Blättertanz

Blättertanz

Der kühle Herbstwind hatte blendende Laune und strotzte nur so vor Energie. Die Sonne lächelte ihm freundlich zu, als ahne sie bereits, was er im Schilde führte. Er nahm Anlauf, sprang in die Luft und riss die welkenden braunen Blätter auf dem Waldboden mit sich.

Herbstlaub.JPG 9-2014
„Nicht so schnell“, stöhnte das eine oder andere Blatt seufzend auf. „Wir haben nicht mehr so viel Kraft.“
„Haltet euch aneinander fest, so geht niemand von euch verloren!“ Der Herbstwind lächelte den Blättern aufmunternd zu und führte sie zu einer Wiese. Dort sammelten sie sich erneut und mit einer kleinen Beschleunigung seiner Geschwindigkeit ermunterte der Wind sein Gefolge.
Die Blätter fassten sich an, hielten aneinander fest und ließen sich vom Wind durch die Luft wirbeln. Zwischendurch sank das eine oder andere Blatt zu Boden, ruhte sich aus und wurde dann erneut zum Blätterreigen abgeholt.
So viel Spaß hatten die Blätter noch nie gehabt. Der Wind ließ sie langsam auf die Wiese schweben.
„Danke für dieses wunderbare Vergnügen, lieber Wind“, raunten die Blätter dem Wind zu, der sich bei allen Blättern einzeln verabschiedete.
Nun fielen die Blätter in ihren wohlverdienten letzten Ruheschlaf.

Die Blätter, die dieses Stadium noch nicht erreicht hatten, klammerten sich angstvoll an ihre Äste. Sie hatten das Treiben mit gemischten Gefühlen beobachtet.
„Ob er uns auch abholt, wenn unsere Zeit gekommen ist?“, fragten sie sich gegenseitig.
„Ihr habt noch Zeit“, flüsterten die Äste „und bis dahin steht ihr unter unserem persönlichen Schutz.“
Die grünen, gelben und roten Blätter waren erleichtert und schaukelten beruhigt in der leichten Brise des Windes.

Herbstlaub 2014

© G. Bessen 21.09.14

Blatt im Wind

Ein Tier
auf der Straße,
Fahrer gib acht

Es dreht sich,
bewegt sich,
wirbelt im Kreis

Es biegt sich,
fliegt hoch,
rennt einige Meter

ich ahne
die Schlange mit Flügeln
im Wind

Fast wird mir bange;
Es ist doch kein Kind?

Nun liegt es still,
doch nur für Sekunden,

springt in die Höhe,
als wären hier Flöhe,

fällt endlich zur Erde,
beendet den Tanz

Ein Blättchen im Wind

Es dreht sich geschwind

c/Bruni Kantz

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17 Kommentare

  1. Pingback: Herbstanfang | Mein Lesestübchen

  2. ach, wie schön, liebe Anna-Lena, was für eine feine Blätterreigengeschichte. Es ist schon lustig, was wir uns alle für Gedanken um diese herbstliche Zeit machen. Er bewegt uns, der Herbst und jeden auf andere Art.
    Und Deine Collage ist wunderschön, vielfältig wie der Herbst persönlich.

    Bei mir hieß es mal so über das, was der Herbstwind anstellt:

    Blatt im Wind

    Ein Tier
    auf der Straße,
    Fahrer gib acht

    Es dreht sich,
    bewegt sich,
    wirbelt im Kreis

    Es biegt sich,
    fliegt hoch,
    rennt einige Meter

    ich ahne
    die Schlange mit Flügeln
    im Wind

    Fast wird mir bange;
    Es ist doch kein Kind?

    Nun liegt es still,
    doch nur für Sekunden,

    springt in die Höhe,
    als wären hier Flöhe,

    fällt endlich zur Erde,
    beendet den Tanz

    Ein Blättchen im Wind

    Es dreht sich geschwind

    Sehr herzliche Grüße von Bruni, mal wieder in die Nacht hinein

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