abc.etüden (4.2)

hauptbahnhof-berlinDer Bahnhof war hermetisch abgeriegelt. Ein junger Polizist, mit blauen strahlenden Augen und Glatze, an ein Moped lehnend, drehte sich genüsslich eine Zigarette. Obwohl er so tat, als sei sein Augenmerk völlig auf den trockenen Glimmstengel gerichtet, fixierte er seine Umgebung und registrierte jede kleine Bewegung. „Entschuldigung, können Sie mir sagen, ob der Zug aus Prag hier überhaupt einläuft?“, fragte sie den Polizisten. „Ich kann Ihnen nur sagen, dass im Bahnhof gerade ein mächtiger Zirkus seinen Auftritt hat, aber von einem Zug aus Prag weiß ich nichts. Zufrieden?“

‚Blöder Lackaffe’, dachte sie, drehte sich um und zog ihr Smartphone aus der Jackentasche. Von Karel war keine weitere Nachricht gekommen und sie war unschlüssig, was sie jetzt tun sollte. ‚Fahr weiter bis Oranienburg, dort hole ich dich ab.’ Nervös rauchte sie auf dem Bahnhofsvorplatz eine Zigarette nach der anderen, denn Karel antwortete nicht.

Plötzlich krachte ein Ohren betäubender Lärm durch die Luft und ein großes Knäuel aus Blech, Holz, Glas und anderen Gegenständen sauste  nieder und begrub alles unter sich, was ihm in die Quere gekommen war….

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24 Kommentare

  1. oh, wie beklemmend, dieses Ende, und doch, liebe Anna-Lena, ist uns sehr bewußt, wie blitzschnell Freude in Leid umschlagen kann.
    Sehr gut hast Du Deine traumatisierten Gedanken hier mit untergebracht.

    Du reißt uns aus unseren alllzu harmlosen Gedanken *lächel*

    Vom eigenen Schreibgefühl her glaube ich, ziemlich genau zu wissen, was Textstaub hier meint.
    Diese Geschehnisse sprengen fast den Rahmen einer sehr kleinen Geschichte, sie wird seiner Meinung nach überfrachtet mit allzuviel.

    Und doch ist das Allzuviel geschehen und wird leider bestimmt wieder geschehen. Du hast unser aller Ängste hier mit eingebracht und ich denke, es muß auch SO sein…
    Wir wollen nicht nur schlafen, wir wollen auch aufgeweckt werden.

    Sehr herzliche Grüße von Bruni an Dich ♥

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    • In unserer heutigen Zeit ist so vieles beklemmend und das kann ich nicht ausblenden, nicht immer, obwohl ich es versuche.
      Zeitungsmeldungen sind doch oft auch nicht länger, sie informieen, beschrieben und haben auch Inhalte, die im ersten Moment erschrecken, aber der Realität entsprechen.
      Somit ist hier die Fantasie des Schreibens nur eine Fiktion, während der Zeitungsartikel doch von lebendigen Menschen handelt.
      Du kennst mich zu lange und weißt, dass ich vieles einbeziehe, wenn mir danach ist oder wenn es nötig ist.

      Ich kann Textstaub allerdings auch verstehen 😉 .

      Liebste Grüße auch an dich. ❤

      Gefällt 1 Person

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