Nachweihnachtliches Stammtischgeplänkel: Erwin und Willi (1)

Erwin und Willi treffen sich am Dienstag und am Donnerstag in ihrer Stammkneipe „Zum Magendoktor“ nahe des S-Bahnhofes Berlin Wedding. Dieses Ritual zwei Mal pro Woche gehört zum festen Bestandteil ihres Rentnerdaseins. Hilde und Lotte, die Ehefrauen der beiden, besuchen in dieser Zeit einen  Gymnastikkurs für Senioren und holen ihre beiden Ehemänner danach in deren Stammkneipe ab.

„Na, Erwin, die Feiertage gut überstanden?“

„Jo, es ist jedes Jahr das Gleiche.“

„Bei uns auch.“

„Und, was habt Ihr gemacht?“

„Heiligabend waren wir bei Pia, unserer Ältesten und am 1. Feiertag bei Jörn und seiner Familie.“

„Wir waren Heiligabend bei Maria und ihrer Familie. Wir haben ja nur die eine hier, seit Jan in Australien lebt. Am 1. und 2. Feiertag waren wir zu Hause und haben es uns gemütlich gemacht.“

„Und – was gab es zu essen? Wie immer Heiligabend? Traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen und am ersten Gänsebraten mit Klößen, Grünkohl und Rotkohl?“

„Den Braten hatten wir bei Maria Heiligabend schon. Und die Enkel? Geht es ihnen gut?“

„Soweit ja.

 „Langsam weiß man nicht, was man den Kindern noch schenken soll. Irgendwie haben sie alles oder das, was ihnen fehlt, interessiert sie nicht mehr.“

 „Wir schenken den Enkelkindern nur noch Geld, damit können sie machen, was sie wollen und sich das kaufen, was sie brauchen. Pias Kinder sind ganz versessen auf Computerspiele und Jörns Sohn ist ein Sparfuchs. Hoffentlich wird der mal nicht ein Geizkragen. Von mir hat er das jedenfalls nicht. Ich kann Geld eigentlich nicht leiden.“

Erwin und Willi lachen und Willi bestellt für beide ein zweites kleines Bier.

 „Warum kann man Kinder heutzutage nicht mehr mit Büchern oder Spielen erfreuen? Lesen bildet und Spiele sind immer eine gute Gelegenheit, Zeit mit der Familie zu verbringen.“

 „Unsere Enkel lesen schon noch, aber heute sind ja diese elektronischen Bücher in. Damit kann man sich wohl Bücher runterladen und dann lesen. So ein Ding ist handlich, klein und du kannst es überall mit hinnehmen. Für die U- oder S-Bahn ist das ganz praktisch.“

 „Das mag ja alles sein, Willi. Ich brauche mein Buch in der Hand, ich will den Duft des Papiers riechen, meine Bemerkungen an den Rand kritzeln und meine Eselsohren und Kaffeeflecken bei mir haben.“

 „Die Technik entwickelt sich und unsere Kinder und Enkel müssen da eher am Ball bleiben als wir. Ich würde meine Bücher auch nicht missen wollen. Und – was würdest Du ohne die Technik machen? Du selbst warst heilfroh, als Dir Jan eine Internetverbindung eingerichtet hat, damit Ihr über das Internet miteinander telefonieren könnt, oder?“

 „Ich will die Technik ja auch grundsätzlich nicht verdammen, aber ich habe mit der ganzen Computerei nichts am Hut.“

 „Das müssen wir ja auch nicht. Jedenfalls bin ich froh, dass Weihnachten vorbei ist. Diese ganze Hektik vorher geht mir so was von auf den Geist. Das hat doch gar nichts mehr mit dem Weihnachtsfest unserer Kindheit zu tun. Selbst, als wir junge Eltern waren, war das alles ganz anders, beschaulich, feierlich und wirklich familiär.“

 „Siehst du, auch da sind wir gezwungen, uns an das Heute anzupassen.“

 „ Sind wir das? Soll ich dir mal was verraten? Lotte und ich haben beschlossen, nächstes Jahr Weihnachten einfach wegzufahren. Irgendwohin, wo es warm und sonnig ist. Wenn wir das jetzt nicht machen, solange wir noch in guter körperlicher Verfassung sind, wann dann? Die Kinder brauchen uns Weihnachten nicht, sie haben ihre eigenen Familien.“

Erwin blickt Willi überrascht an und lächelt vielsagend.

 „Was grinst du denn so süffisant? Machst du dich über mich lustig?“

 „Gott bewahre! Ich grinse, weil ich seit zwei Jahren alles tue, um Hilde das ebenfalls nahe zu bringen. Aber sie will nicht so richtig. Sie ist sehr traditionell eingestellt und meint, es würde Maria und den Zwillingen das Herz brechen, wenn wir Weihnachten nicht da wären. Und Weihnachten woanders, ohne Schnee und Tannenbaum und Gänsebraten kann sie sich nicht vorstellen.“

 „ Na, das wollen wir doch mal sehen! Lotte hat, wie Du ja weißt, ein unnachahmliches Überzeugungstalent. Das soll sie mal bei Hilde einsetzen. Wenn das jemand schafft, dann meine Lotte!“

 „Dein Wort in Hildes Gehörgang, mein Lieber. Aber wenn Du meinst, ich bin dabei!“

Er schaute sehnsüchtig vor sich hin.

„Ich sehe uns schon am nächsten Heiligabend irgendwo am Meer unter Palmen liegen und die Sonne genießen.“

 „Auf Weihnachten 2013!“

 „Auf Weihnachten 2013!“

Die Tür öffnete sich und Lotte und Hilde kamen gut gelaunt vom Sport. Den einvernehmlichen Blick zwischen den beiden Männern registrierten sie nicht.

©G.B. 20/12/12

Der Weihnachtshund

australischer_schaeferhund__2-cropHelena  schlenderte vergnügt durch die stillen Straßen, schaute abwechselnd mal nach rechts, mal nach links und erfreute sich an den bunten und  festlich geschmückten Fenstern. Sie hatte den Heiligen Abend mit ihren Eltern und Geschwistern in ihrem Elternhaus verbracht. Tief in ihrem Herzen war ein stiller  Frieden, wie sie ihn lange nicht erlebt hatte. So schön, wie der Tag  auch gewesen war,  sie freute sich auf ihre kleine, gemütliche Wohnung, in der sie den Abend bei einem Glas Rotwein für sich ausklingen lassen wollte. Den Schatten eines Mannes, der ihr seit einer Weile im sicheren Abstand von etwa zehn Metern folgte, bemerkte sie nicht.

Kleine Schneeflocken tänzelten vom Himmel und legten sich sanft auf den kalten Asphalt. Helena stoppte unvermittelt. Vor ihr auf dem Bürgersteig saß ein Schäferhund und blickte sie gerade heraus an.

 „Nanu, wo kommst du denn auf einmal her?“, fragte sie und schaute ihn erstaunt an. „Hat man dich etwa ausgesetzt?“

Er hatte ein wunderschönes helles Fell, das im sanften Licht der Straßenlaterne leuchtete.

„Nimmst du mich mit?“

Helena blickte sich erstaunt um, aber außer ihr und dem Hund dort war niemand zu sehen.

Irritiert blickte sie den Hund an. Das war doch nicht möglich, nein, auf keinen Fall. Nach zwei Gläsern Sekt konnte sie unmöglich Stimmen hören. Sie schaute sich noch einmal suchend  um, dann betrachte sie den Schäferhund genauer.

Sie schaute in sein rehbraunes Auge, das sie so flehentlich ansah, dass ihr das Herz schwer wurde.

„Wie stellst du dir das vor? Ich kann dich doch nicht einfach mitnehmen. Du hast doch sicher ein Herrchen oder Frauchen, die dich längst vermissen.“

Sie betrachtete den Schäferhund genauer. Er trug kein  Halsband, aber das besagte gar nichts. Ein so gepflegter Hund konnte kein Streuner sein. Und – das hatte sie noch nie gesehen – er hatte zwei unterschiedliche Augen. Von einer Seite sah er aus wie ein Schäferhund, von der anderen wie ein Husky.

„Nun komm schon, oder willst du warten, bis wir beide völlig durchnässt sind?!“, und keine weitere Antwort abwartend, stand der Hund auf und trottete weiter.

Helena war so perplex, dass sie ohne ein weiters Wort mit ihrem vierbeinigen Begleiter  weiter ging. Artig hob er an der Kastanie vor ihrem Haus das Bein und trottete hinter ihr die Stufen bis zur zweiten Etage hinauf.

Sie bereitete ihm im Schlafzimmer vor ihrem Bett auf einer Wolldecke ein gemütliches Lager, nachdem er sich satt gefressen hatte. Helena dachte an Trixi, ihre alte, treue Schäferhündin, die sie vor knapp einem Jahr hatte einschläfern  lassen müssen und schon schossen ihr die Tränen in die Augen.

Morgen würde sie den Hund in ein Tierheim bringen und morgen würde ihr Kopf auch wieder klar sein. ‚Ein sprechender Hund, so ein Quatsch!“, schalt sie sich innerlich und schüttelte über sich selbst den Kopf. Sie begann sich auszuziehen, drehte sich noch einmal um und betrachtete ihren  neuen Schlafzimmergefährten.

„Und du drehst dich jetzt um, schließlich bist du ein Rüde!“.

Statt einer Antwort schaute sie der Hund aus seinem strahlend blauen Auge schläfrig an, rollte sich ein wie ein Embryo und  verfiel in einen tiefen Hundeschlaf. Helena verzichtete auf ihr Glas Rotwein, ging ebenfalls ins Bett und betrachtete nachdenklich ihren neuen Mitbewohner.

„Ich muss mal raus! Hättest du die Tür nicht abgeschlossen, hätte ich sie mir selbst aufgemacht. Du brauchst mir zu aufschließen, um alles andere kümmere ich mich.“

Helena erstarrte unter ihrer kuscheligen Bettdecke. Da war sie wieder – die Hundestimme von gestrigen Abend. Vorsichtig lugte sie mit einem Auge unter ihrer Bettdecke hervor. In ganzer Schönheit stand der Schäferhund mit beiden Vorderpfoten auf ihrer Bettkante und blickte sie flehend an. Sie stand auf, schloss die Wohnungstür auf, ließ den Hund hinaus und legte sich abwartend wieder hin. Nach wenigen Minuten kam er zurück, drückte die Wohnungstür zu und legte sich wieder auf sein Nachtlager.

„Tut mir Leid, dass ich dich wecken musste, aber ich wollte dir Unangenehmeres ersparen“, murmelte er, bevor seine müden Schäferhundaugen erneut zufielen.

Helena schlief auch wieder ein, verfiel aber in einen sehr unruhigen Schlaf. Sie wälzte sich hin und her und träumte so viel Unsinn zusammen, dass sie kurze Zeit später aufstand und sich einen starken Kaffee kochte. Sie musste sich konzentrieren. Sie rief ihre Mutter an und bedankte sich noch einmal für den  schönen Abend. Allen in ihrer Familie schien es gut zu gehen, so dass es vermutlich nicht am Sekt lag, dass sie die Stimme des Hundes gehört hatte.

„Du bist ja schon auf“, ertönte die Stimme des Hundes hinter ihr. Sie betrachtete ihn genauer. Er schaute sie eindringlich mit seinem braunen Auge an.   Sobald er seinen gefüllten Fressnapf erblickt hatte, machte er sich gierig über sein Frühstück her.

„Hast du auch einen Namen“?, frage Helena ihn unvermittelt.

Er schaute sich kurz zu ihr um.

„Robin“, antwortete er uns fraß genüsslich weiter.

„Wie hast du dir das vorgestellt, Robin? Du kannst nicht hier bleiben, denn ich bin überzeugt, dein Herrchen oder Frauchen sucht dich bereits. Ich schlage vor, wir gehen zur Polizei und erkundigen uns, ob dich jemand als vermisst gemeldet hat. Was meinst du? Wenn nicht, bringe ich dich ins Tierheim.“

Robin leckte sich mit seiner langen roten Zunge das Maul, schlabberte ein wenig Wasser, streckte sich lang vor Helenas Füßen aus und sagte:

„Das ist unnötige Zeitverschwendung. Es ist meine Aufgabe, eine Weile bei dir zu bleiben und auf dich acht zu geben.“

„Wer sagt das?“

„Das kann ich dir nicht sagen, ich weiß aber, dass es so ist.“

Helena blickte Robin irritiert an. Dabei fiel ihr auf, dass sie seine Sprache nur verstand, wenn er sie mit seinem braunen Auge direkt ansah. Hatte er ihr das andere zugewandt, wirkte er eher teilnahmslos.

„Wie stellst du dir das vor? Ich habe zwar jetzt ein paar Tage frei, aber nicht die Absicht, mein Leben nach dir zu richten.“

„Das musst du doch auch nicht. Wenn du dafür sorgst, dass ich zu fressen habe und raus kann, wenn ich mal meine Schäferhundbedürfnisse habe, ist doch alles in Ordnung. Du kannst mich überall mit hinnehmen, ich bin gut erzogen.“

„Wenn dich aber jemand reden hört, was auch ich in höchstem Maße seltsam finde, was soll ich dann machen? Die anderen halten mich vielleicht für übergeschnappt?“

Für einen Moment schien es ihr, als lächelte Robin.

„Mach dir darüber mal keine Sorgen. Dass du meine Sprache verstehst, merkt niemand sonst. Und das ist auch nur für eine bestimmte Zeit der Fall, dann erlischt dieser Zauber und meine Mission bei dir ist für mich beendet. Ich werde dann wieder dorthin gehen, woher ich gekommen bin.“

Helena gefiel der Gedanke, wieder einen Hund in ihrer Nähe zu haben. Nach Trixis Tod hatte sie zwar noch Klaus, ihren Lebensgefährten, doch der zog es vier Monate später vor, sich mit einer Jüngeren zu liieren und schlagartig mit Sack und Pack auszuziehen. Helena zog sich sehr zurück und litt unter der Stille in der Wohnung und ihrer eigenen Einsamkeit. Der Frühling und der Sommer fanden mehr oder weniger ohne sie statt, sie war mit ihrer eigenen Trauer zu sehr beschäftigt, dass das Erwachen und Reifen in der Natur nicht bis zu ihrem Herzen vordringen konnte.  Zum Herbst hin kündigte  sie ihre Arbeitsstelle in der Stadtbibliothek und begann als Bibliothekarin in einem kleinen Buchladen in der Innenstadt. Peter, ihr Chef, war ein reizender und charmanter Mann, der sie langsam, aber sicher aus ihrem Schneckenhaus befreite. Sie wusste, dass er verheiratet war und doch fand sie nichts dabei, hin und wieder nach Feierabend mit ihm Essen oder ins Kino zu gehen. Er war ein aufmerksamer und interessanter Gesprächspartner.

Als ihr klar wurde, dass sich ihre Sympathie für ihn in  eine gewisse Verliebtheit gewandelt hatte, kostete es sie alle Mühe,  ihre wahren Gefühle vor ihm zu verbergen.

Zum Nikolaustag schenkte er ihr eine feingliedrige silberne Halskette, legte sie ihr in einem sündhaft teuren Lokal vor dem Essen um den Hals und küsste sie zärtlich in den Nacken. Helena wich scheu zurück. Das wollte sie nicht, schon gar nicht nach dem Chaos, das Klaus in ihrem Innersten hinterlassen hatte und erst recht nicht mit einem verheirateten Mann.

Sie wehrte sich gegen ihre Gefühle. Und doch, als er mal beiläufig von seiner Ehe, die angeblich nur noch auf dem Papier bestand erzählte, keimte ein Körnchen der Hoffnung in ihr auf. Sie wartete ab, ohne ihn in irgendeiner Form zu drängen.

Und heute war der Tag, an dem sie bei ihm und seiner Frau zum Essen eingeladen war. Wie hatte sie nur zusagen können? Eine innere Aufregung legte sich krampfartig um ihre Magengrube und wandelte ihre anfängliche Freude in blanke Nervosität um. Und nun hatte sie Robin. Konnte sie ihn einfach mitnehmen? Sie wusste doch gar nicht, ob ein unangemeldeter Hund Peter und seiner Frau willkommen waren. Möglicherweise hatten sie gerade eine läufige Hündin, der Robin schmachtend den Hof machen würde. Auf was ließ sie sich da bloß ein?

Als hätte Robin ihre Gedanken erraten, blickte sein braunes Auge sie fest an.

„Ich habe dir versprochen, mich zu benehmen. Mach dir lieber mal Gedanken darüber, was du anziehen willst.“

Helena nahm ein heißes Bad, nachdem sie Robin gnadenlos aus ihrem Badezimmer ausgesperrt hatte. Das heiße Wasser beruhigte ihr Gemüt. Peter wusste nichts von ihren Gefühlen für ihn und dabei sollte es auch bleiben. Und sollte er sich auch in sie verliebt haben, bliebe abzuwarten, was daraus würde.

Robin war ihr ins Schlafzimmer gefolgt und beäugte sie kritisch. Sie hatte fast alles durchprobiert, was an Garderobe heute für sie in Frage käme. Das schwarze Kleid hielt er für zu aufdringlich, das beige Kostüm für zu bieder, ein geblümtes Kleid für nicht festlich genug, immer wieder schüttelte er den Kopf oder zog seine Schäferhundschnauze kraus.

Endlich war er einverstanden. Sie hatte sich für eine schwarze Hose mit einer champagnerfarbenen Bluse entschieden, dezent, feierlich und für diesen Anlass passend. Ihre blonden langen Haare flocht sie zu einem französischen Zopf und dezent geschminkt musste sie Robin recht geben. Ihr Spiegelbild gefiel ihr ausnehmend gut.

Nach einer ausgiebigen Schäferhundgassirunde wickelte Helena ihren weihnachtlichen Strauss aus und klingelte an der Tür des einladenden Anwesens.

Peters Frau Simone öffnete die Tür. Helena blickte in ein freundlich lächelndes Gesicht, warme braune Augen waren auf sie gerichtet und mit einer herzlichen Begrüßung bat sie Helena, einzutreten. Simone war von einer umwerfenden grazilen Schönheit und Herzlichkeit, dass es Helena im ersten Moment die Sprache verschlug.

Peter kam strahlend lächelnd auf sie zu und nahm ihr den Mantel ab.

„Ich wusste gar nicht, dass du einen Hund hast. Und dazu noch einen so schönen und gepflegten.“ Auch Simone schien von Robin angetan und kraulte ihn bereits hinter den Ohren.

„Erzählte ich das nicht“? wand sich Helena gekonnt aus der Affäre. „Er lebt die meiste Zeit bei meinen Eltern. Dort im Garten hat er mehr Freude als in meiner Stadtwohnung.“ Sie war froh, dass ihr diese glaubhafte Ausrede eingefallen war. Was hätte sie auch sonst sagen sollen? ‚Er ist mir gestern Abend zugelaufen und das Tollste ist, dass er sprechen kann?’

Außer Helena waren ein befreundetes Pärchen von Simone und Peter und Olaf, ein Cousin von Simone, eingeladen, der gerade mit Begeisterung an seiner Magisterarbeit schrieb und demzufolge liebend gern das Gespräch immer wieder darauf lenken wollte.

Helena fühlte sich auf Anhieb wohl in dieser kleinen Runde. Robin hatte an der Terrassentür Platz genommen und obwohl er so tat, als ginge ihn das alles nichts an, entging ihm keine noch so winzige Kleinigkeit. Weder die verstohlenen Blicke, mit denen Helena Simone beobachtete, noch die deutlichen Blicke von Peter, die oftmals an Helenas Körperstellen hafteten, die für ihn als verheirateter Mann absolut tabu sein sollten. Olaf versuchte immer wieder vergebens, Helena in tiefschürfende Gespräche über deutsche Literaturgrößen zu verwickeln, aber sie unterhielt sich lieber mit Simones Freundin Hannah über gesunde Ernährung und allerneueste Fitnesstrends. Nach einem ausgiebigen Raclette-Essen zogen sich die Männer zu einem edlen Tropfen zurück und den drei Frauen mangelte es nicht an immer wieder aktuellem Gesprächsstoff.

Gegen halb neun verabschiedete sich Helena, bedankte sich für die Einladung und den schönen Nachmittag und Abend  und fuhr mit Robin nach Hause. Simones Abschiedsworte klangen noch in ihren Ohren nach. „Ich freue mich, Sie kennengelernt zu haben. Peter ist so von Ihnen angetan. Das Geschäft macht enorme Umsätze, seid Sie da sind. Und ich wollte endlich mal wissen, wer solch ein glückliches Händchen dafür hat. Der Buchladen hat eine lange Familientradition, die Peter sehr am Herzen liegt. Aber es hat nicht so ein Geschick damit. Zum Glück hat er Sie nun und darüber bin ich sehr froh.  Ich hoffe, Helena, Sie besuchen und bald wieder mal.“ Als Simone Helena zum Abschied die Hand reichte, glaubte Helena, an Simone ein leichtes Babybäuchlein entdeckt zu haben.

Dass die Ehe nur auf dem Papier bestände, daran hatte Helena erhebliche Zweifel. Peter hatte seine Frau aufmerksam, zuvorkommend und wie ein Gentleman  behandelt. Nichts deutete auf eine zerrüttete Ehe hin. Diese Klarheit war zwar schmerzhaft, aber sie ernüchterte Helena schlagartig. Peter war ihr Chef und dabei sollte es auch bleiben!

Sie drehte mit Robin noch eine ausgiebige Runde durch den Stadtpark und ging dann mit ihm heim.

„Du hast dich tadellos benommen, Robin“, lobte sie ihn und gab ihm zur Belohnung ein extra Würstchen.

„Du auch“, erwiderte Robin. „Aber deine Gedanken und Gefühle scheinen bei dir gerade Karussell zu fahren. Kann es sein, dass du in deinen Chef verliebt bist?“

„Und wenn schon, was geht dich das an“,?  platzte es lauter aus ihr heraus, als sie es beabsichtigt hatte.

Robin schaute sie ernst an. „Lass die Finger davon. Er sucht nur ein Abenteuer, mehr nicht. Es ist dir wohl nicht entgangen, dass Simone schwanger ist? Ich habe ihn beobachtet, er findet dich attraktiv, ohne Frage, aber das ist nichts Ernstes. Und bei aller Verliebtheit, Helena, bist du über den Auszug von Klaus doch noch gar nicht richtig hinweg“.

Fassungslos schaute Helena Robin an. Woher wusste er das alles? Was befähigte diesen Hund, in ihr Innerstes zu blicken und ihre geheimsten Gefühle zu durchschauen?

Sie mochte Simone und würde gern näher mit ihr befreundet sein, aber das ging nur, wenn sie Peter als ihren Chef und als nichts anderes ansehen würde. Aber das war ihr die Sache wert. Und Robin hatte recht, Klaus beherrschte ihre Gedanken immer noch. Nach seinem Auszug, den er ohne ihr Beisein vollzogen hatte, war ihre Enttäuschung und Trauer in grenzenlose Wut umgeschlagen. Da war noch so viel offen, so viel unausgesprochen. Aber ihr Stolz hatte es ihr nicht erlaubt, ihn anzurufen. So litt sie lieber still vor sich hin, beantwortete sich die eigenen Fragen mit immer wieder neuen Fragen und kam letztendlich keinen Schritt weiter. Ihre Gefühlsebene hatte sich  verschoben, von Liebe war nichts mehr übrig.

 Am zweiten Weihnachtstag zeigte sich die Sonne in voller Pracht und weckte Helenas Abenteuerlust.

„Lass uns rausgehen und einen langen Spaziergang durch den Wald machen“, schlug sie Robin vor, der freudig mit dem Schwanz wedelte. Sie wollten die Wohnung gerade verlassen, als es an der Tür klingelte.

„Auch das noch“, seufzte Robin und legte sich wieder hin. Das kann dauern!

Verwundert öffnete Helena die Tür und erblickte – Klaus. Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht.

„Duuuu? Du wagst dich noch hierher?“, entfuhr es ihr.

„Darf ich reinkommen?“

„Nein, darfst du nicht. Wie du siehst, bin ich gerade im Aufbruch. Komm Robin, wie gehen!“

„Ich sehe, du hast dich mit einem neuen Hund getröstet“, versuchte Klaus das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

„Nicht nur mit einem neuen Hund“,  antwortete Helena schnippisch, bemüht, ihre Fassung nicht vollständig zu verlieren.

„Helena, lass uns reden. Ich denke, ich bin dir ein paar Erklärungen schuldig.“

Reinen Tisch machen,  Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, das lag auch in Helenas Sinn. Sie nahm Klaus Einladung zu einem Cappuccino beim Italiener am Ende der Straße an. Während der folgenden zwei Stunden lag Robin aufmerksam unter dem Tisch, bemüht, dass ihm auch nicht ein Wort entging.

Helena bemühte sich in dem Gespräch um Sachlichkeit. Je mehr sie merkte, dass es Klaus mit dem angeblich größten Fehler seines Lebens wahrhaft schlecht ging, desto ruhiger wurde sie. Seine angebliche Flamme hatte ihn nach kurzer Zeit nach Strich und Faden belogen und betrogen und zu guter letzt hatte sie sich mit dem Geld von seinem Konto ins Nirwana abgesetzt. Es erfüllte sie mit Genugtuung, dass sie ihren langen Leidensweg nun innerlich beenden konnte, während er mitten drin saß. Pech für ihn, er hatte es sich selbst zuzuschreiben.

Sie verabschiedete sich von ihm, kühl und distanziert, ohne einen Funken Mitleid in der Stimme und verließ das Restaurant. Sie fühlte sich gut. Sie konnte das Kapitel Klaus zu den Akten legen.

Sie verbrachte mit Robin unbeschwerte Stunden.

Der Silverstermorgen war angebrochen. Am Ende einer ausgiebigen Gassirunde hielt Helena beim Bäcker an, um sich für die Silvesternacht zwei Pfannkuchen zu kaufen. Sie würde den Abend allein mit Robin und dem Fernseher verbringen. Zwei Einladungen zu einer Silvesterparty hatte sie abgesagt. Sie war noch nicht so weit, als Single inmitten anderer Paare unbeschwert zu feiern.

Sie legte ihr Geld passend auf die Theke und wand sich um, um zu gehen. Unbeabsichtigt rammte sie mit einer Pfannkuchentüte in der einen und einer Brötchentüte in der anderen Hand einen jungen Mann, der dicht hinter ihr gestanden hatte.

„Ich glaube es nicht, Helena! Du bist es tatsächlich!“

Irritiert blickte Helena in zwei tiefblaue Augen  und schien darin vollkommen zu versinken.

„Marco? Was machst du denn hier?“ Im gleichen Moment hätte sie sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Was man in einer Bäckerei wollte, war ziemlich offensichtlich.

Die Verkäuferin fragte zum zweiten Mal, diesmal etwas ungeduldig, was denn der junge Herr wünsche.

„Warte auf mich, ich komme gleich.“

Helena ging raus zu Robin, bemüht, ihre Fassung wiederzuerlangen. Wie in Film spulte es sich vor ihrem inneren Auge ab, Marco und sie, eine zärtlich beginnende Liebesgeschichte, als sie beide im ersten Semester an der Uni waren. Sie studierte Bibliothekarswissenschaften und Germanistik, er Jura. Und dann das jähe Ende, als Marco auf Drängen seiner Eltern sein Studium in den USA fortsetzte und beendete. Sie schrieben sich noch eine Weile, aber für Helena war diese Situation eher belastend als erfreulich, und sie brach den Kontakt schweren Herzens am Ende des zweiten Semesters ab.

Sie hatten nie wieder voneinander gehört und sie hatte auch lange nicht mehr an ihn gedacht. Und nun stand er vor ihr, fast so wie sie ihn in Erinnerung hatte. Sein einst volles Haar war ein wenig schütter und grau geworden und die Jahre hatten ihm ein paar Körperpfunde mehr eingebracht. Doch er hatte an Attraktivität nichts eingebüßt.

„Seit wann bist du wieder hier“?

„Seit genau einer Woche. Ich bin an Heiligabend angekommen und werde zum ersten Januar die Kanzlei meines Vaters übernehmen. Mein alter Herr hat sich nun endlich entschlossen, sich zur Ruhe zu setzen und das Zepter aus der Hand zu geben. Ich freue mich so, dich wiederzusehen, Helena.“

„Ich freue mich auch, ehrlich“, antwortete sie leise. In ihrem Inneren begann sich schon wieder alles zu drehen. Peter, Klaus und Marco – das war alles ein wenig viel für sie.

„Sicher hast du heute Abend schon etwas vor?“ fragte Marco, bevor Helena einen klaren Gedanken fassen konnte.

„Ich habe mich noch nicht entschieden, das ist bei mehreren Einladungen nicht so einfach“, flunkerte sie. Nicht auszudenken, was Marco denken würde, wenn er wüsste, dass sie und Robin an solch einem Abend allein zu Hause säßen.

„Bitte, komm heute Abend zu uns, ins Haus meiner Eltern. Bis ich eine eigene Wohnung habe, wohne ich dort. Ich habe einige Freunde aus unserer gemeinsamen Unizeit eingeladen. Du kennst sie alle und sie würden sich bestimmt alle sehr freuen, dich zu sehen. Und ich mich ganz besonders,“ fügte er lächelnd hinzu.

Helena sagte zu, ohne zu überlegen.

Auf dem Heimweg blickte sie Robin liebevoll an, der artig neben ihr hertrottete.

„Seit du da bist, geht es bei mir drunter und drüber, fällt dir das eigentlich auch auf?

„Es wurde Zeit, dass ein wenig Bewegung in dein Leben kommt, findest du nicht?“

Helena  hatte noch Zeit, sich ein Stündchen aufs Sofa zu legen.

Bevor sie sich Gedanken um ihre Garderobe machen konnte, schlug Robin ihr das kleine Schwarze vor, in dem sie äußerst sexy und attraktiv aussah.

„Heute Abend bleibe ich aber hier“, meinte Robin beiläufig. So viel Krach ist nichts für meine Hundeohren. Und ich weiß, dass du dich heute bestens amüsieren wirst.“

Nachdenklich blickte Helena Robin an. Sie empfand eine so große Liebe zu ihrem neuen Begleiter, dass sie ihn noch einmal herzlich drückte und streichelte, bevor sie ging.

 Kaum hatte Helena das Haus verlassen, machte Robin sich auf seinen Weg. Er wusste, dass Helena in der kommenden Nacht bei Marco bleiben würde und von nun an mit ihm den richtigen Weg einschlagen würde.

Leise machte er die Wohnungstür auf, und machte sich auf den Weg dorthin, wo er hergekommen war, zur Regenbogenbrücke, an deren Ende Trixi schon sehrsüchtig auf ihn warten würde.

Seine  Mission auf Erden war beendet.

© G.B. 12/2011

Fröhliche Weihnachten

Er saß, wie jeden Tag um diese Zeit, auf seiner zerschlissenen Wolldecke vor dem großen Kaufhaus  und kraulte den Rücken von Terry, seinem Schäferhund. Es begann bereits zu dämmern, die Straßenlaternen gingen an und die Einkaufspassage  zeigte sich in vorweihnachtlichem Lichterglanz. Hektisch  strömten die Menschen um ihn herum in die Geschäfte, um die letzten  Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Nur wenige bemerkten den Mann mit dem verfilzten grauen Bart, dessen dünnes, strähniges Haar unter einer schwarzen Pudelmütze versteckt war.

Hin und wieder fielen ein paar Münzen in den ausgebeulten Hut, der vor ihm lag und ein verhaltenes „Frohes Fest“ kam über einige Lippen. Diese Worte verhallten so schnell im Wind oder gingen im allgemeinen Geräuschpegel unter, wie sie gesprochen waren.

Er zog sich den Kragen seines abgetragenen Mantels enger um den Hals. Es schien nun doch Winter zu werden, so kurz vor dem Fest. Weihnachtslieder erklangen um ihn herum, doch er hörte sie nicht.

Heute war sein fünfzigster Geburtstag. Wie so oft in der letzten Zeit, wenn es ihm nicht gut ging und die Schmerzen im ganzen Körper ihn fast bewegungsunfähig machten, wanderten seine Gedanken in die Vergangenheit. Fast zwanzig Jahre lebte er nun schon auf der Straße.

Vor seinem inneren Auge tauchten Bilder aus vergangenen, glücklichen Tagen auf. Ein kaum merkliches  Lächeln huschte über sein Gesicht, als er an seine damals fünfjährige Tochter dachte, wie sie mit ihren langen blonden Haaren fröhlich im Garten schaukelte. Dann wurde sein Gesichtsausdruck schmerzlich und düster. Sie war gerade in der ersten Klasse, als dieser schreckliche Unfall geschah und sie brutal aus einem Leben gerissen wurde, das gerade erst angefangen hatte. Lange Jahre hatte er seinen Schmerz im Alkohol ertränkt, ohne zu begreifen, dass er auch nach und nach alles andere verlor. Als er das begriff, war es zu spät. Familie, Haus, Arbeit  – davon blieb nur noch eine vage Erinnerung. Nach etlichen Anläufen hatte er es geschafft, trocken zu werden. Die Rückkehr in ein bürgerliches Leben schaffte er jedoch nicht mehr.

So zog er durch die Straßen der Stadt, erbettelte sich zu dem, was er als Minimum vom Sozialamt bekam, ein bisschen Geld und half  einigen, denen es noch schlechter ging als ihm, über die Runden.

Nun wurde es Winter und er musste sich eine geschütztere Übernachtungsmöglichkeit suchen. Wegen seines Hundes konnte er nicht ins Obdachlosenasyl. Terry war der einzige Gefährte, der ihn auch ohne große Worte verstand, treu und anhänglich immer an seiner Seite war.

Mühsam erhob er sich, packte mit klammen Fingern seine Decke zusammen und nahm die Münzen aus dem Hut. So kurz vor den Festtagen waren die Menschen immer sehr großzügig mit ihren Spenden. Aber er kannte auch Kommentare wie „ … arbeitsscheues Pack…“, „…eine Schande für das Straßenbild…, „…geh arbeiten, du Penner…“.    Er hatte viel in seinem Leben gearbeitet. Sein Jurastudium hatte er mit kleinen Jobs nebenbei selbst finanziert. Das Haus, bezahlt vom Erbe seiner verstorbenen Eltern, hatte er mit seiner Hände Arbeit umgebaut und modernisiert und als er seine erste kleine Anwaltskanzlei hatte, dauerte sein Arbeitstag nicht selten zehn bis zwölf Stunden.

Gegen Bemerkungen dieser Art war er inzwischen immun geworden. Seine Lebensplanung hatte an einem  bestimmten Punkt eine tragische Wende genommen und alle seine Vorhaben zerstört. Er lebte nun auf der Straße, hatte sich mit seinem Schicksal arrangiert  und so würde er sein Leben weiterleben bis zum Tod.

Auf dem Weg zu seinem Schlafplatz musste er noch einige Besorgungen machen. Terry brauchte was zu fressen und sein Kumpel  etwas Warmes. Seit Tagen machte ihm eine fiebrige Erkältung zu schaffen und sein Allgemeinbefinden wurde immer bedenklicher.

Gleich morgen früh wollte er beim Roten Kreuz um wärmere Kleidung für Kalle bitten.

In wenigen Tagen war Hl. Abend. Er hatte noch keine  Weihnachtskerze  für seine Tochter. Jedes Jahr am Hl. Abend besuchte er sie auf dem Friedhof und stelle  eine rote Kerze auf ihr Grab. Für ihn war sie immer noch seine 6jährige Prinzessin, mit strahlend blauen Augen, einem verschmitzten Lächeln und einer langen blonden Mähne.

Seine Frau hatte Deutschland nach der Scheidung verlassen und niemand, außer ihm, hielt das Grab einigermaßen in Ordnung.

Mit müden, schweren Schritten ging er durch hell beleuchtete Straßen, entlang an weihnachtlich geschmückten Fenstern. Dieser ganze Rummel wurde ihm von Jahr zu Jahr mehr zuwider, Hektik und Eile schienen sich das Jahr über im Hintergrund zu halten, um dann in der Vorweihnachtszeit wie ein eitriger Pickel aufzuplatzen. Jeden Tag beobachtete er die Massen von Menschen, wie sie dick bepackt aus den Geschäften strömten, mit flackernden Augen schon den nächsten Laden in Augenschein nahmen, um eifrig zum nächsten Einkauf darin zu verschwinden .

„Na, du bist aber heute spät dran“, empfing ihn die Kellnerin vom Wienerwald. Jeden Abend um die gleiche Zeit kam er hier vorbei und holte sich Essensreste für sich und seinen Hund ab. „Kalle ist krank. Ich habe ein bisschen Geld und würde ihm  gern eine heiße Hühnersuppe mitbringen.“

Terry konnte es kaum erwarten und tänzelte aufgeregt um die Plastiktüte mit den Essensresten herum. Er näherte sich dem still gelegten Fabrikgebäude, in dem er seit einiger Zeit mit einigen anderen Obdachlosen wohnte. Die Stufen hinauf zur alten Halle knarrten ihrem Alter entsprechend. Als er die Halle betrat, kam ihm Anna aufgeregt entgegen gehumpelt. „Gut, dass du endlich da bist. Kalle hat hohes Fieber. Er muss in ein Krankenhaus, sonst stirbt er.“

Kalle lag auf seinem Lager aus Pappkartons und Zeitungen, bis zum Kinn in seinen Mantel und einer alten Wolldecke gehüllt und blickte ihn mit fiebrig glänzenden Augen müde an. Er röchelte. Jeder Hustenanfall kostete ihn fast seine ganze Kraft.

Hilflos standen alle um ihn herum. „Geh und schau, ob der Pfarrer daheim ist. Wenn einer dafür sorgen kann, dass Kalle in ärztliche Behandlung kommt, dann er“, flüsterte er Anna zu.

Er stützte Kalles Kopf und versuchte ihm die warme Suppe einzuflößen. Die anderen begaben sich zu ihren Schlafplätzen.

Was sollten sie auch tun? Sie waren eine Gruppe in dieser Gesellschaft, mit der niemand etwas zu tun haben wollte, um die sich niemand kümmerte, für die es keine Perspektive mehr gab. Für sie galt es, den nächsten Tag zu überleben, nicht zu verhungern und zu verdursten und einen Platz zum Schlafen zu haben.

Viele aus ihren Reihen waren bereits gegangen, andere sehnten das Ende herbei.  Nur wenige hatten noch einen starken Lebenswillen, Humor und Optimismus.

Es dauerte eine Ewigkeit, bis Anne zurückkam. Sie hatte den Pfarrer der angrenzenden Gemeinde bei sich, ein Mann, der es nicht müde wurde, sich für Obdachlose einzusetzen.

Oft schon hatte er die Not dieser Menschen bei den Politikern kundgetan und war dabei meist auf taube Ohren gestoßen.

Immer, wenn einer von ihnen ging, setzte sich der Pfarrer dafür ein, dass der Verstorbene  ein ordentliches Begräbnis bekam. Nun stand er wieder vor einem sterbenden Menschen, dessen Schicksal ihm nur zu gut bekannt war.

Kalle erhielt die Sterbesakramente. Ruhig lag er auf seinem Schlafplatz, öffnete die Augen und hob kaum merklich  die Hand, als wolle er noch etwas sagen. Während er die Lippen öffnete, sackte sein Kopf zur Seite und er verließ diese Welt.

OBDACHLOSER AN LUNGENENTZÜNDUNG INFOLGE UNTERKÜHLUNG GESTORBEN

stand am nächsten Tag als kleiner Beitrag in allen Tageszeitungen.

Wie gewohnt hasteten die Menschen auch wenige  Tage vor Heiligabend in die Geschäfte, kauften hektisch die letzten Geschenke und Lebensmittel ein und bereiteten sich auf das Fest der Liebe vor.

©G.B., 2009

Lieber Weihnachtsmann,

seit Menschengedenken plagst du dich ab und erfreust jedes Jahr unzählige Kinderherzen, wenn du ihnen zur Bescherung am Heiligabend Geschenke bringst. Wer kennt sie nicht, die leuchtenden Kinderaugen, die erwartungsvoll ihre Geschenke öffnen und sich darüber freuen?

Doch – sei mir nicht böse, wenn ich das so offen anspreche – mir fällt von Jahr zu Jahr mehr auf, dass es meist privilegierte Kinder sind, die in den Genuss deiner unzähligen Kostbarkeiten kommen.

Auch in unserem Land, in dem der Kinderwunsch nicht mehr so groß ist, gibt es viele Kinder, die nur das Nötigste haben, ja, sogar in Armut leben. Auch Kinder können einsam sein, wenn sich niemand um sie kümmert und sie das Gefühl bekommen, ungeliebt, nicht willkommen zu sein. Auch in unserem Land  gibt es Kinder, die krank sind und wissen, dass sie nur eine kurze Weile auf dieser Welt verbleiben werden. Mir ist schon klar, dass du das alles nicht alleine schaffen hast, aber auch in deiner Welt hat die Globalisierung Einlass gefunden, so dass es doch sicherlich Möglichkeiten gibt, Heerscharen von Weihnachtsmännern auszubilden, die für alle Kinder in der Welt zuständig sein könnten.

 Vor wenigen Tagen wurde zwanzig lebensfrohen Kindern im beginnenden Schulalter innerhalb von Minuten das Leben ausgelöscht. Sie hatten ihr ganzes Leben noch vor sich, sagt man gern bei Kindern in diesem Alter und plötzlich ist alles anders, unfassbar und unendlich traurig.

In anderen Teilen der Welt werden bereits Kinder als Soldaten ausgebildet und dazu angehalten, den Hass ihrer Väter auszuleben und andere Menschen zu töten. Was bekommen diese Kinder für ein Weltbild, das nur auf Hass und Vernichtung ausgerichtet ist?

Kinder in anderen Teilen der Welt verhungern und verdursten, während es den meisten Kindern in unserem Land an nichts fehlt. Der Kampf um das tägliche Brot endet für viele mit dem Tod.

Kinderarbeit ist bei uns verboten, in anderen Teilen der Welt jedoch aus dem täglichen Überlebenskampf vieler Familien nicht wegzudenken. Statt zur Schule zu gehen, zu lernen und damit eine Chance auf einen Beruf zu haben, kämpfen diese Kinder um das nackte Überleben.

Manche gehen so weit, sich und ihren Körper zu verkaufen und riskieren damit, lebensgefährlich krank zu werden. Die Zahl der Kinder, die unverschuldet durch den HIV-Virus und an AIDS sterben, steigt in den Ländern an, die immer noch das größte Bevölkerungswachstum haben.

Immer noch werden in  einigen dieser Länder kleine Mädchen auf grausamste Weise im Genitalbereich beschnitten und verstümmelt und für ihr weiteres Leben gezeichnet. In anderen Ländern sind Mädchen nicht willkommen, denn nur die Söhne können in den Augen der Eltern später für die Familie sorgen. Nicht selten werden Mädchen gleich nach der Geburt getötet.

Das, was mit den Kindern dieser Welt geschieht, können wir nicht einfach hinnehmen, nur weil sie in anderen Kulturkreisen, innerhalb  anderer Traditionen geboren werden, weil sie in einem Landstrich unserer Erde leben, in dem die sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen einfach anders sind, als wir sie für richtig halten. Kinder, die in Gebieten leben, in denen die Naturkatastrophen erbarmungslos zuschlagen und auch das junge Leben von Kindern frühzeitig prägen und sie ihrer Kindheit berauben.

Die Kinder dieser Welt sind diejenigen, denen wir unsere Welt hinterlassen, als die einzige Erde, die wir haben und die auch für zukünftige Generationen lebenswert sein soll.

Wir müssen den Kindern dieser Welt mehr zur Seite stehen, ihnen Mut machen, ihnen Werte vermitteln, die sie an ihre Kinder weitergeben können

Du kannst nicht alle Kinderwünsche erfüllen, aber du kannst mit dazu beitragen, dass auch das eine oder andere Kinderherz weit entfernt zu Weihnachten eine kleine Freude hat, indem du viele Weihnachtsmänner ausbildest oder Engel in die Welt schickst, die den zarten Seelen hilfreich zur Seite stehen, damit ihnen kein Leid geschieht.

Kommen wir zu den Kindern in unserem Land zurück. Vielen geht es gut, aber längst nicht allen. Manche werden nur wenige Stunden oder Tage alt und erleiden grausame Schicksale, weil sie nicht ins Lebenskonzept passen. Kranke und behinderte Kinder brauchen viel Zuwendung und Liebe, auch das ist nicht überall gegeben. Kinder werden oft allein gelassen, weil die Eltern überfordert sind und sich nicht hinreichend um sie kümmern können.

Es gibt so viel zu tun, lieber Weihnachtsmann und dazu bedarf es nicht immer  materieller Geschenke, ein Lächeln, ein Dasein, ein Zuhören sind manchmal schon sehr hilfreich, Kinderaugen leuchten zu lassen.

Würdest du das in deine bevorstehende Reise, wenn du den vielen Kindern  Geschenke bringst, mit einbeziehen und deinen Wirkungskreis erweitern?

 ©G.B. 16.12.12

Schnee von gestern…

Schnee von gestern...

Alles Schnee von gestern
und heute vorbei
weggetaut, nicht mehr zu sehen
nicht mehr zu glauben
daß er mal war
dieser Schnee
und dann kommt wieder
ein kalter Tag, es schneit
aufs Neue und aus dem
Schnee von gestern
wird der von heute
und der ist echt, so echt,
daß Deine Schritte auf ihm
knirschen und Du lächelst
wie damals
als du ein Kind warst.

c/Bruni Kantz

Schneeflockentanz

„Komm, trau dich“, rief die strahlend weiße Schneeflocke und winkte mit ihren funkelnden Eiskristallen einer kleinen Schneeflocke zu, die verängstigt und zusammengekauert auf der Nadel einer Kiefer saß.

„Ich habe Angst“, flüsterte die kleine Schneeflocke, zog sich noch weiter zurück und warf einen unsicheren Blick auf die Erde, die ihr unendlich weit entfernt schien.

Ein kurzer heftiger Windstoß brachte alles durcheinander. Mit ausgebreiteten Eiskristallarmen fing die große Schneeflocke die kleine Schneeflocke auf und hielt sie fest an sich gedrückt.

Der Wind pustete unvermindert weiter und beide Schneeflocken hüpften wie Wattebällchen auf und ab. „Ist das schön!“, jauchzte die kleine Schneeflocke verzückt. „Und ich hatte solche Angst, alleine durch die Luft zu wirbeln.“ „Vertrau dem Wind. Er zeigt uns den Weg und lässt.uns genau da niedersinken,  wo unser Platz ist.“

Sie tanzten noch eine kleine Weile und sanken erschöpft auf das Dach einer Weihnachtskrippe, auf dem bereits unzählige Schneeflocken ihren Platz gefunden hatten. Zum bevorstehenden Fest sollte die Krippe in weihnachtlichem Glanz erstrahlen.

© G.B. 2010

Schnee im Dezember

Ein unerwarteter Nikolaus

Verschlafen blinzelte sie durch die halb geöffneten Augen und suchte die Leuchtziffern ihres Uhrenradios. Es war erst zwei Uhr dreiundzwanzig. Innerlich atmete sie auf. Sie konnte noch vier Stunden schlafen. Plötzlich durchzuckte etwas ihren schlaftrunkenen Körper. Sie riss die Augen auf und hielt unwillkürlich den Atem an. Mit einem Schlag war sie hellwach. Hinter sich vernahm sie tiefe, regelmäßige Atemzüge. Sie wagte nicht, sich zu bewegen. Verzweifelt überlegte sie, ob sich in der unmittelbaren Umgebung ihres Bettes ein Baseballschläger, Hammer oder ein Nudelholz befanden. Natürlich bewahrte sie Utensilien dieser Art woanders auf, nämlich dort, wo sie hingehörten. Sie ballte ihre linke Hand zur Faust, rückte leise und lautlos an die Kante ihres Bettes und knipste entschlossen die Nachttischlampe an. Mit einem Ruck drehte sie sich um, ballte beide Hände fest zur Faust, bereit, ihr Leben bis aufs Letzte zu verteidigen. Im schwachen Schein der Nachttischlampe blickte sie in ein schlafendes Männergesicht.

Dunkle verwuschelte Haare schauten keck unter der Bettdecke hervor. Ein jungenhaftes Gesicht mit einem braunen Vollbart schlief den Schlaf der Gerechten. Sie knipste die Nachttischlampe wieder aus, bevor der ungebetene Gast in ihrem Bett etwas merkte, und kletterte leise aus dem Bett. Sie schlich aus dem Schlafzimmer, zog die Tür geräuschlos zu und schloss sie ab. Sie atmete aus und merkte, wie ihr der Schweiß am ganzen Körper herunterrann. Leise schlich sie in die Küche, nahm eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank, zündete sich eine Zigarette an und versuchte, ihre wirren Gedanken zu ordnen.

Wie kam ein fremder Mann in ihre Single-Wohnung und sogar in ihr Bett? ‚Ich muss die Polizei rufen’, war der erste klare Gedanke, den sie fassen konnte. Schon hatte sie das Telefon in der Hand, legte es aber sogleich wieder auf den Tisch zurück. Ein Einbrecher hätte sie bestohlen, gefesselt oder sie gar umgebracht, aber sich nicht zu ihr ins Bett gelegt. Die Polizei würde ihr kaum glauben, dass ein Einbrecher in ihrem Bett lag und in tiefstem Schlaf versunken war. Sie beschloss, die Situation alleine zu klären. In einer Küchenschublade lag eine Dose Pfefferspray, in einer anderen ein schweres Nudelholz. Mit dem Nötigsten bewaffnet, untersuchte sie die Eingangstür im Flur, die ordnungsgemäß verschlossen war. Die Fenster in der Wohnung waren alle verschlossen. Sie begriff nicht, wie der Kerl in ihre Wohnung gekommen war!? Sie schloss die Schlafzimmertür leise auf, postierte sich in gebührendem Abstand vor dem Bett und schrie: „Raus hier, sonst rufe ich die Polizei!“ Der fremde Mann saß plötzlich aufrecht im Bett. Während ihre Augen sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schien er deutliche Orientierungsschwierigkeiten zu haben. „Nein, bitte nicht, ich kann Ihnen alles erklären!“ Seine Stimme klang flehentlich, fast verzweifelt. Das war kein Einbrecher. Wieder Frau der Lage knipste sie die Schlafzimmerlampe an und schaute ihm fest ins Gesicht.

„Wer sind Sie und wer hat Ihnen erlaubt, sich ungefragt in mein Bett zu legen?“ Der Fremde saß aufrecht im Bett, zog sich das Deckbett verschämt bis zum Kinn über seinen scheinbar nackten Körper und bat sie um einen Morgenmantel, da er nichts anhabe. „Sie rühren sich keinen Zentimeter aus dem Bett, solange ich nicht weiß, wer Sie sind und wie Sie hereingekommen sind.“ „Ich bin der Nikolaus“, antwortete er zaghaft. „Sie sind … wer?“ Sie glaubte, ihren Ohren nicht trauen zu dürfen. „Ich bin für eine Agentur unterwegs und fülle Nikolausstiefel vor Wohnungstüren. Als ich in Ihre Straße einbog, fing es plötzlich fürchterlich an zu regnen und ich war kurzum nass bis auf die Haut.“ „Als Nächstes werden Sie mir weismachen, im Himmel sei Jahrmarkt. Ich rufe besser die Polizei, denen können Sie Ihre Märchen erzählen.“ „Bitte warten Sie. In Ihrem Badezimmer hängen meine Kleider über der Heizung. Ihr Badezimmerfenster war einen Spalt weit offen und von dort bin ich auch rein gekommen. Eine Kleinigkeit, es zu öffnen und hinein zu klettern. Die Lichter in Ihrem Fenster waren so einladend, der Tannenduft und der Geruch nach gebackenen Keksen in Ihrer Wohnung so verlockend. Ich fror und fühlte plötzlich eine bleierne Müdigkeit und so bin ich zu Ihnen ins Bett gekrochen. Ich wollte mich nur ein wenig aufwärmen und ein wenig ausruhen und ganz leise wieder verschwinden. Sie hätten nichts gemerkt.“

So eine wirre und unglaubliche Geschichte hatte ihr noch niemand erzählt. Der Mann in ihrem Bett war um die dreißig, hatte leuchtend blaue Augen und einen dichten dunklen Wuschelkopf. „Rühren Sie sich keinen Zentimeter von der Stelle.“ Sie schloss ihn erneut im Schlafzimmer ein, ging ins Bad – und tatsächlich hing ein rotes Nikolauskostüm fein säuberlich über der Heizung. Der volle weiße Bart, vom Regen durchtränkt, lag über dem Badewannenrand und seine feuchten Schuhe standen ordentlich nebeneinandergestellt neben der Badewanne. Der Regen prasselte gegen ihre Fensterscheibe.

Lag in den letzten Tagen noch alles unter einer tiefen Schneedecke, so riss der strömende Regen die weiße Pracht unerbittlich mit sich und verwandelte sie in eine weißgraue Flüssigkeit. Bei diesem Wetter würde man nicht mal einen Hund vor die Tür jagen. Alle Angst war von ihr abgefallen, im Gegenteil, die Situation war urkomisch und belustigte sie. Ob ihr jemand diese Geschichte glauben würde? Sie nahm ihren dunkelroten Frotteebademantel vom Haken, suchte im Flur nach ein paar dicken Socken und ging ins Schlafzimmer zurück. „Ziehen Sie sich etwas an. In der Zwischenzeit koche ich Ihnen einen heißen Tee.“ Sie warf ihm die Sachen aufs Bett und ging in die Küche. Der Duft von Kräutertee zog wohlriechend durch die Küche, als sich der Nikolaus an den Tisch setzte und nach einem Lebkuchen griff.

„Ich heiße übrigens Klaus.“ „Und ich Ina.“ Ina setzte sich zu ihm an den Tisch und goss ihm und sich eine Tasse heißen Tee ein. „Ihre Sachen sind noch nicht trocken. So können sie die nicht anziehen.“ „Ich muss aber weiter, ich habe noch viele Stiefel zu füllen. Wenn ich das nicht mache, wird mich die Agentur nicht bezahlen. Und ich brauche das Geld dringend, ich bin Student.“ „Ich werde Ihre Kleider in den Wäschetrockner stecken und bei kleiner Temperatur dürfte alles in einer Stunde trocken sein. Solange können wir aber noch schlafen.“ „Eine gute Idee“, antwortete der Nikolaus erleichtert.

Eingekuschelt in Inas dunkelroten Frotteebademantel schlief Klaus sofort wieder ein. Als Inas Wecker klingelte, war er bereits weg. Auf dem Küchentisch lag eine Schachtel Merci-Schokolade, daneben fand sie einen Zettel.

„Mein rettender Engel,

ich möchte dich unbedingt wiedersehen.

Danke für alles.

Ich rufe dich heute Abend an.

Dein Nikolaus.

© G.B. 2011

 Anmerkung:

Diese Geschichte entstand nach einer Nachrichtenschlagzeile: „Nackter kriecht in fremdes Bett“ im vergangenen Jahr

Ein kleines Licht

Vor dem Geschäft
kauert ein Mann
und schaut mich an.
Sein Blick erschreckt mich,
dringt in mein Herz
und plötzlich
fühle ich den Schmerz,
der ihn beherrscht,
sein Leben prägt,
seit er verloren hat,
was andere trägt.
Kein Obdach,
arbeitslos
und ohne Geld,
sucht er für sich
in dieser Welt
ein wenig Licht,
das seine
Dunkelheit erhellt.
Obdachloser
©G.B. 12/12