Weil heute Valentinstag ist

habe ich diese Geschichte aus der Versenkung geholt…

100_1611‚Schenken Sie Ihrer Liebsten keine Rosen, sondern einen bunten Strauß Tulpen. So bringt der Valentinstag einen Hauch Frühling  in ihr Herz.’

‚Rufen Sie uns an! Wir beraten Sie und machen Sie zum perfekten Lover’.

Wütend drückte sie den Off-Knopf des Küchenradios. Diese Dauerwerbung zum Valentinstag ging ihr mächtig auf die Nerven. Sie nahm eine neue Orange, schnitt sie in der Mitte durch und legte eine Hälfte auf die elektrische Orangenpresse. Obwohl sie sich innerlich zusammenriss, konnte sie es nicht verhindern, dass ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen und die Orange wie in einer Milchglasscheibe verschwamm.

Vier Jahre war es jetzt her und es tat jedes Jahr neu weh.
Ihre Gedanken wanderten zurück.

Patrick und sie hatten sich an einem Valentinstag auf einer Geburtstagsfeier kennen gelernt.
Diesen Jahrestag feierten sie jedes Jahr auf ganz besondere Weise. Sie besuchten eines der nobelsten Restaurants der Stadt und genossen ein sündhaft teures Essen  mit einem exklusiven Wein. Den Rummel mit Rosenstrauss, roten Herzchen und Liebesschwüren hatten sie an einem solchen Tag nicht nötig. Für sie war jeder Tag ein Valentinstag. Vier Jahre lang.
Bis zu dem Valentinsabend, als Susanne ihm freudestrahlend nach dem Essen von ihrer Schwangerschaft  erzählte und ihm das Ultraschallbild zeigte. Patrick schaute sie entsetzt an, nachdem er die Ausmaße dieser Neuigkeit begriffen hatte.
„Das ist nicht dein Ernst?“, fragte er sie ungläubig.
Sie wollten später mal ein Kind haben, darin waren sie sich einig, aber der jetzige Zeitpunkt war denkbar ungünstig. Susanne steckte mitten im ersten Staatsexamen und Patrick war dabei, seine eigene Firma zu gründen. Seiner Meinung nach fehlte es vorne und hinten an Zeit und Geld. Sie hörte deutlich aus seinen Worten, dass er zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit war, ein Kind in die gemeinsame Lebensplanung  zu integrieren.

Von dem Abend an war alles anders. Obwohl er es nicht aussprach, hatte Susanne das Gefühl, als müsse sie sich bald entscheiden, entweder Patrick oder das Kind. Und sie entschied sich.
Mit der Unterstützung ihrer Eltern brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt, machte ihre Ausbildung zu Ende und arbeitete nun erfolgreich in ihrem Beruf.
Sie hat ihrer großen Liebe lange nachgeweint, als Patrick bei ihr auszog und sich eine eigene Wohnung nahm.

Susanne straffte die Schultern und widmete sich wieder ihrem Orangensaft.
Hinter ihr ging die Küchentür auf und ein kleines Mädchen mit einem bunten Schlafanzug tappte leise in die Küche, die kleinen Händchen hinter dem Rücken versteckt.

„Mama, für dich“, ertönte Lea-Maries Stimme plötzlich hinter Susanne.
Sie drehte sich erschrocken um. Lea-Marie hielt ein ausgeschnittenes rotes Papierherz in ihren Händen und zeigte es stolz hoch.
„Das haben wir gestern alle im Kindergarten für die Mamas gemacht“, setzte sie stolz hinzu.

Susanne nahm ihre Tochter auf den Arm, drückte sie fest an sich und ließ ihren Freudentränen freien Lauf.

© G.Bessen

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