Schneeflockentanz

„Komm, trau dich“, rief die strahlend weiße Schneeflocke und winkte mit ihren funkelnden Eiskristallen einer kleinen Schneeflocke zu, die verängstigt und zusammengekauert auf der Nadel einer Kiefer saß.

„Ich habe Angst“, flüsterte die kleine Schneeflocke, zog sich noch weiter zurück und warf einen unsicheren Blick auf die Erde, die ihr unendlich weit entfernt schien.

Ein kurzer heftiger Windstoß brachte alles durcheinander. Mit ausgebreiteten Eiskristallarmen fing die große Schneeflocke die kleine Schneeflocke auf und hielt sie fest an sich gedrückt.

Der Wind pustete unvermindert weiter und beide Schneeflocken hüpften wie Wattebällchen auf und ab. „Ist das schön!“, jauchzte die kleine Schneeflocke verzückt. „Und ich hatte solche Angst, alleine durch die Luft zu wirbeln.“ „Vertrau dem Wind. Er zeigt uns den Weg und lässt.uns genau da niedersinken,  wo unser Platz ist.“

Sie tanzten noch eine kleine Weile und sanken erschöpft auf das Dach einer Weihnachtskrippe, auf dem bereits unzählige Schneeflocken ihren Platz gefunden hatten. Zum bevorstehenden Fest sollte die Krippe in weihnachtlichem Glanz erstrahlen.

© G.B. 2010

Schnee im Dezember