Traumpaar

Arnos 60. Geburtstag (12)Der Chauffeur öffnet die Tür der schwarzen Limousine. Mit ihren langen blonden Haaren, perfekt, aber dezent geschminkt, steigt sie aus. Lächelnd betritt sie, die erfolgreiche Schriftstellerin, mit ihrem Mann, ein angesehener Richter, den Saal. Das Traumpaar, in jeder Gesellschaft gern gesehen, erfolgreich, finanziell unabhängig, mit einer Villa in der besten Wohngegend der Stadt. Zwei bildhübsche Kinder, die in London und Paris ihr Studium absolvieren. Das Glück scheint ihnen hold zu sein. Neidische Blicke folgen ihnen. Die Männer hängen förmlich an ihren Lippen, die schmachtenden Augenpaare vieler Frauen folgen ihm auf Schritt und Tritt. Der Abend vergeht wie im Fluge, anregende Gespräche, gutes Essen und hin und wieder ein flottes Tänzchen auf dem Parkett.

Die schwarze Limousine hält vor der Villa. Wortlos steigen sie aus, wünschen sich kurz und knapp eine gute Nacht. Auf dem oberen Flur trennen sich ihre Wege. Er geht in sein, sie in ihr Schlafzimmer.

Die Maske fällt. Gierig schüttete er sich ein paar Whiskys nacheinander ein und kippt sie hinunter. Ohne starke Psychopharmaka kann sie nicht zur Ruhe kommen. Es ist mal wieder gut gegangen, niemand scheint etwas bemerkt zu haben. The show must go on…

© G.B.

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30 Kommentare

  1. Meine Schwester hat auch immer gelächelt. Dabei habe ich sie ab und zu ertappt, dass es gar nichts zu lachen gab.
    Es war also eine Maske.
    Das hat sich auch bewiesen, sie hat sich ja nach einiger Zeit damals in 1986 das Leben genommen.
    Soviel zu einem strahlenden Ehepaar…

    Ich kann nicht lächeln, wenn mir nicht danach ist.
    Sowas will ich auch nicht können.
    Ich will ich sein und bleiben.

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    • Es tut mir sehr Leid, dass du so eine Erfahrung hinter dir hast 😦 .
      Nein, ich bin auch keine Schauspielerin, ich hasse das, wenn jemand immer nur lächelt, das kann nicht ehrlich sein.
      Wobei ich einschränkend sagen muss, dass es in manchen Berufen sicher antrainiert werden muss. Aber im wahren Leben kann mir keiner sagen, das Leben hat nur Honigseiten, die es mit einem Dauerlächeln zu bekräftigen gilt.

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  2. Es muß sehr anstrengend sein, unentwegt eine Maske zu tragen. Darunter schwitzt man sehr stark und bekommt schlecht Luft.
    Eine grausige Vorstellung und doch tragen wir alle unsere Masken, ab und zu, manchmal, wenn uns danach zu Mute ist, wenn wir es für angebracht halten. Oftmals lächeln wir und es ist uns zum Weinen zumute. Unsere Masken, die wir aber absetzen können, die wir nur gelegentlich aufsetzen… unser Schutz vor zu viel Nähe, zu viel Enge, zu viel Frust, unser Schutz, weil wir keinen anderen finden…
    Praktisch sind sie manchmal auch, diese Masken, wir mogeln uns durch etwas, was wir sonst nicht ertragen würden…

    Ubs, ich bin abgeschweift, verzeih es mir bitte, liebe Anna-Lena.
    Ich fand meine Maske nicht schnell genug *lächel*.
    Deine Geschichte bringt auf Gedanken, die frau manchmal gar nicht denken möchte

    Liebe Grüße in die Nacht hinein von Bruni ♥

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  3. Ohja, das wird es wohl oft geben. Wie traurig, wenn man sich ständig verstellen muss um die Fassade zu waren. Da wäre doch sicher ein „Ende mit Schrecken“ leichter zu ertragen, als ein „Schrecken ohne Ende“…..
    Menschen, die immer nur gute Laune vorspielen, sind auch mir ein Graus. Das kann nicht echt sein und ich kenne da auch den einen oder anderen…. Dann sind mir doch die Menschen lieber, die auch mal offen und ehrlich zugeben, dass man auch mal schlechte Laune haben kann. Wir sind doch alle nur Menschen.
    LG Susanne

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  4. So viel Wahrheit in diesem Text. Wahrheit, die wütend macht. Ehrlich, ich mach das nicht mehr mit, schon eine Weile nicht mehr. Keine Kompromisse. Wenn es nämlich darauf ankommt, sind alle, für die man solche Fassaden errichtet, eh nicht mehr da. Man ist nicht mehr wichtig für sie. Warum also diese Schauspielerei? Eine Rechnung mit einer dicken Null unterm Strich.
    Gut erzählt hast du das, Gaby.

    Liebe Grüße
    Elke

    PS: Sorry, dass ich so selten durch Blogland reise. Nach 12-14 Stunden Computerarbeit derzeit wollen die Augen einfach nicht mehr ….

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