Septemberende…

Buntes Herbstlaub
verdient einen
Herbstblätternaturschutz.
Wie angenehm bunt
sähe unser Winter aus.

 

Blätter
schweben durch
die Nebelfeuchte,
mühelos,
fast tänzelnd,
und vereinigen sich
im Teppich der Vergänglichkeit.

Nachdem ich den
Abschiedsschmerz
vom Sommer
verarbeitet habe,
freue ich mich
auf einen
goldenen
Oktober.

© Texte und Fotos: G. Bessen

 

Zum Kugeln

So manches ist doch wirklich zum Kugeln:
Rumkugeln
liegen nach dem Verzehr wie ein Stein im Magen und garantieren  Hüftgold
Kristallkugeln
ob sie den Blick in die Zukunft verraten?
Bowlingkugeln
der sichere Tipp gegen schlaffe Oberarme
Pistolenkugeln
sichern den Arbeitsplatz eines Pathologen
Schneekugeln
können erhitzte Körper abkühlen
Mozartkugeln
schmecken am besten in der schönen Stadt Salzburg
Leuchtkugeln
sollte man auf hoher See bei sich haben
Weihnachtsbaumkugeln
Weihnachten ist nicht mehr allzu fern…

© G. Bessen

Foto: pixabay

abc.etüden 39.17(2) zum Wahlsonntag

Die  Wörter für die abc.etüden passend zum aktuellen Anlass.

Wörter von Frau Wortsonate (wortsonate.wordpress.com)

ergebnisoffen

postfaktisch

Quadratscheißer

 

 

abc.etüde/Nach der Wahl

Endlich ist es vorbei!

Ergebnisoffen ist nur noch, ob das Jamaika-Trio zustande kommt und was es zustande bringt.

Postfaktisch ist der, der sich schon als Kanzler sah, so weit abgestürzt, dass er sich  nun in die Schmollecke zurückzieht und nicht mal mehr mitspielen will, wo er doch den Kanzlerball fast schon in seinen Händen wähnte.

Auf dem Treppchen der versammelten Quadratscheißer sind noch einige Plätze frei und so wird man sich erst mal bereden, beschimpfen, sich gegenseitig die Wunden lecken, den Abend in Tränen ertränken oder sich die Decke über den Kopf ziehen…

Andere werden feiern, dass die Schwarte kracht.

Und morgen ist ein neuer Tag…

abc.etüden 39.17 zum Wahlsonntag

Die heutigen Wörter für die abc.etüden passen zum aktuellen Anlass.

Wörter von Frau Wortsonate (wortsonate.wordpress.com)

ergebnisoffen

postfaktisch

Quadratscheißer

 
abc.etüde/Wahltag

Im postfaktischen Zeitalter sollten wir genau schauen, wem wir unsere Stimme geben.

Fakten zählen und nicht irgendwelche Gefühlsduseleien gepaart mit verbalen Kür-und Pflichtübungen.

Noch ist der Tag ergebnisoffen.

Wer nicht wählen geht, darf sich hinterher nicht über irgendwelche Quadratscheißer erregen oder gar lauthals protestieren.

Setzt Eure Kreuze, und wenn möglich,  an die richtige Stelle!

Blättertanz

Blättertanz

Der quirlige  Herbstwind hatte blendende Laune und strotzte nur so vor Energie. Die Sonne lächelte ihm freundlich zu, als ahne sie bereits, was er im Schilde führte. Er nahm Anlauf, sprang in die Luft und riss die welkenden bunten Blätter auf dem Waldboden mit sich.
„Nicht so schnell“, stöhnte das eine oder andere Blatt seufzend auf. „Wir haben nicht mehr so viel Kraft.“
„Haltet Euch aneinander fest, so geht niemand von Euch verloren!“ Der Herbstwind lächelte den Blättern aufmunternd zu und führte sie zu einer Wiese. Dort sammelten sie sich erneut und mit einer kleinen Beschleunigung seiner Geschwindigkeit ermunterte der Wind sein Gefolge.

Die Blätter fassten sich an, hielten aneinander fest und ließen sich vom Wind durch die Luft wirbeln. Zwischendurch sank das eine oder andere Blatt zu Boden, ruhte sich aus und wurde dann erneut zum Blätterreigen abgeholt.
So viel Spaß hatten die Blätter noch nie gehabt. Der Wind ließ sie langsam auf die Wiese schweben.
„Danke für dieses wunderbare Vergnügen, lieber Wind“, raunten die Blätter dem Wind zu, der sich bei allen Blättern einzeln verabschiedete.
Nun fielen die Blätter in ihren wohlverdienten letzten Ruheschlaf.

Die Blätter, die dieses Stadium noch nicht erreicht hatten, klammerten sich angstvoll an ihre Äste. Sie hatten das Treiben mit gemischten Gefühlen beobachtet.
„Ob er uns auch abholt, wenn unsere Zeit gekommen ist?“, fragten sie sich gegenseitig.
„Ihr habt noch Zeit“, flüsterten die Äste, „und bis dahin steht Ihr unter unserem persönlichen Schutz.“
Die grünen, gelben und roten Blätter waren erleichtert und schaukelten beruhigt in der leichten Brise des Windes.

© Text und Fotos: G. Bessen

abc.etüden 38.17(2)

Die  Wörter
für die abc.etüden
sind gestiftet von   Herbert

Achtsamkeit
verwurschteln
rosa-grün

 

 

 

 

abc.etüden/Die werdende Oma

Der freudige Gedanke, zum ersten Mal Oma zu werden, ließ sie kaum noch los.

Die werdende Mutter musste eine Litanei von Verhaltensregeln über sich ergehen lassen.

„Mama, ich bin schwanger, aber nicht krank“, tönte es noch in Paulas Ohren und sie überlegte, ob ihre Mutter sie auch so mit Vorsichtsmaßnahmen bombardiert hatte, wie sie es derzeit mit Lisa machte.

Paula fluchte leise vor sich hin, denn eine Masche war ihr von der Stricknadel verloren gegangen und die zu finden und ordnungsgemäß in das rosa-grüne Babyjäckchen einzufädeln, erforderte ihre ganze Achtsamkeit.

Je krampfhafter sie sich um die Masche bemühte, desto mehr verwurschtelte sie das Gebilde in ihren Händen.

Genervt betrachtete Paula das Konstrukt in ihren Händen und plötzlich tat ihr das ungeborene Enkelkind schon leid. So eine blöde Farbe – das passte doch gar nicht zusammen, rosa und grün. Nach einem Babyjäckchen sah das Ganze eigentlich auch nicht aus und Paula hatte noch keine Ahnung, wie sie kleine Ärmelchen daran stricken sollte.

Sie versuchte sich zu erinnern, wann sie das letzte Mal etwas gestrickt hatte und ihr fiel ein, dass sie sich mit Stricken in so mancher Vorlesung wach gehalten hatte. Kurz entschlossen ribbelte sie den Babyjäckchenversuch auf, gab die Wollknäuel ihren beiden Katzen zum Spielen und zündete sich, sichtlich erleichtert, eine Zigarette an.

© G. Bessen

Leuchtfeuer

Leuchtfeuer

Während wir Menschen
Massenware produzieren,
legt die Natur wert
auf Unikate.

*****

Gerade im Herbst,
wenn die Natur
in ein liebliches Licht taucht,
künden wahre Leuchtfeuer
vom vergangenen Sommer…..

© Text und Fotos: G. Bessen

 

 

abc.etüden 38.17

Die heutigen Wörter
für die abc.etüden
sind gestiftet von   Herbert

Achtsamkeit
verwurschteln
rosa-grün

 

abc.etüden 38.17: Kurerlebnisse

So richtig gefiel ihr das neue Leben noch nicht, denn das war nicht sie und es passte auch gar nicht zu ihr. Aber es währte ja erst drei Tage und es konnte nur besser werden.
Achtsamkeit – ja, gut und schön, aber wenn das bedeutete, sich gar kein Laster mehr zu gönnen, nur gesund zu leben und auf so Vieles verzichten zu müssen, dann war das nicht ihr Ding.
Innerlich zwang sie sich ein wenig zur Ruhe, denn ihr Blutdruck stieg im Verlauf des Vortages deutlich an und ihr Bluthochdruck war ja einer der Gründe, weshalb man sie ausgerechnet für sechs Wochen in eine psychosomatische Kurklinik geschickt hatte.

Gefahren des Rauchens, des Alkohols, der falschen Ernährung – das verwurschtelte der gute Doktor da vorne am Redepult gerade zu einer größeren Katastrophe als Donald Trump und den konnte doch eigentlich niemand so leicht toppen.

Noch war sie bereit, die Kur hier in dieser Klinik zu machen, obgleich sie nicht die Frau war, die alles widerspruchslos hinnahm oder gar durch die rosarote Brille sah. Sie war auch durchaus kompromissbereit, aber wenn sie vor Ärger grün im Gesicht wurde, war nicht gut mit ihr Kirschen essen.

Rauschender Beifall beendete des Doktors Vortrag, für sie eigentlich unverständlich und zum Widerspruch reizend, und sie begab sich zu ihrer nächsten Therapie, dem autogenen Training.

Dort fiel sie so tief in die Entspannung, dass sie auf rosa-grünen Wölkchen davonschwebte …

© G.Bessen

Wehmut

Sie konnte ihren Blick nicht von der letzten Blütenpracht der Sommerblumen losreißen und um ihren Mund lag ein wehmütiger Zug. Ihr Gesicht und ihre Augen spiegelten, was sie dachte. Als fühlte sie, dass ich in ihrer Nähe stand und sie beobachtete, drehte sie sich um, schaute mich mit traurigen Augen an und sagte: “Der Sommer ist wohl vorbei.“
Sie hatte ihn genossen. Ihre Gesichtshaut war tiefbraun, ihre vom Leben gezeichneten Züge hatten sich vertieft. Doch ihre zahlreichen Falten zu dem kurzen Haarschnitt vermittelten das Bild einer Frau, die viel erlebt und sich von nichts aus der Fassung bringen ließ.

Was ging in ihr vor, was sie nicht sagte? Die Hoffnung, einen weiteren Sommer erleben zu dürfen?
Das Alter verändert den Menschen, macht ihn sensibler für das, was immer näherkommt, der Abschied für immer, wenn der Körper sein Leben gelebt hat, die Kraft nachlässt und die Lebensuhr abläuft. Genau das konnte ich in ihrem Blick lesen.

Sie straffte sich, als gäbe sie sich einen inneren Ruck, nahm ihre Tasche und wir verabschiedeten uns, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen im kommenden Sommer.

©Text und Foto: G. Bessen

abc.etüden nach der Sommerpause 37.17

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von lz. und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

 

Der innere Schweinehund

Er graulte sich vor dem Samstagnachmittag.

Zwei Stunden saß er im Beichtstuhl fest, in dieser engen und düsteren Kabine  mit der  muffigen  Luft, in der er sich wegen  seiner Leibesfülle kaum bewegen konnte.

Und da ohnehin niemand kam, der ihm sein Herz ausschütten und um das Sakrament der Barmherzigkeit bitten würde, hatte er Zeit genug, über seine eigene Verwandlung nachzudenken, wenn…

 

…er nicht so träge wäre…

…er nicht so gern essen würde…

…er nicht so gern am Abend ein Weinchen oder auch ein Bierchen trinken würde…

Wenn ….. , diese wenn-Liste ließ sich beliebig fortsetzen.

Er seufzte.

Die Messe war gelesen, der innere Schweinehund grinste ihn wieder einmal triumphierend an.

Den Spitznamen ‚Knutschkugel’ würde er wohl mit in sein XXL-Grab nehmen.

© Text und Foto: G. Bessen