Nichts wie weg! (6)

Wenige Stunden nach Valentina stieg Thomas in dem kleinen gemütlichen Hotel ab. Er war kaum älter als Valentina und Nora und war ein wahrer Sunnyboy. Nicht nur, dass er umwerfend gut aussah, er hatte eine Art, die besonders das weibliche Geschlecht sofort in seinen Bann zog. Jose beobachtete dieses Szenario höchst unwillig.

Für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich seine und Valentinas Augen und seitdem war Valentina wie elektrisiert.

Nora war eine Kennerin der Insel. Drei Mal in der Woche bot sie in ihrem geräumigen Ranch Rover Ausflüge zu den schönsten Orten der Insel an, den gängigen, die auch die Touristen besuchten, aber auch zu ganz entlegenen Gebieten, in die sich kaum ein Tourist verirrte. Dort gehörte das Leben noch den Inselbewohnern.

Thomas hatte im Sommer sein  Referendariat als Sport- und Erdkundelehrer beendet und war im ersten Jahr als festangestellter Junglehrer bestrebt, seine Unterrichtsmaterialien vor Ort zu sammeln. Ausgerüstet mit einem Rucksack und einer exquisiten Fotoausrüstung versuchte er, keines von Noras Angeboten zu verpassen. Somit waren die drei sehr viel zusammen unterwegs und hatten sich mittlerweile angefreundet.

Thomas war mit seiner Kamera unterwegs, die beiden anderen Mitreisenden machten einen Strandspaziergang  und Nora und Valentina saßen in Reichweite einer kleinen Strandbaude und tranken frisch gepressten Orangensaft.

„Ich glaube, Thomas hat ein Auge auf dich geworden. Und wie ist das mit dir?“ Nora war die Frage in den Sinn gekommen und gleich herausgerutscht.

Valentina schaute sie mit großen Augen an.

„Spinnst du? Der ist zu mir nicht anders als zu dir. Und außerdem ist das kein Mann, den man auf Dauer alleine hat. Und – falls du es vergessen hast, ich habe Christian.“

„Den steifen, spießigen Christian, der Weihnachten bei Mama und Papa unterm Weihnachtsbaum saß und keinen Gedanken an dich verschwendet hat.“ Dabei legte sich Nora die Hand über die Augen und spähte demonstrativ nach allen Seiten aufs Meer hinaus und suchte auch den Strand ab. „Jedenfalls sehe ich ihn hier nicht!“

Valentina musste laut lachen. „Keiner sagt, dass er hier vom Himmel gefallen ist und außerdem weißt du gar nichts über ihn.“

„Ich weiß genug, um beurteilen zu können dass er dich verändert hat. Ich denke, er tut dir nicht gut. Es sei denn, du willst künftig dein Leben als Haus- und Mütterchen verbringen, dem Herrn Gemahl die Socken stopfen, die Hemden bügeln und die Puschen schlüpfbereit hinstellen.“

„Aber…“, Valentina hob an, aber hinter ihnen ertönte die tiefe Stimme von Thomas.

„Ladies, darf ich euch noch zu einem Eis einladen, bevor wir gen Heimat fahren?“

Valentina und Nora widersprachen nicht und als Thomas mit drei großen Eisbechern an den Tisch kam, warf er Valentina einen tiefen Blick zu, für Noras Empfinden eine Spur zu lang und zu intensiv. Ihr Herz machte vor innerer Freude einen kleinen Hüpfer.

© G.Bessen 5.1.14

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