abc-etüde Textwoche 4.18.

Schreibeinladung für die Textwoche 04.18 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram

Die im Vergleich zur vergangenen Woche doch sehr geerdeten Wörter  stammen für diese nun folgende Textwoche 04.18 von Sabine aus dem Hause wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten:

Discokugel
wahnsinnig
klauen

Kindermund

Als Paul aus der Schule kam, versuchte er, sich an seiner in der Küche hantierenden Mutter vorbeizuschleichen, doch sein körperlicher Vorbau hatte ihn verraten und die erstaunte Mutter unverzüglich in der Küchentür erscheinen lassen.

„Naaaaaa, willst  du mich nicht erst einmal begrüßen, bevor du dieses Ungetüm von Paket heimlich irgendwo verschwinden lässt und überhaupt, was ist das für ein Teil, das du da vor dich herschleppst?“

Paul merkte schnell, es hatte keinen Sinn, seiner Mutter irgendetwas verheimlichen zu wollen, denn ihre fraulich-mütterlichen Antennen schwangen durch das gesamte Haus und bemerkten einfach alles, ein Faktum, das seinen Vater fast wahnsinnig machte, weshalb er vor einem halben Jahr einen langen Schuh gemacht hatte.

„Das ist eine Discokugel“, gab Paul mit fester Stimme zum Besten und schaute seiner Mutter betont direkt in die hellblauen Augen.

„Was willst du denn mit einer Discokugel?“

Da Paul auf diese Frage gefasst war, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

„Ich habe in zwei Wochen Geburtstag und für die Feier brauche ich so etwas, diese Lichtreflexe  feuern beim Tanzen megamäßig an.“

„Paul, du wirst acht Jahre alt und ich dachte an einen Geburtstag im Garten, mit Kaffee oder Kakao und Kuchen und ein paar Spielen im Freien und nicht an einen schummerigen Abend mit Tanzen und Fummeln im ehemaligen  Partykellerraum deines Vaters! Das hat ja wohl noch ein paar Jahre Zeit!“

Pauls Augen funkelten bedrohlich, er dachte an seinen Vater, der ihn sicher nicht wie ein Kleinstkind  behandeln würde, sondern wie einen Mann, zumindest einen kleinen Mann, der  den Babyschuhen entwachsen war.

Mit den Worten: „Ich hätte auf Pit hören und das Ding klauen sollen, statt mein mühsam Erspartes für etwas zu opfern, was ich ohnehin nicht gebrauchen darf, weil du es mir nicht gönnst und mich immer noch wie ein Baby behandelst“, ließ er das Paket unmittelbar vor seiner Mutter fallen, hastete zur Tür und rannte hinaus, in der Hoffnung, bei seinem Vater uns seiner neuen Freundin mehr Verständnis zu finden.

© G. Bessen

14 Kommentare

  1. *kicherlach*, frühreif, oh ja! Wenn ich mir vorstelle, Enkelchen kommt so zuhause an (ER IST schon acht!) , dann trägt er höchstens Riesendreckklumpen vor sich her, aber keine Diskokugeln.
    Ich muß ihn unbedingt fragen, ob er weiß, was das ist…

    Ach, Anna-Lena, es ist zu schön, ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Ein köstlicher Text über einen frühreifen achtjährigen Jüngling 🙂 Allerdings muß ich sagen, wenn ich ihn als kleinen Mann bezeichne, genügt ihm das nicht.
    Das Wörtchen klein stört ihn so, daß er beleidigt ist *g* , das Wort Mann tröstet, bzw. beeindruckt ihn gar nicht.
    Ich bin dann auch immer ganz zerknirscht. Wirklich, ehrlich! 🙂

    Ganz herzlich ♥, Bruni

    Gefällt 1 Person

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