Weihnachts-/Neujahrsetüden, Textwochen 52.17/01.18.

Christiane und Ludwig laden wieder ein:

Weihnachts-/Neujahrsetüden, Textwochen 52.17/01.18.

Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze, und darf wie schon in den letzten Wochen gern zu einem „mindestens 3 Wörter“ erweitert werden.
Erneut gilt: Ihr sucht euch die 3+ Wörter aus der nachfolgenden Liste (12 Wörter) selbst aus.

Berliner, Bleiklumpen, Christbaumständer, Karpfen, Kuss, Heuchelei, Hoffnung, Neujahrsläuten, Notaufnahme, Rauhnächte, Vorsätze, Wunderkerze

 

 

Paul, der Pechvogel

 Wieso wunderte es ihn nicht, dass auch das Weihnachtsfest gründlich in die Hose gegangen war, wie bereits all die Monate, die dem Heiligabend vorausgegangen waren?

Paul war ein ausgesprochener Pechvogel geworden, oder das Schicksal hatte sich gegen ihn gestellt, oder das Glück hatte ihn verlassen, oder er war generell auf dem absteigenden Ast oder, oder, oder … .
Darüber zu lamentieren, brachte ihn nicht weiter, er musste nun zusehen, wie er aus der sprichwörtlichen Nummer, besser gesagt, aus der Notaufnahme des Unfallkrankenhauses herauskam, bevor der Karpfen, der munter in seiner Badewanne schwamm, schon vier Tage vor Silvester einem Drehwurm oder einem Kreislaufkollaps erlag.

Doch so einfach war das nicht, denn das Röntgenbild musste noch ausgewertet werden und eine eventuelle Nachbehandlung dessen, was der Christbaumständer, den er sich hatte auf den rechten Fuß fallen lassen, möglicherweise angerichtet hatte, war noch nicht klar.

Wenigstens war Weihnachten vorbei, und obgleich die Notaufnahme des Krankenhauses noch in Schmalspurbesetzung arbeitete, fühlte sich Paul gut aufgehoben und betreut, denn bei genauerem Hinsehen saß er nicht alleine hier auf der Wartebank.

Mit ihm schien noch ein Dutzend anderer Verunfallter auf eine Erste-Hilfe-Maßnahme zu warten und hoffte auf Linderung, denn um manche Finger- und Handgelenke oder um einige Köpfe waren notdürftig Lappen oder amateurhaft Verbände gelegt worden, so manche dicke Wange wurde von einem Eisbeutel bedeckt und der Verein der Versehrten blickte in seiner Gesamtheit nicht ganz glücklich aus der Wäsche.

Nach einer gefühlten Endlosschleife rief man Paul ins Behandlungszimmer und verkündete ihm, was für ein Glück sein Mittelfuß doch gehabt hatte, denn lediglich eine mittelschwere Prellung mit zunehmender Buntfärbung würde ihn noch lange an den gefallenen Christbaumständer erinnern, aber das ginge irgendwann vorüber.

Somit schien ihm das Glück doch noch nicht eingefroren zu sein und mit einer schwungvollen Geste nahm er die zierliche, asiatisch aussehende Notärztin in die Arme, drehte sich mit ihr einmal im Kreis herum, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange, flüsterte ihr die besten Wünsche für einen guten Jahreswechsel ins Ohr und humpelte, so schnell es ihm möglich war, dem Ausgang entgegen.

Doch Paul kam nicht weit, denn während er beim Gehen seine von der Kälte beschlagenen Brillengläser putzte, stolperte er über ein Skateboard, das herren- oder damenlos einfach in der Gegend herumstand, und fiel der Länge nach hin, genau auf seinen linken Arm, der ihm ohnehin von der Schulter her häufig wehtat.
Die zierliche, asiatisch aussehende Notärztin lächelte ihn verschmitzt an, während sie ihm etwa zwei Stunden später einen Gipsverband anlegte, und flüsterte ihm ins Ohr, dass er in der Silvesternacht gern mit einer Flasche alkoholfreien Sekts vorbeikommen dürfe, falls er nichts Besseres zu tun hätte, denn hier sei er in sicheren Händen.

© G. Bessen

 

 

14 Kommentare

  1. Liebe Anna-Lena,

    nur ein kurzes Zeichen – vorweihnachtlich bin ich zumeist internetabstinent – tut übrigens gut, mir und der ganzen Familie. Und wenn ich glaube, ich müsste unbedingt mal im Internet sein, dann lese ich „The Circle“ von Dave Eggers und bin auf der Stelle geheilt.

    Trotzdem, alte Freundschaften soll man gut pflegen und so wünsche ich dir und den deinen alles Gute und Liebe, Gesundheit für das kommende Jahr.

    Liebe Grüße, Brigitte

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Brigitte,
      eine Internetabstinenz tut gut, auch eine halbe (denn das Lesestübchen ist derzeit noch geschlossen).
      So kann ich dich bestens verstehen und möchte dir und deinen Lieben ebenfalls einen ruhigen und friedvollen Jahreswechsel wünschen, dass wir auch das nächste Jahr wieder in Freundschaft teilen können.

      Kommt gut rüber und seid herzlich gegrüßt 🙂 !

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  2. Guten Rutsch, liebe Anna-Lena, Deine Geschichte ist klasse … der Arme, hast ihn gleich zwei Mal in die Notaufnahme geschickt, eijeijei … erinnert mich an eine Freundin, die zunächst wochenlang mit Schulterschiene malträtiert war und dann – als alles überstanden war – auch noch stürzte und dann auf den gleichen Arm, den sie sich brach. Dieser war dann wochenlang in Gips. Die Arme … so ein Pech!
    Ich wünsche Dir und uns allen Glück und Gesundheit in 2018.
    LG
    Petra

    Gefällt 1 Person

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