ heißt, ist mit Augen zudrücken auch nicht viel gewonnen. Da heißt es schlicht: Vokabeln lernen.

          Wie dem auch sei, mit ‚mal ein Auge zudrücken‘ gebe ich dir recht, aber auch nur bedingt. In Abiturarbeiten geht das nun mal nicht und ansonsten ist es Ermessenssache 🙂 . Niemand sollte päpstlicher als der Papst sein 😆 .

          Liebe Grüße und danke für die schönen Wörter,
          Anna-Lena

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  2. Klasse, Dein Text über die Rechtschreibreform, liebe Gaby, die manch einen verunsicherte, der Zeit seines Lebens sicher war …

    Mich traf sie nicht so sehr, ich schuf mir ein freies Nest in meinem Kopf, aber ich war kein Lehrer. Du mußtest Deinen klaren Geist damit belasten und wenn auch das eine oder andere in der neuen Rechtschreibung gut ist, so ist doch das pedantische Festhalten am Fehlerchenfinden nicht immer gut. DU schreibst es ganz klar, wie innerlich belastend es sein kann, eine Note mindern zu müssen, wegen einem Kinkerlitzchen.
    Eine Form brauchen wir, das ist glasklar, aber eine, die einen Ermessensspielraum bietet.

    Tausendschöne Grüße von Bruni

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    • Ich war früher immer absolut sicher in allem, aber die vielen Reformen in Rechtschreibung und Zeichensetzung haben auch mich verunsichert und berufsbedingt war eine gewisse Pedanterie einfach erforderlich, denn die jungen Leute müssen ja später auch bestehen können, wenn sie in der Ausbildung oder dann im Beruf stehen. Meiner Ansicht nach sind wir Deutschen in vielen Dingen überkorrekt, pedantisch und machen uns das Leben einfach unnötig schwer.

      Auch liebe Grüße zu dir,
      Anna-Lena

      Gefällt 1 Person

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