Die Villa am See (3)

Diese zweite Begegnung konnte Elfriede nicht vergessen. Sie kannte seinen Namen, wusste, wo er wohnte, aber es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, etwas zu unternehmen, was eine dritte Begegnung ermöglicht hätte. Sie wartete ab, ob es noch ein drittes, unerwartetes Treffen geben würde. Wenn das Schicksal es gut mit ihr meinte, würde es ein weiteres Treffen geben.

Mittlerweile hatte der Winter sich ausgetobt und die ersten Frühblüher verkündeten den nahenden Frühling.

Elfriede hatte mit ihrer Arbeit im Garten begonnen und suchte in der Großgärtnerei nach einigen neuen Kletterrosen. Obwohl der Winter nicht besonders streng gewesen war, hatte die fehlende Feuchtigkeit so einiges im Garten vertrocknen lassen.

„Ich habe eigentlich gar keine Ahnung, für den Garten war immer meine Frau zuständig.“

Elfriede drehte den Kopf, ruckartig, denn die Stimme kam ihr  sehr vertraut vor.

Dr. Behrend ließ sich gerade von einer Mitarbeiterin der Großgärtnerei beraten und blickte unschlüssig hin und her. Elfriedes und sein  Blick trafen sich und ein breites Lächeln überzog sein Gesicht.

„Danke“, wandte er sich an die Mitarbeiterin, „ich glaube, ich habe gefunden, was ich suche.“

Formvollendet wie ein Gentleman begrüßte er Elfriede und sah in ihren prall gefüllten Wagen.

„Mir scheint, ich kann mich am besten von Ihnen beraten lassen, oder“?

„Nun, wenn ich Ihnen mit meinen bescheidenen Kenntnissen behilflich sein kann – gerne“.

Eine intensive Unterhaltung über die Gartengestaltung endete mit einer Einladung zum Essen am kommenden Sonntag. Dr. Behrend stellte sich als Hobbykoch vor und lud Elfriede zum Essen in seine Villa ein. Im Gegenzug versprach Elfriede, seinen Garten genau unter Augenschein zu nehmen und mit ihm zu beraten, wie er ihn üppig, aber gleichzeitig pflegeleicht gestalten könne.

Nun fieberte Elfriede dem kommenden Sonntag entgegen. Sie verspürte keinerlei Lust und Notwendigkeit, den anderen darüber Auskunft zu geben, denn es handelte sich gewissermaßen um ein Arbeitsessen.

Am Sonntag blieb es still in der Villa am See. Der Bürgermeister und seine Gattin hatten bereits etwas anderes vor und so war auch Herta mit unbekanntem Ziel verschwunden. Nur Klara lag auf einer Liege im Wintergarten und schmökerte in ihrem Krimi.

Zum Abendessen füllte sich das Esszimmer und ein lebhafter Austausch über den vergangenen Tag erfüllte den gemütlichen Raum.

„Wo ist eigentlich Elfriede?“, fragte Annemarie plötzlich.

Alle blickten sich verwundert an.

„Sie ist heute Mittag mit dem Auto weggefahren, „, antwortete Klara.

„Hat sie gesagt, wohin sie wollte?“

„Nicht, dass ich wüsste. Ich habe ehrlich gesagt auch nicht gefragt.“

Elfriede kam um kurz vor neun nach Hause. Die anderen waren so in das Fernsehprogramm vertieft, dass sie Elfriedes hochrote Wangen nicht bemerkten. Sie verabschiedete sich sogleich wieder und zog sich in ihr Zimmer zurück. Dort hing sie ihren vielen Gedanken und Gefühlen nach und genoss die Zeit für sich alleine.

In den nächsten Tagen verschwand Elfriede meist kurz nach dem Frühstück und kam erst gegen Abend zurück.

„Wo steckst du neuerdings den ganzen Tag“, fragte Herta beim Abendessen. Alle Augenpaare waren gespannt auf Elfriede gerichtet, denn ihre ständige Abwesenheit war auch den anderen aufgefallen und jede von ihnen platzte fast vor Neugier.

„Ich gestalte den Garten eines Bekannten um“, antwortete Elfriede und versuchte ihrer Stimme einen gleichgültigen Klang zu geben.

„Was für ein Bekannter?, wollte Margarete sofort wissen. „Kennen wir ihn?“

„Ich habe ihn vor einigen Monaten auf dem Friedhof kennen gelernt. Seine Frau ist vor gar nicht langer Zeit gestorben und er hat noch Probleme, sich alleine zurechtzufinden. Und von Gartenarbeit hat er gar keinen blassen Schimmer. Nun helfe ich ihm dabei. Das ist alles.“

Elfriedes nüchterne Antwort weckte keinen weiteren Argwohn und das Leben in der Villa am See ging weiter seinen Gang.

Fortsetzung folgt…

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20 Kommentare

  1. Und ich gehe gleich am Stock! *motz

    ;o))

    Beim nächsten Teil gucke ich vorher, ob am Ende „Fortsetzung folgt…“ steht, jawoll!

    Du schreibst wirklich ausgesprochen „anfütternd“. Das ist gut. Blöd nur, dass man immer gerade in Fahrt ist, wenn der Fortsetzungsvermerk kommt. Ich könnte natürlich auch ein paar Wochen warten und dann alles in einem Rutsch lesen.

    Neeeein, lass Dich bloß nicht kirre machen! Ich bleibe daran. Teil für Teil. Jetzt will ich es wissen, so!

    Gut geschrieben, liebe Anna-Lena; ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und wohin die einzelnen Wege führen!

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  2. Also…. ich finde, deine Abschnitte sind wirklich unangemessen viel zu kurz in Anbetracht dessen, dass meine Neugierde über den Fortgang so viel größer ist! Das ist wirklich ziemlich gemein, dass Du es so spannend machst! 😉
    Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung – befürchte aber, dass ich die nächste Episode wohl erst mit Verspätung lesen werden kann…

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  3. @all:

    Ich danke euch für euer Lesen und Kommentieren und bin tief traurig ( :mrgreen: ), wenn ich eure Geduld überstrapaziert habe.
    Wir waren ein paar Tage verreist und somit konnte ich eure Kommentare jetzt erst freischalten. Zwei Teile gibt es noch, dann wisst ihr, wie es ausgeht.

    Nun mache ich mich an die Bearbeitung meiner vierhundert Fotos und werde euch demnächst im LESESTÜBCHEN ein wenig von unserer Reise erzählen.

    Mit lieben Grüßen
    Eure
    Anna-Lena ♥

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  4. … wie es wohl weitergeht mit den beiden .. ich kann’s kaum erwarten 😉 Das sind ja so richtige „Cliffhanger“ bei dir, liebe Anna-Lena *gg* Aber so sympathisch, wie die zwei rüberkommen, da muss es einfach ein Happy End geben 😉

    Liebe Grüße schickt dir Ocean 🙂

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  5. Hach, ich habe mich schon sooo gefreut auf den dritten Teil. Schön, da geht ja toll weiter. Bin gespannt, obs was wird mit den beiden.

    Hatte mich schon gewundert, dass du nie unterwegs zu sein schienst. Hast doch Ferien, da solltest du viel öfter wegsein….
    Ich freu mich schon auf den nächsten Teil…

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  6. Neugierig wie ich bin, habe ich den 3. Teil natürlich gestern schon über mein Handy gelesen :-), aber das kommentieren geht halt am PC immer noch schneller, als wenn ich in die kleine Handytastatur mit 2-Finger-System tippe.
    Mir gefällt jeder Teil dieser Story und ich freue mich natürlich schon, wenn es weitergeht. Auch wenn ich momentan nicht jeden Tag den PC an habe, so gucke ich per Handy auf jeden Fall IMMER in die Visitenkarte, WANN es hier denn weiter geht.

    LG Susanne

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  7. So, liebe Frau Verfasserin, jetzt habe ich alle drei Folgen hintereinander gelesen und ich bin entzückt über diese wunderhübsche Geschichte, die Du uns da schrittweise präsentierst.

    Ich bin schon so gespannt, wie es weitergehen mag und lass Dir nur nicht einfallen, diese Liebesgeschichte, die ja noch am Keimen ist, nun zu unterbrechen oder gar einen der beiden sterben zu lassen.
    Das wäre zu schlimm. Lasse sie zueinander kommen, langsam, bedächtig, behutsam, aber immer näher zueinander, bis sie dann zusammenbleiben.

    Einen lieben lächelnden Gruß von einer sehr gespannten Bruni

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  8. Liebe Anna-Lena, ich bin erst heute dazu gekommen, den dritten Teil zu lesen. Schön wars. 🙂 Ich bin auch gespannt, wie es weitergeht. Ich warte trotzdem geduldig, solange ich weiß, dass es ein Happy End gibt. 🙂
    Aber das keine der Damen argwöhnisch wird, ich würde sofort näher nachfragen. 😉

    Liebe Grüße,
    Martina

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