Die Versuchung

erdbeertorte3”Nein’, schalt sie sich innerlich und versuchte, ihre Gedanken ganz bewusst in eine andere Richtung zu lenken. Was passierte da mit ihr? Seit Wochen hatte sie sich und ihre Gedanken völlig unter Kontrolle und wenn die Gedanken in eine andere Richtung drifteten, hatte sie genügend Mechanismen entwickelt, sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Heute schien sie in einem inneren Ausnahmezustand zu sein. Ihre Hände wurden feucht und sie spürte förmlich, wie sich ihre hektischen Flecken vom Kinn über die Nase, weitläufig nach rechts und links ausbreiteten, um dann zu allerletzt auch ihre Stirn zu zieren.
Unruhig wanderten ihre Augen zu den Nachbarn am linken und rechten Tisch. Niemand schien ihre Unruhe zu bemerken.

Ihre Augen vertieften sich wieder  in die Sonntagszeitung, ohne den Sinn des Gelesenen zu erfassen. Was hielt sie hier? Warum konnte sie nicht einfach aufstehen und gehen? Niemand kannte sie, niemandem würde das auffallen.
Sie hatte das Gefühl, an ihrem Platz zu kleben. Die Beine nahmen den Appell des Gehirns ‚Steh auf’, nicht wahr. Mutlos schaute sie aus dem Fenster. Sollte sie oder sollte sie nicht?
‚Nein’ sagte ihre innere Stimme rigoros. ‚Du hast dich doch nicht wochenlang gequält, um jetzt von einer Sekunde zur anderen wieder schwach zu werden. Dann war alles umsonst.’
Es war, als krabbelten Ameisen an ihrem Körper auf und ab. Sie blickte verstohlen an sich hinunter, nichts. Es war nur ihre innere Unruhe, die sie förmlich auf ihrer Haut spürte

Sie hatte sich wahrlich gequält. Aber sie war auch stolz, bisher durchgehalten zu haben.
Der Verzicht hatte sich gelohnt und sie war zufrieden mit sich.

Sie hatte einen entscheidenden Fehler gemacht. Die ersten Frühlingssonnenstrahlen hatten sie hinausgelockt und zu einem Spaziergang animiert. Die bunt leuchtenden Krokusse hatten sie fasziniert und so war sie dem Ehepaar vor ihr in Gedanken einfach gefolgt. Und als sie das erkannt hatte, war es zu spät.

‘Nein, es war kein Fehler, es sollte so sein.’ Als ihr dieser Gedanke kam, wurde sie schlagartig ruhig. Ihre Augen blickten suchend umher. Da kam sie, die freundliche Bedienung und brachte ihr das bestellte Kännchen Kaffee.
„Bitte, seien Sie so gut und bringen Sie mir noch ein Stück Erdbeertorte.“
„Gerne, antwortete die freundliche Bedienung, „die ist heute besonders gut.“

© G.Bessen

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30 Kommentare

  1. Verkrampftes Fasten und übermäßiges Kasteien schlägt meist irgendwann ins Gegenteil um. Einige Freundinnen habe ich erlebt, die sehr stolz ihr Heilfasten vor sich hertrugen wie eine Trophäe fast und es stand ihnen auch gut. Doch es vergingen wieder einige Wochen und sie waren alle so, wie ich sie immer schon kannte.
    Eine ist rundlich und eine andere eben nicht. Ich habe leider auch nicht mehr die Bewegung, die ich täglich hatte, weil ich unentwegt herumflitzen mußte, um meinen Tagesablauf zu schaffen. Jetzt fällt es weg u.ich muß ein bißchen mehr aufpassen.
    Ich tue es, aber nicht im Übermaß u. ich denke, es ist gut, wie es ist.

    Nicht jede Frau sollte sehr schlank sein, wie sehr werden doch auch die fülligen Frauen begehrt! 🙂
    Ich genieße mein süßen Teilchen wie eh und je u. nie kann ich nein sagen, wenn mich ein feines Stück Kuchen oder Sahnetorte anlacht.
    Dann reguliere ich es wieder und das Gleichgewicht ist wieder da…

    Verrückt machen wegen einiger Pfunde? Pfui Teufel, nein, das muß wirklich nicht sein, es sei denn, frau fühlt sich krank oder unwohl, dann ist Veränderung angesagt, aber mit Maßen, nie in extremer Fastenweise.

    Augenzwinkernde Grüße von einer Frau, die nie dick war, der mann aber einredete, sie hätte zuviel hie und da und dort auch, bis ich mich auf einem Foto sah u. erschrak, wie dünn ich tatsächlich aussah.
    Da wußte ich, WER die falsche Sichtweise hatte, ICH bin es nicht gewesen!

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    • Ich denke, es ist einzig und allein wichtig, sich in seinem Körper wohl zu fühlen.
      Heilfasten mag sehr gesund sein und ich bewundere alle, die das schaffen, dazu fehlt mir die Disziplin. Das könnte ich nur in den Ferien versuchen.

      Du kennst doch sicher das Zitat:
      „Eine Frau muss im Winter wärmen
      und im Sommer Schatten spenden“ 😆 .

      Wir gehen heute mit Freunden essen und da schaue ich nicht auf die Kalorien :mrgreen:
      Bleib so, wie du bist, liebe Bruni. Du bist genau richtig, von innen und von außen.

      Liebe Sonntagsgrüße
      Anna-Lena

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  2. *hi*hi*hi … ich war einfach mal so frech und habe den Kommentar, welchen ich bei Sina hinterlassen habe, kopiert um ihn hier noch mal einzufügen….

    In meinem Schlafzimmer stehen 3 Schüsseln
    mit unzähligen Zuckerperlen in blau, bleu und weiß …..
    allesamt duften nach Creme de menthe
    KEINEN.EINZIGEN habe ich probiert….. auf*die*schulter*klopf

    Dann habe ich am Freitag einen ganzen Karton Muffins gebacken:
    Cherry-Candy-Muffins, After Eight Muffins, Blaubeer-Zitronen Muffins …
    und zwei Bleche Hochzeits-Torten-Kekse … mit Amaretto-Zuckerguss …
    IMMER wenn ich Teig am Finger hatte,
    habe ich mir sofort die Hände gewaschen …

    Nicht EIN MAl habe ich genascht!
    Ich kann es selber nicht fassen! –
    Aber 40 Tage OHNE Zucker heißt 40 Tage OHNE Zucker…
    und ich will mich nicht selbst belügen……
    aber ich muss auch dazu schreiben: ES IST SO HART!!!
    Aber die Hälfte der Zeit habe ich rum!
    Pahhhhhhhh …. und dann …. und …DANN …. SCHLAGE ich zu!!! :mrgreen:

    Liebe zuckersüße sonntags Grüße!
    Katja

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  3. Mir ging es in dieser Woche ähnlich. Allerdings war es ein Stück knuspriges Hähnchen, das mich anlächelte. Ich habe es nicht gegessen, aber mit viel Leidenschaft betrachtet. Ich verzichte auf Fleisch, Alkohol und Kuchen. Alkohol ist ja kein Problem, Fleisch meist auch nicht. Aber manchmal eben doch und Kuchen?! Wenn ich jetzt gerade darüber nachdenke… 😉

    Alles Liebe, Emily

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  4. Genau die gleichen Symptome hatte ich am Sonntag während eines sehr turbulenten Dienstes im Museum. Meine Innere Weiberschar flüsterte mir unentwegt zu, daß sie so sehr gerne nach Feierabend ein Schnitzel mit Pommes im „Schellingsalon“ verspeisen würde. Nach Dienstende ging ich eisern auf der „falschen“ Straßenseite an meinem Lieblingslokal vorbei, um ja der Versuchung trotzen zu können. 😉

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  5. Richtig so, man kann nicht immer verzichten. Ab und zu sollte man sich ruhig was gönnen.
    Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, dass man trotzdem noch abnimmt, wenn man sich einmal pro Woche einen sogenannten Naschtag gönnt. Das ist gut für die Seele und regt den Stoffwechsel an.

    LG Susanne

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