Vom Sehen und Hören (2)

Vom Sehen und Hören (2)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

Unser Leben wird immer komplizierter im Großen wie auch im Kleinen. Mit dem, was wir sehen und hören, erschaffen wir unsere Wirklichkeit.
So wie wir manches nicht mehr sehen wollen oder können, so wollen wir auch nicht mehr alles hören.
Mir ergeht es so mit der großen Politik, die immer mehr von Terror, Kriegen, Naturkatastrophen, Armut und Hunger sowie den Macht- und Ränkespielen der ‚Großen’ beherrscht wird. Und wir, klein und hilflos, stehen daneben und sind machtlos.

Was will ich hören?
Wann stelle ich mich gehörlos?
Was von dem, was ich höre ist Wahrheit?
Wahrheit erkenne ich durch Wahr-Nehmung, indem ich genau hin-schaue, staune, er-ahne, ein-sehe und zu-höre. Möglicherweise bekomme ich eine Ahnung davon, was Wahrheit ist oder was nur Vorurteile, Halbwahrheiten oder Platitüden sind.
Hören wir genau hin und lassen wir uns von dem berühren, was wir hören und verstehen. Nur so kann uns Wahrheit treffen, betreffen und betroffen machen und uns handeln lassen.

© Text und Foto: G. Bessen

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Ostermorgen

Ostermorgen

Unwirsch fegte der Wind durch die zarten grünen Blätter, die sich bei diesem plötzlich  auftretenden kühlen Genossen am liebsten wieder zurückgezogen hätten. Damit hatten sie nicht gerechnet und blickten verzweifelt und schutzlos zum Himmel. Dunkle, graue Wolken bedeckten den Himmel.  Die Sonne hielt  sich noch versteckt und Mutter Erde war trostlos  und still. Die Vögel waren verstummt und es schien, als hätte sich eine unheimliche Ruhe  über das Land gelegt.

Nur zögerlich erwachte der Tag und mit ihm tauchten erste schüchterne Sonnenstrahlen die Erde zaghafte in ein freundliches Licht. In dieser Nacht war etwas geschehen, ein Stein war ins Rollen gekommen. Vorsichtig  reckten sich die verschlafenen Blätter und die bunten Frühlingsblüher der Sonne entgegen und hielten das zarte  Blütengesicht in ihre wärmenden Strahlen. Sie fühlten sich sicher und geborgen.

 Der Ostermorgen war angebrochen.

© Text und Foto: G. Bessen

Ostermorgen

Die Lerche stieg am Ostermorgen
empor ins klarste Luftgebiet
und schmettert‘ hoch im Blau verborgen
ein freudig Auferstehungslied.

Und wie sie schmetterte, da klangen
es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du froh verjüngte Welt!

Emanuel Geibel
(1815 – 1884)