Nichts wie weg! (7)

Valentinas letzter Urlaubstag war angebrochen. Das Wetter passte zu ihrer Stimmung. Der Himmel versank in tiefem Grau und ab und zu nieselte es. Sie hatte sich vorgenommen, einen letzten Besuch im Botanischen Garten zu machen. Die üppige und einzigartige Vegetation faszinierte sie immer wieder. Und – sie wollte nachdenken und dazu musste sie alleine sein.

Sie stand gerade unter einem riesigen Baum, umgeben von dicken Luftwurzeln, als ein Regenschauer auf sie niederprasselte.

Wenigstens war sie hier geschützt und konnte ihre Gedanken kreisen lassen.

Irgendwann in den letzten Tagen hatte sie verwundert festgestellt, dass sie ihren Freund Christian  gar nicht besonders  vermisste und den Urlaub ohne ihn bestens genossen hatte. Das gab ihr sehr zu denken und sie gestand sich ein, dass ihr Gefühle für ihn nicht mehr loderten, sondern bestenfalls glimmten.  Ob Nora wirklich recht hatte? Tat er ihr nicht gut?

Thomas hatte sie vom ersten Tag an wie magisch angezogen. Sie hatten ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, als würden sie sich schon jahrelang kennen. Aber mehr war nicht und Valentina machte sich auch keine Illusionen, dass sich am letzten Tag noch mehr ergeben würde. Ein kleiner Hoffnungsschimmer loderte jedoch in ihr. Thomas wohnte in derselben Stadt und sie tröstete sich damit, dass sich vieles erst langsam entwickelte. Während der Schauer wieder in einen feineren Regen überging, setzte Valentina an, weiterzugehen. Doch plötzlich hörte sie eine Stimme, aufgeregt und verärgert. Sie konnte erst gar nichts damit anfangen und ging zögerlich ein paar Schritte weiter. Abrupt blieb sie stehen und hielt den Atem an. Ihr Herz klopfte wie verrückt. Sie hatte diese aufgeregte Stimme als die von Thomas erkannt und entdeckt, dass er auf der anderen Seite des Baumes Zuflucht gesucht hatte und telefonierte. Gott, war ihr das peinlich! Er durfte sie nicht sehen. Nachher dachte er noch, sie spioniere ihm nach. Und wenn es umgekehrt wäre? Hatte er sie verfolgt?

Sie hatte ihn heute Morgen noch nicht gesehen. Dabei hatte sie gehofft, mit ihm an einem gemeinsamen Tisch frühstücken zu können.

Valentina hielt Ausschau nach einem geeigneten Fluchtweg, ohne dass Thomas sie bemerkte. Als erstes setzte sie die Kapuze ihres Sweatshirts auf und zog sie so weit wie möglich in Richtung Augen. Dann spannte sie ihren Schirm wieder auf. Doch Valentina war neugierig geworden. Die verärgerte Stimme passte so gar nicht zu dem so scheinbar ausgeglichenen Thomas. Sie schlich wieder an den Rand des Baumes, um seine Stimme deutlicher zu hören.

Doch das, was sie an Gesprächsfetzen aufschnappte, beunruhigte sie zutiefst. Es hörte sich nach einer Auseinandersetzung mit einem Partner an. Dass so ein Mann wie Thomas Single war, hatte sie zwar gehofft, aber nie ernsthaft angenommen. Demzufolge hätte er Streit mit seiner Partnerin haben müssen. Schlimm genug! Noch schlimmer aber  fand sie jedoch, dass der Mensch am anderen Ende der Leitung ganz offensichtlich ein Mann war, denn Marty war ganz eindeutig ein Männername.  Die Erkenntnis traf sie wie ein Hammerschlag: Thomas war schwul!

 ©G. Bessen 16/1/14

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24 Kommentare

  1. na sowas, das konnte frau ja nicht ahnen, aus der Traum von einem gemeinsamen Glück, aber vermutlich der Beginn einer dicken und jahrzehntelang anhaltenden Freundschaft, mit ihm wird sie sich ungezwungen treffen können und sie werden sich gegenseitig ihr Herz ausschütten, denn sie wohnen in der gleichen Stadt… der Weg zueinander wird nicht zu weit sein.

    Ein toller Schluß, liebe Anna-Lena. Gefällt mir ausgesprochen gut *lächel*
    Liebe Grüße von Bruni

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  2. (7) ……(8) …….(9) ….
    So, die halbe Arbeit wäre schon getan, wenn Du dann noch ein paar Kleinigkeiten hinzuzufügen hättest, dann wäre die nächste Folge fertig! Übrigens, gern geschehen, ich helfe gern und erwarte dafür keine besondere Erwähnung! 😉

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