Die Villa am See (4)

Manfred Behrend hatte von vielen anderen Dingen im Haushalt, außer dass er gut kochen konnte,  ebenso wenig einen Hauch von Ahnung, aber dafür hatte er eine langjährige Haushaltshilfe, die seine Villa und seine Wäsche sauber hielt.

Unter Elfriedes geschickten Händen, gepaart mit unzähligen grünen Daumen, verwandelte sich Manfreds stark vernachlässigter Garten in eine blühende  Oase.

Das häufige Beisammensein tat sowohl Elfriede als auch Manfred gut. In langen Gesprächen mit Elfriede lernte er, seine verstorbene Frau loszulassen und ihren Tod zu akzeptieren. Er hatte wieder Freude am Leben. Zwischen beiden hatte sich das feine Band von einer gegenseitigen Sympathie in wahre Zuneigung verwandelt.

Oft ertappte sich Elfriede dabei, wie sie abends in ihrem Zimmer saß und sich immer mehr ein Leben an Manfreds Seite in seiner Villa wünschte. Sie verzehrte sich nach ihm und  seiner Zuneigung und wünschte sich, ständig mit ihm zusammen zu sein, nachts seinen Atemzügen zu lauschen, seine Hand zu halten, wenn die Schatten der Vergangenheit ihn heimsuchten, einen Kräutertee für ihn zu kochen, wenn er wieder einen Asthmaanfall bekam…

Nie hätte sie den Mut gefunden, ihm das zu sagen.

Manfred nahm ihr das ab.

Am folgenden Sonnatg  führte er sie in ein sündhaft teures Lokal und gestand ihr, verlegen, aber bestimmt, seine Gefühle. Zum Nachtisch brachte der Kellner einen großen goldgelben Umschlag und legte ihn lächelnd  neben Elfriedes Dessert.

Unsicher blickte sie erst den Kellner an, dann starrte sie auf das Kuvert.

„Was ist das“?, fragte sie mit belegter Stimme.

„Schau hinein.“, antwortete Manfred und bedeutete dem Kellner mit einem diskreten Kopfnicken, sich zu entfernen.

Elfriede öffnete den Umschlag und wurde blass.

„Manfred…“, mehr konnte sie nicht sagen. Ihre Augen wurden feucht und mit einem glänzenden Blick in ihren von Tränen verschleierten Augen nahm sie über den Tisch seine Hand.

„Und? Was sagst du“?

„Ich freue mich so“.

Der Umschlag enthielt Reiseunterlagen für eine vierzehntägige Kreuzfahrt auf dem  Nil in einer Luxussuite. An diesem Abend schwebte Elfriede an Manfreds Seite in seine Villa und fand sich erst am nächsten Mittag wieder in der Villa am See ein.

Dort hatte man Elfriedes nächtliche Abwesenheit natürlich bemerkt und nach einer halb durchwachten Nacht mit etlichen Diskussionen, auf wen oder was Elfriede sich da wohl mit ihrer Gartengestaltung eingelassen hatte, war die Erleichterung doch groß, als sie am nächsten Tag gut gelaunt und mit geröteten Wangen zu Hause eintraf.

Alle umringten sie und machten ihrer Erleichterung Luft. Nur Herta bewahrte ihre  Contenance und konnte sich nicht verkneifen zu erwähnen, fast schon die Polizei eingeschaltet zu haben.

„Kannst du dir nicht vorstellen, dass wir uns Sorgen gemacht haben? Du kannst in deinem Alter und in der heutigen Zeit doch nicht einfach über Nacht wegbleiben, ohne uns Bescheid zu geben. Schließlich sind wie deine Familie“, donnerte sie Elfriede schärfer entgegen, als sie es eigentlich beabsichtigt hatte.

Elfriede jedoch ließ sich auf keine Diskussion mit Herta ein und verkündete stattdessen, dass Manfred am Sonntag zum Essen käme und sie hoffe, ihn bei dieser Gelegenheit allen vorstellen zu können. Keine der Damen wollte sich dieses Ereignis entgehen lassen, dazu war ihre Neugier doch zu groß.

Fortsetzung folgt…

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26 Kommentare

  1. Wie schön, diese Wendung! War ja aber „irgendwie“ zu erwarten gewesen… doch die Kreuzfahrt – ausgerechnet auf dem Nil… na ja, die zwei Turteltauben wollen ja sicher ohnehin das Schiff nicht verlassen 😉 *grins* und ja, in dem Alter muss man unbedingt Bescheid geben, wenn man unerwartet nicht nach Hause kommt. Ich sage das auch immer wieder, aber auf mich hört ja keiner 😉

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  2. Guten Morgen, liebe Anna-Lena 🙂

    ein Mann, der gut kochen kann ..prima 🙂 hihi, das sagt eine, die das überhaupt nicht kann.

    Hach, das ist wirklich zum Dahinschmelzen. Nun bin ich aber schon auf die Reaktion der anderen Damen gespannt..beim nächsten Mal. Du machst es wirklich spannend! Freu mich auf die Fortsetzung..und wünsche dir einen sonnig-frohen Wochenstart,

    liebe Grüße an dich
    Ocean

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