abc. etüden: Auf besonderen Wegen (1-9)

Am kommenden Sonntag geht es mit Christianes abc.etüden weiter.
Meine Geschichte habe ich bisher als Fortsetzung geschrieben, entweder mit den aktuell vorgegebenen Wörtern vom jeweiligen Sonntag oder auch zwischendurch mal mit Wörtern aus anderen Wochen.
Die Geschichte erscheint bis Sonntag in zwei Teilen .

Was bisher geschah… (Teil 1 – 9)

 

************

     Niemals hatte er diese Karte geschrieben, dafür kannte sie ihren Mann zu gut. Allein beim Aussprechen einiger  Wörter hätte er sich schon die Zunge mehrfach verknotet. Wieder und wieder las sie den Text der Karte und je öfter sie ihn las, desto unsicherer wurde sie. Sicher, als er vor vier Wochen aufgebrochen war, wollte er seine innere Mitte finden, zur Ruhe kommen und beten – ganz viel beten. Ob ihm das zu Kopf gestiegen war?

Hatte er etwa wieder angefangen, irgendwelche undefinierbaren Dinge zu rauchen, so dass er auf Knospenkollisionskurs war?

Gab es eine heilige Iris, der er aus lauter Einsamkeit ein Irisreinkarnationslied singen wollte und ihm kein passender Text dazu einfiel?

Sie wusste weder, wo er gerade war, noch, wie es ihm ging und schon gar nicht, wie sie ihn erreichen konnte, ohne irgendwelchen Safranstaubkussspuren zu hinterlassen, die der Wind sofort von dannen trüge.

Wie hatte sie nur zulassen können, dass ein Mann in der zweiten Lebenshälfte mutterseelenallein den Jakobsweg pilgerte, wo er doch zuhause kaum den Hintern aus dem Sessel heben konnte?

Sie hätte ihn begleiten müssen, denn ganz offensichtlich war er nun vollkommen übergeschnappt.

Das Vagabundenleben gefiel ihm außerordentlich gut. Ob Hildchen mittlerweile bemerkt hatte, dass er das Schließfach der Bank komplett leergeräumt hatte? Er war ein Schlawiner, ohne Frage, aber er hatte beschlossen, dass er ihren gemeinsamen Notgroschen jetzt brauchte und nicht, wenn er vielleicht schon an der Schnabeltasse hing! Hildchen  hatte einen großen Freundeskreis und würde den holden Gatten sicher mal für einige Zeit entbehren können. Bei ihren Freundinnen konnte sie jederzeit anrufen oder vorbeischauen, auch wenn es nach seinem Empfinden  nur um Kinkerlitzchen ging.

Zufrieden betrachtete er die am Cafe vorbeischlendernden Gäste und rauchte dabei eine echte Havanna. Er liebte Wien und ganz besonders den Wiener Charme.

Er wartete gerade auf sein Essen mit den  viel gepriesenen Paradeisern, als ihn eine schlanke und hoch gewachsene Brünette mit einem umwerfenden Augenaufschlag fragte, ob der Platz ihm gegenüber noch frei sei.

Sofort spürte er ein angenehmes Kribbeln im Bereich seiner Lenden und antwortete mit einem süffisanten Lächeln: „Für Sie doch immer, gnädige Frau.“ Wie ein Gentleman sprang er auf und  rückte seiner neuen Tischnachbarin den Stuhl zurecht , den sie mit einem ebenso süffisanten Lächeln in Beschlag nahm.

Hildchen war nicht auf den Mund und schon gar nicht auf den Kopf gefallen, denn als der Holde per Taxi in Richtung Flughafen davonfuhr, packte sie ihren Koffer und wartete aufgeregt auf ihre beste Freundin Antonia, mit der sie schon zu Schulzeiten lauter Flausen im Kopf gehabt hatte. Sollte Ludwig  doch pilgern und beten gehen, sie würde das Geld ihrer Erbtante Charlotte verprassen, von dem er nicht den blassesten Schimmer hatte.

Sie hatte alles bedacht, vom Programmieren der Zeitschaltuhren in Haus und Garten bis hin zum Nachsendeantrag und freute sich wie ein kleines Kind darauf, sich mit Antonia auf den Spuren ihrer Kindheit und Jugendzeit zu bewegen. Wie lange war das her?

Natürlich hätte sie lieber im Roten Meer einen Tauchkurs gemacht und die viel gepriesenen Korallenriffe umschnorchelt. Das aber war etwas für junge Leute. Hildchen  liebte Backerbsen in allen Variationen, die es – so sagt man – in Ägypten gab und als Königin von Sanaa wollte sie schon als Kind in den prächtigsten Kleidern herumlaufen. Man kann vieles wollen und doch nicht alles haben.

So saß sie zufrieden neben der schlafenden Antonia im Reisebus nach Breslau, voller Vorfreude darauf, was sie in Breslau wohl alles wiedererkennen würden…

Antonia klappte der Unterkiefer herunter, als sie mit Hildchen mitten in der Breslauer Altstadt vor der alten Villa stand, die für die nächsten sieben  Tage ihr Domizil sein würde. Das Fünf-Sterne-Hotel ‚Platinum Palace’ strahlte auch im Inneren noch die Eleganz des vergangenen Jahrhunderts aus. Nur der Herr an der Rezeption machte einen etwas verworrenen Eindruck, als er etwas unsortiert aus einem angrenzenden Zimmer kam und die beiden Damen mit glänzenden Augen ansah.

„Der kommt wohl gerade von einem Schäferstündchen, die Hose ist nicht ganz zu.“ Antonia kicherte in sich hinein  und stieß Hildchen etwas zu heftig in die Seite.

„Hast du etwa noch nie Bürosex gehabt? Der ist prickelnder als die beste Flasche Champagner.“

Das Hotelinnere war so modern und auf dem neuesten Stand, dass die beiden Frauen gern die eine oder andere Gebrauchsanweisung gehabt hätten, beispielsweise zum Öffnen ihrer Zimmertür oder zum Betätigen diverser Wasserhähne und elektrischer Geräte.

Antonia, die gelegentlich den Badesee in ihrer Nähe mitten im Wald zum Schwimmen besuchte, freute sich darauf,  ihrem schon etwas reifen Körper den Genuss von Wellness in Form von Sauna und Hamam, Massagen und Aromatherapie bieten zu können.

Während sie Hildchen schon fast betrunken redete, wie genial deren Idee, genau dieses Hotel zu buchen, gewesen sei, entdeckte diese vom Balkon ihres Zimmers aus, wie der neu angelegte Golfrasen freigegeben wurde…

Ludwig saß auf dem Balkon seines Hotelzimmers und beobachtete eher gelangweilt ein paar Kinder, die sich jauchzend auf die Pusteblumen stürzten und die kleinen hellgrauen  Fallschirme in die warme Mailuft pusteten.

Er wusste weder ein noch aus. Die brünette Dame, die ihm das lang vermisste Gefühl gegeben hatte, er sei einzigartig und der beste und zärtlichste Liebhaber aller Zeiten, hatte zwei Tage Tisch und besonders Bett ganz intensiv mit ihm geteilt. Eines Morgens war sie wie ein zufriedenes Vögelchen heimlich davon geflattert – mit all dem Geld, das Ludwig bei sich gehabt hatte. Seitdem hatte er sich nicht mehr vor die Tür getraut. Der Zimmerservice, der ihm sein Essen brachte, hatte schon besorgt gefragt, ob er nach einem Arzt schicken sollte.

Er stand auf und ging ins Bad. Angewidert starrte er in den Spiegel. Dicke Tränensäcke, Augenringe und ein Dreitagebart, der selbst mit einem Käsehobel nicht mehr abgegangen wäre, starrten ihm entgegen.

Wie sollte er Hildchen das beibringen? Er – statt auf einer Pilgerreise in Spanien gehörnt und geprellt in einem Wiener Hotelzimmer, arm wie eine Kirchenmaus, mit nichts mehr in der Hinterhand, was sich noch zu einem passablen Preis versteigern ließ?

Hildchen kaufte nur im Urlaub ein, denn zuhause, vielleicht noch mit Ludwig an ihrer Seite war ihr das eindeutig  zu langweilig und zu zeitaufwändig. Sie war eher die Online-Vielbestellerin in zwei Größen,  mit Anprobe in den eigenen vier Wänden und vierzehntägiger Rückgabegarantie und fand, dass Frau gar nicht praktischer und bequemer einkaufen könnte. Als sie mit Antonia aus der Markthalle in die heiße Mailuft trat, musste diese sich einen Moment festhalten, denn ein Schwindelgefühl durchfuhr sie.

„ Glaub ja nicht, dass ich mich jetzt weiter in dieser Hitze mit dir verlustieren werde. Nimm deinen Kramladen…“, dabei warf sie einen Seitenblick auf Hildchens zwei prall gefüllte Taschen, „und komm.“

Schon stieg sie die Treppen zum Bierkeller links von der Markthalle hinunter und hielt Ausschau nach einem freien Tisch. Sie sehnte sich nach einem kalten Bier und Pierogi Polskie (gefüllte Teigtaschen), einem Gericht, dass sie noch heute nach den Rezepten ihrer Großmutter zubereitete. Hildchen folgte wortlos, denn sie hätte erst mal auch keinen Schritt weiter in diese sengende Hitze setzen können.

Nachdem sie sich ein wenig gestärkt und erholt hatten, fragte Antonia unvermittelt:

„Sag mal, Hildchen, wie kannst du hier so in aller Ruhe sitzen und nicht wissen, wie es deinem Mann geht? Du weißt weder, wo er ist, noch ob alles in Ordnung ist – ich jedenfalls würde vor Angst umkommen.“

Ludwigs Situation konnte auswegsloser nicht sein. Nach seinem bitteren Erlebnis hatte er jegliche Frühlingsgefühle verloren. Träge lag er in der Badewanne, das nur noch lauwarme Wasser fühlte er schon gar nicht mehr, denn sein Denken konzentrierte sich nur darauf, aus dieser misslichen Lage zu entkommen. Vor seinem inneren Auge formte sich erst schemenhaft eine Skizze, dann tauchte ein Gesicht auf und messerscharf  stand die Lösung vor ihm: Walter, sein Cousin, der – wenn er Glück hatte – noch in Wien lebte.

Mühsam hievte sich Ludwig aus der Badewanne und riss dabei fast den geblümten Duschvorhang mit sich. Es dauerte nicht lange, bis er über die Auskunft Walters Telefonnummer und seine Adresse hatte und sich nach einem Anruf bei Walter  frisch geduscht und herausgeputzt wie ein Lebemann auf den Weg zu seinem Cousin  machte.

Und plötzlich waren die Bilder ihres letzten Zusammentreffens vor etwa zwanzig Jahren wieder da.  Walters Mutter, sein Ein und Alles, war ganz plötzlich infolge eines unglücklichen Sturzes gestorben und Walter saß nach der Beerdigung beim Leichenschmaus wie auf einem anderen Stern, ungläubig und in einer Art Schockstarre, unfähig, auch nur irgendetwas auf die Reihe, geschweige über die Lippen zu bekommen. Seine Mutter war die einzige Frau in seinem Leben gewesen und sicher auch die  letzte, denn mit dem anderen Geschlecht stellte sich Walter an wie ein Ochse beim Tanzen. Aber er lebte noch in Wien, schien auch noch im Besitz seiner geistigen Kräfte und freute sich aufrichtig, dass Ludwig ihn besuchen kommen wollte.

Allerdings war Walter so eine geradlinige, aufrichtige und ehrliche Seele, die sich nicht vorstellen konnte, dass so ein Verwandtschaftsbesucht durchaus auch hinterhältige Motive haben konnte.

      Hildchen setzte gerade an, um Antonias Frage zu beantworten, als ihr erneut schwindelig wurde, allerdings nicht von der Hitze, sondern von dem Kellergewölbe des Biergartens mit seinem dezenten Licht.

Sie erinnerte sich daran, dass sie – gerade mal fünf  Jahre alt – mit ihren Großeltern viele Stunden in einem Bunker verbracht hatte, der ihr infolge  verschiedener Kellerdurchbrüche wie ein riesiges  Labyrinth vorkam. Dieser Bunker in dem großen aber edlen  Mietshaus am Markt, in dem sie damals wohnten, hatte ihr noch viele Jahre düstere Albträume beschert.

Es war im Januar 1945, Breslau war wie eine Festung hermetisch abgeriegelt. Wer in den Westen flüchten wollte, musste mit der Todesstrafe rechnen. Und doch versuchten es viele in letzter Minute, packten in Windeseile das Nötigste zusammen und  so setzte sich der Treck Ende Januar bei Minus fünfundzwanzig Grad in Bewegung Richtung Westen.

Hildchens Vater war an der Front, ihre Mutter hochschwanger und alleine wollten die Großeltern nicht aufbrechen. In Antonias Familie sah es nicht viel anders aus und so kam es, dass beide Mädchen in Breslau blieben und zusammen eingeschult wurden. Allerdings hatten sich die Erinnerungen, wie ihre Heimatstadt Breslau gebrandschanzt wurde, wie ein eitriger Ausschlag auf ihre zarten Kinderseelen gelegt und diese Narben waren  nie wirklich verheilt.

Es bedurfte nur weniger Worte und Antonia verstand Hildchens Gefühlsausbruch und beide aßen schweigend mit einem dicken Kloß in der Kehle.

Antonia hatte lange mit sich gekämpft, das Thema abzuwürgen oder weiter zu führen, denn auch ihr Leben war lange Zeit von den Kriegsereignissen geprägt worden.

„ Ich erinnere mich leider noch zu gut an den Bunker in unserem Haus und daran, wie zusammengepfercht wir in den Räumen, den Gängen und auf den Treppen waren. Die Toiletten konnten wir kaum benutzen, überall waren Tote und uns drohte der Hungertod. Es gab kaum Licht, alles war düster. Ich weinte bitterlich, wenn ich daran dachte, dass ich wohl keine Sommerblüten mehr zu sehen bekäme und keine bittersüßen Früchte in Omas Garten pflücken würde.

Aber Gott sei es gedankt, das haben wir überlebt und so manches andere auch. Deshalb werden wir jetzt gehen und uns den Sommerwind um die Nase wehen lassen. Der Dampfer zur Dominsel startet in einer Viertelstunde und die Anlegestelle habe ich auch schon entdeckt.“ Dankbar blickte Hildchen ihre Freundin an. Als sie wenig später auf dem kleinen Ausflugsdampfer saßen und die Sonne sie mit ihrem warmen Strahlen begleitete, vergaßen sie ihre dunklen Kindheitserlebnisse in dieser Stadt schnell wieder und wandten sich der Insel mit dem Dom und den unzähligen Kirchen zu.

 ©G. Bessen

 

 

 

 

 

 

 

Etüdensommerpausenintermezzo Double-Drabble

Noch einmal drabbelt es, bis am 3. September die Etüden bei Christiane weitergehen…

Double-Drabble: Bringt diese 4 Wörter in 200 Wörtern (gezählt ohne Überschrift) unter, 200 Wörter, keins mehr, keins weniger.

Flaschenpost
Trübsal
Sonnenblume
Schokokeks

 

 

Rituale

Die Veränderung kam leise, fast unmerklich. Die Abende wurden kühler und feuchter und der Herbst stand fühlbar vor der Tür. Das Sonnenblumenfeld hinter den Dünen lag in der goldenen Abendsonne und die großen reifen  Blütenköpfe wiegten sich im zarten Abendwind.

Wie in jedem Jahr hatten sie sich getroffen, um dem Sommer Lebewohl zu sagen. Nun ging auch das Wochenende zu Ende und morgen würden alle wieder bei ihren Familien und in ihrem jeweiligen Leben  sein. Ein Hauch von Trübsal lag auf ihren Gesichtern.

Lars warf noch ein paar Holzscheite in das prasselnde Lagerfeuer.

Michi ging herum und schenkte Wein nach und Carola füllte die Holzschalen mit Erdnüssen   und Schokokeksen nach.

Manuel schrieb die letzten Zeilen auf einen Zettel und schloss mit den Worten:

„Ein Lächeln kostet weniger als Strom und es gibt mehr Licht.“
Möge Dir das Finden dieser Flaschenpost ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Und dann verabschiedeten sie diesen Sommer mit den Liedern und dem Spiel der Gitarre, wie sie es seit ihrer gemeinsamen Studentenzeit immer wieder taten – ein jährliches Ritual.

Die grüne Flasche mit der Flaschenpost schaukelte auf den Wellen der Ostsee und wippte wie zum Takt der Lieder, die sie auf dem Weg ins offene Meer begleitete.

© G.Bessen

 

Ein paar Songs, die immer wieder zu Lagerfeuern und Gitarrenbegleitung passen

 

Etüdensommerpausenintermezzo Triple-Drabble

Die neue Aufgabe von Christiane, bis die abc.etüden am 3. September weitergehen:

Triple-Drabble: Bringt diese 5 Wörter in 300 Wörtern
(gezählt ohne Überschrift) unter.
300 Wörter,keins mehr, keins weniger.

Flaschenpost
Trübsal
Sonnenblume
Schokokeks
Pflaster.

 

 

In einer anderen Welt…

Als er mit seiner großen Tasche in den Biergarten kam und sich suchend nach einem Platz umsah, hatte er schon meine Aufmerksamkeit erregt. Dabei war nichts an ihm besonders oder gar außergewöhnlich.

Er war um die fünfzig, hatte etwas lichtes, dunkelblondes Haar und wache Augen. Er  trug ein kariertes Hemd, kurzärmelig, Jeans und Turnschuhe.

Die  junge Kellnerin lächelte ihn erwartungsvoll an.

„Ein alkoholfreies Clausthaler, einen Kaffee und ein Glas Wasser. Ich zahle bar!“

„Selbstverständlich“, antwortete die Kellnerin und lächelte. Sie schien ihn zu kennen.

Mitten auf dem viereckigen Tisch stand ein Topf mit einer Sonnenblume, die ihn anzulächeln schien. Die Freundlichkeit, mit der er die Kellnerin begrüßt und bestellt hatte, war wie weggeblasen. Er starrte vor sich hin und ein Anflug von Trübsal legte sich über sein Gesicht.

Als er seinen Kaffee getrunken hatte, blickte er nach rechts und begann mit seinem Vortrag über den Streckenabschnitt von Lübben nach Rostock und wie er errechnet hatte, wie man die Höchstgeschwindigkeit des Zuges verändern konnte.

Seine Augen strahlten plötzlich  und er wandte sich mit denselben Worten zu seiner linken Seite. Immer wieder begann er zu reden, mal nach rechts, mal nach links, laut und deutlich. Dann folgten lange Pausen, in denen er konzentriert auf die Antworten lauschte, mit dem Kopf zustimmend nickte oder den Kopf ablehnend schüttelte. Er musste sehr in der Vergangenheit verhaftet gewesen sein, denn sein Vortrag bezog sich auf die DDR.

Doch weder rechts noch links saß jemand.

Er bezahlte bar. Die Rechnung, die er mit ein paar Worten auf der Rückseite versah, schob er in die leere Bierflasche, goss das Wasser aus dem Glas dazu und verklebte die Flaschenöffnung mit Pflaster. Er nahm seine Flaschenpost in seine rechte, die Tasche in die linke Hand, verbeugte sich nach rechts und links und ging. Sein  Schokokeks blieb ganz allein zurück.

© G. Bessen

Etüdensommerpausenintermezzo – es drabbelt…

Die neue Aufgabe von Christiane, bis die abc.etüden am 3. September weitergehen:

Drabble: Bringt diese 3 Wörter in 100 Wörtern (gezählt ohne Überschrift) unter. 100 Wörter, keins mehr, keins weniger.

Flaschenpost
Trübsal
Sonnenblume.

**********

Vom Dunkel zum Licht

Die Seele lag schon lange im Schatten. Nichts konnte sie erfreuen. Hin und wieder kamen diese dunklen Wolken und legten sich als Trübsal über sie. Sie schaute auf das Sonnenblumenfeld. Die hoch gewachsenen Stile der Sonnenblumen tänzelten mit dem leichten Abendwind, die zarten Blütenköpfe strahlten in der Abendsonne wie glückliche Kindergesichter.

Nichts davon berührte die Seele.

Ihr  ausdrucksloser Blick hatte sich im Wasser festgekrallt, an der Stelle, wo der Bach eine Biegung machte. Was funkelte dort?

Sie zog eine braune Flasche aus dem glasklaren Wasser und betrachtete interessiert den Zettel im Inneren.

Eine Flaschenpost – etwa mit einer Botschaft für sie?

100 Wörter

©G. Bessen

 

 

 

Kaffeegenuss

 

 Wenn der Morgen erwacht

Kaffeeduft
liegt in der Luft,
erfüllt den Raum
im Morgengrau’n.

Ohne Kaffee
döse ich
um diese Zeit
ganz fürchterlich.

Bin überhaupt
nicht ansprechbar,
ein Morgenmuffel,
ist doch klar!

Erst wenn das
heiße Milchgetränk
die Speiseröhre
runter rennt,

den Magen wärmt,
die Seele weckt,
hab’ ich den
neuen Tag entdeckt.

Ich zünde eine
Kerze an,
behalt’ den
Schlafanzug
noch an.

Gieß’ mir die
zweite Tasse voll
und fühl’ mich
warm und wach
und einfach toll!

©Text und Foto: G. Bessen