Lebensabschnitte (8) Mittendrin

Mittendrin

Wer glaubt, in einem Kloster sei man gänzlich von der Welt abgeschieden, irrt. In meinen staatlichen Schulen hatte ich einen eher unterdurchschnittlichen Erdkundeunterricht, der mir nie die Motivation geliefert hätte, dieses Fach zu studieren.
„Unsere“ Schwestern gehören einem Missionsorden an, der überall auf der Welt seine Niederlassungen hat.

“ …In unseren missionarischen Aufgaben versuchen wir überall dort Schwerpunkte zu setzen, wo der Zahn der Zeit besonders drückt.
Wir stellen uns an die Seite von Menschen,

die in unserer Gesellschaft keinen Platz finden
die auf der Suche nach Gott sind
die unter materieller und seelischer Armut leiden
die Mehr vom Leben wollen…“
Quelle

St Miachael

Immer wieder kamen Schwestern aus ihren Sendungsgebieten ins Mutterhaus zurück, um eine Zeitlang Urlaub in der Heimat zu machen oder aus Krankheitsgründen, wenn der Einsatz aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war. Für uns hieß es dann, an Vorträgen mit Bildmaterial (in Form von Filmen und Dias) teilzunehmen, die uns die weite Welt direkt ins Haus brachte. Das war anschaulicher Geografieunterricht, den kein Lehrbuch vermiteln konnte.
Für mich selbst entwickelte sich aus so einem Vortrag eine langjährige Brieffreundschaft mit einer Schwester, die lange Jahre als Krankenschwester in Chile tätig war.
Es gab auch Fächer, die mich nicht die Bohne interessierten, sondern lediglich ein notwendiges Übel darstellten. Das waren bei mir eindeutig die Fächer Physik und Chemie. Doch lernen musste man auch für solche Fächer, denn bei so kleinen Klassen, von denen heutzutage jeder Lehrer träumt, musste man jederzeit auf Leistungskontrollen gefasst sein.

Wir waren in unserer Klasse fast durchgängig siebzehn, vierzehn Schülerinnen und drei junge Schwestern. Eine Schwester musste nach der siebten Klasse aus gesundheitlichen Gründen aufhören, die anderen beiden machten mit uns die Mittlere Reife und gingen danach in die Krankenpflege.
In der Oberstufe waren es erst noch sieben, dann sechs Schülerinnen, die das Abitur ablegten. Der Lernprozess war intensiv, denn uns stand – außer einer Kaffeepause – der gesamte Nachmittag zum Lernen zur Verfügung. Und anders, als in staatlichen Schulen, waren die Lehrerinnen für uns stets ansprechbar. Sie übten ihren Beruf mit Idealismus und Freude aus und das zeichnet eine gute Lehrkraft aus.

Von unseren damaligen Lehrerinnen leben heute noch zwei. Beide haben das Internat über mehrere Jahre geleitet. Da soll mal jemand sagen, wir hätten sie nicht gut behandelt!

ehemalige KlassenräumeUnsere ehemaligen Klassenräume im Schultrakt werden heute als Tagungsräume genutzt.

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20 Kommentare

  1. Die privaten und Kirchlichen Schulen haben viel mehr Möglichkeiten als die Staatlichen und es geht viel gesitteter zu. Mein Enkel ist auch auf einer Maristen Schule. Da kann man mal den Unterschied sehen. Ich wünsche dir noch einen schönen Ostermontag. L.G.

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  2. Liebe Anna-Lena,
    mit Freude und großem Interesse habe ich deine Geschichte gelesen und finde sie toll! Schreibe weiter, schreibe deine Geschichte und zwar nicht nur, um Einblick in die Vergangenheit zu geben, sondern auch um zu erzählen, was du zu berichten hast.
    Deine Worte sind lebending und du berührst! Ich musste einige Male schmunzeln und habe deine Texte sehr genossen 🙂

    Alles Liebe, Emily ❤

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  3. Ich hoffe doch sehr, dass Du noch VIEL mehr aus Deiner Internatszeit erzählst …

    JA !! Ich kann der Leserschar von Anna-Lena’s „Literarischer Visitenkarte“ be-EIDEN, dass Anna-Lena durchaus KEINE Streberin war!
    Wann immer man sie zu irgendeiner Hausarbeit was fragte, sie nahm sich stets die Zeit, um die „Wissens-Lücke“ der anfragenden Mitschülerin zu füllen !!

    E.i.n.e „Streberin“ gab es aber in unserer Klasse; beim schönsten Geck tat sie sich schwer, auch mal s.e.l.b.s.t von Herzen zu lachen.
    Heute sagt man: Es gibt Menschen, die gehen selbst zum Lachen in den Keller….. (pardon…).

    Die zwei Ordensschwestern, die mit uns die Schulbank drückten, waren dsbzgl. vollkommen anders: beide konnten so herzhaft lachen (auch über u.n.s.e.r.e Späße), es war eine Freude!!

    Wie Anna-Lena bereits geschrieben hat: 2 der Schwestern, die wir als Lehrerinnen hatten, leben heute noch.
    ALSO……….. es kann wirklich keiner behaupten, wir wären nicht „pfleglich“ mit ihnen umgegangen.
    Und die anderen Schwestern aus dem Lehrerinnen-Kollegium, die leider bereits verstorben sind, das sind d.i.e, Lehrpersonen………………

    …………….. die bereits von den vielen(!!) Schülerinnen VOR UNSEREM (!!)Jahrgang so „geärgert“ wurden…………

    Ist doch klar… oder etwa nicht ????

    Chemie und Physik…………. : dazu fehlen mir die Worte…
    Das einzig GUTE an diesen betreffenden Stunden war, dass wir einen kl. „Spaziergang“ auf dem langen Klosterflur machen konnten, um in den besagten Klassenraum zu gelangen…. Es versteht sich doch von selbst, dass wir diese Zeit-Spanne nicht im „Dauerlauf“ hingelegt haben………….
    Wir durften ohnehin nur „sittsam“…. sprich = nicht hastig laufend über die Klosterflure gehen.

    Ich wage mal zu behaupten: DAS würde sich Anna-Lena heute auch so manches Mal von ihrer Schüler-SCHAR wünschen..

    LG Uli

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    • Ach, liebe Uli, unsere Schüler laufen eher wie Insassen eines Altenheimes, die muss man sogar auf Trab bringen, dass sie pünktlich zum Unterricht kommen :mrgreen: .
      Fairerweise muss man dazu sagen, dass die verstorbenen Schwestern bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr ganz jung waren. In unserem damaligen Schülerinnenalter waren ja schon Vierzigjährige „uralt“. So denken Jugendliche ja heute noch. Aber manche sind wirklich erstaunlich alt geworden.

      Liebe Grüße
      Anna-Lena 😉 .

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  4. Physik und Chemie interessierten mich und die meisten Klassenkameradinnen auch nicht die Bohne. Wir nahmen nur deshalb oberflächlich interessiert am Unterricht teil, weil wir ergründen wollten, wie weit die Liebesbeziehung zwischen dem feschen, blondgelockten Fräulein Wierhake und dem Geschichtslehrer Dorschner, der immer eine sehr feuchte Aussprache hatte (worunter vor allem die in den ersten beiden Reihen Sitzenden leiden mussten) bereits gediehen war. 😉

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  5. Klar habt ihr die Schwestern gut behandelt *ggg*. Also ich kann mich erinnern, dass wir Respekt hatten. Und auch von den Schwestern mit Respekt behandelt wurden.

    Bei uns in der Klosterschule kam nur ab und zu ein alter Pfarrer vorbei, da errötete wirklich keine Schwester.

    Wir waren bei den Englischen Fräulein und die wurden zu damaliger Zeit mit „Mater“ angeredet. In Physik ist mir einmal doch tatsächlich eine „5“ geglückt. Das war aber mein einziger Ausrutscher und ist wohl darauf zurückzuführen, dass wir gerne Karten spielten während des langweiligen Unterrichts.

    Lieben Gruß, Brigitte

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  6. was für ein schöner und auch wieder sehr informativer Text über Deine Zeit dort, liebe Anna-Lena.
    Motivierte und mit Humor gesegnete Lehrer sind leider rar, aber im großen und ganzen hatte ich Glück.
    Die Motivation bleibt oft im Laufe der Jahre auf der Strecke und Humor fehlt so vielen Menschen.

    Den Erdkundeunterricht hätte ich auch gerne erlebt. Das hört sich tausendmal spannender an, als der, den ich mal hatte. Ich erinnere mich daran, daß wir die Umrisse von Ländern zeichnen mußten u. im Zeichnen war ich nicht nicht sehr gut 🙂
    Dabei interessierten mich die Länder ab sich sehr…

    Liebe Abendgrüße an Dich von einer infektgeschüttelten Bruni

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    • Oh je, liebe Bruni, hat es dich schon wieder erwischt????
      Umrisse von Ländern zeichnen? Wie spannend *Ironie-Smiley* !!! Topografie ist zwar wichtig im Erdkundeunterricht, aber doch nicht so! Was hat man ganzen Schülergenerationen damit angetan, zumal sich Ländergrenzen bekanntlich ändern können.
      Ich hatte viel später (ich glaube in der 11. Klasse) mal ein ganzes Jahr nur Windsysteme auf dem Programm, die Lehrerin war generell ziemlich durch den Wind… :mrgreen: .

      Ich wünsche dir schnelle und gute Besserung!

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  7. Hallo Anna-Lena,
    das ist ja kaum vorstellbar, so kleine Klassen. Wir waren damals zum Teil noch 40 Schüler in einer Klasse.
    Chemie und Physik war auch nicht gerade das, was ich über alles liebte, aber es klappte trotzdem ganz gut. Ich war und bin eher der geisteswissenschaftliche Typ und so gehörten zu den Fächern, die ich studierte u.a. Anglistik und Germanistik, aber auch kath. Religion für die GS.
    Ich kann mir vorstellen, dass ihr einen sehr anschaulichen Erdkundeunterricht hattet, das prägt natürlich.
    LG
    Astrid

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