Augen der Großstadt

Gesichtslos

Großstadttag

Gesichtslos,
inmitten der Masse
der Mensch,
der nichts sieht,
nichts hört,
nichts sagt
und sich die Antwort
zu Fragen erspart.

Gefangen
in sich selbst.
Umhüllt von
Anonymität,
hetzt er
durch den Tag,
so wie er es mag.

Die Sinne stumpf,
das Herz verkümmert,
hat sich je jemand
darum gekümmert?

© G.B., April 2013

Großstadtnacht

Gespräche, Gelächter,
Flaschen und Gläser
Gier in den Augen
und Finger, die suchen

Nacht in der Stadt

Grelle Lichter,
verzerrte Gesichter
inmitten nacht-
schwarzer Schatten
Stockdunkel und
Grabesstille in
Hinterhöfen und
engeren Gassen

Gedanken, die mit
Fäusten und Klingen
tiefschlitzende Wunden
schlagen und Gemeines
zu armen Seelen tragen

Gefahr in der Stadt

Glänzende Flächen und
bröckelnder Putz
Schmutz und Elend,
verborgen in Hohn

und im dämmernden Morgen
eine klägliche Sonne,
die nachträglich weint
und sich mit nächtlichen
Tränen vereint

©Bruni Kantz, April 2013

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43 Kommentare

  1. Ein wunderbarer Zusammenklang der beiden Gedichte. Ich mag die Großstadt – meine Stadt – aber nach zwei bis drei Stunden bin ich froh, wenn ich ihr wieder in den Vorort entfliehen kann. Die Beobachtungen, die man dort macht, entsprechen den Gedichten.
    Liebe Grüße, Franka

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  2. sie sind nicht einfach, diese Worte über die Anonymität, bzw. die Schatten der Großstadt u. sie sorgen auch immer wieder für Erklärungsbedarf. Mir ging es darum, die eine Seite der Medaille zu beschreiben, die nicht sehr schön, aber existent ist. Die andere, die helle, die glitzernde, anziehende Seite,die sehen wir alle unentwegt, doch so viel anderes verbirgt sich und Du,liebe Anna-Lena hast geschickt den Faden weitergesponnen und das gesehen, was ich auch immer wieder bemerke und am liebsten schnell wieder vergesse, weil es traurig macht, nein, nicht depressiv, nur sehr traurig, daß es auch immer tiefe, dunkle, weitgreifende Schatten geben muß, obwohl uns Helles doch so viel besser gefällt.
    Einen lieben Gruß in den Freitagvormittag mit Licht und Schatten.

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    • Als ich am letzten Freitag die Bilder gemacht habe, stand ich vor einem Tschibo mit meinem Coffee-to-go und hatte diese nun formulierten Gedanken, aber ich wusste noch nicht so recht, wie ich sie in Worte kleiden sollte, an diesem grauen Tag auf dem Kurfürstendamm, mit Baustellenlärm, tiefgrauem Himmel, Autos ohne Ende mit entsprechender Luft und diese vielen hetzenden Menschen. Ich dachte nur, die armen Touristen, die nun über den momentan alles andere als attraktiven Kudamm bummeln, der ist doch als Momentaufnahme echt zum Weglaufen.
      Als du dein Gedicht gepostet hast, hatte ich meinen Aufhänger.
      Das sind Momentaufnahmen aus einer Vielfalt. Doch manchmal bleibt ein Aspekt hängen und dann wollen die Gedanken raus. Dazu habe ich die Fotos gemacht und alles zusammen passt doch gut oder?

      Nach einem weiteren Tag in der Großstadt,
      positive Grüße zu dir .-) .

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  3. Wie viele Menschen hetzen vorbei, ohne den Blick zu heben.
    Dass sie uns nicht umrennen, wundert mich manches Mal.
    Heute in RE, ich es von dir gegrüßt, war das aber gar nicht der Fall.
    Alle aufmerksam, die meisten heiteren Blicks, ich habe gestaunt.
    Nun gut, es war um die Mittagszeit, lach.
    Eure beiden Gedichte sind echt super, dem Zeitgeist entnommen…

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  4. Ich habe das früher eigentlich gemocht, ab und zu in der Menge, der Anonymität, unterzutauchen. Einfach mal nur ich sein, inmitten unter Menschen, ohne groß auf andere achten zu müssen oder von anderen beobachtet zu werden. 🙂 Solange es kein Dauerzustand ist und ich nicht weggedrängt werde. 🙂
    Heute finde ich es nur sehr laut in Großstädten, bin ich nicht mehr so gewöhnt. 🙂

    Hier auf dem Land grüßt dich ja jeder. Obwohl man hier im Dorf nicht vielen begegnet. 🙂 Doch auch hier kann ich eintauchen und nur ich sein, wenn ich zwischen den Feldern spaziere und keiner Menschenseele begegne. Ich genieße es manchmal so ganz für mich zu sein, und dazu noch die Ruhe. Doch ab und zu Großstadt, das fehlt mir schon. Brauche ich aber nicht so oft. Ich finde aber, auch dort begegnet man hier und da Menschen mit Gesichtern und Augen. 😉

    Schön geschrieben und schöne Fotos dazu.

    Liebe Grüße,
    Martina

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  5. Beide Gedichte sind wirklich klasse beschrieben und bestätigen mich mal wieder darin, dass es gut ist ein „Land-Ei“ zu sein, auch wenn ich ab und zu mal etwas Großstadtluft schnuppern muss 😉

    Man merkt, dass die Osterferien bei Dir sehr kreativ waren.
    LG und ein schönes Wochenende,
    Susanne

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