Vom Sehen und Hören (3)

Vom Sehen und Hören (3)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

In einer Spaß- und Partygesellschaft wie der unserigen ist die Grenze zur Traurigkeit ganz weit unten angesetzt, wenn wir den unausgesprochenen Regeln folgen. Wer möchte schon traurige Gesichter oder gar Tränen sehen?

Bei Partys und anderen Feiern wird sich gefreut und gelacht. Je mehr Alkohol fließt, desto lustiger wird es. Manchmal kommen noch andere Partydrogen dazu. Die Reise ins Exotische kann beginnen. Probleme haben bei Feiern  nichts zu suchen, die werden zu zweit irgendwo individuell gelöst oder noch besser, ganz alleine im stillen Kämmerlein. Gefühle zum Ausdruck bringen sollte am besten nur derjenige, der andere mitreißen, andere begeistern kann.

Was aber machen diejenigen, die gerade nichts zu Lachen haben?
Deren Leben von Sorgen belastet ist?
Die nicht wissen, wie es am nächsten Tag, in der nächsten Woche weitergeht?
Die vor Kummer nicht in den Schlaf kommen?
Die wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben?

 

Haben sie kein Recht, an Feiern teilzunehmen, um auch mal abgelenkt zu sein, die Sorgen zu vergessen?

Wer riskiert schon gerne, als Spaßbremse betitelt zu werden?

Keep smiling.
Lach doch mal!
Guck nicht so traurig!

Leicht gesagt!

Ich denke, auch eine Traurigkeit hat seine Berechtigung. Wer nicht so gut drauf ist, sollte auch so akzeptiert werden. Doch viel zu oft wird eine Schauspielerei erwartet, die erstens nicht ehrlich ist und zweitens nicht jedem liegt.

Augen sind die Spiegel unserer Seele und wenn die Augen gerade mal nicht lachen können,
sollte das ohne einen Erklärungsnotstand akzeptiert werden.

Tränen sind das Grundwasser unserer Seele und wenn es fließt, muss es sich einen Weg suchen.

Mit dem Blick in das eigene Ich
weiß jeder von uns,
dass es in jedem Leben Aufs und Abs,
Höhen und Tiefen,
Freude und Trauer gibt.

Auf das WANN haben wir keinen Einfluss,
auf das WIE schon, indem wir
ehrlich und authentisch sind und bleiben,
mit der Hoffnung, so akzeptiert zu werden.

©Text und Foto: G. Bessen