Vom Sehen und Hören (1)

Vom Sehen und Hören (1)

„Was ist unser Leben?
Alles,
was wir sehen,
greifen, hören,
schmecken, fühlen;
alles,
was uns umgibt,
was wir besitzen,
woran wir gewöhnt sind,
was wir lieben. …“

(aus einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer)

„Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht.“
„Mir fehlt der Durchblick.“

Mit dem Sehen ist das so eine Sache. Manchmal sind wir einfach blind für die wichtigen Dinge im Leben. Sei es, dass wir viel zu sehr mit uns beschäftigt sind und den Blick für das Wesentliche verloren haben.

Was aber ist das Wesentliche?
Die Menschen in meiner Familie, die ich liebe.
Der Mensch neben mir, der auf meine Hilfe zählt.
Der Mensch in meinem Haus, der niemanden mehr hat und einsam ist.
Der Mensch, der mir täglich in der S-Bahn begegnet, mit dem ich ein Stück des Weges gemeinsam fahre und der mir trotzdem absolut fremd ist.
Der Mensch im Supermarkt, der sich nur etwas zu essen kaufen kann, wenn er genügend Flaschenpfand gesammelt hat.
Der Mensch in meiner Firma, der immer wieder gemobbt wird.
Der Mensch mit einer anderen Hautfarbe, der gemieden wird, als sei er an Lepra erkrankt.
Sehen wir all das? Wollen wir das sehen? Und wenn ja, was tun wir?
Wer blind ist, hat eine Entschuldigung. Möglicherweise hört er mehr und nutzt diese Fähigkeit.
Wer nicht blind ist und doch nicht sieht, sollte seine Wirklichkeit vielleicht überdenken.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.
Antoine de Saint-Exupéry

©Text und Foto: G. Bessen