Gedankenfetzen

Gedankenfetzen

In der heutigen Welt möchte ich kein Kind mehr sein, doch ich denke oft an meine Kindheit zurück.

Es war eine Zeit ohne Angst. Der Zweite Weltkrieg war schon lange vorüber und was vorbei war, kommt nicht wieder. Die Schilderungen der Erwachsenen, die ich als Kind aufschnappte, verstand ich nie ganz und da es uns gut ging, brauchte ich mir keine Sorgen machen.
Alle Väter arbeiteten, die Mütter waren zuhause. Wir hatten ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und zu trinken und konnten uns kleiden.
Die Verwandten trafen sich regelmäßig an Geburtstagen und an Feiertagen.
Wir Kinder spielten miteinander und die Erwachsenen waren unter sich.
Meist gab es ein deftiges Mittagessen, später Kaffee und selbst gebackenen Kuchen und wir Kinder lauerten zu einer bestimmten Zeit am Fenster, ob endlich der Eismann käme.

Mein Großonkel hatte seine Taubenzucht und seinen kleinen Garten, in dem er fast alles anbaute, was auch auf den Tisch kam. Mein Opa hatte Kaninchen, die zu Ostern geschlachtet wurden.

Luxus im heutigen Verständnis hatten wir keinen. In den Wohnungen meiner Verwandtschaft gab es keine Bäder, es wurde sich in der Küche gewaschen und die Toilette war nicht selten eine Etage tiefer. Geheizt wurde mit Kohlen und Brikett.

Als wir endlich einen kleinen schwarz-weiß Fernseher hatten, war das eine unglaubliche Errungenschaft, vor der die Familie in großem Erstaunen saß. Das war Luxus! Das erste, was ich mitbekam, war die Ermordung John F. Kennedys. Das Böse hatte seinen Einzug in meine kleine heile Welt gehalten.

Doch der Alltag verlief meist in Bahnen, in denen das Böse, das Bedrohliche keinen Platz hatte. Die Woche war ausgefüllt mit Schule und Hausaufgaben, Hilfe im Haushalt musste bereits auch geleistet werden. Am Wochenende gab es meist ein schönes Stück Fleisch und auch mal Schokolade.

Nicht alle Kinder hatten soviel Glück.
Und die Kinder heute?
Welche Perspektiven haben sie?
Kinder mit Nestwärme aus sozial gesunden Familien, in denen noch Werte vor- und gelebt werden, die sich auch einen kleinen Wohlstand leisten können, haben gute Chancen, ihren Weg zu einem erfüllten Leben zu finden.

Kinderarmut, Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheiten schon in jungen Jahren, Kinder die nur bei einem Elternteil aufwachsen oder sich allein gelassen und ungeliebt fühlen treffen wir auch in unserem reichen und hochindustrialisierten Land an.

Kinder in anderen Ländern haben oft keine Bildungsmöglichkeiten, kennen nur körperlich schwere Arbeit unter extremen Bedingungen. Kinder prostituieren sich, um die Familie finanziell mitzuversorgen. Kinder werden zu Soldaten ausgebildet. Kinder müssen sich grausamen Ritualen unterziehen, die sie für ihr ganzes Leben traumatisieren.

Und die Flüchtlingskinder, die seit Monaten unterwegs sind, aus dem Elend, dem Krieg und der Zerstörung geflohen sind und nicht wissen, was da eigentlich mit ihnen passiert, was fühlen sie? Wie werden sie je diese Erlebnisse verarbeiten? Haben sie überhaupt eine Kindheit ? Wer hat das Recht, sie ihnen so brutal und schonungslos zu entziehen?

Kinderfoto

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23 Kommentare

  1. Leider hat dein Bericht keine echte Überschrift, deshalb komme ich nicht richtig auf deinen Blog.
    Kann nur in einem schmalen Fenster meinen Kommentar eingeben.
    Wir waren drei Kinder. Mein Vater konnte seinen Tischler-Beruf nicht ausüben durch eine Kriegsverletzung. Er wurde als Hilfsarbeiter eingesetzt Den Lohn kann man sich vorstellen. Zum Glück hatten wir einen Schrebergarten mit 10 – 12 Hühnern.
    Wir hatten eine Sitz-Badewanne.
    Und der erste Fernseher, da musste am Apparat auf das zweite Programm gedreht werden.
    Ich verabschiede mich für 2 Monate. Provider-Wechsel.
    Aber ich habe jede Menge vorbereitet: Blog- und mein Geburtstag, Hochzeitstag, und vieles mehr. Die Kommentare kann ich freischalten.
    deine Bärbel

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  2. es gäbe viel zu sagen dazu. Zu deinem letzten Satz: wer hatte damals das Recht mir den Vater zu nehmen, meine Mutter bis spät in die Nacht arbeiten zu lassen um etwas zum Essen zu bekommen. Heizen mit zersägten Möbeln und und ….
    Über zerbombte Häuser klettern zu müssen.
    Um Himmelswillen, nicht missverstehen, ich leide mit diesen Menschen.
    Aber wenn wir damals alle geflüchtet wären, gäbe es unser heutiges Deutschland und Österreich so wie es ist?
    lg
    karl

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  3. Wir hatten eine sogenannte behütete Kindheit, das sitmmt, liebe Anna-Lena und uns reichte, was es gab. Wir dachten gar nicht über ein Mehr nach, bis die Zeiten sich etwas änderten, Freundinnen andere Dinge hatten u. auch in mir Wünsche nach diesen anderen Dingen entstanden, z.B. einen Petticoat, Ballerina-Schuhe, Ohrringe, lange Haare statt immer nur kurzen, usw. Tja, da war ich oft enttäuscht, weil meine Wünsche wohl nicht interessierten.

    Heute ist alles sehr anders, wir baden schier im Überfluss und da gibt es die Menschen, bei denen es so ganz anders ist, die weniger als nichts haben u. noch dazu um ihr eigenes und das Leben ihrer Familie fürchten müssen.
    Wenn sie noch einen Funken Kraft u. auch die nötigen Mittel haben, flüchten sie u. suchen ein Wunderland…

    Es ist eine schwierige Zeit, in der wir nun leben u. ich hoffe auf Toleranz und Mut, sich kennenzulernen, auf allen Seiten.

    Liebe Morgengrüße von Bruni an Dich

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    • Schwierige Zeiten gab es immer, davon konnten unsere Eltern und Großeltern ein Lied singen. Doch sie haben angepackt, gemeinsam und hatten ein Ziel vor Augen.
      Das sollte jetzt unser Ziel sein. Ich verstehe, wenn Menschen angesichts der vielen Flüchtlinge Sorgen haben, aber ich verurteile Vorabverurteilungen und Vorurteile, ohne mit diesen Menschen den Versuch einer „Tuchfühlung“ gehabt zu haben. In unserem Nachbardorf werden am Montag sechzig bis hundert erwartet. Die Wellen schlugen hoch, als es eine Informationsveranstaltung dazu gab.
      In unserem Ort laufen die Vorbereitungen zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge auf Hochtouren – wie mir scheint, auch gut organisiert.

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  4. Auch ich möchte heutzutage kein Kind mehr sein! Doch das haben unsere Eltern schon gesagt und unsere Großeltern auch. Jede Generation hat ihre Vorzüge und Nachteile. Wenn ich erzähle, hängen mir die jüngeren Menschen an den Lippen und bemitleiden mich. Zum Glück sieht alles aus der Entfernung nicht mehr so streng und einfach (einfach in dem Sinn von primitiv) aus.

    Es war schön für mich als Kind – meistens, aber es ist auch schön für die Kinder heute!

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  5. Das musste auch einmal gesagt werden! Wir können uns glücklich schätzen mit unserer unbeschwerten Kindheit. Doch ich weiß auch, dass meine Eltern Ähnliches wie Karl erlebt haben.

    Trotz allem – die Kinder konnten nie etwas dafür und ob nun früher oder heute – es ist schlimm, was sie erleiden mussten und immer noch müssen. Alle Kinder haben ein Recht auf eine unbeschwerte Kindheit und das gönne ich auch allen.

    Liebe Grüße, Brigitte

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  6. Ich denke auch oft, dass meine Kindheit schöner war, als es noch kein Handy, kein PC und nur 3 Fernsehprogramme gab. Wir waren fast immer draußen, das ganze Dorf traf sich nach der Schule, abends schnell nach Hause…ein Butterbrot auf die Hand und wieder raus, bis es läutete, dann mussten wir meist zu Hause sein. Es gab so viele Kinder in unserem kleinen Dorf, da hatte man immer einen Spielkameraden.
    Wenn ich heute in mein Heimatdorf komme, dann sind die Straßen leer, waren wir früher 10 Kinder in einem Jahrgang, so sind es heute vielleicht 1 – 2 Kinder……

    Aber nicht alles ist heute schlecht und ich kann mich auch erinnern, dass meine Eltern immer ihre Kindheit (die im Krieg aufgewachsen sind) als eine gute Kindheit bezeichneten und so denke ich, dass auch viele unserer Kinder später einmal gerne an Ihre Kindheit zurück denken.

    Leid und Elend gibt es leider immer wieder und im Moment ist das sicher nicht von der Hand zu weisen. Eines ist klar, die Kinder sind in Krisenzeiten immer die Leidtragenden. Sie sind schuldlos an allem und auch ich wünsche, dass jedes Kind ein Recht auf eine unbeschwerte Kindheit hat.

    LG Susanne

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    • Wir waren auch draußen, bei Wind und Wetter und daher sind wir resistenter als die Kinder heute.
      Ich habe auch nicht gesagt, dass heute alles schlecht ist, aber ich denke, gerade die digitalen Medien nehmen Kindern viel von all den Möglichkeiten, die wir damals hatten. Am Montag morgen sind Schüler anders drauf, wenn das Wetter am Wochenende schlecht war und sie nur zu Hause gesessen haben.
      Viele sind heute träge und bequem, unbeweglich und übergewichtig.
      Man kann Eltern heute nur ans Herz legen, Kinder zum Sport zu motivieren, damit sie wenigstens einen körperlichen Ausgleich haben.

      Ich merke schon, ich könnte unendlich weiterschreiben…

      Unbeschwerte Kindheiten sind auch ein Teil der Verantwortung, die Eltern auf sich nehmen, wenn sie Kinder in die Welt setzen.

      Hab einen sonnigen Sonntag, liebe Susanne.

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  7. Liebe Anna-Lena,
    ich hatte ebenfalls eine sehr schöne und behütete Kindheit, an die ich auch gerne zurück denke. Meine Mutter, die 1929 geboren wurde, hatte eine ganz andere Kindheit und Jugend, die auch sehr belastend und keineswegs so fröhlich war. Auch diese Erinnerungen an Krieg und Vertreibung bleiben, – ein Leben lang. Und viele Erlebnisse kommen jetzt bei ihr wieder hoch.
    Die armen Flüchtlingskinder heute werden diese Last ebenfalls ein Leben lang mit sich herum tragen,-bewusst oder unterbewusst.
    LG
    Astrid

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