Sommertage

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abc.etüden (30)

abc.etüden/Auf besonderen Wegen (15)

 Wenn ihr nur wissen wollt, wann es wieder weitergeht: Die nächste Runde startet mit der Ausgabe der neuen Wörter für die abc.Etüden Anfang September, und zwar am Sonntag, den 3. September für die Textwoche 36.17.

 „Wie, euren Notgroschen, was meinst du damit?“, fragte Antonia mit vor Schreck geweiteten Augen und ließ fast ihr Stativ fallen. Sie hatte sich früher immer gewünscht, eine berühmte Portraitfotografin zu werden, doch der Krieg hatte diesen Kindheitstraum brutal weggewischt.

Nun fotografierte sie, was ihr vor die Linse kam und da sie eine ganz erlesene Pflanze hatte, deren Blüte sich nur in der Nacht öffnen würde, hatte sie Kamera und Stativ stets in Reichweite.

„Wir haben ein wenig Geld auf die Seite gelegt, für später, als Notgroschen. Man weiß doch nie, was noch kommt, und dieses Geld befand sich in einem Bankschließfach, zu dem wir beide eine Vollmacht und jeder einen Schlüssel haben und das Schließfach ist nun leer.“

Hildchen ließ ihre eigenen  Worten mit angehaltenem Atem durch den Raum schweben, als glaube sie selbst nicht, was sie da gerade erzählt hatte.

„Das hört sich ja fast so an, als sei er wie ein Verbrecher getürmt, vor dir, aus eurer Ehe, ja, aus eurem gesamten Leben – unglaublich!“

Antonia sank auf den nächsten Stuhl, griff nach dem aus Breslau mitgebrachten  Becherovka und goss Hildchen und nun auch sich großzügig einen ein.

„Den siehst du nie wieder, verlass dich drauf!“

Nun war es an Hildchen, die Augen aufzureißen und Antonias Worten nachzuspüren – fassungslos, ungläubig und entsetzt.

 

abc.etüden (30) vor der Sommerpause

 

 

 

 

 

 

 

 

Christiane lädt wieder ein:

Und auf zum Endspurt!
Heute, meine lieben Mitschreiber-/innen und Leser-/innen,
gibt es die letzten Wörter vor der Sommerpause.
Von Sommer, sprich: Hitze, haben wir hier oben
im Norden zwar bisher noch nicht viel mitbekommen,
aber ich gebe die Hoffnung erst zum Herbstanfang auf.

Die Wörter für diese Woche hat Anna-Lena von „Meine literarische Visitenkarte“ (visitenkartemyblog.wordpress.com) gespendet. Sie lauten:

Stativ
Kindheitstraum
nachspüren

Damit wir nicht ins Sommerloch fallen, hat Christiane auch eine Idee für ein Etüdensommerpausenintermezzo. Eine gute Idee gegen Entzugserscheinungen für alle, die nicht in Ferien oder Urlaub sind…

abc.etüden (29)

Das sind die neuen Wörter, die Ulli aus dem Café Weltenall

(cafeweltenall.wordpress.com)

für die abc.etüden der Textwoche 29.17 gespendet hat:

Buddelkiste
schwadronieren
Tanzbein

abc/etüden/Auf besonderen Wegen (14)

 Antonia staunte nicht schlecht, als Hildchen am folgenden Morgen bei ihr Sturm klingelte. Sie saß noch im Schlafanzug  beim Frühstück, blaue und gelbe Lockenwickler im Haar und war gerade damit beschäftigt, ihren Tag zu strukturieren.

„Was ist denn passiert?“, fragte sie Hildchen, die mit geröteten Augen und einem verzweifelten Gesichtsausdruck vor ihr stand.

„Soll ich dir das hier auf dem Flur erzählen, oder bittest du mich auch mal herein?“, fauchte Hildchen und drehte sich vorsichtig um, als sei ihr jemand von der Stasi auf den Fersen.

Nach zwei hastig hinunter gekippten Becherovka-Schnäpsen  und einer Tasse starken Kaffees war Hildchen in der Lage, von ihrem Besuch bei der Polizei zu berichten.  Die Vermisstenanzeige lief nun, doch die anzüglichen Bemerkungen des Polizeibeamten, sich erst nach sechs Wochen daran zu erinnern, dass der Ehemann womöglich abhanden gekommen sei und nun erst zu reagieren, hatte sie doch mächtig in Rage versetzt.

„Dieser junge Schnösel, was denkt er sich, schließlich kenne ich meinen Ludwig fast schon aus der Buddelkiste. Wir haben nächtelang über Gott und die Welt schwadroniert, Partys gefeiert, das Tanzbein geschwungen… . Ja, mein Ludwig war früher ein flotter Hecht, wenn ich das so recht bedenke.

Und nun pilgert  der plötzlich den Jakobsweg, verschwindet einfach und lässt mich hier sitzen, ohne Geld, denn unser Notgroschen ist auch weg!“

abc.etüden (28)

Hier sind sie, die Wörter für die Textwoche 28.17 der abc-etüden, gespendet von autopict.wordpress.com, und lauten:

Mondsichel
Zäsur
kontrollieren

abc/etüden/Auf besonderen Wegen (13)

Hildchen konnte nicht einschlafen und starrte verzweifelt auf die scharf gezeichnete Mondsichel, die genau über ihrem Garten stand.  Ihr Herz klopfte als wolle es sich überschlagen. Kein Lebenszeichen hatte sie von Ludwig, weder im Postkasten noch auf dem Anrufbeantworter. Er war seit knapp sechs Wochen unterwegs, aber so ganz ohne Nachricht – sieht man von dieser merkwürdigen Pilger-Jakobsweg-Karte mal ab – war das ganz und gar nicht ihr Ludwig.

Ihrer beider Leben geriet deutlich aus den Fugen, das spürte sie genau.

Dieser seltsame Wunsch Ludwigs nun zu pilgern war so eine deutliche Zäsur in beider Leben, das Hildchen etwas ganz anderes dahinter vermutete, eine midlife crisis, den Wunsch nach einem zweiten Frühling, den Männer in der fortgeschrittenen Mitte ihres Lebens oft verspüren und sie fragte sich, was sie mit Ludwig überhaupt noch verband.

Sie begann, fürchterlich zu zittern, wie bei einem Schüttelfrost vor einer schweren Grippe. Es gelang ihr nicht, ihren Körper zu kontrollieren, die Nerven gehorchten ihr nicht und der Boden unter ihr wollte sich wie ein gähnender Schlund auftun.

Gleich am Morgen würde sie eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben.